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Wand verputzen Schritt für Schritt: Putzeimer, Glättekellen, Quast und Wasserwaage als Grundausstattung bereitgelegt

So verputzen Sie eine Wand selbst

Lesedauer 6 Minuten

Eine Wand selbst zu verputzen kostet mit Haftputzgips nur 4 bis 7 €/m² Material, während der Fachbetrieb für Gipsputz 10 bis 25 €/m² berechnet. Die Technik ist erlernbar: Mit Putzprofilen als Führungsschienen gelingt auch Einsteigern eine ebene Fläche. Diese Anleitung führt Sie in sechs Schritten von der Grundierung bis zur fertig gefilzten Wand, erklärt die typischen Fehler und zeigt, bei welchen Flächen ein Handwerker die bessere Wahl ist.

Material und Werkzeug für den Innenputz

Für eine 15 m² große Wand brauchen Sie Material für rund 80 bis 150 €, das meiste Werkzeug lässt sich für ein einzelnes Projekt auch leihen. Haftputzgips ist für Heimwerker sehr gut geeignet: Er haftet auf fast allen mineralischen Untergründen, lässt sich lange verarbeiten und wird in einer Lage aufgezogen. Die wichtigsten Materialien im Überblick:

PostenPreisHinweis
Haftputzgips8 bis 15 € pro 25-kg-Sackreicht für ca. 2,5 m² bei 10 mm
Tiefengrund oder Aufbrennsperre10 bis 20 €je nach Untergrund
Schnellputzprofile und Eckschienen2 bis 4 € pro Stückals Führung für die Kardätsche
Kardätsche (Abziehlatte)15 bis 40 €Aluminium, mindestens 1,5 m lang
Glättekelle und Traufel10 bis 25 €rostfreier Stahl
Bohrmaschine mit Rührquirl20 bis 60 €leihbar
Schwammbrett, Quast, Mörtelkübel, Abdeckfolie20 bis 40 €Grundausstattung

Rechnen Sie den Bedarf vorab durch: Für eine 15 m² große Wand bei 10 mm Putzdicke brauchen Sie sechs Säcke Haftputzgips, also 48 bis 90 € nur für den Putz. Kaufen Sie lieber einen Sack mehr, angebrochene Reste lassen sich für spätere Ausbesserungen weiterverwenden. Das Rührwerk gibt es im Werkzeugverleih für 5 bis 15 € pro Tag. Warum sich das Material für Innenräume bewährt hat und wo seine Grenzen liegen, lesen Sie im Detailartikel zum Gipsputz. Für Feuchträume und Keller ist Kalkzementputz die robustere Alternative. Einen Überblick, welcher Putz in welchen Raum gehört, gibt der Ratgeber zu den Putzarten.

Prüfen Sie den Untergrund, bevor Sie loslegen

Der Untergrund muss trocken, tragfähig, staubfrei und gleichmäßig saugfähig sein, sonst reißt der neue Putz oder löst sich wieder ab.

Drei einfache Tests geben Ihnen Sicherheit:
1) Beim Wischtest fahren Sie mit der flachen Hand über die Wand, kreidet sie ab, muss grundiert werden.
2) Beim Kratztest ritzen Sie die Oberfläche mit einem Schraubendreher an, sandet sie stark, braucht die Wand Tiefengrund.
3) Beim Benetzungstest spritzen Sie Wasser an die Wand: Zieht es sofort ein, ist der Untergrund stark saugend und bekommt Tiefengrund. Perlt das Wasser ab, etwa auf glattem Beton, sorgt eine Aufbrennsperre für Haftung.

Entfernen Sie außerdem Tapeten restlos und schlagen Sie losen Altputz ab, bis nur noch fester Grund übrig ist. Welche Grundierung wann die richtige ist, erklärt der Beitrag Wand grundieren ausführlich.

Die sechs Schritte zur verputzten Wand

Planen Sie für ein Zimmer ca. 48 h ein: einen Tag für Grundierung und Profile, einen Tag für den eigentlichen Putzauftrag. Arbeiten Sie immer wandweise und teilen Sie sich große Flächen in Abschnitte ein, die Sie in 20 bis 30 Minuten schaffen.

Schritt 1: Die Wand grundieren

Tragen Sie Tiefengrund oder Aufbrennsperre mit Quast oder Rolle satt und gleichmäßig auf. Arbeiten Sie von oben nach unten und lassen Sie keine Stelle aus, denn ungleichmäßig saugende Zonen zeichnen sich später im Putz ab. Die Grundierung muss vollständig trocknen, je nach Produkt dauert das 12 bis 24 Stunden. Bei stark saugenden Steinen wie alten Ziegeln darf es ruhig ein zweiter Durchgang sein. Kleben Sie in dieser Zeit Steckdosen, Fensterrahmen und Boden sorgfältig ab.

