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Diffusionsoffene Dämmung (Seitenansicht), Feuchtigkeit bleibt nicht in der Wand oder im Innenraum

Diffusionsoffen – was bedeutet das?

Letzte Aktualisierung am 20. Januar 2022 von Max Lehmann

In Ihren vier Wänden duschen, schwitzen und kochen Sie tagtäglich. Dadurch entsteht eine beachtliche Menge an Wasserdampf, welcher sich in der Raumluft befindet. In einem 4-Personen-Haushalt füllt sich die Raumluft pro Tag beispielsweise mit etwa 10 bis 12 Liter Wasserdampf. Die gasförmigen Moleküle des entstehenden Wasserdampfes verteilen sich gleichmäßig in den Räumen Ihrer Wohnung beziehungsweise Ihres Hauses und erzeugen dadurch einen bestimmten Dampfdruck. Dieser entstehende Dampfdruck wird auch als relative Luftfeuchtigkeit bezeichnet. Zusätzlich zum Inneren Ihres Hauses lässt sich die relative Feuchtigkeit auch im Freien messen. Entspricht der Dampfdruck draußen dem Dampfdruck im Inneren Ihres Hauses, so herrscht ein Gleichgewicht. Ist dies allerdings nicht der Fall und der Dampfdruck draußen entspricht nicht dem Dampfdruck im Inneren Ihres Hauses, so herrscht ein Ungleichgewicht. Hierbei ist auch von einem Dampfdruckgefälle die Rede. Um dieses bestehende Dampfdruckgefälle wieder ins Gleichgewicht zu bringen, entweicht die relative Luftfeuchtigkeit von der druckschwereren Seite auf die druckschwächere Seite des Baustoffes. Der Dampfdruck diffundiert folglich. Somit entsteht infolge des Ungleichgewichtes beziehungsweise des Dampfdruckgefälles eine Ausgleichsströmung des Dampfes, die auch als Diffusion bezeichnet wird. Somit wird mit diffusionsoffen jedes Material bezeichnet, welches die Ausgleichsströmung von Dampf und Feuchtigkeit zulässt.

Eigenschaften diffusionsoffener Bauteile

In Abhängigkeit der Kälte und der Dichte eines Baustoffes kann sich der Wasserdampf aus der Raumluft darauf entweder besser oder schlechter als Kondenswasser absetzen. Je kälter und dichter ein Baustoff ist, desto stärker setzt sich der Wasserdampf aus der Raumluft auch als Kondenswasser auf diesem ab, wie es beispielsweise bei Stahl oder Beton der Fall ist. Setzt sich über eine längere Zeit immer mehr Kondenswasser am Material ab, wird dieses in einen dauerfeuchten Zustand versetzt, welcher am Bauwerk erhebliche Schäden hervorrufen kann. Diese Materialien werden als diffusionsdicht beziehungsweise als diffusionshemmend bezeichnet und sind aufgrund ihrer dauerfeuchten Eigenschaften sehr anfällig für die Bildung von Schimmel. Verstärkt wird die Dauerfeuchte sowie folglich auch die Schimmelbildung durch Möbel und Bilder, welche die Raumluft zusätzlich am Zirkulieren hindern.

Aufgrund dieser negativen Eigenschaften und Auswirkungen der diffusionsdichten beziehungsweise diffusionshemmenden Bauteile werden im Baugewerbe zunehmend immer mehr diffusionsoffene Bauteile verwendet. Diese verfügen über eine geringe Dichte, weisen eine gute Wärmeisolierung auf und besitzen einen großen offenen Porenraum. Dank dieser besonderen Eigenschaften nehmen diffusionsoffene Baustoffe die entstehende Luftfeuchtigkeit lediglich vorübergehend auf und geben diese mit der Zeit nach und nach wieder an die Umgebung ab. Somit sind diffusionsoffene Bauteile atmungsaktiv, indem sie gegenüber Feuchtigkeit und Dampf einen geringen Widerstand aufweisen und für die Diffusion des Dampfes offen sind. Daher haben diffusionsoffene Bauteile einen regulierenden sowie positiven Einfluss auf das Raumklima und beugen zeitgleich auch der Bildung von Schimmel vor. Diese positiven Eigenschaften machen eine diffusionsoffene Bauweise in Räumen wie dem Schlafzimmer, dem Bad und der Küche unabdingbar, da sich hier durch das Kochen, Duschen, Baden und Schwitzen besonders viel Luftfeuchtigkeit bildet.

Wie wird die Diffusionsoffenheit gemessen?

