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Weiße Kunststofffenster

Lassen sich Kunststofffenster überhaupt streichen?

Lesedauer 7 Minuten

Kunststofffenster lassen sich streichen, sofern der Untergrund dafür geeignet ist und die Farbe auf PVC abgestimmt ist. Entscheidend sind eine gründliche Reinigung, das Entfetten, ein geeigneter Haftvermittler und ein für Kunststoffprofile freigegebener Decklack. Für Material können bei einem Standardfenster etwa 40 bis 90 € anfallen. Ein Malerbetrieb berechnet je nach Größe, Zustand und Anzahl der Fenster meist etwa 150 bis 350 € pro Element.

Gewöhnlicher Buntlack ist für Kunststofffenster nicht geeignet. Auf den glatten Profilen fehlt ihm die notwendige Haftung. Hinzu kommen die besonderen Eigenschaften von PVC und die thermischen Belastungen, denen Fensterprofile durch Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

Warum hält normaler Lack nicht?

Kunststofffensterprofile bestehen meist aus PVC, dem verschiedene Zusatzstoffe für Verarbeitung, Witterungsbeständigkeit und weitere Materialeigenschaften beigemischt werden. Die glatte Oberfläche bietet einem herkömmlichen Lack nur wenig Haftung. Eine Beschichtung kann sich deshalb ohne geeignete Vorbehandlung wieder vom Untergrund lösen.

Auch Rückstände von Pflegemitteln, Silikon oder anderen Substanzen können die Haftung beeinträchtigen. Deshalb muss das Profil vor dem Anstrich gründlich gereinigt und mit einem dafür geeigneten Mittel entfettet werden.

Ein weiterer Faktor ist die thermische Ausdehnung. Kunststoffprofile verändern bei Temperaturunterschieden ihre Abmessungen. Dunkle Oberflächen erwärmen sich unter Sonneneinstrahlung stärker als helle. Eine ungeeignete oder zu starre Beschichtung kann diese Bewegungen nicht ausreichend aufnehmen und später Risse oder Ablösungen zeigen.

Für Kunststofffenster werden deshalb Beschichtungssysteme angeboten, die auf PVC abgestimmt sind. Dazu gehören geeignete Haftvermittler beziehungsweise Primer und darauf abgestimmte Decklacke. Je nach Hersteller und System liegen die Materialpreise für einen geeigneten Primer und Decklack zusammen etwa bei 35 bis 70 € pro Liter.

Wichtig ist, die Verarbeitungshinweise des jeweiligen Herstellers einzuhalten. Nicht jeder Kunststoffprimer ist für Fensterprofile geeignet, und auch beim Decklack müssen Untergrund, Außenanwendung und thermische Belastung berücksichtigt werden.

Was braucht ein funktionierender Aufbau?

ArbeitsschrittMaterialKosten
Reinigen und Entfettengeeigneter Kunststoffreiniger oder Silikonentferner8 bis 15 €
Anschleifenfeines Schleifvlies, etwa P3205 bis 12 €
HaftvermittlungKunststoff-Haftgrund beziehungsweise Primer20 bis 40 €
Deckbeschichtungfür PVC geeigneter Lack, meist zwei Schichten25 bis 50 €
AbdeckenKreppband und Abdeckfolie8 bis 15 €

Bei mehreren Fenstern können sich die Materialkosten pro Element reduzieren, weil Primer und Lack für mehrere Flächen ausreichen.

Die Reinigung ist dabei mehr als eine Vorarbeit. Staub, Fett, Pflegemittel, Silikonreste und andere Verunreinigungen können verhindern, dass der Haftgrund mit dem Kunststoff verbunden bleibt.

Zum Entfetten sollte ein vom Beschichtungssystem freigegebenes Reinigungsmittel verwendet werden. Nicht jedes Lösemittel ist für PVC geeignet. Nitroverdünnung oder aggressive Reiniger können die Oberfläche anlösen oder beschädigen und sind deshalb nicht pauschal für Kunststofffenster zu empfehlen.

Beim Anschleifen geht es nicht darum, Material abzutragen. Die Oberfläche wird lediglich mattiert, damit der Haftgrund eine geeignete Grundlage erhält. Ein feines Schleifvlies oder Schleifpapier im Bereich von etwa P320 ist dafür geeignet, sofern der Hersteller des Beschichtungssystems nichts anderes vorgibt.