Schritt 2: Putzprofile und Eckschienen setzen

Setzen Sie Schnellputzprofile senkrecht in Batzen aus angerührtem Putz und richten Sie jedes Profil mit der Wasserwaage lotrecht aus. Der Abstand zwischen zwei Profilen muss kleiner sein als Ihre Kardätsche lang ist, bewährt haben sich 1 bis 1,2 m. An Außenecken kommen Eckschienen, die gleich noch vor Stößen schützen. Lassen Sie die Batzen anziehen, bevor Sie weitermachen, sonst verschieben sich die Profile beim Abziehen. Prüfen Sie zum Schluss mit der Kardätsche quer über mehrere Profile, ob alle in einer Flucht liegen.

Schritt 3: Den Putz anrühren

Füllen Sie zuerst sauberes, kaltes Wasser in den Mörtelkübel und streuen Sie dann das Pulver nach Herstellerangabe ein. Lassen Sie den Putz zwei bis drei Minuten sumpfen und rühren Sie ihn anschließend klumpenfrei durch. Die richtige Konsistenz ist zähcremig: Der Putz muss auf der Kelle stehen bleiben, ohne zu fließen. Rühren Sie nur so viel an, wie Sie in 20 bis 30 Minuten verarbeiten können, denn angesteiften Putz dürfen Sie nicht mit Wasser wieder aufrühren. Als grobe Orientierung gilt ein Mischungsverhältnis von etwa 15 l Wasser auf einen 25-kg-Sack, maßgeblich bleibt aber der Sackaufdruck.

Schritt 4: Auftragen und abziehen

Werfen Sie den Putz mit der Kelle kräftig an oder ziehen Sie ihn mit der Glättekelle von unten nach oben auf, immer feldweise zwischen zwei Profilen. Die Schichtdicke liegt bei 10 mm, an keiner Stelle unter 5 mm. Ist ein Feld gefüllt, setzen Sie die Kardätsche unten auf beide Profile auf und ziehen sie im Zickzack nach oben. Fehlstellen füllen Sie sofort nach und ziehen erneut ab, bis die Fläche eben ist. Arbeiten Sie ohne lange Pausen durch, denn sichtbare Ansätze zwischen zwei Abschnitten lassen sich später kaum noch kaschieren.

Schritt 5: Filzen oder glätten

Sobald der Putz angesteift ist, matt aussieht und auf Fingerdruck kaum noch nachgibt, beginnt das Finish. Für die feinkörnige Oberfläche reiben Sie die Fläche mit dem leicht angefeuchteten Schwammbrett in kreisenden Bewegungen ab. Wer eine glatte Wand will, zieht die Fläche stattdessen mit der Glättekelle scharf ab. Verpassen Sie das Zeitfenster nicht: Zu frühes Filzen zieht Schlieren, zu spätes schafft keinen Abrieb mehr. Testen Sie den richtigen Zeitpunkt an einer unauffälligen Ecke, bevor Sie die ganze Wand bearbeiten.

Schritt 6: Richtig trocknen lassen

Man rechnet mit einem Tag Trocknungszeit pro Millimeter Putzdicke, bei 10 mm also rund zwei Wochen. Lüften Sie täglich mehrmals stoßweise, vermeiden Sie aber Zugluft und drehen Sie die Heizung nicht voll auf, sonst trocknet die Oberfläche schneller als der Kern und reißt. Erst nach vollständiger Trocknung folgt der Anstrich, denn Restfeuchte unter der Farbe führt zu Flecken, abblätternden Schichten und im schlimmsten Fall zu Schimmel. Was beim ersten Anstrich zu beachten ist, erklärt der Ratgeber zum Streichen von neuem Putz.

Sonderfall Porenbeton

Porenbeton saugt extrem stark und entzieht dem frischen Putz das Wasser, bevor er abbinden kann. Ohne gründliche Grundierung verbrennt der Putz und sandet ab. Arbeiten Sie hier mit Tiefengrund, gegebenenfalls in zwei Durchgängen, und verwenden Sie einen für Porenbeton geeigneten Leichtputz. Alle Besonderheiten behandelt der Beitrag Porenbeton verputzen.

