Ein Raumausstatter näht und montiert Gardinen und Sonnenschutz, polstert Möbel, verlegt Bodenbeläge und gestaltet Wände mit Tapete oder Stoff. Für Polster- und Montagearbeiten rechnen Sie laut Kostenportalen mit rund 40 bis 70 € pro Stunde, für eine Einrichtungsberatung mit rund 80 bis 150 €. Seit dem 14. Februar 2020 ist das Handwerk wieder meisterpflichtig. Grundrisse verändert ein Raumausstatter nicht, das ist Sache des Innenarchitekten; seine Arbeit ist die Ausführung an Fenster, Wand, Boden und Polster, und die erledigt er selbst.
Was macht ein Raumausstatter alles?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschreibt fünf Arbeitsfelder, und jedes davon kann für Sie ein eigener Auftrag sein:
- Wände und Decken gestaltet und belegt er, etwa mit Tapete oder einer Wandbespannung aus Stoff.
- Er verlegt Bodenbeläge wie Teppichboden. Für das vollflächige Verkleben zahlen Sie rund 20 bis 35 € pro m² für die Arbeit, mehr dazu in der Übersicht zum Teppich verlegen lassen.
- Für Fenster und Räume näht er Gardinen, Vorhänge oder Dekoschals und bringt sie an.
- Licht-, Sicht- und Sonnenschutz für innen, etwa Plissees oder Rollos, fertigt und montiert er ebenfalls. Welche Varianten innen und außen in Frage kommen, beschreibt der Beitrag zu Sonnenschutz und Fensterdekoration.
- Außerdem fertigt er Polster und setzt Polstermöbel instand, bis zum kompletten Neubezug eines Sofas. Was das kostet, zeigt die Kostenübersicht zum Neubeziehen von Polstermöbeln.
Raumausstatter arbeiten in eigenen Werkstätten und Ateliers, in Polsterwerkstätten oder im Möbelhandel. Neben Privatkunden statten sie auch Veranstaltungsräume und Bühnen aus. Dort müssen Wandbekleidungen nach der Versammlungsstättenverordnung schwer entflammbar sein, für Privatwohnungen ist keine solche Vorschrift bekannt. Nicht jeder Betrieb deckt alle fünf Felder ab, und weil sich manche etwa aufs Polstern oder auf Sonnenschutz spezialisiert haben, fragen Sie am besten bereits bei der Anfrage, ob der Betrieb Arbeiten wie Ihre regelmäßig ausführt.
Drei Jahre Ausbildung und vier Schwerpunkte
Die Ausbildung zum Raumausstatter dauert drei Jahre und läuft dual in Betrieb und Berufsschule. Fachrichtungen gibt es keine, dafür vier Schwerpunkte: Boden, Polstern, Raumdekoration mit Licht-, Sicht- und Sonnenschutz sowie Wand- und Deckendekoration. Die Auszubildenden lernen, Heimtextilien auszuwählen und zu Gardinen oder Polsterbezügen zu verarbeiten, dazu das Anbringen von Jalousien und Wandbekleidungen.
Nach der Gesellenprüfung können sich Raumausstatter zum Raumausstattermeister oder zum geprüften Gestaltungsberater im Raumausstatterhandwerk fortbilden. Den Meisterkurs gibt es berufsbegleitend oder in Vollzeit. Mit dem Meisterbrief darf ein Raumausstatter einen eigenen Betrieb gründen.
Neben dem Handwerk braucht der Beruf Stilgefühl und Einfühlungsvermögen. Ein guter Raumausstatter fragt nach, wie Sie wohnen, und schlägt Stoffe und Farben vor, die zu Ihrem Wohnstil passen. Suchen Sie vor allem Beratung, fragen Sie gezielt nach der Fortbildung zum Gestaltungsberater.
Ist der Raumausstatter meisterpflichtig?
