Wellplatten als Dacheindeckung sind in Deutschland weit verbreitet – vor allem auf Garagen, Schuppen und älteren Wohngebäuden. Die Bandbreite reicht von günstigen Kunststoffwellplatten (10-25 € pro m²) bis zu hochwertigen Faserzementplatten (30-60 € pro m²). Faserzement-Wellplatten, die vor dem Asbestverbot im Jahr 1993 hergestellt wurden, können Asbest enthalten. Wir zeigen Ihnen alle Materialien, Kosten und worauf Sie achten müssen.
Welche Wellplatten gibt es für das Dach?
Wellplatten als Dachmaterial gibt es in fünf Hauptvarianten, die sich in Material, Preis, Optik und Lebensdauer deutlich unterscheiden.
| Material | Preis pro m² | Lebensdauer | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Kunststoff (PVC, PMMA) | 10 bis 25 € | 15-25 Jahre | Carports, Schuppen, Gewächshäuser |
| Polyester glasfaserverstärkt (GFK) | 20 bis 40 € | 20-30 Jahre | Lichtdurchlässige Bedachungen |
| Faserzement-Wellplatten (modern, asbestfrei) | 30 bis 60 € | 40-60 Jahre | Wohngebäude, Garagen, Industriebauten |
| Bitumenwellplatten | 15 bis 35 € | 15-25 Jahre | Gartenhäuser, Carports, Schuppen |
| Metallwellplatten (Alu, Stahl) | 20 bis 50 € | 30-50 Jahre | Industrie, Gewerbebau, Carports |
Wichtig: Welleternit oder Faserzementwellplatten aus den Jahren 1950 bis 1993 enthalten meist Asbest. Bei Sanierungs- oder Demontagearbeiten sind hier strenge Vorschriften zu beachten. Mehr unter Asbest auf dem Dach.
Wie funktioniert die Eindeckung mit Wellplatten?
Wellplatten werden auf einer Holz- oder Metallunterkonstruktion mit Schrauben oder Spezialnägeln befestigt. Wichtig ist die richtige Überlappung der Platten und die Belüftung der Unterkonstruktion.
- Unterkonstruktion: Die Unterkonstruktion muss entsprechend den Herstellerangaben ausgeführt werden
- Dachneigung: Mindestens 7 Grad bei Kunststoffwellplatten, 15 Grad bei Faserzement
- Überlappung längs: 15 bis 20 cm zwischen den Platten
- Überlappung quer: 1 bis 2 Wellen seitlich
- Befestigung: Spezialschrauben mit Dichtungsringen im Wellenberg, nie im Tal
- Anzahl Befestigungen: Ca. 8-12 pro m², die Anzahl der Befestigungspunkte richtet sich nach den Herstellerangaben sowie den örtlichen Wind- und Schneelasten
Welleternit erkennen: Asbestverdacht oder nicht?
Faserzementwellplatten, die vor 1993 verbaut wurden, enthalten in der Regel Asbest (10-15% Faseranteil).
Erkennungsmerkmale:
- Verbauzeitraum: 1950 bis 1993 Hauptverdacht. Welleternit war Marktführer dieser Zeit
- Optik: Graue, leicht poröse Oberfläche, oft mit Algenbewuchs
- Größe: Typisch 1,1 mal 2,5 Meter, 6 mm dick
- Gewicht: Etwa 18 kg pro m² – relativ schwer
- Bruch: Bei Beschädigung sehen die Bruchkanten faserig aus
Bei Verdacht: Materialprobe an ein Labor schicken (50-200 € pro Probe). Die Entsorgung als Sondermüll kostet 40 bis 80 € pro m². Für asbesthaltige Wellplatten gelten die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung und der TRGS 519. Abbau, Verpackung und Entsorgung dürfen nur unter Einhaltung dieser Vorschriften erfolgen.
Kosten für Wellplattendach komplett
| Kostenposten | Preis pro m² |
|---|---|
| Wellplatten Material (Faserzement) | 30 bis 60 € |
| Wellplatten Material (Kunststoff) | 10 bis 25 € |
| Befestigungsmaterial (Schrauben, Dichtringe) | 3 bis 8 € |
| Unterkonstruktion (Holzlattung) | 8 bis 15 € |
| Verlegung Profi | 25 bis 50 € |
| Demontage Altmaterial (wenn asbestfrei) | 10 bis 25 € |
| Demontage Altmaterial (asbesthaltig, Sondermüll) | 40 bis 80 € |
Beispielrechnung Garage 30 m²: Faserzementwellplatten komplett 1.500 bis 3.000 €. Kunststoffwellplatten 800 bis 1.750€. Bei Asbestdemontage zusätzlich 1.200 bis 2.400 €.