Diese Fehler ruinieren den frischen Putz

Die drei häufigsten Fehler sind eine zu dicke Schicht, zu schnelles Trocknen und falsch angerührter Putz. Alle drei lassen sich vermeiden:

  • Zu dicke Schicht: Lagen über 20 mm reißen beim Trocknen. Tiefe Unebenheiten gleichen Sie zweilagig aus, die erste Lage muss dabei vollständig trocknen und wird aufgeraut.
  • Zu schnelles Trocknen: Zugluft und Heizlüfter entziehen dem Putz das Anmachwasser und erzeugen Trockenrisse über die ganze Fläche.
  • Falsche Konsistenz: Zu dünner Putz läuft von der Wand, zu fester lässt sich nicht eben abziehen. Halten Sie sich exakt an die Wassermenge des Herstellers.
  • Fehlende Grundierung: Auf ungleichmäßig saugendem Untergrund bindet der Putz fleckig ab und fällt später stellenweise wieder ab.
  • Zu spätes Filzen: Ist der Putz schon zu fest angezogen, entsteht kein gleichmäßiger Abrieb mehr. Arbeiten Sie in kleinen Abschnitten, dann bleibt das Zeitfenster überschaubar.

Wann Sie besser einen Fachbetrieb beauftragen

Bei großen zusammenhängenden Flächen, bei Decken und im Altbau ist der Profi die sichere Wahl. Große Wände verzeihen keine Pausen, denn jeder Ansatz zwischen zwei Arbeitsabschnitten bleibt sichtbar. Decken sind wegen der Überkopfarbeit selbst für geübte Heimwerker eine Qual. Und Altbauwände mit gemischten Untergründen, alten Anstrichen und Rissen verlangen Erfahrung bei der Vorbehandlung. Ein Fachbetrieb berechnet für Gipsputz 10 bis 25 €/m² inklusive Material bei Stundensätzen von 45 bis 70 €. Dazu kommt die Gewährleistung: Reißt der Putz oder platzt er ab, muss der Betrieb nachbessern, während Sie bei Eigenleistung dieses Risiko selbst tragen. Alle Zahlen und eine Beispielrechnung finden Sie im Ratgeber zu den Kosten für das Verputzen einer Wand.

Was Heimwerker beim Verputzen am häufigsten fragen

Wie dick muss der Innenputz aufgetragen werden?

Gipsputz wird einlagig mit 10 mm aufgetragen, an keiner Stelle dünner als 5 mm, sonst bindet er nicht sauber ab. Kalkzementputz braucht meist 10 bis 20 mm. Größere Unebenheiten gleichen Sie in zwei Lagen aus, statt eine einzelne dicke Schicht zu riskieren, die beim Trocknen reißt. Als Materialbedarf gelten rund 8,5 kg Gipsputz pro m² bei 10 mm Auftragsdicke.

Kann ich direkt auf alte Farbe oder Tapete verputzen?

Auf Tapete niemals, sie muss immer vollständig entfernt werden sonst löst sich der Putz mitsamt der Tapetenbahn. Alte Farbe darf bleiben, wenn sie tragfähig ist: Drücken Sie ein Stück Klebeband fest an und reißen Sie es ab. Bleiben Farbpartikel hängen, muss die Farbe entfernt oder mit Haftgrund vorbehandelt werden.

Woran erkenne ich, dass der Putz durchgetrocknet ist?

Durchgetrockneter Putz ist gleichmäßig hell, dunkle Flecken zeigen Restfeuchte. Sicherheit gibt der Folientest: Kleben Sie ein Stück Folie luftdicht auf die Wand. Bildet sich nach einem Tag Kondenswasser darunter, ist der Putz noch feucht. Erst wenn die Folie trocken bleibt, dürfen Sie grundieren und streichen.

Was kostet das Verputzen in Eigenleistung insgesamt?

Für eine 15 m² große Wand zahlen Sie 80 bis 150 € für Material und nochmals 60 bis 150 €, falls Sie Werkzeug komplett neu kaufen. Zum Vergleich: Der Fachbetrieb berechnet für dieselbe Fläche 150 bis 375 €. Ab der zweiten Wand rechnet sich die Eigenleistung deutlich, weil das Werkzeug schon vorhanden ist.

Kann ich eine Wand auch nur teilweise neu verputzen?

Ja, einzelne Löcher, Ausbrüche und hohle Stellen lassen sich gezielt reparieren, ohne die ganze Wand neu aufzubauen. Schlagen Sie lose Bereiche ab, grundieren Sie die Stelle und füllen Sie sie lagenweise auf. Die passende Schrittfolge dafür zeigt der Beitrag Putz ausbessern.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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