Möbel polstern heißt, den weichen Aufbau eines Sitzmöbels zu erneuern, von den Gurten über Federn und Schaumstoff bis zum Bezug. Den Bezug einer Stuhlsitzplatte oder den Schaumkern eines Kissens erneuern Sie selbst, ein Federkern oder eine Schnürpolsterung gehört dagegen in eine Polsterei oder zu einem Raumausstatter, ebenso antike Stücke. Beim Fachbetrieb kostet ein Stuhlsitz mit Stoff rund 80 bis 150 €, ein Zweisitzer 1.300 bis 2.200 €.
Was bedeutet Möbel polstern?
Im Sprachgebrauch laufen drei Arbeiten zusammen. Beim Neubeziehen bekommt das Möbel einen neuen Stoff oder ein neues Leder, das Polster darunter bleibt. Beim Aufpolstern erneuert die Polsterei die weichen Schichten, also Schaum, Watte und je nach Möbel auch Federn und Gurte. Polstern im engeren Sinn meint den Aufbau dieser Schichten auf dem Gestell. In der Werkstatt gehen die Arbeiten meist ineinander über: Wer den alten Bezug abnimmt, sieht, ob der Schaum noch trägt und die Federn halten. Manche Polstereien nennen ihre Preise deshalb ausdrücklich für einen Neubezug ohne neue Polsterung, alles darunter kommt nach Befund dazu.
Wie ist ein Polster aufgebaut?
Ein klassisches Polstermöbel ist in sechs Lagen aufgebaut, von unten nach oben:
- Das Gestell trägt alles. Massives Holz mit handwerklichen Verbindungen wie Nut und Feder hält länger als Spanplatte, die nur mit Krampen zusammengetackert ist.
- Über dem Rahmen liegt die Unterfederung. Bei älteren Möbeln sind es gespannte Gurte, bei modernen Sofas oft Wellenfedern. Stühle mit Einlegesitz haben stattdessen eine Holzplatte.
- Auf den Gurten sitzt der Federkern aus Sprungfedern. Bei alten Möbeln sind die Federn von Hand miteinander verschnürt, Polsterer sprechen von Schnürpolsterung. Viele moderne Stühle kommen ohne Federn aus.
- Der Schaumstoff bestimmt, wie fest der Sitz ist. Gehandelt wird er nach Raumgewicht (RG), dem Gewicht in Kilogramm je Kubikmeter. Sitzflächen brauchen mindestens RG 35, besser RG 40 bis 50, und Polstereien setzen für Stühle und Bänke RG 50 ein, während RG 25 weichen Kissen vorbehalten bleibt. Plattenware kostet je nach Raumgewicht und Stärke rund 25 bis 65 € pro m².
- Die Polsterwatte umhüllt den Schaum, rundet die Kanten und macht die Oberfläche weich.
- Der Bezug aus Stoff oder Leder schließt das Polster ab. Für ein täglich genutztes Sofa nennen Polstereien 15.000 bis 25.000 Scheuertouren nach Martindale, für Haushalte mit Kindern 30.000 und mehr, für den Objektbereich ab 40.000.
Vor dem Schaumstoff polsterten Handwerker mit Naturfasern wie Rosshaar, Kokosfaser oder Seegras. Diese Füllungen finden Sie heute vor allem in antiken Stühlen und Sofas.
Welche Polsterarbeiten Laien selbst schaffen
Selbst machbar sind Arbeiten, bei denen der Aufbau offen vor Ihnen liegt und ein Fehler wenig kostet. Dazu gehört die abnehmbare Sitzplatte eines Esszimmerstuhls. Das Material für den ersten Stuhl samt Handtacker kostet rund 35 bis 75 €, für jeden weiteren rund 20 bis 55 €. Ebenso einfach ist ein neuer Schaumkern für ein Sofakissen mit Reißverschluss, das Material liegt bei 14 bis 36 € je Kissen.
Schwierig wird es, sobald Nähte und Federn ins Spiel kommen. Einen Sessel oder ein Sofa komplett neu zu beziehen, braucht Übung beim Zuschnitt, und Fehler gehen ins Geld. Allein der Stoff für einen Zweisitzer kostet bei 8 bis 13 laufenden Metern in mittlerer Qualität rund 360 bis 910 €. Gurte unter einem festen Polster und die Schnürpolsterung gehören in die Werkstatt, Lederbezüge ebenso.
Wer das Polstern von Grund auf lernen will, findet es in der dreijährigen Ausbildung zum Raumausstatter, die einen eigenen Schwerpunkt Polstern hat.
Wann gehören antike Möbel zum Polsterer?
Ein antikes Sitzmöbel gehört in eine Polsterei, wenn das Polster erneuert werden soll, denn unter dem Bezug steckt meist eine Schnürpolsterung mit Gurten, von Hand verschnürten Federn und Naturfüllungen. Diese Technik wird heute vor allem bei der Restaurierung eingesetzt. Fragen Sie gezielt nach Erfahrung damit. Wer das alte Polster durch Schaumstoff ersetzt, verändert Sitzgefühl und Form des Stücks.
