Ein Fenster auszubauen dauert je nach Bauart, Größe und Befestigung etwa ein bis drei Stunden je Element. Der reine Ausbau ist mit geeigneter Ausrüstung handwerklich machbar. Ein Fachbetrieb kalkuliert dafür meist etwa 80 bis 180 € je Fenster. Hinzu können Kosten für die Entsorgung, die Aufbereitung der Laibung und weitere Nebenarbeiten kommen.
Der entscheidende Punkt bei der Eigenleistung ist weniger das Herausnehmen des alten Fensters als der Zustand der vorhandenen Laibung. Werden Putz oder Mauerwerk beschädigt, entstehen zusätzliche Arbeiten, die den ursprünglich eingesparten Montageaufwand schnell übersteigen können.
Die richtige Vorgehensweise
Die Vorgehensweise richtet sich danach, ob der vorhandene Rahmen erhalten bleiben soll.
Beim zerstörenden Ausbau wird der Rahmen abschnittsweise zerschnitten und anschließend aus der Öffnung genommen. Bei Kunststofffenstern kann das Profil mit einer Säbelsäge oder einer geeigneten Stichsäge getrennt werden. Bei Holzrahmen kommen entsprechende Sägeblätter für Holz und gegebenenfalls Metall zum Einsatz. Bei Kunststofffenstern ist die innenliegende Stahlarmierung zu berücksichtigen.
Diese Methode eignet sich vor allem dann, wenn das alte Fenster ohnehin ersetzt wird. Der Rahmen kann in mehreren Teilen entnommen werden, wodurch sich die Belastung der angrenzenden Laibung reduzieren lässt.
Beim zerstörungsfreien Ausbau wird das Fenster als Einheit aus der Öffnung genommen. Dafür müssen die Befestigungsmittel zugänglich und lösbar sein. Je nach Montage können Rahmenschrauben, Dübel oder andere Befestigungsmittel verwendet worden sein. Der Aufwand ist höher als beim zerstörenden Ausbau.
Diese Variante kommt infrage, wenn das Fenster weiterverwendet werden soll, beispielsweise in einem Nebengebäude. Ob sich der Aufwand wirtschaftlich lohnt, hängt vom Zustand von Rahmen, Verglasung, Beschlägen und Dichtungen ab.
Wie sich der Zustand eines alten Holzfensters beurteilen lässt, steht unter Holzfenster sanieren.
In beiden Fällen muss die Laibung nach dem Ausbau für den Einbau des neuen Elements vorbereitet werden. Lose Putz- und Mörtelreste sowie alte Befestigungs- und Dämmstoffe müssen entfernt werden, soweit sie den neuen Anschluss beeinträchtigen.
Was Sie brauchen
- Säbelsäge oder Stichsäge mit geeigneten Sägeblättern
- Multitool mit Segmentsägeblatt für schwer zugängliche Stellen
- Stemmeisen, Hammer und gegebenenfalls Brecheisen
- Akkuschrauber mit passenden Bits für Rahmenschrauben
- Cuttermesser zum Trennen von Dicht- und Anschlussfugen
- Schutzbrille, Arbeitshandschuhe und geeigneten Atemschutz bei staubintensiven Arbeiten
- zwei Personen für größere und schwere Fensterelemente

Die Materialkosten für den Ausbau sind überschaubar. Sägeblätter für Metall kosten je nach Qualität etwa 3 bis 8 € pro Stück. Bei Kunststoffprofilen mit Stahlarmierung kann der Verschleiß höher ausfallen.
Bei größeren Fenstern und schweren Verglasungen sollte das Gewicht nicht unterschätzt werden. Für den Ausbau eines einzelnen Flügels reichen bei kleineren Fenstern oft zwei Personen. Große Festverglasungen oder schwere Mehrscheiben-Isoliergläser können zusätzliche Hilfsmittel und mehrere Personen erfordern.
Der Ablauf Schritt für Schritt
1. Schadstoffe und Baualter prüfen
Bei älteren Gebäuden können schadstoffhaltige Baustoffe oder Dichtmassen vorhanden sein. Das Baujahr allein reicht allerdings nicht aus, um Asbest sicher festzustellen oder auszuschließen. Verdächtige Materialien sollten vor dem Ausbau fachlich beurteilt werden.
Bei einem begründeten Asbestverdacht sollte auf staubintensive Bearbeitung verzichtet werden. Für Arbeiten an asbesthaltigen Materialien gelten die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung und der Technischen Regeln für Gefahrstoffe. Solche Arbeiten gehören in entsprechend qualifizierte Hände.
2. Fensterflügel ausbauen
Bei einem Dreh-Kipp-Fenster wird zunächst der bewegliche Flügel ausgehängt. Je nach Beschlag müssen dafür bestimmte Sicherungen und Bandteile gelöst werden. Der Flügel sollte dabei sicher gehalten und anschließend standsicher abgelegt werden.
3. Festverglasungen entfernen
Ist der Rahmen für den zerstörenden Ausbau vorgesehen, kann eine vorhandene Verglasung je nach Vorgehensweise im Rahmen verbleiben oder vorher entfernt werden. Bei großen oder beschädigten Scheiben ist ein vorheriger Ausbau aus Sicherheitsgründen sinnvoll.
