Silikatputz gehört zu den besten Edelputzen für die Fassade: hoch diffusionsoffen, extrem langlebig und dank seiner Alkalität von Natur aus schimmel- und algenhemmend, ganz ohne Biozide. An der Fassade kostet er inklusive Arbeit 35 bis 60 € pro m². Perfekt ist er trotzdem nicht: Der mineralische Putz braucht mineralische Untergründe und verzeiht bei der Verarbeitung wenig Fehler. Was Silikatputz wirklich leistet, wo er sich lohnt und wo nicht, lesen Sie hier.
Was ist Silikatputz?
Silikatputz ist ein mineralischer Oberputz mit Kaliwasserglas als Bindemittel, meist ergänzt um einen kleinen Anteil organischer Zusätze für die bessere Verarbeitbarkeit. Das Besondere ist die Art der Haftung: Das Wasserglas verkieselt mit dem mineralischen Untergrund, geht also eine chemische Verbindung ein, statt nur oberflächlich zu kleben. Als Oberputz bildet er die sichtbare Edelputzschicht auf Unterputz oder Dämmsystem und wird in Kornstärken von 1 bis 3 mm als Reibeputz oder Scheibenputz angeboten. Enthält das Material mehr als 5 % organische Bestandteile, spricht man von Dispersionssilikatputz: Er lässt sich leichter verarbeiten, erreicht aber nicht ganz die Diffusionsoffenheit des reinen Silikatputzes.
Diese Stärken machen Silikatputz so beliebt
Die wichtigste Eigenschaft ist die hohe Diffusionsoffenheit: Wasserdampf kann fast ungehindert durch die Putzschicht entweichen, die Wand bleibt trocken und das Schimmelrisiko sinkt. Gleichzeitig ist der Putz stark alkalisch, mit einem pH-Wert um 11 bis 12. Auf dieser Oberfläche finden Algen und Pilze keine Lebensgrundlage, und zwar dauerhaft: Anders als bei Putzen mit beigemischten Bioziden wäscht sich die Wirkung nicht nach einigen Jahren aus. Dazu kommt die Haltbarkeit. Durch die Verkieselung hält ein fachgerecht aufgetragener Silikatputz 25 Jahre und länger, ohne zu verspröden. Als rein mineralischer Baustoff ist er zudem nicht brennbar und verhält sich im Brandfall unkritisch. Ideal ist er als Schlussbeschichtung auf mineralischen Unterputzen und auf dem Wärmedämmverbundsystem, wo seine Diffusionsoffenheit Feuchtestau in der Dämmebene verhindert.
Diese Nachteile sollten Sie kennen
Silikatputz ist bei der Verarbeitung empfindlich. Er darf weder bei Temperaturen unter 5 °C noch bei praller Sonne, starkem Wind oder Regen aufgetragen werden, sonst drohen sichtbare Ansätze, Farbtonschwankungen und Haftungsprobleme. Ohnehin hält er nur auf mineralischen Untergründen: Alte Dispersionsanstriche oder Kunstharzputze müssen entfernt oder mit einer speziellen Silikatgrundierung vorbereitet werden. An der Fassade gehört die Verarbeitung deshalb in die Hände eines Fachbetriebs, der große Flächen ohne Unterbrechung nass in nass durchzieht. Auch die Farbauswahl ist begrenzt: Kräftige, dunkle Töne sind mit rein mineralischen Pigmenten schwer zu erreichen, und eine leichte Wolkigkeit im Farbton gilt bei Silikatputzen als materialtypisch. Preislich liegt das Material über einfachen Kunstharzputzen, was sich über die lange Lebensdauer allerdings relativiert.
Silikatputz oder Silikonharzputz?
Silikonharzputz ist der wichtigste Konkurrent an der Fassade: Er ist stärker wasserabweisend, elastischer, einfacher zu verarbeiten und in fast jedem Farbton lieferbar. Dafür ist er weniger diffusionsoffen und sein Algenschutz stammt häufig aus Bioziden, die mit den Jahren auswaschen.
Silikatputz punktet mit dauerhafter, chemiefreier Schutzwirkung und höherer Lebensdauer, verlangt aber einen mineralischen Untergrund und sorgfältige Verarbeitung.
| Kriterium | Silikatputz | Silikonharzputz |
|---|---|---|
| Diffusionsoffenheit | sehr hoch | mittel |
| Algen- und Schimmelschutz | dauerhaft durch Alkalität | meist über Biozide, lässt nach |
| Wasserabweisung | gut | sehr gut |
| Farbauswahl | eingeschränkt | nahezu unbegrenzt |
| Lebensdauer | 25 Jahre und mehr | 15 bis 25 Jahre |
| Preis inkl. Arbeit | 35 bis 60 € pro m² | 40 bis 65 € pro m² |
Wo lohnt sich Silikatputz innen?