Nach dem Schleifen muss der Staub vollständig entfernt werden. Anschließend kann der Haftgrund entsprechend den Angaben des Herstellers aufgetragen werden.

Wie lange hält der Anstrich?

Die Haltbarkeit eines Anstrichs auf Kunststofffenstern hängt von Untergrund, Beschichtungssystem, Witterung, Farbton, Ausrichtung und Verarbeitung ab. Eine pauschale Lebensdauer von drei bis acht Jahren lässt sich deshalb nicht für jedes Fenster angeben.

Auf der Wetterseite ist die Belastung durch UV-Strahlung, Niederschlag und Temperaturwechsel größer als auf einer geschützten Gebäudeseite. Entscheidend ist daher weniger das Alter des Anstrichs als dessen Zustand. Zeigen sich Risse, Ablösungen oder Unterwanderungen, sollte die Beschichtung geprüft und gegebenenfalls erneuert werden.

Bei einem Farbwechsel von Weiß zu einem sehr dunklen Farbton ist besondere Vorsicht geboten. Dunkle Oberflächen können sich bei Sonneneinstrahlung stark erwärmen. Bei großen Kunststoffelementen kann das die thermische Belastung des Profils erhöhen. Ob ein bestimmter Farbton für das jeweilige Fenstersystem geeignet ist, sollte deshalb mit dem Fensterhersteller oder dem Anbieter des Beschichtungssystems abgestimmt werden.

Auch bestehende Gewährleistungs- und Garantieansprüche können durch eine nachträgliche Beschichtung berührt werden. Bei jüngeren Fenstern sollte deshalb vor dem Anstrich geprüft werden, ob der Hersteller Vorgaben für die Beschichtung und zulässige Farbtöne macht.

Die Alternative: Folierung

Eine weitere Möglichkeit zur farblichen Veränderung ist die Folierung des Kunststoffprofils. Dabei wird eine geeignete Dekor- oder Farbfolie auf die vorbereitete Oberfläche aufgebracht.

Die Kosten liegen bei einer Ausführung durch einen Fachbetrieb je nach Fenstergröße und Profilform etwa bei 80 bis 200 € pro Fenster. Für geeignete Folien können bei Eigenleistung etwa 25 bis 60 € Materialkosten anfallen.

Die Folierung bietet den Vorteil, dass das vorhandene Profil nicht mit einer flüssigen Beschichtung versehen werden muss. Allerdings setzt sie eine sorgfältige Verarbeitung voraus. Ecken, Kanten, Dichtungsbereiche und profilierte Flächen sind anspruchsvoll. Eine beschädigte Folie lässt sich zudem nicht an jedem Profil unsichtbar ausbessern.

Informationen zur Verarbeitung von Fensterfolien finden Sie unter Fensterfolie anbringen.

Ob Lackierung oder Folierung besser geeignet ist, hängt vom Zustand des Fensters, dem gewünschten Farbton und der Profilform ab. Bei einem intakten Fenster kann eine Beschichtung eine optische Aufwertung ermöglichen. Sie ersetzt jedoch weder eine beschädigte Verglasung noch verschlissene Dichtungen oder defekte Beschläge.

Wie gehen Sie beim Anstrich vor?

Der Anstrich eines Kunststofffensters beginnt mit der Vorbereitung. Die eigentliche Lackierung nimmt im Verhältnis dazu wenig Zeit in Anspruch.

1. Beschläge und Dichtungen schützen

Beschläge sollten nach Möglichkeit ausgebaut oder sorgfältig abgeklebt werden. Dichtungen dürfen nicht mit Lack überstrichen werden. Eine Beschichtung kann ihre Beweglichkeit beeinträchtigen und den Kontakt zwischen Dichtung und Profil verändern.

2. Profil reinigen

Zunächst werden Staub, Schmutz und vorhandene Pflegemittel entfernt. Eine Reinigung mit Wasser und einem geeigneten Reinigungsmittel kann dafür ausreichen. Anschließend muss die Oberfläche vollständig trocknen.

3. Oberfläche entfetten

Danach wird ein für PVC geeignetes Entfettungsmittel verwendet. Maßgeblich sind die Angaben des gewählten Beschichtungssystems. Das Reinigungsmittel sollte mit einem sauberen, fusselfreien Tuch verarbeitet werden. Bei größeren Flächen ist es sinnvoll, das Tuch regelmäßig zu wechseln.

