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Verschiedene Fliesenarten in einem Fliesengeschäft.

Welche Fliesenart passt zu welchem Raum?

Lesedauer 5 Minuten

Letzte Aktualisierung am 15. Juli 2022

Feinsteinzeug ist für die meisten Räume die beste Fliesenart: Es ist hart, pflegeleicht und je nach Ausführung sogar frostsicher. Daneben haben Steingut, Steinzeug, Naturstein, Zement- und Mosaikfliesen ihre eigenen Stärken, die über Einsatzort und Preis entscheiden. Dieser Überblick zeigt alle gängigen Fliesenarten mit Eigenschaften und Materialpreisen, erklärt die wichtigsten Kaufkriterien wie Abriebklasse und Rutschhemmung und gibt konkrete Empfehlungen für Bad, Küche, Flur und Außenbereich.

Bild: Евгений Вершинин / stock.adobe.com

Wie lassen sich Fliesenarten unterscheiden?

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist das Material: Keramikfliesen aus Steingut, Steinzeug oder Feinsteinzeug decken den Großteil des Marktes ab, dazu kommen Naturstein, Zement und Glas. Bei Keramik entscheiden die Rohmischung und die Brenntemperatur über Dichte und Härte, bei Naturstein die Steinart, etwa Marmor, Granit, Schiefer oder Kalkstein. Wandfliesen dürfen dabei weicher sein als Bodenfliesen, denn sie werden mechanisch kaum belastet.

Daneben lassen sich Fliesen nach dem Format einteilen, von kleinteiligem Mosaik bis zu Platten mit über einem Meter Kantenlänge. Für die Praxis ebenso wichtig sind die technischen Klassen: Die Abriebklasse von 1 bis 5 beschreibt, wie viel mechanische Belastung die Oberfläche verträgt, die Rutschhemmung von R9 bis R13 steht für die Trittsicherheit und die Ritzhärte für die Kratzfestigkeit. Kunststoffbeläge in Fliesenoptik, etwa aus PVC oder Vinyl, zählen dagegen nicht zu den Fliesen im eigentlichen Sinn, sie werden wie ein Bodenbelag verlegt.

Keramikfliesen von Steingut bis Feinsteinzeug

Keramikfliesen machen den Großteil aller verkauften Fliesen aus. Sie bestehen aus Ton, Sand und Feldspat, teils ergänzt um Quarz, Kreide oder Kalk. Die Mischung wird geformt und bei hohen Temperaturen gebrannt. Zusammensetzung und Brenntemperatur bestimmen, welche der drei Untergruppen entsteht und wie belastbar die fertige Fliese ist.

Steingut

Steingutfliesen sind vergleichsweise weich und porös, dafür leicht zu schneiden. Das macht sie ideal für Wandflächen mit vielen Zuschnitten und Aussparungen, etwa für Rohre. Als Bodenbelag und im Außenbereich sind sie ungeeignet, denn Steingut gehört nicht zu den frostsicheren Fliesen. Mit 10 bis 30 € pro m² sind sie die günstigste Keramikvariante.

Steinzeug

Steinzeugfliesen werden bei deutlich höheren Temperaturen gebrannt, haben dadurch eine höhere Dichte und sind widerstandsfähiger. Sie eignen sich damit auch als Bodenbelag, einige Sorten kommen sogar im Außenbereich zurecht. Standardfliesen aus Steinzeug kosten etwa 15 bis 40 € pro m².

Feinsteinzeug

Feinsteinzeug wird bei bis zu 1.300 Grad gebrannt und ist die härteste und dichteste Keramikfliese. Es nimmt kaum Wasser auf, ist durchgehend frostsicher und muss nicht glasiert werden, denn auch unglasiert lässt es sich leicht reinigen und weist Schmutz weitgehend ab. Feinsteinzeug eignet sich für alle Räume sowie für die Terrasse und kostet 25 bis 60 € pro m². In Holzoptik oder Betonoptik ist es vom Vorbild optisch kaum noch zu unterscheiden.

Naturstein, Zement und Glas für besondere Optik

Jenseits der Keramik punkten drei Fliesenarten vor allem mit ihrem Aussehen, verlangen aber mehr Pflege oder ein größeres Budget.