Ja, und zwar wieder. Seit dem 14. Februar 2020 steht der Raumausstatter unter Nr. 52 in der Anlage A der Handwerksordnung, dem Verzeichnis der zulassungspflichtigen Handwerke. Grundlage ist das 4. Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung, mit dem zwölf Handwerke wieder zulassungspflichtig wurden. Von 2004 bis zu diesem Datum war das Handwerk zulassungsfrei und stand in Anlage B1, ein Betrieb ließ sich in dieser Zeit ohne Meisterbrief gründen.
Betriebe, die schon vor dem 14. Februar 2020 bestanden, haben Bestandsschutz und dürfen ohne Meister weiterarbeiten. Wer seitdem einen Raumausstatterbetrieb neu gründet, braucht dagegen in der Regel einen Meister. Ein älterer Betrieb ohne Meistertitel arbeitet damit legal. Lassen Sie sich deshalb neben dem Meisterbrief oder der Eintragung in die Handwerksrolle Referenzen zeigen, am besten aus Ihrem Bereich, etwa Polster oder Sonnenschutz.
Worin unterscheiden sich Raumausstatter, Raumgestalter und Innenarchitekt?
Alle drei beschäftigen sich mit der Gestaltung von Räumen, rechtlich geregelt sind aber nur zwei davon.
| Merkmal | Raumausstatter | Innenarchitekt | Raumgestalter, Interior Designer |
|---|---|---|---|
| Rechtlicher Rahmen | Handwerk, seit 2020 wieder meisterpflichtig | geschützter Titel, nur mit Eintrag in die Architektenliste einer Architektenkammer | keine geschützte Berufsbezeichnung bekannt |
| Qualifikation | 3 Jahre Ausbildung, Meister oder Gestaltungsberater als Fortbildung | Studium von 3 bis 4 Jahren plus mindestens 2 Jahre Praxis | nicht einheitlich |
| Arbeitsweise | fertigt und montiert selbst: Gardinen, Sonnenschutz, Polster, Böden, Wände | plant Räume als Ganzes, auch Umbauten, und lässt die Planung von Handwerkern ausführen | Beratung und Gestaltung, Umfang je nach Anbieter |
Die Bezeichnung Innenarchitekt ist gesetzlich geschützt. Führen darf sie nur, wer in die Architektenliste einer Architektenkammer eingetragen ist, so die Bundesarchitektenkammer. Zum 1. Januar 2024 gab es in Deutschland 6.722 berufstätige Innenarchitektinnen und Innenarchitekten. Interior Designer ist dagegen kein geschützter Titel, und auch für Raumgestalter ist keine geschützte Berufsbezeichnung bekannt. Manche Raumausstatterbetriebe führen Raumgestaltung im Firmennamen. Hinter dem Wort kann ein Handwerksmeister stehen, aber auch jemand ohne einschlägige Ausbildung.
Was kostet ein Raumausstatter?
Die Werte stammen von Kostenportalen, nicht aus Preislisten einzelner Betriebe, und dienen als Richtwerte:
| Leistung | Richtwert |
|---|---|
| Polster- und Montagearbeiten | rund 40 bis 70 € pro Stunde |
| Einrichtungsberatung | rund 80 bis 150 € pro Stunde |
| Aufmaß vor Ort | rund 50 bis 100 € |
| Montage von Einrichtungsgegenständen | rund 40 bis 200 € je Stück |
| Anfahrt | rund 1 € pro km |
Ein Termin mit Aufmaß, drei Stunden Montage und 30 Kilometern Anfahrt kommt damit auf rund 200 bis 340 €. Eine zweistündige Einrichtungsberatung liegt bei rund 160 bis 300 €. Das Material kommt hinzu. Stoff, Polstermaterial oder die Sonnenschutzanlage selbst berechnet der Betrieb gesondert. Bei Gardinen und Plissees hängt dieser Anteil vom Stoff und vom Fenstermaß ab, deshalb lohnt es sich, im Angebot Material und Arbeitszeit getrennt ausweisen zu lassen.
So finden Sie den passenden Fachbetrieb
Welcher Betrieb der richtige ist, hängt vom Vorhaben ab:
- Vorhänge und Sonnenschutz für innen, etwa Plissees, übernimmt der Raumausstatter, ebenso eine Wandbespannung aus Stoff.
