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Raumausstatter beim Sessel neu beziehen.

Was es kostet, ein Sofa oder andere Polstermöbel neu beziehen zu lassen

Lesedauer 8 Minuten

Was kostet es, ein Sofa neu beziehen zu lassen? Für einen Zweisitzer mit Stoff mittlerer Preislage zahlen Sie bei der Polsterei 1.300 bis 2.200 €, für einen Dreisitzer als Richtwert rund 1.700 bis 2.800 €. Beim Zweisitzer entfallen davon 1.050 bis 1.700 € auf Arbeit und Polstermaterial, der Rest auf den Bezugsstoff. Sessel, Stühle und Eckbänke kommen günstiger, ein Ecksofa beginnt bei rund 2.500 €. Ob sich der Aufwand rechnet, hängt vor allem am Gestell: Massives Holz mit handwerklichen Verbindungen spricht für den Neubezug, getackerte Spanplatte eher dagegen.

Was kostet der Neubezug je Möbelstück?

Die Preise in der Tabelle stammen aus Preislisten und Beispielkalkulationen mehrerer Polstereien, gelten brutto für Privatkunden und enthalten den Bezugsstoff in mittlerer Preislage, sofern in der Spalte daneben nichts anderes steht. Abholung und Rücktransport kommen je nach Betrieb dazu.

MöbelstückPreis mit StoffHinweis
Stuhl, nur Sitzfläche80 bis 150 €ohne Stoff 60 bis 120 €, mit Polsternägeln oder Borte rund 25 % mehr
Stuhl mit Sitz und Rücken150 bis 300 €in Echtleder rund 300 bis 350 €
Sessel700 bis 1.900 €ohne Stoff 550 bis 1.250 €
Ohrensessel1.000 bis 1.800 €mehrere Polstereien liegen bei etwa 1.400 €
Gerade Sitzbankab rund 250 €je nach Länge und Ausführung
Eckbank600 bis 1.400 €mit neuem Schaum
Zweisitzer1.300 bis 2.200 €reiner Neubezug ohne neue Polsterung
Dreisitzerrund 1.700 bis 2.800 €Richtwert
Ecksofa, Wohnlandschaftab rund 2.500 €nach oben offen
Sofa in hochwertigem Leder, neu aufgepolstertrund 6.500 bis 8.000 €Angabe einer Polsterei für Zwei- und Dreisitzer

Die Spannen sind breit, weil zwei Posten den Preis stark verschieben: der Stoff und der Zustand der Polsterung unter dem alten Bezug. Ein Zweisitzer mit losen Sitz- und Rückenkissen braucht mehr Stoff als ein Modell mit fest gepolsterter Sitzfläche und landet deshalb eher am oberen Ende. Die Angabe für den Dreisitzer ist ein Richtwert, weil dafür nur wenige Festpreise von Polstereien vorliegen. Beim Ecksofa gilt das erst recht. Ohne Besichtigung geht es dort nicht.

Wenn auch die Polsterung erneuert werden muss

Die Preise für den Zweisitzer gelten für einen reinen Neubezug, bei dem die Polsterung darunter bleibt. Ist das Sofa durchgesessen, kommt neue Polsterung dazu. Einen verlässlichen Pauschalpreis gibt es dafür nicht, weil es darauf ankommt, ob nur der Schaum oder auch Gurte und Federkern ersetzt werden. Polsterschaum kostet je nach Raumgewicht und Stärke rund 25 bis 65 € pro m², ein neuer Schaumkern für ein Sitzkissen von 50 x 50 x 10 cm rund 14 bis 36 €. Für das Neupolstern eines Sofas mit mürbem Federkern nennen Kostenportale als Richtwert 600 bis 1.200 €.

Für Sitzflächen sollte der Schaum ein Raumgewicht von mindestens RG 35 haben, besser RG 40 bis 50. RG 25 taugt nur für weiche, wenig beanspruchte Kissen. Aus welchen Schichten eine Polsterung besteht und welche zuerst nachgibt, erklärt der Beitrag zum Polstern von Möbeln.

Stoff, Leder und der Stoffbedarf je Möbelstück

Möbelstoff wird in laufenden Metern verkauft. Einfache Stoffe kosten 10 bis 25 € pro Meter, die mittlere Qualität, mit der die meisten Polstereien kalkulieren, 45 bis 70 €, hochwertige Stoffe 90 bis 200 €. Leder dagegen wird nach Fläche berechnet. Im Fachhandel kostet es rund 25 bis 100 € pro m², eine ganze Haut misst 4 bis 5 m². Hochwertiges Möbelleder setzen Polstereien in ihren Kalkulationen mit rund 90 bis 100 € pro m² an.