Natursteinfliesen

Natursteinfliesen bestehen aus unverändertem Stein wie Marmor, Granit, Basalt, Kalkstein oder Schiefer. Jede Fliese ist ein Unikat, langlebig und meist gut frostsicher. Viele Sorten müssen imprägniert werden, damit Flecken keine Chance haben. Für Bad und Küche eignen sich dichte Sorten wie Granit besser als offenporiger Kalkstein. Die Preise beginnen bei 15 bis 60 € pro m², Marmor kann ein Vielfaches kosten. Was bei Auswahl und Verarbeitung zu beachten ist, zeigt unser Ratgeber zum Verlegen von Natursteinfliesen.

Zementfliesen

Zementfliesen werden nicht gebrannt, sondern nur getrocknet, traditionell in Handarbeit. Ihre matte, weiche Oberfläche und die ornamentalen Muster machen sie zum Blickfang, sie müssen aber versiegelt werden und sind nicht frostsicher. Auch säurehaltige Reiniger vertragen sie nicht, hier ist milde Pflege gefragt. Mit 55 bis 70 € pro m² gehören sie zu den teureren Fliesenarten.

Glasfliesen

Glasfliesen sind vor allem als Wandfliesen beliebt, für Böden sind sie zu rutschig. Sie sind in nahezu allen Farben erhältlich und erzeugen durch ihre Transparenz schöne Lichteffekte, häufig als Mosaik verarbeitet. Die Preise reichen je nach Qualität von 20 bis 80 € pro m².

Mosaik und XXL-Formate liegen im Trend

Zwei gegensätzliche Formate prägen aktuelle Bäder und Wohnräume: kleinteiliges Mosaik für Akzente und großformatige Platten für ruhige Flächen.

Mosaikfliesen

Mosaikfliesen messen meist nur 2 x 2 bis 5 x 5 cm und kommen auf Netzmatten geklebt in den Handel. Sie folgen Rundungen und Gefälle problemlos und sind deshalb erste Wahl für bodengleiche Duschen und verwinkelte Flächen. Das Material kostet 20 bis 100 € pro m², durch den hohen Fugenanteil steigt allerdings der Reinigungsaufwand.

Großformat und XXL

Großformatfliesen ab 60 x 60 cm bis hin zu Platten von 120 x 260 cm sorgen für ein ruhiges Fugenbild und lassen Räume größer wirken. Sie verlangen einen perfekt ebenen Untergrund und viel Erfahrung bei der Verlegung, entsprechend höher sind die Arbeitskosten. Beim Transport und Zuschnitt der schweren Platten arbeiten meist zwei Monteure zusammen. Gute Feinsteinzeugplatten im Großformat kosten 40 bis 90 € pro m².

Alle Fliesenarten im Vergleich

Die Tabelle fasst Einsatzbereiche und Materialpreise aller gängigen Fliesenarten zusammen:

FliesenartTypischer EinsatzMaterialpreis
SteingutWandfliesen innen10-30 €/m²
SteinzeugBoden und Wand innen15-40 €/m²
Feinsteinzeugalle Räume, Balkon, Terrasse25-60 €/m²
NatursteinWohnräume, Bad, außen15-60 €/m², Marmor deutlich mehr
ZementfliesenAkzentflächen innen55-70 €/m²
GlasfliesenWand, Fliesenspiegel20-80 €/m²
MosaikDusche, Akzentflächen20-100 €/m²
Großformat/XXLWohnräume, Bad40-90 €/m²

Zum Materialpreis kommt die Verlegung mit 40 bis 80 € pro m² für Standardformate, bei Mosaik und Großformat mit 60 bis 120 € pro m². Eine vollständige Aufstellung inklusive Beispielrechnungen finden Sie im Ratgeber zu den Kosten für das Fliesenverlegen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Fünf Merkmale entscheiden darüber, ob eine Fliese zum Einsatzort passt:

  • Abriebklasse: Klasse 1 und 2 genügen für Wandflächen und wenig genutzte Räume, Flur und Küche brauchen Klasse 3 bis 4, gewerbliche Flächen Klasse 5.
  • Rutschhemmung: Die Klassen reichen von R9 für trockene Wohnräume bis R13 für Gewerbeflächen. In Bad und Dusche zählen zusätzlich die Barfußklassen A bis C, für das private Bad genügt meist R10 oder Klasse B.
  • Frostsicherheit: Für Balkon und Terrasse muss die Fliese frostsicher sein, das heißt, ihre Wasseraufnahme liegt unter 0,5 %. Bewährt sind Feinsteinzeug und viele Natursteinsorten.
  • Rektifizierung: Rektifizierte Fliesen sind nach dem Brennen exakt auf Maß geschliffen. Sie erlauben sehr schmale Fugen ab etwa 2 mm und ein fast fugenloses Bild, kosten aber etwas mehr.
  • Glasur: Glasierte Fliesen lassen sich deutlich leichter reinigen als unglasierte und eignen sich deshalb für Küche und stark verschmutzte Bereiche. Unglasierte Oberflächen wirken natürlicher und sind oft rutschhemmender, brauchen aber mehr Pflege.