4. Profil mattieren

Die Oberfläche wird mit einem feinen Schleifvlies oder geeignetem Schleifpapier leicht angeraut. Dabei dürfen weder tiefe Riefen entstehen noch die Profiloberfläche unnötig abgetragen werden.

5. Schleifstaub entfernen

Nach dem Schleifen wird der Staub sorgfältig entfernt. Anschließend sollte das Profil nach Vorgabe des Beschichtungssystems erneut gereinigt beziehungsweise entfettet werden.

6. Haftgrund auftragen

Der Kunststoffprimer wird dünn und gleichmäßig aufgetragen. Trocknungszeit und Überarbeitungsintervall richten sich nach dem jeweiligen Produkt. Die Angaben des Herstellers sind einzuhalten.

7. Decklack auftragen

Anschließend wird der geeignete Decklack in der vorgegebenen Anzahl von Schichten aufgetragen. Zwischen den einzelnen Arbeitsgängen muss die angegebene Trocknungszeit eingehalten werden.

8. Beschichtung aushärten lassen

Beschläge und Abdeckungen sollten erst montiert beziehungsweise entfernt werden, wenn die Beschichtung ausreichend belastbar ist. Die vollständige Durchhärtung kann wesentlich länger dauern als die oberflächliche Trocknung. Auch hier gelten die Angaben des Herstellers.

Am besten wird bei moderaten Temperaturen und ohne direkte Sonneneinstrahlung gearbeitet. Das Profil darf während der Verarbeitung nicht so warm werden, dass der Lack zu schnell anzieht oder die Verarbeitung beeinträchtigt wird.

Kann man Kunststofffenster von innen und außen streichen?

Grundsätzlich ist beides möglich, allerdings sind die Anforderungen an die Außenseite höher. Außen muss die Beschichtung UV-Strahlung, Niederschlag und Temperaturwechsel standhalten.

Für die Innenseite können je nach Produkt andere Beschichtungssysteme geeignet sein. Entscheidend ist, dass Primer und Decklack für den jeweiligen Einsatzbereich freigegeben sind.

Bei einer zweifarbigen Gestaltung sollte außerdem berücksichtigt werden, dass ein dunkler Außenfarbton die Erwärmung des Profils beeinflussen kann.

Was passiert mit den Dichtungen beim Streichen?

Dichtungen sollten nicht überstrichen werden. Lack kann ihre Elastizität und Beweglichkeit beeinträchtigen und verhindern, dass sie korrekt am Rahmen anliegen.

Vor dem Anstrich sollten Dichtungen deshalb ausgebaut werden, sofern dies ohne Beschädigung möglich ist, oder sorgfältig abgeklebt werden. Auch Entwässerungsöffnungen und bewegliche Beschlagteile müssen frei bleiben.

Lässt sich ein vergilbtes Kunststofffenster streichen?

Ein Anstrich kann die ursprüngliche Farbe des Profils vollständig überdecken. Vorher sollte allerdings geprüft werden, ob sich die Verfärbung durch eine geeignete Reinigung oder Aufbereitung beseitigen lässt.

Bei stark gealterten oder geschädigten Profiloberflächen reicht eine reine Reinigung nicht mehr aus. Auch dann muss vor einer Beschichtung geprüft werden, ob der Kunststoff noch als geeigneter Untergrund vorhanden ist.

Ein Anstrich verbessert ausschließlich die Oberfläche. Er behebt keine Schäden am Profil, an der Armierung, Verglasung oder Beschlagtechnik.

Häufige Fragen

Kann man Kunststofffenster selbst streichen?

Ja. Mit einem geeigneten Beschichtungssystem für PVC und sorgfältiger Vorbereitung ist das Streichen grundsätzlich als Eigenleistung möglich. Entscheidend sind die Reinigung, das Entfetten, das Mattieren der Oberfläche, ein passender Haftgrund und ein darauf abgestimmter Decklack.

Bei großen Fensterelementen, schwierigen Profilformen oder einem anspruchsvollen Farbwechsel kann die Ausführung durch einen Malerbetrieb sinnvoll sein.

Welcher Lack hält auf Kunststofffenstern?

Geeignet sind Beschichtungssysteme, die vom Hersteller ausdrücklich für PVC beziehungsweise Hart-PVC und den vorgesehenen Außenbereich freigegeben sind. Je nach System besteht der Aufbau aus Kunststoff-Haftgrund und einem geeigneten Decklack.

Ein gewöhnlicher Buntlack ohne geeignete Grundierung ist für Kunststoffprofile nicht die richtige Wahl.