Neben dem Preis zählt die Scheuerfestigkeit, die in Scheuertouren nach Martindale angegeben wird: Für ein täglich genutztes Sofa reichen 15.000 bis 25.000 Touren, in Haushalten mit Kindern oder bei intensiver Nutzung sollten es 30.000 und mehr sein. Objektstoffe beginnen bei 40.000. Krallenschäden bildet der Wert nicht ab, weil der Test nur den flächigen Abrieb misst. Mit Katze im Haushalt hilft eine hohe Tourenzahl allein also wenig. Farbe und Struktur des Bezugs wählen Sie am besten passend zum Wohnstil des Raums.

Wie viel Stoff ein Möbel genau braucht, ermittelt die Polsterei am Stück. Die folgenden Richtwerte gelten für 140 cm breite Ware und zeigen, was der Bezug in den drei Preisstufen ungefähr kostet. Die Beträge sind gerundet.

MöbelstückStoffbedarfeinfacher Stoffmittlere Qualitäthochwertiger Stoff
Stuhl mit Sitz und Rückenrund 0,7 m7 bis 18 €32 bis 49 €63 bis 140 €
Sessel3 bis 4 m30 bis 100 €135 bis 280 €270 bis 800 €
Ohrensesselrund 5 m50 bis 125 €225 bis 350 €450 bis 1.000 €
Eckbank mit einem Stuhlrund 6,3 m63 bis 158 €284 bis 441 €567 bis 1.260 €
Zweisitzer8 bis 13 m80 bis 325 €360 bis 910 €720 bis 2.600 €
Dreisitzer12 bis 14 m120 bis 350 €540 bis 980 €1.080 bis 2.800 €

Beim Zweisitzer mit 8 m Stoff kostet der Bezug also 80 bis 200 € in einfacher und 720 bis 1.600 € in hochwertiger Qualität. Lose Kissen erhöhen den Bedarf, ebenso ein Muster mit Rapport, weil die Bahnen passend zum Muster zugeschnitten werden. Ein gemusterter Stoff braucht beim Dreisitzer 15 bis 17 m statt 12 bis 14 m. Bei 60 € pro Meter sind das 180 € mehr.

Wie setzt sich der Preis der Polsterei zusammen?

Bei Stoff mittlerer Qualität macht die Arbeit den größten Teil der Rechnung aus. Polstereien rechnen mit Stundensätzen von 50 bis 70 €. Für einen Dreisitzer einfacher Bauart nennt eine ältere Ratgeberangabe 15 bis 25 Arbeitsstunden, das ergibt 750 bis 1.750 € für die reine Arbeitszeit. In dieser Zeit nimmt die Polsterei den alten Bezug ab, prüft und ergänzt die Polsterung, schneidet den neuen Stoff zu, näht ihn und zieht ihn auf. Den Stoff weisen die meisten Betriebe als eigene Position aus. Preise ohne Stoff enthalten Arbeit und Polstermaterial wie Watte.

Je nach Betrieb kommen weitere Posten dazu:

  • Die Besichtigung ist im Nahbereich meist kostenlos, sonst fällt eine Pauschale im zweistelligen Bereich an. Eine Polsterei nimmt zum Beispiel 35 € und rechnet sie bei einem Auftrag an.
  • Für Abholung und Rücktransport zahlen Sie 0 bis 150 €. Mehrere Betriebe holen im Umkreis kostenlos ab.
  • Müssen Schaum, Gurte oder Federn ersetzt werden, berechnet die Polsterei die zusätzliche Arbeit und das Material nach Aufwand.

Beispielrechnung für einen Zweisitzer

Das Beispiel geht von einem Zweisitzer ohne lose Kissen aus, der nur einen neuen Bezug bekommt. Angesetzt sind 8 m Stoff, 1.200 € für Arbeit und Polstermaterial und 100 € für Abholung und Rücktransport.

Posteneinfacher Stoff, 20 € pro Metermittlere Qualität, 60 € pro Meterhochwertiger Stoff, 120 € pro Meter
Stoff, 8 m160 €480 €960 €
Arbeit und Polstermaterial1.200 €1.200 €1.200 €
Abholung und Rücktransport100 €100 €100 €
Summe1.460 €1.780 €2.260 €

Mit dem mittleren Stoff landet das Beispiel mitten in der Spanne aus der Übersicht. Holt die Polsterei im Umkreis kostenlos ab, sinkt jede Summe um 100 €. Der hochwertige Stoff zeigt, wie stark der Bezug den Preis nach oben zieht: Er kostet hier 800 € mehr als die einfache Variante.

