
Gerade erst kamen zum 4. und 5. Dezember Handwerksvertreter aus ganz Deutschland zum offiziellen Tag des Handwerks zusammen. Dass die Branche nach wie vor mit Herausforderungen zu kämpfen hat, so wie die Wirtschaft Deutschlands in ihrer Ganzheit, zeigte sich auch da. Ebenfalls zeigte sich ein Trend: Der Wunsch vieler Handwerksbetriebe, sich für die Zukunft robuster und zugleich nachhaltiger zu positionieren.
Nachhaltigkeit gewinnt auch im Handwerk zusehends an Bedeutung
Beim Tag des Handwerks zeigte sich an vielen Stellen ein Mangel: Es fehlt an geeigneten Nachfolgern in den Betrieben, wo Handwerksmeister und Inhaber bald in den Ruhestand gehen. Am gegenüberliegenden Ende fehlt es wiederum an neuen Auszubildenden und Gesellen, auch weil mehr und mehr Jugendliche mittlerweile das Abitur machen. Gleichermaßen sind da noch die steigenden Energiepreise, die immer neueren und sowieso schon hohen bürokratischen Auflagen und ebenso ein steigendes Umweltbewusstsein auf Seiten der Kunden.
Nicht jede dieser Herausforderungen lässt sich unmittelbar aus der Welt schaffen, zudem müssen vor allem viele kleine und mittelgroße Handwerksbetriebe schlicht mit dem arbeiten, was sie haben und womit sie selbst wirtschaften können. Trotzdem geht der Trend klar zu einer nachhaltigeren Aufstellung, nicht einmal nur aus rein ökologischen, sondern oftmals auch bestimmt durch ökonomische Faktoren.
Wie sieht Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben aus?
Nachhaltigkeit geht im Regelfall Hand in Hand mit einer gestärkten Wettbewerbsposition und einer krisenfesten Aufstellung. Das Thema der Nachhaltigkeit ist aber weitreichend und bezieht sich keinesfalls nur auf die genutzte Energie oder die Herkunft der Rohstoffe.
Rein ökologisch spielt beides aber eine Schlüsselrolle. Materialien sollen möglichst ressourcenschonend eingesetzt und auf transparente sowie nachhaltige Weise bezogen werden. Sowohl im Büro als auch in der Werkstatt spielt Energieeffizienz eine Schlüsselrolle: Weil das nachhaltiger, zugleich in Anbetracht der Strompreise in Deutschland aber auch schlicht günstiger ist. Abfälle und Emissionen werden idealerweise langfristig und dauerhaft reduziert.
Aus ökonomischem Blickwinkel meint Nachhaltigkeit allen voran Kostenreduzierungen und zusätzliche Planungssicherheit in Verbindung mit den tatsächlich entstandenen Energiekosten. Investitionen müssen sich rechnen, am besten eher früher als später. Zudem ist die Liquidität zu sichern, insbesondere im Hinblick auf Auftragsbücher, die perspektivisch mitunter nicht immer gefüllt sind.
Soziale Nachhaltigkeit spielt unter anderem bei der Gewinnung neuer Azubis, Gesellen und Fachkräfte eine Schlüsselrolle. Mitarbeiter gehören motiviert und idealerweise langfristig an den Betrieb gebunden, dafür sind gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne zwangsläufig eine Voraussetzung. Zudem haben speziell Handwerksbetriebe eine inhärente Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Region und ihrer Menschen.
Energieverbrauch und Energiekosten sind für das Handwerk wichtige Hebel
Im dritten Quartal des Jahres gab es für die Politik etwas zu feiern: Noch nie zuvor wurde so viel Strom aus regenerativen Quellen wie Wind und Sonne generiert. Ob das tatsächlich beim Verbraucher oder bei Gewerbetreibenden in konkreten Vorteilen resultiert, steht indes auf einem anderen Blatt. Die müssen sich nach wie vor sehr präzise mit ihren Energiekosten beschäftigen, allen voran Handwerksbetriebe, wo der Stromverbrauch traditionell eher überdurchschnittlich hoch ist.
Verbraucht wird im Handwerksbetrieb an vielen Stellen:
– all die Maschinen und Werkzeuge benötigen fortlaufend Strom oder Akkus müssen geladen werden
– Beleuchtung ist wichtig, schon aus arbeitsrechtlichen Gründen
– die Heizung im Winter sowie Belüftung im Sommer oder ganzjährig kosten ebenfalls Strom
– im angeschlossenen Büro verbrauchen Rechner und Co. ebenfalls Strom
Die Energiekosten sind in Handwerksbetrieben daher traditionell ein großer Kostenfaktor und damit zugleich ein Hebel, bei dem sich sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Perspektive ansetzen lässt.
Dabei sollten Handwerksbetriebe idealerweise nicht an gewöhnlichen Stromtarifen hängen, die eigentlich für Privatverbraucher konzipiert sind. Für Gewerbetreibende gibt es maßgeschneiderte Lösungen, mit denen diese wiederum auf den traditionell erhöhten Stromverbrauch reagieren können.
Mit einem Ökostrom- und Gewerbestrom-Tarif decken Handwerksbetriebe gleich zwei Facetten ab. Einerseits beziehen sie damit grünen Strom aus regenerativen Energiequellen, wodurch sie wiederum zugleich den CO2-Fußabdruck des eigentlichen Betriebs nachhaltig reduzieren. Das schafft nicht nur einen ökologischeren Betrieb, gleichermaßen können Handwerker den bezogenen Ökostrom auch markenstärkend und öffentlichkeitswirksam einsetzen.
