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Waschbär streckt die Pfoten aus

Wie Sie einen Waschbär vom Dachboden vertreiben

Lesedauer 4 Minuten

Einen Waschbär vertreiben Sie am besten, bevor er sich einrichtet. Wenn nachts etwas Schweres über den Dachboden läuft, Dachziegel verrutschen und ein strenger Geruch durch die Decke zieht, kommt neben dem Marder auch ein Waschbär infrage. Er ist größer, verursacht mehr Verschmutzung und ist schwerer wieder loszuwerden, weil er kräftig genug ist, Öffnungen selbst zu erweitern.

Marder oder Waschbär?

FaktenSteinmarderWaschbär
Gewicht1 bis 2 kg5 bis 9 kg
Geräuschschnelles Trippeln, Rollenschwere, langsame Schritte
Kotlänglich, gedreht, mit Beuterestengrößer, oft an festen Latrinen
Einschlupf ab5 cm10 cm, erweitert Öffnungen selbst
SchadenDämmung, KabelDämmung, Decken, Dachhaut

Ein sicheres Zeichen sind Kotplätze: Waschbären setzen ihren Kot immer an denselben Stellen ab, oft auf Balken oder in einer Ecke. Diese Plätze sind hygienisch heikel und sollten nur mit Schutzausrüstung gereinigt werden.

Was gilt rechtlich?

Der Waschbär unterliegt dem Jagdrecht. Fangen und Töten sind Jagdausübung und dürfen nur von Jagdausübungsberechtigten vorgenommen werden. Schonzeiten regelt § 22 BJagdG, und während der Aufzucht führender Elterntiere gilt besondere Rücksicht.

Als Eigentümer dürfen Sie vergrämen, also das Tier durch Störung zum Auszug bewegen, und Sie dürfen Ihr Gebäude baulich sichern. Eigenmächtig fangen oder töten dürfen Sie das Tier dagegen nicht.

Zuständig ist die untere Jagdbehörde des Landkreises. Sie vermittelt auch Jagdausübungsberechtigte, wenn ein Fang tatsächlich nötig wird. Zusätzlich gilt der Waschbär in der EU als invasive Art, was Ausbringung und Aussetzen verbietet: Ein gefangenes Tier darf nicht andernorts freigelassen werden.

Wie gehen Sie vor?

  1. Zugang finden. Suchen Sie am Dachrand nach aufgebogenen Blechen, gelockerten Ziegeln und beschädigten Traufkästen. Kratzspuren am Fallrohr und an der Fassade zeigen den Kletterweg.
  2. Nahrungsquellen entfernen. Offene Mülltonnen, Fallobst, Vogelfutter und Katzenfutter im Freien sind der Hauptgrund für die Ansiedlung.
  3. Vergrämen. Dauerlicht, ein Radio und Geruchsreize im Bereich des Ruheplatzes über mehrere Tage. Waschbären sind lärmempfindlicher als Marder.
  4. Abwesenheit prüfen. Mehl oder feiner Sand an der Einschlupfstelle, Kontrolle über mindestens drei Nächte, auf Pfotenabdrücke prüfen
  5. Verschließen. Erst wenn keine Spuren mehr entstehen, und nicht während der Jungenaufzucht im Frühjahr und Frühsommer.
  6. Reinigen. Latrinen und verschmutzte Dämmung entfernen, mit Handschuhen, FFP2-Maske und Schutzbrille.

Bei einem Weibchen mit Jungen muss abgewartet werden: Erst wenn die Jungtiere selbstständig sind, wird umgesiedelt und verschlossen. Ein zu früher Verschluss führt dazu, dass die Mutter das Dach gewaltsam wieder öffnet.

Zwei Waschbärbabys im Baumstamm

Bauliche Sicherung

Weil ein Waschbär mit den Vorderpfoten greifen und ziehen kann, reichen leichte Abdeckungen nicht. Verwendet werden verzinkte Gitter ab 2 mm Drahtstärke, verschraubte Bleche und stabile Lüftungsgitter.

Kletterwege lassen sich unterbrechen: Äste mit mindestens 2 m Abstand zum Dach halten, Fallrohre mit glatten Manschetten versehen und Rankgitter vom Dachrand fernhalten. Diese Maßnahmen kosten wenig und verhindern, dass ein Nachfolger denselben Weg findet.