So läuft der Neubezug in der Polsterei ab

  1. Sie schicken der Polsterei Fotos und die Maße des Möbels und bitten um eine erste Preisspanne.
  2. Bei der Besichtigung prüft der Betrieb Gestell und Polsterung und bespricht mit Ihnen, ob die Polsterung bleiben kann.
  3. Sie wählen den Stoff anhand von Mustern aus und achten dabei auf Scheuertouren und Rapport.
  4. Sie bekommen ein schriftliches Angebot, in dem jeder Posten vom Stoff bis zum Transport einzeln aufgeführt ist.
  5. Die Polsterei holt das Möbel ab, oder Sie bringen es selbst in die Werkstatt.
  6. In der Werkstatt wird der alte Bezug abgenommen, die Polsterung ergänzt oder erneuert und vorhandener Schaum bei Bedarf gedämpft, damit er seine Form zurückbekommt. Danach wird der neue Stoff zugeschnitten und aufgezogen.
  7. Nach der Rücklieferung prüfen Sie Nähte und Musterverlauf und zahlen erst dann den Rest.

Manche Schäden zeigen sich erst, wenn der alte Bezug ab ist, etwa gerissene Gurte. Vereinbaren Sie deshalb vorab, dass die Polsterei sich meldet und den Preis nennt, bevor sie zusätzliche Arbeiten ausführt.

Neubezug oder neues Sofa, was rechnet sich?

Nach Aussage einer Polsterei kommt ein Neubezug in der Regel nur in Frage, wenn er nicht teurer ist als ein vergleichbares neues Möbel. Bei einem Sofa, das neu unter 500 € kostet, ist Neubeziehen deshalb unwirtschaftlich. Schon der Stoff für einen Zweisitzer kostet in mittlerer Qualität 360 € und mehr. Anders sieht es bei Möbeln aus, deren Unterbau noch viele Jahre hält. Für den Neubezug sprechen:

  • ein massives Holzgestell mit handwerklichen Verbindungen wie Nut und Feder, keine getackerte Spanplatte
  • hochwertiger Schaum, der nur ergänzt oder gedämpft werden muss
  • ein intakter Unterbau mit tragfähigen Gurten und Federn
  • ein Erbstück oder Designermöbel, das Sie so nicht wieder bekommen

Für einzelne Reparaturen nennt ein Möbelhändler als Faustregel die Hälfte des Neupreises: Kostet die Reparatur mehr, wird es eng. Oft muss es aber gar kein neuer Bezug sein. Sind nur Flecken das Problem, hilft eine Reinigung, deren Preise der Überblick zur Polsterreinigung vom Fachbetrieb aufschlüsselt. Welche Arbeit zu welchem Schaden passt, zeigt die Tabelle.

Zustand des MöbelsPassende ArbeitPreis
Flecken, Stoff sonst intaktPolsterreinigung vom FachbetriebZweisitzer 60 bis 120 €, Dreisitzer 90 bis 160 €
Sitzkissen durchgesessen, Bezug gutneuer Schaumkern im vorhandenen BezugMaterial 14 bis 36 € je Kissen, dazu Arbeitszeit
Brandloch, Riss oder KratzerReparatur der einzelnen Schadstelleab rund 15 € je Stelle bei Stoff, ab rund 30 € bei Leder
Federkern mürbeSitz neu polstern600 bis 1.200 € laut Kostenportalen
Stoff verschlissen oder Kunstleder blättert abNeubezugsiehe Übersicht oben
Sofa mit Neupreis unter 500 €NeukaufNeubezug unwirtschaftlich

Wo Sie beim Neubezug sparen können

Der größte Hebel ist der Stoff. Ein einfarbiger Stoff ohne Rapport braucht weniger Meter, und hochwertige Ware ab 90 € pro Meter ist kein Muss, solange die Scheuertouren zur Nutzung passen. Daneben gibt es einige Möglichkeiten, die Rechnung klein zu halten:

  • Lassen Sie vorhandenen Schaum dämpfen, wenn er nur zusammengedrückt ist. Er bekommt dabei seine Form zurück und muss nicht ersetzt werden.
  • Sind nur die Sitzkissen durchgesessen, reicht oft ein neuer Schaumkern im alten Bezug. Das Material kostet 14 bis 36 € je Kissen.
  • Wählen Sie einen Betrieb, der im Umkreis kostenlos abholt, oder bringen Sie das Möbel selbst. Das spart bis zu 150 €.
  • Holen Sie mehrere Angebote mit getrennten Posten ein. So sehen Sie, ob ein Preisunterschied am Stoff oder an der Arbeit liegt.
  • Beziehen Sie abnehmbare Stuhlsitze selbst. Der erste Stuhl kostet Sie mit Handtacker rund 35 bis 75 €, jeder weitere 20 bis 55 €. Beim Polsterer sind es 80 bis 150 € je Sitz.

