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Feinsteinzeug im Wohnbereich: heller Fliesenboden vor einem Kaminofen

Feinsteinzeug und warum es fast überall eingesetzt werden kann

Lesedauer 4 Minuten

Feinsteinzeug liegt heute in den meisten neuen Bädern und Küchen und auf vielen Terrassen und das aus gutem Grund: Das Material wird bei über 1.200 °C so dicht gebrannt, dass es weniger als 0,5 % Wasser aufnimmt. Damit ist es frostsicher, extrem robust und fleckunempfindlich, drinnen wie draußen. Das Material kostet 25 bis 60 € pro m². Dieser Ratgeber erklärt, was Feinsteinzeug von anderen Fliesen unterscheidet, welche Varianten es gibt und wo die einzige Schwäche des Materials liegt.

Was ist Feinsteinzeug?

Feinsteinzeug ist eine keramische Fliese, die aus fein gemahlenen Rohstoffen unter sehr hohem Druck gepresst und bei über 1.200 °C gebrannt wird. Durch diesen Brand versintert der Scherben nahezu porenfrei. Die Fliesennorm zieht die Grenze bei einer Wasseraufnahme von 0,5 %: Nur was darunter bleibt, darf sich Feinsteinzeug nennen. Zum Vergleich: Normales Steingut nimmt mehr als 10 % Wasser auf. Diese Dichte ist auch der Vorteil des Materials, denn wo kein Wasser eindringt, können weder Frost noch Flecken Schaden anrichten.

Viele Serien sind zusätzlich kalibriert: Die Kanten werden nach dem Brand exakt geschliffen, sodass alle Fliesen dasselbe Maß haben und sich mit sehr schmalen Fugen ab etwa 2 mm verlegen lassen. Das ergibt das ruhige, großflächige Bild, das moderne Bäder und Wohnräume prägt.

Welche Vorteile hat das Material?

Feinsteinzeug ist härter, dichter und langlebiger als jede andere Standardfliese. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Frostsicher: Durch die geringe Wasseraufnahme ist das Material für Balkon und Terrasse geeignet. Worauf es draußen zusätzlich ankommt, zeigt der Beitrag über frostsichere Fliesen.
  • Verschleißfest: Feinsteinzeug erreicht hohe Abriebklassen und eignet sich somit für Flure, Eingangsbereiche und gewerbliche Nutzung.
  • Fleckunempfindlich: Rotwein, Öl oder Kaffee ziehen nicht ein und lassen sich einfach aufwischen.
  • Lichtecht: Die Farben bleichen auch in praller Sonne nicht aus.
  • Pflegeleicht: Glasierte Ware braucht weder Versiegelung noch besondere Pflegemittel.
  • Rutschhemmend: Für Bad, Außenbereich und Poolumrandung gibt es Oberflächen der Rutschklassen R9 bis R11, von leicht strukturiert bis griffig.

Welche Varianten gibt es?

Feinsteinzeug gibt es glasiert, unglasiert und poliert, dazu in praktisch jeder Optik. Glasierte Fliesen tragen eine gebrannte Oberflächenschicht mit dem Dekor, meist Holzoptik, Betonoptik oder Marmoroptik, und sind am pflegeleichtesten. Unglasierte Ware ist durchgefärbt: Kratzer fallen kaum auf, weshalb sie in stark beanspruchten Bereichen verlegt wird. Poliertes Feinsteinzeug glänzt edel, hat aber durch das Polieren geöffnete Poren und sollte imprägniert werden; in nassen Bereichen wird es zudem rutschig. Die Dekore sind inzwischen so ausgereift, dass Holzoptiken mit fühlbarer Maserung gebrannt werden und selbst aus der Nähe kaum vom Original zu unterscheiden sind. Beliebt sind auch Serien, die Zementfliesen oder Terrazzo nachbilden, ohne deren empfindliche Oberfläche zu übernehmen.

Für den Außenbereich gibt es 2 cm starke Terrassenplatten, die lose auf Splitt oder Stelzlager verlegt werden. Auch XXL-Formate ab 120 cm Kantenlänge bestehen fast immer aus Feinsteinzeug, weil kein anderes Material bei dieser Größe formstabil bleibt. Was bei den großen Platten zu beachten ist, lesen Sie im Beitrag über Großformatfliesen.

Warum sind Schneiden und Bohren so herausfordernd?

