Ein verstopfter Abfluss lässt sich in den meisten Fällen ohne Fachbetrieb wieder freibekommen: Saugglocke, Rohrspirale und Hausmittel wie Natron oder Waschsoda lösen leichte bis mittlere Blockaden zuverlässig. Erst wenn das Wasser gar nicht mehr abläuft oder gleich mehrere Abflüsse betroffen sind, sollte eine Rohrreinigungsfirma übernehmen. Die professionelle Rohrreinigung kostet in der Regel 100 bis 300 €. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Hausmittel wirklich helfen, welches Werkzeug sich lohnt, warum der Abfluss manchmal nur stinkt und wann der Profi die bessere Wahl ist.
Welche Hausmittel helfen bei einem verstopften Abfluss?
Hausmittel wie Natron mit Essig, Waschsoda oder heißes Wasser mit Spülmittel wirken vor allem bei leichten Verstopfungen durch Fett und Seifenreste. Gegen einen dichten Pfropf aus Haaren tief im Rohr richten sie dagegen wenig aus – dort helfen Saugglocke und Spirale besser. Einen Versuch sind die folgenden Mittel trotzdem wert, denn sie kosten fast nichts und schonen die Rohre.
Natron und Essig
Die Kombination aus Natron und Essig ist das bekannteste Hausmittel gegen einen verstopften Abfluss. Geben Sie drei bis sechs Esslöffel Natron in den Abfluss und schütten Sie eine halbe Tasse Essig hinterher. Die aufschäumende Reaktion setzt Kohlenstoffdioxid frei, lockert Ablagerungen und neutralisiert nebenbei unangenehme Gerüche. Nach etwa zehn Minuten Einwirkzeit spülen Sie mit einem Liter kochendem Wasser nach. Bei fetthaltigen Ablagerungen aus der Küche funktioniert diese Methode am zuverlässigsten.
Waschsoda
Waschsoda wirkt gegen Haare, Fett und Kalk im Abfluss. Tragen Sie dabei Handschuhe, um Hautreizungen zu vermeiden. Schütten Sie zunächst einen Liter kochendes Wasser in den Abfluss, um das Rohr anzuwärmen. Danach geben Sie zwei Esslöffel Soda hinein und spülen mit etwas heißem Wasser nach. Nach zehn Minuten Einwirkzeit und einem weiteren Spülgang mit warmem Wasser sollte der Abfluss wieder frei sein.
Spülmittel, Salz und Gebissreiniger
Leichte Verstopfungen lösen Sie mit 20 Millilitern Spülmittel in einer Tasse kochendem Wasser: kurz einwirken lassen, warm nachspülen. Gegen Fettrückstände hat sich außerdem eine Mischung aus Salz und einer halben Tasse kochendem Wasser bewährt, die etwa 30 Minuten einwirken sollte. Auch ein zerbröselter Gebissreiniger-Tab wirkt ähnlich wie handelsüblicher Rohrreiniger, ist aber deutlich milder: mit heißem Wasser einspülen und vollständig auflösen lassen.
Vorsicht bei chemischen Rohrreinigern
Chemische Rohrreiniger aus dem Supermarkt sollten Sie nur als letzte Option einsetzen. Die aggressiven Laugen können Dichtungen und ältere Kunststoffrohre angreifen. Bei komplett stehendem Wasser bleibt die Chemie zudem im Becken stehen, statt zur Verstopfung vorzudringen. Löst sich der Pfropf nicht, muss der Installateur anschließend in einem Rohr voller Lauge arbeiten. Setzen Sie Chemie deshalb sparsam ein und niemals mehrere Produkte nacheinander.
Saugglocke, Spirale und Siphon: Werkzeug für hartnäckige Fälle
Mechanisches Werkzeug ist bei hartnäckigen Verstopfungen deutlich wirksamer als jedes Hausmittel, weil es den Pfropf direkt packt oder mit Druck in Bewegung bringt.
Saugglocke (Pömpel)
Die Saugglocke löst Verstopfungen mit Wechseldruck. Setzen Sie den Gummisauger so auf den Abfluss, dass er ihn vollständig abdeckt, und lassen Sie so viel Wasser ins Becken, dass der Rand bedeckt ist. Dichten Sie den Überlauf mit einem feuchten Lappen ab, damit der Druck nicht entweicht. Dann pumpen Sie mehrmals kräftig auf und ab, ohne die Glocke abzuheben. Ist kein Pömpel zur Hand, funktioniert notfalls eine zusammengedrückte Kunststoffflasche mit heißem Wasser nach demselben Prinzip.
Rohrspirale und Kabelbinder
Mit einer Rohrspirale aus dem Baumarkt für 10 bis 30 € arbeiten Sie sich bis zur Blockade vor: Spirale einführen, unter leichtem Druck kurbeln und den gelösten Schmutz herausziehen. Für Haare direkt unter dem Abflusssieb reicht oft ein langer Kabelbinder, in den Sie mit dem Messer kleine Widerhaken schneiden. Schrauben Sie die Abdeckung ab, führen Sie den Kabelbinder ein und ziehen Sie die verfangenen Haarsträhnen heraus.
Siphon abschrauben und reinigen
Sitzt die Verstopfung im Geruchsverschluss unter dem Becken, bauen Sie den Siphon aus: Eimer unterstellen, Überwurfmuttern von Hand lösen, Rohrbogen entleeren und mit einer Bürste reinigen. Achten Sie beim Zusammenbau darauf, dass alle Dichtungen korrekt sitzen. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie in unserem Beitrag Siphon reinigen.