- Für ein neu bezogenes Sofa oder aufgepolsterte Stühle ist ein Raumausstatter mit Schwerpunkt Polstern die richtige Adresse.
- Teppichboden verlegen Raumausstatter ebenso wie Bodenleger, tapezieren können Raumausstatter und Maler.
- Planen Sie einen Umbau mit veränderter Raumaufteilung, ist ein Innenarchitekt zuständig, dessen Planung anschließend Handwerker umsetzen.
- Eine Matratze nach Maß, etwa für ein Einbaubett oder das Wohnmobil, kann ein Raumausstatter ausmessen und anfertigen.
- Suchen Sie nur eine Stil- und Farbberatung, bieten Raumausstatter eine Einrichtungsberatung für rund 80 bis 150 € pro Stunde an.
So läuft ein Auftrag ab
- Sie beschreiben dem Betrieb Ihr Vorhaben, oft bei einer Beratung vor Ort mit Stoff- und Farbmustern.
- Der Betrieb nimmt das Aufmaß an Fenstern, Wänden oder Möbeln.
- Sie erhalten ein Angebot, in dem Material, Arbeitszeit und Anfahrt getrennt stehen sollten.
- Nach der Auftragserteilung beschafft der Betrieb Stoffe und Material und fertigt in der Werkstatt vor.
- Zum Schluss montiert er vor Ort, bringt Vorhänge an oder liefert die neu bezogenen Möbel zurück.
Häufige Fragen zum Raumausstatter
Wie viel kostet ein Raumausstatter pro Stunde?
Kostenportale nennen für Polster- und Montagearbeiten rund 40 bis 70 € pro Stunde, für eine Einrichtungsberatung rund 80 bis 150 €. Je nach Auftrag kommen ein Aufmaß für rund 50 bis 100 € und rund 1 € pro Kilometer Anfahrt hinzu. Weil die Werte von Betrieb zu Betrieb abweichen, fragen Sie vorab nach dem Stundensatz und nach Pauschalen.
Darf sich jeder Raumgestalter nennen?
Für Raumgestalter ist keine geschützte Berufsbezeichnung bekannt, anders als beim Innenarchitekten, der in die Architektenliste einer Kammer eingetragen sein muss. Auch Interior Designer ist nicht geschützt. Die Bezeichnung sagt deshalb wenig über die Ausbildung aus; fragen Sie, ob ein Meisterbrief im Raumausstatterhandwerk, ein Studium oder eine andere Qualifikation dahintersteht.
Verlegt ein Raumausstatter auch Teppichboden?
Ja, Bodenbeläge gehören zu seinen fünf Arbeitsfeldern, und Boden ist einer der vier Schwerpunkte der Ausbildung. Für vollflächig verklebten Teppichboden zahlen Sie rund 20 bis 35 € pro m² für die Arbeit. Eine Unterlage kostet rund 2 € pro m² extra, und für das Entfernen des alten Teppichs kommen etwa 5 € pro m² hinzu.
Übernimmt der Raumausstatter auch Wandbespannungen?
Ja. Er montiert dafür an allen Wandseiten eine umlaufende Leiste und spannt den Stoff darauf, darunter liegt eine Unterlage aus Molton, Vlies oder Polyesterwatte. Steckdosen und Schalter umrahmt er mit Leisten und spart sie aus. Den Stoff können Sie später austauschen lassen, gepflegt wird er durch gelegentliches Absaugen. Laut einem Betrieb hält eine Bespannung 10 Jahre und mehr, bevor sie erneuert wird, gegenüber 5 bis 6 Jahren bei Anstrich oder Tapete.
Dämpft eine Wandbespannung den Schall?
Etwas, vor allem im Hochtonbereich. Dünner Stoff mit rund 1 cm Unterlage dämpft nach BauNetz Wissen vor allem hohe Frequenzen; mehr Abstand zur Wand erweitert die Wirkung zu tieferen Tönen hin. Wie Sie den Klang im Wohnraum gezielt verbessern, zeigt der Beitrag zur Raumakustik in Wohnräumen.