Woran erkennen Sie eine seriöse Polsterei?

Der Zentralverband Raum und Ausstattung warnt über die Handwerkskammer der Pfalz vor unseriösen Polsterbetrieben. Nach seiner Beschreibung nehmen solche Betriebe die Möbel gegen eine Anzahlung von 30 bis 50 % mit. Bei einem Auftrag über 2.000 € wären das 600 bis 1.000 € Vorkasse, bevor Sie überhaupt ein Ergebnis gesehen haben. Achten Sie deshalb auf diese Punkte:

  • ein schriftliches Angebot, in dem Arbeit und Stoff getrennt stehen
  • eine feste Werkstattadresse, die Sie vorher besuchen können
  • keine hohe Vorkasse und die Restzahlung erst nach der Rücklieferung
  • eine Besichtigung, bevor der Betrieb einen festen Preis nennt

Für Raumausstatter gilt seit dem 14.02.2020 wieder die Meisterpflicht. Das Handwerk steht unter Nummer 52 in Anlage A der Handwerksordnung, Betriebe, die schon vorher bestanden, haben Bestandsschutz. Was Raumausstatter außer Polstern noch übernehmen, beschreibt das Berufsbild des Raumausstatters.

Häufige Fragen zum Neubezug von Polstermöbeln

Lohnt es sich, ein 20 Jahre altes Sofa neu beziehen zu lassen?

Das Alter allein sagt wenig. Ein 20 Jahre altes Sofa mit massivem Holzgestell, handwerklichen Verbindungen und intaktem Unterbau ist ein guter Kandidat für den Neubezug. Besteht der Korpus aus getackerter Spanplatte, rechnet sich der Neubezug selten. Vergleichen Sie den Angebotspreis mit einem gleichwertigen neuen Sofa. Liegt der Neubezug darüber, ist nach Einschätzung einer Polsterei der Neukauf die bessere Wahl.

Was kostet es, ein Ecksofa neu beziehen zu lassen?

Für ein Ecksofa oder eine Wohnlandschaft beginnt der Neubezug bei rund 2.500 €. Nach oben ist die Spanne offen, weil sich Größe und Zahl der Elemente stark unterscheiden. Den Stoffbedarf ermittelt die Polsterei am Möbel. Holen Sie auf jeden Fall ein Angebot nach Besichtigung ein, denn Pauschalpreise treffen bei großen Stücken selten zu.

Kann man ein Sofa aus Kunstleder neu beziehen?

Ja. Blättert Kunstleder ab oder reißt es flächig ein, lässt es sich nicht dauerhaft reparieren. Das Sofa bekommt dann einen neuen Bezug, wahlweise wieder aus Kunstleder, aus Stoff oder aus Leder. Ob sich das rechnet, hängt wie bei jedem Sofa vom Gestell ab. Kostet ein vergleichbares neues Sofa weniger als 500 €, ist der Neukauf die günstigere Lösung.

Was ist der Unterschied zwischen Sattlerei und Polsterei?

Eine Polsterei hat ihren Schwerpunkt bei Polstermöbeln. Sie arbeitet mit Stoff und Leder und kümmert sich auch um den Unterbau aus Gestell und Federn. Die Sattlerei ist ein Lederhandwerk mit den Fachrichtungen Fahrzeugsattlerei, Reitsportsattlerei und Feintäschnerei. Für den Neubezug von Möbeln kommen laut Zentralverband sowohl Raumausstatter als auch Sattler in Frage, denn beide lernen das Polstern in ihrer dreijährigen Ausbildung.

Was kostet eine Polsterei pro Stunde?

Polstereien rechnen mit 50 bis 70 € pro Arbeitsstunde. In Preislisten und Angeboten nennen sie aber meist einen Preis je Möbelstück, der Arbeit und Polstermaterial enthält, und führen den Stoff als eigene Position. Je nach Betrieb berechnet die Polsterei außerdem Abholung und Rücktransport mit 0 bis 150 € und außerhalb des Nahbereichs eine Pauschale für die Besichtigung.

Alexander Oberst, Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Verfasst von

Alexander Oberst Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Alexander Oberst ist seit 2017 Redakteur beim Blauarbeit-Ratgeber und damit eine der dienstältesten Stimmen der Redaktion. Sein Thema ist die Zusammenarbeit von Auftraggebern und Handwerksbetrieben: Angebote vergleichen, Aufträge sicher vergeben, Gewährleistung und Anfahrtskosten richtig einordnen. Sein Blick ist dabei immer der des Auftraggebers: Was muss ich wissen, bevor ich unterschreibe?

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