Vor- und Nachteile von Wellplatten
Vorteile
- Günstig: Insbesondere Kunststoffvarianten sind die billigste Dacheindeckung
- Leicht: 3-8 kg pro m² bei Kunststoff, 18 kg bei Faserzement – geringere Dachstuhlbelastung
- Schnelle Verlegung: Große Plattenformate decken schnell viel Fläche
- Lichtdurchlässige Varianten: GFK-Wellplatten lassen Tageslicht durch (Carport, Gewächshaus)
- Geringe Bauhöhe nötig: Geeignet für niedrige Dachneigungen
- Wartungsarm: Praktisch keine Pflege nötig
Nachteile
- Optisch nicht hochwertig: Industrielook passt nicht zu allen Häusern
- Lautes Regengeräusch: Vor allem Kunststoffwellplatten
- Kürzere Lebensdauer als Ziegel: 15-30 Jahre vs 60-80 Jahre
- UV-Empfindlich: Kunststoffwellplatten vergilben und werden spröde
- Asbestrisiko bei alten Faserzementplatten: Bauten vor 1993 problematisch
- Werterhalt Immobilie niedriger: Wellplatten gelten oft als provisorische Eindeckung
Für welche Gebäude sind Wellplatten sinnvoll?
- Carport oder Vorlaube: Lichtdurchlässige GFK-Wellplatten sind ideal
- Garage oder Schuppen: Faserzement oder Bitumenwellplatten
- Gewächshaus: Transparente Kunststoff- oder GFK-Wellplatten
- Industriebau: Metall- oder Faserzementwellplatten als Standard
- Übergangslösung: Wenn das Budget für eine aufwendigere Dacheindeckung nicht ausreicht.
Im Wohnungsbau werden heute häufig Dachziegel, Dachsteine oder moderne Metallbedachungen bevorzugt. Tonziegel oder Betondachsteine sind im gleichen Preisbereich (siehe Dachziegelpreise) und optisch hochwertiger. Mehr zu allen Dachkosten unter Dachsanierung Kosten.
Häufige Fragen zu Wellplatten am Dach
Sind Wellplatten asbestfrei?
Moderne Faserzementwellplatten (seit 1993 verkauft) sind komplett asbestfrei. Welleternit aus den Jahren 1950 bis 1993 enthält meist 10-15% Asbest. Kunststoff-, Bitumen- und Metallwellplatten waren nie asbesthaltig. Im Zweifel Laborprobe machen lassen vor Sanierung.
Was kosten 50 m² Wellplattendach?
Kunststoffwellplatten: 800 bis 2.000 € Material + Verlegung. Faserzement: 2.500 bis 5.000 €. Plus Demontage altes Dach 500 bis 1.500 €, bei Asbest deutlich teurer mit 2.000 bis 4.000 € Sondermüllentsorgung.
Wie lange halten Wellplatten?
Kunststoffwellplatten 15-25 Jahre (UV-bedingt sprödewerdend), Bitumenwellplatten 15-25 Jahre, Faserzement-Wellplatten 40-60 Jahre, Metallwellplatten 30-50 Jahre. Lebensdauer hängt stark von UV-Belastung, Witterung und Wartung ab.
Welche Dachneigung brauchen Wellplatten?
Die erforderliche Dachneigung richtet sich nach den Herstellervorgaben und dem verwendeten Wellplattenprofil. Generell gilt: je niedriger die Neigung, desto wichtiger sind perfekte Überlappungen und Anschlüsse. Bei sehr flachen Dächern sind Wellplatten meist nicht die richtige Wahl.
Kann ich Wellplatten selbst verlegen?
Bei Kunststoff- und Bitumenwellplatten auf einfachen Konstruktionen wie Garage oder Schuppen ja. Werkzeug: Stichsäge, Akkuschrauber, Maßband, Sicherungsausrüstung. Bei Faserzement und größeren Wohnhausdächern besser Profi. Aufgrund der hohen Gesundheitsrisiken und der umfangreichen gesetzlichen Anforderungen wird die Beauftragung eines Fachbetriebs dringend empfohlen.
Sind Wellplatten brennbar?
Faserzement und Metall: nicht brennbar (Klasse A1). Für bestimmte Gebäudearten können erhöhte Brandschutzanforderungen gelten. Die Eignung des Materials sollte daher im Einzelfall geprüft werden. Bei Wohngebäuden besser zu nicht brennbaren Materialien greifen.
Wann müssen alte Wellplatten erneuert werden?
Bei sichtbaren Brüchen, Verfärbungen, Verlust der UV-Beständigkeit oder Undichtigkeiten. Asbesthaltige Bauteile können bei Sanierungen zusätzliche Kosten verursachen und werden deshalb bei Kaufentscheidungen häufig berücksichtigt.
Eignen sich Faserzement- und Metallwellplatten für Photovoltaik?
Sie eignen sich grundsätzlich als Untergrund für Photovoltaikanlagen, sofern Tragfähigkeit und Unterkonstruktion ausreichend dimensioniert sind.
Kann sich unter den Platten Feuchtigkeit ansammeln?
Metallwellplatten können auf der Unterseite Kondenswasser bilden. Gegebenenfalls sind Antikondensvliese oder geeignete Belüftungskonzepte erforderlich.
Wie hoch ist die Hagelbeständigkeit bei den Dachplatten?
Die Widerstandsfähigkeit gegen Hagel unterscheidet sich je nach Material deutlich. Hochwertige Faserzement- und Metallplatten sind in der Regel robuster als einfache Kunststoffplatten.
Bild: istock.com/Francesco Scatena