Eine Isolierglasscheibe kann bereits bei mittleren Abmessungen ein beträchtliches Gewicht erreichen. Bei größeren Dreifachverglasungen steigt die Masse weiter an. Das Herausnehmen sollte deshalb nicht allein erfolgen.
4. Anschlussfugen trennen
Anschlüsse zwischen Rahmen, Putz und Baukörper werden vorsichtig getrennt. Vorhandene Dichtstoffe, Anschlussprofile oder überstehende Putzbereiche können mit einem Cuttermesser oder geeigneten Werkzeugen gelöst werden.
Ein sorgfältig vorbereiteter Anschluss reduziert das Risiko, beim Herausnehmen des Rahmens angrenzenden Putz abzureißen.
5. Befestigungsmittel lösen
Beim zerstörungsfreien Ausbau werden die vorhandenen Befestigungsmittel gelöst. Anzahl und Position unterscheiden sich je nach Fenstersystem und Montageart. Rahmenschrauben können unter Abdeckungen liegen oder durch das Profil geführt sein.
Sind die Befestigungsmittel nicht zugänglich oder lassen sie sich nicht zerstörungsfrei entfernen, ist der zerstörende Ausbau meist die praktikablere Variante.
6. Rahmen zerteilen
Beim zerstörenden Ausbau wird der Rahmen abschnittsweise eingeschnitten. Bei Kunststoffprofilen muss dabei die Stahlarmierung berücksichtigt werden. Das Sägeblatt sollte nur so tief geführt werden, wie es für das Trennen des Profils erforderlich ist.
Ein Kontakt mit dem Mauerwerk sollte vermieden werden, um unnötige Schäden an der Laibung zu verhindern.
7. Rahmenteile herausnehmen
Die einzelnen Rahmenteile werden vorsichtig aus der Öffnung genommen. Das Werkzeug sollte möglichst nahe an den vorhandenen Befestigungspunkten angesetzt werden. Ein Holzklotz kann dabei helfen, die Kraft auf eine größere Fläche zu verteilen und empfindliche Putzbereiche zu schützen.
8. Anschlussbereich reinigen
Nach dem Ausbau werden alte Dämmstoffe, lose Mörtelreste, Dichtstoffreste und weitere Rückstände aus dem Anschlussbereich entfernt. Die Öffnung muss tragfähig und für die Montage des neuen Fensters geeignet sein.
Was sollten Sie an der Laibung vermeiden?
Drei Vorgehensweisen verursachen beim Ausbau besonders leicht zusätzliche Schäden.
Beim groben Hebeln in der Mitte einer Rahmenseite wird die Kraft auf den angrenzenden Putz übertragen. Dadurch können größere Putzflächen ausbrechen. Besser ist es, die Befestigungspunkte zu berücksichtigen und die Rahmenteile schrittweise zu lösen.
Auch ein zu lang geführtes Sägeblatt kann Schäden verursachen. Trifft es auf Ziegel, Beton oder andere Bauteile, können Kanten ausbrechen oder angrenzende Bereiche beschädigt werden. Das Sägeblatt sollte daher passend zur Profilstärke gewählt und kontrolliert geführt werden.
Besondere Aufmerksamkeit verdient außerdem der Übergang zwischen Rahmen und Putz. Übergreift der Putz den Fensterrahmen, sollte der Anschluss vor dem Herausnehmen getrennt werden. So lässt sich verhindern, dass größere Putzbereiche mit herausbrechen.
Zusätzliche Arbeiten an der Laibung erhöhen den Aufwand für die anschließende Montage. Die Kosten für einen vollständigen Fenstertausch finden Sie im Artikel was ein kompletter Fenstertausch kostet.
Wann Sie es nicht selbst machen sollten
Bei einem begründeten Verdacht auf Asbest sollte der Ausbau nicht in Eigenleistung erfolgen. Asbest kann in älteren Gebäuden unter anderem in bestimmten Dichtstoffen und weiteren Bauprodukten vorkommen. Das Material lässt sich anhand des Baujahrs oder des Aussehens nicht sicher bestimmen.
Auch bei Fenstern in oberen Geschossen ist eine sorgfältige Absturzsicherung erforderlich. Eine offene Fensteröffnung stellt während des Ausbaus eine Absturzstelle dar. Bei großen Elementen kommt zusätzlich das Gewicht des Rahmens und der Verglasung hinzu. Fehlt eine sichere Arbeitsplattform oder geeignete Absturzsicherung, sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden.
Bei denkmalgeschützten Gebäuden können Vorgaben der Denkmalschutzbehörde für Fenster, Rahmen, Verglasung und deren Erneuerung gelten. Vor Beginn der Arbeiten sollte daher geklärt werden, ob eine Genehmigung oder Abstimmung erforderlich ist.
Was ist nach dem Ausbau zu tun?
Nach der Entfernung des alten Fensters sollte die Öffnung sorgfältig vorbereitet werden. Die Anschlussfuge wird von losen Materialien und Rückständen befreit. Alte Dämmstoffe oder Bauschaum, die den neuen Anschluss behindern, werden entfernt.