Die Härte, die Feinsteinzeug so langlebig macht, ist beim Verarbeiten sein größter Nachteil. Einfache Fliesenschneider für den Hobbybereich ritzen die Oberfläche oft nicht tief genug, sodass der Bruch unsauber verläuft. Zuverlässig arbeitet ein stabiler Fliesenschneider mit Titan- oder Diamanträdchen, bei dicken Platten und Gehrungen ein Nassschneidetisch mit Diamanttrennscheibe. Gebohrt wird mit Diamantbohrkronen ohne Schlagfunktion und mit Wasserkühlung, denn normale Steinbohrer stumpfen ab. Für einzelne gerade Schnitte eignet sich auch ein Winkelschleifer mit Diamantscheibe, allerdings mit viel Staub und rauer Schnittkante. Planen Sie bei den ersten Versuchen ein bis zwei Fliesen als Übungsmaterial ein. Eine ausführliche Anleitung mit Werkzeugempfehlungen finden Sie unter Fliesen schneiden.

Was kostet Feinsteinzeug?

Für Feinsteinzeug zahlen Sie 25 bis 60 € pro m² für das Material. Einfache glasierte Fliesen in Standardformaten beginnen bei 25 €, hochwertige Serien in Holzoptik oder Marmoroptik liegen bei 40 bis 60 €, XXL-Formate und 2 cm starke Terrassenplatten auch darüber. Dazu kommen Kleber, Fugenmörtel und der Arbeitslohn; die komplette Rechnung mit allen Posten finden Sie im Ratgeber Fliesen verlegen Kosten. Wegen der aufwendigeren Zuschnitte berechnen manche Betriebe für Feinsteinzeug einen kleinen Aufschlag gegenüber weicheren Fliesen. Unglasierte und durchgefärbte Ware kostet oft etwas mehr als einfache glasierte Serien, bleiben aber länger optisch in gutem Zustand. Für Kleber und Fugenmörtel rechnen Sie zusätzlich mit 5 bis 10 € pro m².

Worin unterscheidet es sich von Steingut und Steinzeug?

Die drei keramischen Fliesenarten unterscheiden sich vor allem in ihrer Dichte, und daraus folgt fast alles Weitere:

EigenschaftSteingutSteinzeugFeinsteinzeug
Wasseraufnahmeüber 10 %0,5 bis 3 %unter 0,5 %
Frostsicherneinteilweiseja
EinsatzbereichWand innenBoden innenBoden, Wand und außen
Materialpreis pro m²10 bis 40 €20 bis 50 €25 bis 60 €

Steingut bleibt wegen seines geringen Gewichts und der leichten Verarbeitung die typische Wandfliese, Steinzeug der solide Bodenbelag für innen. Deshalb kombinieren viele Bäder bis heute Steingut an der Wand mit Feinsteinzeug am Boden. Einen kompletten Überblick über alle Materialien bis hin zu Naturstein gibt der Ratgeber zu den Fliesenarten.

Die wichtigsten Fragen rund um Feinsteinzeug

Ist Feinsteinzeug für Fußbodenheizungen geeignet?

Ja, sogar besonders gut. Die Fliese leitet Wärme schnell weiter, das liegt auch an der geringen Aufbauhöhe von oft nur 6 bis 10 mm. Deshalb gehört Feinsteinzeug zu den beliebtesten Belägen für Fußbodenheizungen, deutlich vor Holz oder Teppich.

Muss Feinsteinzeug imprägniert werden?

Glasiertes Feinsteinzeug nicht, poliertes Feinsteinzeug sollte dagegen imprägniert werden, weil das Polieren die oberste Schicht anschleift und feine Poren öffnet. Bei unglasierter Ware hängt es von der Nutzung ab; in Küchen ist eine Imprägnierung sinnvoll, um Fettflecken vorzubeugen.

Woran erkennen Sie Feinsteinzeug beim Kauf?

Auf der Verpackung steht die Einstufung nach Wasseraufnahme; Feinsteinzeug ist mit der Gruppe BIa und einem Wert unter 0,5 % gekennzeichnet. Auch der Blick auf die Rückseite hilft: Die Fliese ist sehr fein, gleichmäßig und dicht. Im Zweifel nennt das Datenblatt des Herstellers die genauen Werte.

Können Sie Feinsteinzeug selbst verlegen?

Mit Erfahrung ja: Verlegt wird wie bei anderen Fliesen mit Flexkleber, bei großen Formaten vollflächig haftend. Die Hürde ist der Zuschnitt, der ohne gutes Werkzeug schnell zu kaputten Fliesen führt. Die Arbeitsschritte vom Untergrund bis zur Fuge erklärt die Anleitung Fliesen legen und verfugen.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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