Rechnen Sie für Vergrämung und Sicherung durch einen Fachbetrieb mit 300 bis 1.200 €, für die Reinigung des Dachbodens mit 20 bis 50 € je m². Die Einordnung liefert die Preisübersicht je Schädling.

Was richtet ein Waschbär im Haus an?

Der Schaden entsteht auf drei Ebenen und übersteigt den eines Marders.

BereichWas passiert
BauschadenAufgebogene Bleche, verschobene Ziegel, zerrissene Unterspannbahnen und beschädigte Traufkästen. Über die Öffnungen dringt Regenwasser ein.
DämmschadenDie Dämmwolle wird zusammengeschoben und als Nest genutzt, wodurch die Dämmwirkung an diesen Stellen entfällt.
HygieneschadenToilettenstellen mit Kot und Urin durchtränken Dämmung und Deckenaufbau. Der Geruch zieht in die Wohnräume, und die Reinigung ist aufwendig.

Rechnen Sie für ein Einfamilienhaus mit 1.500 bis 6.000 €, wenn Vergrämung und Sicherung, dazu die Reinigung samt Dämmungsaustausch zusammenkommen. Bei frühem Handeln bleibt es bei 300 bis 1.200 €. Die Einordnung liefert die Kosten im Schädlingsvergleich.

Waschbär in offener Mülltonne

Waschbären im Garten

Bevor ein Waschbär aufs Dach geht, ist er meist schon länger im Garten unterwegs. Wer dort ansetzt, verhindert den Umzug ins Haus.

Die wichtigsten Anziehungspunkte sind Mülltonnen, Komposter, Fallobst, Vogelfutter und Tierfutter im Freien. Mülltonnen lassen sich mit einem Spanngurt oder einem Tonnenschloss für 10 bis 30 € sichern, Komposter durch ein geschlossenes Modell ersetzen.

Ein Teich mit Fischen zieht Waschbären ebenfalls an. Hier helfen ein Netz über der Wasserfläche und flache Uferzonen, an denen die Tiere schlechter greifen können. Wichtig bleibt in jedem Fall: nicht füttern, auch nicht indirekt.

Was sollten Sie nicht tun?

Ein Waschbär wirkt zutraulich und ist es nicht. Er wehrt sich kräftig, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt, und kann beißen und kratzen.

Versuchen Sie deshalb nicht, das Tier selbst zu greifen oder aus dem Dach zu treiben, während es dort ist. Stellen Sie auch keine Lebendfalle auf, weil bereits das Fangen dem Jagdrecht unterliegt und ein Aussetzen andernorts als invasive Art verboten ist.

Verschließen Sie außerdem keine Einschlupfstelle, ohne die Abwesenheit geprüft zu haben. Ein eingesperrter Waschbär öffnet sich den Weg gewaltsam wieder und richtet dabei den größten Teil des Schadens an. Wie Sie einen Marder unterscheiden, zeigt Marder vertreiben Kosten.

Häufige Fragen

Ist Waschbärkot gefährlich?

Er kann Eier des Waschbärspulwurms enthalten, die für Menschen gefährlich sind. Reinigen Sie Kotplätze nur mit Handschuhen, FFP2-Maske und Schutzbrille, befeuchten Sie den Kot vorher und entsorgen Sie ihn verschlossen. Bei größeren Mengen ist ein Fachbetrieb die sichere Wahl.

Darf ich einen Waschbär füttern?

Nein, denn es ist der sicherste Weg, ihn dauerhaft anzusiedeln. In manchen Kommunen ist das Füttern ausdrücklich untersagt.

Helfen Ultraschallgeräte?

Kaum. Waschbären gewöhnen sich schnell an gleichbleibende Reize. Wirksamer sind wechselnde Störungen aus Licht, Geräusch und Geruch, und auf Dauer hilft nur der bauliche Verschluss.

Wer zahlt bei Mietobjekten?

Der Eigentümer, weil es um die Gebäudesubstanz geht. Mieter sollten den Befall schriftlich melden und die Lärmbelästigung dokumentieren.

Bilder: Canva

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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