Auch Bezüge mit Polsternägeln oder Borte, wie sie bei Stilmöbeln üblich sind, brauchen Erfahrung. Dafür berechnen Polstereien rund 25 % mehr als für einen getackerten Stuhlsitz. Ob sich die Arbeit an einem alten Stück rechnet, hängt vor allem vom Gestell ab. Ist es aus massivem Holz, hat handwerkliche Verbindungen und ist der Unterbau intakt, spricht viel für den Erhalt. Fragen Sie im Angebot gezielt, ob die Polsterei die alte Polsterung erhalten und nur ergänzen oder komplett neu aufbauen will.
Polsterei, Raumausstatter oder Sattler im Vergleich
| Betrieb | Schwerpunkt | Die richtige Wahl für |
|---|---|---|
| Polsterei | Polstermöbel in Stoff und Leder, vom Gestell bis zum Schaum | Sofa, Sessel, Stühle, antike Sitzmöbel |
| Raumausstatter | Bodenbeläge und Wände, Sonnenschutz sowie Polstermöbel | Polster zusammen mit Vorhängen oder Bodenbelag |
| Sattler | Leder, Fachrichtungen Fahrzeugsattlerei, Reitsportsattlerei und Feintäschnerei | Lederpolster und Fahrzeugsitze |
Laut Zentralverband Raum und Ausstattung lernen Raumausstatter und Sattler das Polstern in ihrer dreijährigen Ausbildung. Für Raumausstatter gilt seit dem 14.02.2020 wieder die Meisterpflicht, das Handwerk steht als Nr. 52 in der Anlage A der Handwerksordnung. Betriebe, die bereits vorher bestanden, haben Bestandsschutz. Was der Beruf sonst umfasst, von Bodenbelägen bis zum Sonnenschutz, beschreibt das Berufsbild des Raumausstatters.
Was kostet es, Möbel polstern zu lassen?
Die Preise hängen vom Möbelstück ab. Ein Stuhlsitz mit Stoff mittlerer Preislage kostet bei der Polsterei rund 80 bis 150 €, ein Sessel mit Stoff rund 700 bis 1.900 €, ein Zweisitzer 1.300 bis 2.200 €. Pro Stunde rechnen Polstereien 50 bis 70 €. Alle Möbelstücke mit Stoffbedarf und Zusatzkosten stehen in der Übersicht zu den Kosten für Polstermöbel neu beziehen. Ist das Polster intakt und nur der Stoff verschmutzt, reicht oft eine professionelle Polsterreinigung, für einen Dreisitzer 90 bis 160 €.
Lassen Sie sich ein schriftliches Angebot geben, wählen Sie einen Betrieb mit fester Firmenadresse und leisten Sie keine hohe Vorkasse. Der Zentralverband warnt über die Handwerkskammer der Pfalz vor Anbietern, die Möbel gegen 30 bis 50 % Anzahlung mitnehmen.
Häufige Fragen zum Möbelpolstern
Kann ich Möbel selbst neu polstern?
Einfache Stücke ja. Eine abnehmbare Stuhlsitzplatte beziehen Sie mit Schaumstoff ab RG 35 und Möbelstoff selbst, dazu brauchen Sie Polsterwatte und einen Handtacker. Das Material für den ersten Stuhl kostet rund 35 bis 75 €. Auch einen Schaumkern im Kissen tauschen Laien ohne Werkstatt. Sessel und Sofas mit Federkern sollten Sie einer Polsterei überlassen, ebenso Leder und antike Möbel mit Schnürpolsterung.
Wie viel Arbeitszeit steckt in einem neu gepolsterten Möbel?
Eine Polsterei gibt für einen Ohrensessel 8 bis 10 Arbeitsstunden an. Bei 50 bis 70 € pro Stunde ergibt das 400 bis 700 € allein für die Arbeit. Stoff und Polstermaterial kommen dazu. Für einen einfach gebauten Dreisitzer nennt ein älterer Ratgeber 15 bis 25 Stunden. Beim Zweisitzer entfallen von 1.300 bis 2.200 € rund 1.050 bis 1.700 € auf die Arbeit, sie ist damit der größte Posten.
Woran erkennen Sie ein hochwertiges Polster?
Am Gestell aus massivem Holz mit handwerklichen Verbindungen wie Nut und Feder, an einem intakten Unterbau aus Gurten oder Federn und an Sitzschaum mit einem Raumgewicht von RG 40 bis 50. Günstige Möbel bestehen dagegen oft aus Spanplatte, die mit Krampen zusammengetackert ist. Ein solches Polster neu aufzubauen, bringt wenig, weil das Gestell zuerst nachgibt.
Lohnt sich das Polstern bei günstigen Möbeln?
Selten. Polstereien raten zum Neubezug in der Regel nur, wenn er nicht teurer ist als ein vergleichbares neues Möbel. Bei einem Sofa, das neu unter 500 € kostet, ist Neubeziehen unwirtschaftlich. Anders sieht es bei Erbstücken, Designermöbeln und Klassikern mit massivem Holzgestell aus.
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