Anschließend wird die Laibung auf Tragfähigkeit geprüft. Lose Putz- und Mörtelbereiche müssen entfernt und bei Bedarf instandgesetzt werden. Der neue Fensterrahmen sollte nicht auf losem oder nicht tragfähigem Untergrund befestigt werden.
Erst danach werden die Maße der vorhandenen Öffnung kontrolliert. Gemessen werden Breite und Höhe an mehreren Stellen. Für die Bestellung des neuen Fensters sind die kleinsten ermittelten Maße sowie die erforderlichen Montagefugen maßgeblich. Die notwendigen Fugenbreiten hängen vom Fenstersystem, den Anschlussmaterialien und den Vorgaben des Herstellers ab.
Das neue Fenster sollte deshalb nicht allein nach den Maßen des alten Rahmens bestellt werden. Entscheidend ist die tatsächlich vorhandene Bauöffnung nach dem Ausbau und der Vorbereitung der Laibung.
Bleibt die Öffnung bis zur Montage des neuen Elements offen, muss sie gegen Witterung und unbefugten Zutritt gesichert werden. Eine provisorische Abdeckung schützt vor Regen, ersetzt aber keine fachgerechte Abdichtung. Bei einer längeren Unterbrechung sollte außerdem verhindert werden, dass Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringt.
Häufige Fragen
Kann ich das alte Fenster weiterverwenden?
Das ist grundsätzlich möglich, sofern das Fenster beim Ausbau unbeschädigt bleibt und sich in einem technisch geeigneten Zustand befindet. Dafür kommt insbesondere der zerstörungsfreie Ausbau infrage.
Neben dem Rahmen sollten Verglasung, Dichtungen, Beschläge und Befestigungspunkte geprüft werden. Bei älteren Fenstern kann die Wiederverwendung trotz eines unbeschädigten Rahmens wirtschaftlich wenig sinnvoll sein.
Für ein Gartenhaus, eine Werkstatt oder ein unbeheiztes Nebengebäude können andere Anforderungen gelten als für einen beheizten Wohnraum.
Wie entsorge ich das alte Fenster?
Die Entsorgung richtet sich nach Material und örtlichen Annahmebedingungen. Kunststoff-, Holz- und Metallrahmen sowie Glas können unterschiedliche Entsorgungswege haben. Ein Wertstoffhof kann bestimmte Fenster annehmen, allerdings unterscheiden sich Gebühren und Annahmebedingungen je nach Kommune.
Bei einer Beauftragung eines Fachbetriebs kann die Entsorgung als eigene Position im Angebot enthalten sein. Vorab sollte geklärt werden, ob Ausbau, Transport und Entsorgung im vereinbarten Preis enthalten sind.
Bei schadstoffbelasteten Bauteilen gelten besondere Anforderungen. Solche Materialien dürfen nicht wie gewöhnlicher Bauabfall entsorgt werden.
Muss ich die Fensterbank mit ausbauen?
Das hängt von der Konstruktion ab. Eine Außenfensterbank kann unter dem Fensterrahmen befestigt oder in den Anschluss integriert sein. Soll das neue Fenster auf derselben Position eingebaut werden, kann sie unter Umständen erhalten bleiben.
Eine innenliegende Fensterbank lässt sich ebenfalls nicht pauschal weiterverwenden. Entscheidend ist, wie sie am vorhandenen Rahmen und an der Laibung angeschlossen ist.
Vor dem Ausbau sollte deshalb geprüft werden, ob die Fensterbank durch den Rahmen gehalten wird oder unabhängig davon ausgebaut werden kann. Informationen zu den Kosten eines Austauschs gibt es hier Fensterbank austauschen.
Wie lange bleibt die Öffnung offen?
Bei einem geplanten Fenstertausch sollte die Öffnung möglichst nur für die Zeit zwischen Ausbau und Einbau offen bleiben. Idealerweise steht das neue Element bereits zur Montage bereit.
Muss der Einbau verschoben werden, sollte die Öffnung gegen Witterung, Zugluft und unbefugten Zutritt gesichert werden. Eine längere offene Bauöffnung kann außerdem Feuchtigkeit in den angrenzenden Bauteilen verursachen.
Was mache ich mit der Öffnung, wenn das neue Fenster noch nicht da ist?
Für eine kurzfristige Sicherung kann eine ausreichend stabile Platte vor der Öffnung befestigt werden. Die Konstruktion muss gegen Wind und Regen gesichert sein und darf keine Absturzgefahr erzeugen.
Bei einer längeren Unterbrechung sollte die provisorische Konstruktion zusätzlich gegen Feuchtigkeit und Wärmeverluste ausgelegt werden. Eine einfache Spanplatte bietet dabei keinen gleichwertigen Ersatz für einen fachgerechten Fensteranschluss.
Wenn bereits vor dem Ausbau feststeht, dass das neue Fenster erst später geliefert wird, sollte der Zeitraum zwischen Ausbau und Montage möglichst vermieden oder mit dem ausführenden Betrieb abgestimmt werden.
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