Andererseits sind Gewerbestromtarife oftmals schlichtweg günstiger als vergleichbare Tarife für den klassischen Hausstrom. Feste Laufzeiten oder beispielsweise Preisgarantien schaffen auf Seiten der Gewerbetreibenden Planungssicherheit und helfen zudem dabei, die Liquiditätssituation selbst in herausfordernden Zeiten zu sichern.
Zusätzliche Maßnahmen zur Steuerung des Energieverbrauchs identifizieren
Speziell in Traditionsbetrieben haben sich einige Traditionen, was die internen Prozesse und Arbeitsabläufe anbelangt, mitunter über Jahre oder gar Jahrzehnte gefestigt. Viele davon mögen funktionieren, aber nicht alle davon sind automatisch energieeffizient. Deshalb lohnt es sich aus Sicht der Handwerksbetriebe das ganzheitliche Konzept sporadisch auf den Prüfstand zu stellen. Möglichkeiten, um eine nachhaltige und kostensenkende Strategie von der Theorie zur Praxis werden zu lassen, gibt es reichlich.
Energieeffiziente LED-Leuchten im Büro und der Werkstatt sind ebenso empfehlenswert wie die Anschaffung von modernen, energieeffizienten Geräten und Maschinen. Außerdem sollten alle Maschinen und Werkzeuge regelmäßig gewartet werden, was dabei helfen kann, vermeidbare Energieverluste zu verhindern. Abschaltbare- und/oder Smart-Steckdosen schaffen weitere Vorteile, zudem kann der Automatisierungsgrad in der Werkstatt mit beispielsweise Bewegungsmeldern ganzheitlich gesteigert werden.
An weiteren Schlüsselfaktoren im nachhaltigen Handwerksbetrieb ansetzen
Hochwertige und langlebige Materialien sowie Werkzeuge sind ein großer Vorteil. Idealerweise werden beide von regionalen Lieferanten bezogen, wodurch die Transportwege kurz bleiben, was sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt. Gegenüber ihren Geschäftspartnern und Endkunden können Handwerksbetriebe CO2-Einsparungen werbewirksam einsetzen – was mitunter die Kundenbindung stärkt.
Der Fuhrpark des Handwerksbetriebs spielt im Hinblick auf seinen CO2-Ausstoß ebenfalls eine Schlüsselrolle. Hier könnte sich ein Umstieg auf E-Fahrzeuge lohnen. Insbesondere mit einem günstigen Gewerbestromtarif oder beispielsweise einer Photovoltaikanlage auf dem Dach kann das zu einer Reduzierung der laufenden Kosten führen. Weitere Ansatzpunkte verstecken sich beispielsweise in der nachhaltigen Optimierung der Routen und bei der regelmäßigen, am besten vorausschauenden Wartung der Fahrzeuge.
Die Mitarbeiter im Handwerksbetrieb sollten in so eine Transformation mit einbezogen werden, anders geht es nicht. Schulungen zu Themen wie Energieeffizienz und Materialeinsatz sind ebenso ratsam wie klare, leicht verständliche Prozesse im Hinblick auf Mülltrennung und Recycling. Handwerksmeister und Inhaber können natürlich auch ihre eigenen Mitarbeitenden fragen: Die haben mitunter viele clevere Ideen, mit denen der Betrieb noch nachhaltiger oder Prozesse noch effizienter werden.
Nachhaltigkeit bringt wirtschaftliche Vorteile mit sich
Langfristig reduzierte Betriebskosten sind immer ein großes Plus. Zudem sind Handwerksbetriebe, die nachhaltig agieren, auch weniger stark von der Strompreisentwicklung und der anderer Rohstoffe am Markt abhängig. Das Unternehmensimage profitiert davon ebenso, was sich positiv auf die Neukunden- oder Mitarbeitergewinnung auswirken kann. Wer an öffentlichen Ausschreibungen teilnimmt, erhält als nachhaltiger Handwerksbetrieb ebenso Rückenwind.
Die wirtschaftlichen Vorteile lassen sich noch weiter intensivieren, indem die Digitalisierung als zweiter großer Hebel proaktiv im Betrieb eingesetzt wird. Digitale Prozesse können beispielsweise den Material- und Papierverbrauch reduzieren, zugleich aber auch durch smarte Planungen die laufenden Kosten senken. Anreize, um die Transformation in einen nachhaltigen Handwerksbetrieb voran zu bringen, gibt es reichlich. Unter anderem können Betriebe beispielsweise unterschiedliche staatliche Förderprogramme nutzen.
Steuerliche Anreize bietet der Gesetzgeber ebenso, wodurch sich nachhaltige Investitionen schneller amortisieren können und weniger stark auf der Liquiditätsplanung lasten. Nicht jeder einzelne Schritt eines solchen großen Transformationsprozesses muss sofort geschehen. Speziell kleine und mittelgroße Handwerksbetriebe können ihren Weg in die Nachhaltigkeit Schritt für Schritt umsetzen. So kommt der Betrieb den zuvor gesetzten Zielen Stück für Stück näher, wobei die Ziele und bisherigen Fortschritte mindestens halbjährlich auf die Probe gestellt werden sollten. Das macht die Fortschritte greifbar und zeigt verständlich an, wo es noch etwas zu tun gibt.