Wenn der Abfluss stinkt, aber nicht verstopft ist
Nicht jeder Geruch aus dem Abfluss bedeutet eine Verstopfung. Häufig ist der Geruchsverschluss selbst die Ursache, und das Problem lässt sich in wenigen Minuten beheben.
Abfluss in der Dusche stinkt
Stinkt der Abfluss in der Dusche, obwohl das Wasser normal abläuft, gibt es zwei typische Ursachen. Erstens: Das Sperrwasser im Siphon ist verdunstet, etwa in einem selten genutzten Gästebad. Dann steigen Kanalgase ungehindert auf. Lassen Sie einfach Wasser nachlaufen; bei längerer Abwesenheit hilft ein Schuss Speiseöl im Abfluss gegen das Verdunsten. Zweitens: Im Rohr hat sich ein Biofilm aus Haaren, Hautschuppen und Seifenresten gebildet. Nehmen Sie das Abflusssieb heraus, entfernen Sie die Ablagerungen mechanisch und spülen Sie mit heißem Wasser und Spülmittel oder Natron nach.
Wann sollte eine Rohrreinigungsfirma übernehmen?
Spätestens wenn das Wasser trotz Saugglocke und Spirale nicht mehr abläuft, mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen sind oder Abwasser aus Dusche oder Wanne zurückdrückt, gehört die Arbeit in Profihände. Solche Symptome deuten auf eine Blockade im Fallrohr oder in der Grundleitung hin, die Sie mit Heimwerkerwerkzeug nicht erreichen. Sind Waschbecken und WC gleichzeitig betroffen, hilft unser Beitrag Toilette verstopft weiter. Drückt Abwasser im Keller hoch, kann auch eine defekte Abwasserhebeanlage oder ein Rückstauproblem dahinterstecken.
Der Fachbetrieb arbeitet mit elektromechanischen Spiralen und Hochdruckspülung. Für eine gewöhnliche Rohrreinigung sollten Sie 100 bis 300 € einplanen, der Stundensatz von Sanitärbetrieben liegt bei 60 bis 90 €. Bei wiederkehrenden Verstopfungen lohnt sich zusätzlich eine Kamerainspektion, mit der beschädigte Rohre oder falsches Gefälle sichtbar werden. Eine detaillierte Preisaufstellung finden Sie im Ratgeber Rohrreinigung Kosten.
So beugen Sie der nächsten Verstopfung vor
Vorbeugen ist einfacher als jede Reinigung: Ein Abflusssieb für Waschbecken, Dusche und Badewanne hält Haare und Essensreste zurück und kostet unter 5 €. Gießen Sie Fett und Bratenreste niemals in die Spüle, denn abgekühltes Fett verklumpt im Rohr und bildet den Kern neuer Verstopfungen. Spülen Sie die Abflüsse ein- bis zweimal pro Woche mit heißem Wasser durch, das beugt auch Gerüchen vor. In Regionen mit kalkhaltigem Leitungswasser haften Ablagerungen schneller an den Rohrwänden; welche Folgen das hat und was dagegen hilft, lesen Sie im Beitrag Hartes Wasser.
Häufige Fragen zum verstopften Abfluss
Was kostet es, den Abfluss vom Profi reinigen zu lassen?
Eine professionelle Rohrreinigung kostet je nach Aufwand 100 bis 300 €. Im Preis enthalten sind Anfahrt, Arbeitszeit und der Einsatz der elektromechanischen Spirale. Muss eine Kamerainspektion die Ursache klären oder liegt die Blockade in der Grundleitung, wird es teurer. Holen Sie bei größeren Arbeiten am besten mehrere Angebote ein.
Warum verstopft der Abfluss immer wieder?
Wiederkehrende Verstopfungen deuten auf ein tieferliegendes Problem hin: Ablagerungen, die das Rohr dauerhaft verengen, ein zu geringes Gefälle der Leitung oder bei Grundleitungen eingewachsene Wurzeln. In diesen Fällen bringt nur eine Kamerainspektion Klarheit. Reine Symptombekämpfung mit Hausmitteln hält dann meist nur wenige Wochen.
Sind chemische Rohrreiniger schädlich für die Rohre?
Bei gelegentlicher, dosierter Anwendung überstehen intakte Rohre chemische Reiniger meist ohne Schaden. Riskant wird es bei alten Kunststoffrohren, angegriffenen Dichtungen und häufiger Anwendung. Mischen Sie niemals verschiedene Produkte, denn dabei können gefährliche Dämpfe entstehen. Mechanische Methoden wie Saugglocke und Spirale sind die schonendere Wahl.
Wer zahlt die Rohrreinigung: Mieter oder Vermieter?
Grundsätzlich ist der Vermieter für funktionierende Abflussleitungen verantwortlich. Hat der Mieter die Verstopfung jedoch selbst verursacht, etwa durch Essensreste, Fett oder Feuchttücher im Abfluss, muss er die Reinigung bezahlen. In der Praxis kommt es auf die Nachweisbarkeit an. Melden Sie das Problem in jedem Fall zuerst dem Vermieter, bevor Sie selbst einen Fachbetrieb beauftragen.
Welcher Handwerker ist bei einem verstopften Abfluss zuständig?
Zuständig sind Sanitärinstallateure und spezialisierte Rohrreinigungsfirmen. Der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik übernimmt neben der Reinigung auch Reparaturen an Leitungen und Geruchsverschlüssen und berät bei baulichen Ursachen wie falschem Gefälle. Was dieser Beruf alles umfasst, zeigt unser Beitrag über den Gas-Wasser-Installateur.