Die passende Fliese für jeden Raum

Im Bad zählen Rutschhemmung und Feuchtigkeitsresistenz: Feinsteinzeug mit R10 oder Barfußklasse B ist die sichere Wahl, in der bodengleichen Dusche punktet Mosaik. Was Boden- und Wandfliesen dort kosten, zeigt der Ratgeber zu den Kosten für das Fliesen im Bad.

In der Küche empfiehlt sich glasiertes Steinzeug oder Feinsteinzeug ab Abriebklasse 3, denn Fett und Krümel verlangen eine pflegeleichte Oberfläche. Im Flur treffen Straßenschuhe, Sand und Nässe zusammen, hier sollten es Abriebklasse 4 und eine rutschhemmende Oberfläche sein. Für Terrasse und Balkon sind frostsicheres Feinsteinzeug mit R11 oder robuster Naturstein die dauerhafteste Lösung.

Auch in Wohnräumen werden Fliesen immer beliebter, vor allem in Kombination mit einer Fußbodenheizung: Feinsteinzeug in Holzoptik verbindet die warme Ausstrahlung von Parkett mit der hohen Wärmeleitfähigkeit der Keramik. In gewerblich genutzten Bereichen gelten darüber hinaus verbindliche Vorgaben zur Rutschhemmung, die bei der Auswahl eingehalten werden müssen.

Häufige Fragen zu Fliesenarten

Welche Fliesenart ist die beste für den Boden?

Feinsteinzeug ist die vielseitigste Bodenfliese: hart, dicht, pflegeleicht und in fast jeder Optik erhältlich, von Holz bis Beton. Für stark genutzte Bereiche wie Flur oder Küche wählen Sie mindestens Abriebklasse 3 bis 4. Steingut bleibt dagegen der Wand vorbehalten, weil es zu weich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Steingut und Steinzeug?

Die Brenntemperatur. Steingut wird bei niedrigeren Temperaturen gebrannt, bleibt dadurch porös und nimmt mehr Wasser auf, lässt sich aber leicht schneiden. Steinzeug ist dichter, härter und deshalb auch für Böden geeignet. Feinsteinzeug treibt dieses Prinzip mit noch höheren Brenntemperaturen auf die Spitze.

Welche Fliesen eignen sich für draußen?

Für Terrasse und Balkon brauchen Sie frostsichere Fliesen mit einer Wasseraufnahme unter 0,5 % und einer Rutschhemmung ab R11. Feinsteinzeug erfüllt beide Anforderungen zuverlässig, auch viele Natursteinsorten wie Granit oder Basalt sind geeignet. Steingut und Zementfliesen gehören dagegen ausschließlich in den Innenbereich.

Was bedeutet rektifiziert bei Fliesen?

Rektifizierte Fliesen werden nach dem Brennen an den Kanten exakt auf Maß geschliffen, sodass alle Fliesen einer Serie identisch groß sind. Das erlaubt sehr schmale Fugen ab etwa 2 mm und eine ruhige, fast fugenlose Fläche. Die Verlegung verlangt allerdings einen sehr ebenen Untergrund.

Welche Fliesenarten sind am günstigsten?

Steingut für die Wand kostet ab 10 € pro m², einfaches Steinzeug für den Boden ab 15 € pro m². Bedenken Sie aber: Die Verlegung kostet bei günstigen und teuren Fliesen gleich viel. Wer langfristig plant, fährt mit hochwertigem Feinsteinzeug oft besser als mit der billigsten Fliese.

Alexander Oberst, Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Verfasst von

Alexander Oberst Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Alexander Oberst ist seit 2017 Redakteur beim Blauarbeit-Ratgeber und damit eine der dienstältesten Stimmen der Redaktion. Sein Thema ist die Zusammenarbeit von Auftraggebern und Handwerksbetrieben: Angebote vergleichen, Aufträge sicher vergeben, Gewährleistung und Anfahrtskosten richtig einordnen. Sein Blick ist dabei immer der des Auftraggebers: Was muss ich wissen, bevor ich unterschreibe?

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