Kann man weiße Kunststofffenster dunkel streichen?

Das ist grundsätzlich möglich, bei großen Elementen aber mit Vorsicht zu betrachten. Dunkle Oberflächen erwärmen sich unter Sonneneinstrahlung stärker. Dadurch können sich die thermischen Belastungen des Kunststoffprofils erhöhen.

Vor einem Farbwechsel sollte geprüft werden, welche Farbtöne der Fensterhersteller für das konkrete Profilsystem freigibt. Bei großen Fenstern, Hebe-Schiebeanlagen und Terrassentüren ist diese Prüfung besonders wichtig.

Wie viel kostet es, Kunststofffenster streichen zu lassen?

Ein Malerbetrieb berechnet je nach Größe, Zustand und Anzahl der Fenster etwa 150 bis 350 € je Element. Bei mehreren Fenstern kann der Preis pro Stück sinken, weil Rüst- und Vorbereitungszeiten auf mehrere Elemente verteilt werden.

Für die Eigenleistung fallen bei einem Standardfenster etwa 40 bis 90 € für geeignete Materialien und Abdeckmaterial an.

Kann man Kunststofffenster ohne Schleifen streichen?

Bei manchen Beschichtungssystemen ist ein Anschleifen nicht erforderlich, sofern der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht. Bei vielen Systemen verbessert eine leichte Mattierung jedoch die Voraussetzungen für die Beschichtung.

Entscheidend ist nicht eine möglichst raue Oberfläche, sondern eine tragfähige, saubere und für den Primer geeignete Oberfläche.

Kann man Kunststofffenster ohne Grundierung streichen?

Bei einem dafür freigegebenen Direkthaftlack kann ein separater Primer unter bestimmten Voraussetzungen entfallen. Bei einem mehrschichtigen Beschichtungssystem ist dagegen ein geeigneter Haftgrund vorgesehen.

Die Entscheidung sollte anhand des konkreten Produkts getroffen werden. Ein gewöhnlicher Lack ohne Haftvermittler ist für Kunststofffenster nicht geeignet.

Wie lange muss Lack auf Kunststofffenstern trocknen?

Die Zeiten unterscheiden sich je nach Primer, Decklack, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schichtdicke. Zwischen zwei Lackschichten können mehrere Stunden liegen. Bis die Beschichtung mechanisch belastbar ist, kann ein längerer Zeitraum erforderlich sein.

Maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Herstellers. Beschläge sollten nicht zu früh montiert oder betätigt werden, damit die noch nicht ausgehärtete Beschichtung nicht beschädigt wird.

Was ist besser: Kunststofffenster streichen oder folieren?

Beide Verfahren haben ihre Berechtigung. Ein Anstrich eignet sich insbesondere für einen gleichmäßigen Farbwechsel und lässt sich bei geeigneter Vorbereitung auf vielen PVC-Profilen ausführen. Eine Folierung bietet eine weitere Möglichkeit, Farbe oder Dekor zu verändern.

Bei stark profilierten Rahmen können beide Verfahren anspruchsvoll sein. Die Entscheidung hängt daher vom Profil, dem gewünschten Farbton, dem Zustand des Fensters und den Kosten ab.

Kann man vergilbte Kunststofffenster wieder weiß bekommen?

Leichte Verschmutzungen und oberflächliche Verfärbungen lassen sich mit geeigneten Reinigungs- oder Aufbereitungsmitteln behandeln. Bei einer altersbedingten Veränderung des Kunststoffs ist eine vollständige Rückkehr zum ursprünglichen Farbton nicht immer möglich.

Eine deckende Beschichtung kann die Verfärbung optisch überdecken. Vorher muss der Untergrund jedoch auf seine Eignung für die Beschichtung geprüft werden.

Wann ist der Austausch eines Kunststofffensters sinnvoller als ein Anstrich?

Ein Anstrich verändert nur die Oberfläche. Sind Verglasung, Beschläge, Dichtungen oder Rahmen technisch überholt, wird dadurch kein baulicher Mangel behoben.

Bei älteren Fenstern kann deshalb ein Vergleich zwischen Aufarbeitung und Austausch sinnvoll sein. Die Kosten für neue Fenster finden Sie im Ratgeber neue Fenster mit Einbau. Bei defekten Beschlägen oder Dichtungen kann eine Reparatur ausreichen, siehe Kunststofffenster reparieren.

Bild: Canva

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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