Wie diffusionsoffen ein Material ist, wird mit der Wasserdampf-Diffusions-Widerstandszahl µ gemessen. Dabei gibt die Widerstandszahl den Widerstand an, welcher das Material aufgrund seiner generellen Materialeigenschaften dem Wasserdampf entgegensetzt. Je kleiner der µ-Wert bei einem Baustoff ausfällt, desto geringer ist dessen Widerstand gegenüber Wasserdampf. Somit kann der Wasserdampf bei Materialien mit einem kleineren µ-Wert deutlich schneller entweichen, als vergleichsweise bei Materialien mit einem höheren µ-Wert. Demnach nimmt die Wasserdampfdurchlässigkeit bei Materialien mit steigendem µ-Wert ab.

Nachfolgende Tabelle zeigt die Wasserdampf-Diffusions-Widerstandszahlen von verschiedenen Materialien:

Material Wasserdampfdiffusionswiderstand

Trockener Gips

10 µ

Holzfaserdämmplatten

10 µ

Beton

zwischen 100 und 130 µ

Neben den generellen Materialeigenschaften spielt jedoch auch die Dicke des Materials eine wichtige Rolle, wie diffusionsoffen ein Bauteil am Ende ist. Denn je dicker ein Bauteil, desto weniger diffusionsoffen ist es auch. So ist eine 10 cm dicke Betonwand deutlich diffusionsoffener als vergleichsweise eine Betonwand, die eine Dicke von 100 cm aufweist. Aufgrund dieser Tatsache wird die Wasserdampf-Diffusions-Widerstandszahl (µ-Wert) noch mit der Dicke des Materials (in Meter) multipliziert. Aus dieser Rechnung erhalten Sie die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke, die als Sd-Wert angegeben wird. Der Sd-Wert zeigt Ihnen, wie diffusionsoffen Ihr Material schlussendlich ist:

  • Materialien mit einem Sd-Wert unter 0,5 µ gelten als diffusionsoffen
  • Materialien mit einem Sd-Wert zwischen 0,5 und 1.500 µ sind diffusionshemmend
  • Materialien mit einem Sd-Wert über 1.500 µ gelten als diffusionsdicht

Somit gelten alle Materialien über einem Sd-Wert von 0,5 µ als Dampfsperre. Streng genommen sind es allerdings lediglich Metall und Glas, die als vollständige Dampfsperren gelten.

Nachfolgende Tabelle verdeutlicht Ihnen nochmals den µ-Wert und den entsprechenden Sd-Wert von verschiedenen Materialien:

Material Materialdicke

µ-Wert

Sd-Wert Bedeutung

Holzfasern

0,060 m

5

0,3

diffusionsoffen

Zellulose

0,200 m

2

0,4

diffusionsoffen

OSB-Platten

0,015 m

200

3,0

diffusionshemmend

Helfen diffusionsoffene Baustoffe auch gegen Dampf beim Kochen oder Duschen?

Trotz der positiven Eigenschaften von diffusionsoffenen Materialien bedeutet dies nicht, dass die Raumluft durch die Wände, den Putz oder die Dämmung Ihres Hauses strömen kann. Denn die Wasserdampfmoleküle bewegen sich mit der Luftströmung nicht durch das Material der Baustoffe hindurch. Folglich werden Sie auch den Dampf vom Baden oder den Dunst vom Kochen nicht mit diffusionsoffenen Baustoffen los. Allerdings wird im Zuge dessen fälschlicherweise oftmals von atmenden Wänden gesprochen. Diese gibt es so jedoch nicht. Denn zieht es in Ihrem Haus, dann nur, wenn Ihre Wände aufgrund offener Fugen undicht sind. Die Folge solcher undichten Wände ist nicht ein gut durchlüftetes Haus, sondern der unnötige Verlust von wertvoller Heizwärme. Für gute Luft in Ihrem Haus sorgen Sie vielmehr mit einer luftdichten Gebäudehülle, die bei Neubauten von der neuen Energiesparverordnung sogar vorgeschrieben sind. Kombiniert mit einer guten Lüftungsanlage erzielen Sie eine gute Raumluft, die für ein angenehmes Wohlgefühl sorgt. Bauen Sie daher luftdicht, aber diffusionsoffen.

Achten Sie beim diffusionsoffenen Bauen jedoch darauf, dass Sie sich dessen positive Effekte nicht im Rahmen der Wandgestaltung mit einer Tapete oder einer falschen Farbe am Ende wieder zunichtemachen. Um sich den positiven Effekt beizubehalten, empfiehlt es sich auf Mineralputz oder Raufasertapeten auf Papierbasis zurückzugreifen. Bei den Farben sollten Sie Naturfarben wie beispielsweise Kreidefarbe, Silikatfarbe oder Feuchtraumfarbe verwenden und auf Latexfarbe und Kunstharzdispersionsfarbe verzichten. Besonders gut geeignet ist darüber hinaus auch eine Kombination aus Lehmputz und Lehmfarbe.

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