Innen spielt Silikatputz seine Stärken in Feuchträumen und im Altbau aus. In Bad und Küche hält die alkalische Oberfläche Schimmel fern, ohne dass Fungizide nötig wären. Bei bereits sichtbarem Befall muss allerdings zuerst die Ursache geklärt werden; warum das reine Überdecken nicht funktioniert, erklärt der Beitrag zum Thema Schimmel überstreichen. Im Altbau harmoniert der diffusionsoffene Putz mit Kalk- und Kalkzementuntergründen und erhält deren feuchteausgleichende Wirkung. Auf Gipskarton und Gipsputz ist er dagegen nur mit passender Grundierung sinnvoll. Für Wohnräume ohne Feuchteproblem ist diese Art von Putz selten nötig; dort erfüllen günstigere Kalk- oder Gipsputze denselben Zweck.
Was kostet Silikatputz an der Fassade?
Als Oberputz kostet Silikatputz an der Fassade 35 bis 60 € pro m² inklusive Vorarbeiten und Lohn; das reine Material liegt bei 8 bis 15 € pro m². Wird die komplette Fassade neu verputzt oder gedämmt, kommen Unterputz beziehungsweise Dämmsystem dazu. Die Gesamtrechnung kalkulieren Sie mit den Beiträgen zu den Kosten für den Außenputz und den Kosten der Fassadendämmung. Ein Gerüst schlägt zusätzlich mit 6 bis 12 € pro m² Fassadenfläche zu Buche. Innen liegen die Preise wegen der einfacheren Zugänglichkeit meist am unteren Ende der Preisspanne. Holen Sie bei größeren Flächen mehrere Angebote ein, denn die Preisunterschiede zwischen den Betrieben sind erheblich.
Was Sie sonst noch zu Silikatputz wissen sollten
Kann ich Silikatputz auf alten Putz auftragen?
Ja, wenn der Altputz mineralisch, tragfähig und sauber ist. Kreidende oder sandende Flächen werden vorher mit einer Silikatgrundierung gefestigt. Auf Dispersionsfarbe oder Kunstharzputz hält reiner Silikatputz dagegen nicht zuverlässig; hier muss die alte Beschichtung entfernt werden oder eine geeignete Haftgrundierung aufgetragen werden.
Hilft Silikatputz dauerhaft gegen Algen an der Fassade?
Er senkt das Risiko deutlich und dauerhaft, weil die alkalische Oberfläche Algen und Pilzen die Lebensgrundlage entzieht und diese Wirkung nicht auswäscht. Eine Garantie ist das nicht: An dauerfeuchten Wetterseiten mit dichtem Baumbestand kann sich trotzdem Bewuchs bilden, allerdings deutlich später als bei organisch gebundenen Putzen.
Kann ich Silikatputz selbst verarbeiten?
Innen auf kleinen, mineralischen Flächen ist das machbar, wenn Sie zügig und ohne Unterbrechung arbeiten. An der Fassade raten wir ab: Wetterfenster, ansatzfreies Arbeiten und die ätzende Alkalität des frischen Materials machen die Verarbeitung dort zur Aufgabe für den Fachbetrieb. Tragen Sie in jedem Fall Handschuhe und Schutzbrille.
Wie lange hält Silikatputz?
Fachgerecht auf passendem Untergrund aufgetragen hält Silikatputz 25 bis 40 Jahre. Die Verkieselung mit dem Untergrund schützt vor Abplatzungen und weil die Oberfläche nicht thermoplastisch ist, verschmutzt sie langsamer als Kunstharzputze. Voraussetzung ist ein intakter, rissfreier Unterputz.
Was unterscheidet Silikatputz von Silikatfarbe?
Beide nutzen Kaliwasserglas als Bindemittel. Der Putz wird millimeterdick aufgetragen, bildet die Struktur der Oberfläche und gleicht kleine Unebenheiten aus. Die Silikatfarbe ist der Anstrich für bereits verputzte Flächen. Häufig werden beide kombiniert: erst der Silikatputz als Struktur, dann ein deckender Anstrich mit Silikatfarbe im Wunschton.
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