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Fliesen bohren ohne Risse: Bohrer setzt auf einem Kreppband-Kreuz auf der Fliese an

So bohren Sie Fliesen ohne Risse

Lesedauer 3 Minuten

Fliesen bohren gelingt ohne Risse, wenn drei Dinge stimmen: der passende Bohrer für Ihre Fliesenart, eine niedrige Drehzahl und eine ausgeschaltete Schlagfunktion. Weiche Steingutfliesen an der Wand verzeihen viel, hartes Feinsteinzeug verlangt dagegen einen Diamantbohrer mit Wasserkühlung. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie die Bohrung gelingt, wann die Fuge die bessere Bohrstelle ist und in welchen Fällen Kleben oder gleich der Handwerker die klügere Wahl ist.

Welcher Bohrer eignet sich für welche Fliesenart?

Die Fliesenart bestimmt das Werkzeug: Für Steingut reicht ein Hartmetallbohrer, Feinsteinzeug erfordert Diamant. Klassische Wandfliesen bestehen meist aus weichem Steingut, moderne Bodenfliesen meistens aus Feinsteinzeug, dessen Härtegrad mit Glas vereinbar ist. Welche Fliese bei Ihnen verlegt ist, klärt im Zweifel der Ratgeber Fliesenarten.

FliesenartGeeigneter BohrerHinweis
Steingut (Wandfliese)Fliesen- oder Glasbohrer aus Hartmetallweiches Material, geringes Risiko
SteinzeugFliesenbohrer, bei Bedarf Diamantmittlere Härte, langsam bohren
FeinsteinzeugDiamantbohrer, nass geführtHartmetall greift hier nicht
NatursteinDiamant- oder SteinbohrerKanten splittern leicht, sehr behutsam arbeiten

Welches Werkzeug brauchen Sie für ein gutes Bohrloch?

Neben dem passenden Bohrer genügen wenige Helfer, die zusammen unter 30 € kosten:

  • Fliesen- oder Diamantbohrer im benötigten Durchmesser
  • Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit ausgeschalteter Schlagfunktion
  • Malerkrepp gegen das Abrutschen der Bohrspitze
  • Bohrhilfe oder Bohrschablone für die exakte Position
  • Sprühflasche mit Wasser zum Kühlen
  • Leitungssucher für den Blick hinter die Fliese
  • Steinbohrer und Dübel für das Mauerwerk dahinter

In sechs Schritten zum sauberen Bohrloch

Bohren Sie langsam und ohne Druck, das verhindert Risse und Sprünge. So gehen Sie vor:

  • Schritt 1: Mit dem Leitungssucher prüfen, ob Strom- oder Wasserleitungen hinter der Bohrstelle verlaufen. Ober- und unterhalb von Steckdosen liegen Leitungen fast immer senkrecht.
  • Schritt 2: Die Bohrstelle mit zwei Lagen Malerkrepp überkleben, das verhindert das Abrutschen und schützt die Glasur.
  • Schritt 3: Die Position anzeichnen und die Bohrhilfe ansetzen. Bei weichem Steingut können Sie die Glasur alternativ vorsichtig ankörnen, bei Feinsteinzeug allerdings nicht.
  • Schritt 4: Ohne Schlag und mit niedriger Drehzahl von 200 bis 400 Umdrehungen pro Minute anbohren.
  • Schritt 5: Bohrer und Bohrstelle laufend mit Wasser kühlen, bei Diamantbohrern ist Nasskühlung sehr wichtig. Wird der Bohrer blau, war die Drehzahl zu hoch.
  • Schritt 6: Sobald die Fliese durchbohrt ist, auf den Steinbohrer wechseln und das Loch im Mauerwerk fertigstellen. Erst hier darf bei Beton die Schlagfunktion dazu.

Der Dübel muss so tief sitzen, dass sich sein Spreizdruck komplett im Mauerwerk aufbaut und nicht in der Fliese, sonst reißt der Belag beim Anziehen der Schraube.

Bohren Sie besser in die Fuge oder in die Fliese?

Kleine Löcher für leichte Lasten gehören in die Fuge, schwere Halterungen in die Fliesenmitte. Ein Loch in der Fuge lässt sich später mit etwas Fugenmörtel nahezu unsichtbar verschließen, passende Tipps dazu gibt der Ratgeber Fugen erneuern.
Der Nachteil: Fugenmörtel bröselt unter Spreizdruck, schwere Konsolen sitzen in der Fliese deutlich fester. Halten Sie beim Bohren in die Fliese mindestens 3 cm Abstand zu Rändern und Fugenkreuzen, dort platzt die Glasur am leichtesten ab.

Wann ist Kleben die bessere Alternative?

Bis etwa 5 kg pro Halterung kann Montagekleber das Bohrloch ersetzen. Handtuchhalter, Seifenspender und Duschablagen halten mit Klebepads oder verklebten Adaptern auf glatten Fliesen, sofern der Untergrund fettfrei und trocken ist. Viele Systeme lassen sich rückstandslos wieder ablösen, das erspart Mietern den Rückbau beim Wohnungswechsel. Für Spiegelschränke, Regale und alles, woran sich jemand festhalten könnte, muss mit Dübeln befestigt werden.

Wann sollten Sie das Bohren dem Handwerker überlassen?

Bei Reihenbohrungen, teuren Belägen und Naturstein lohnt sich der Fachmann. Wer für einen Handlauf oder für Hängeschränke acht Löcher in einer Flucht bohrt, multipliziert das Risiko mit jedem Loch. Auch bei hochwertigem Feinsteinzeug steht der Preis einer einzelnen Ersatzfliese schnell über dem Lohn für eine Stunde Profiarbeit. Reißt eine Fliese trotz aller Vorsicht, kann diese getauscht werden: Was die Reparatur kostet, zeigt der Ratgeber Fliese austauschen.

Vier häufige Fragen zum Bohren in Fliesen

Dürfen Mieter in Fliesen bohren?

Ja, Bohren in üblichem Umfang gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung, auch im gefliesten Bad. Wer sparsam bohrt und wo möglich die Fuge wählt, ist auf der sicheren Seite. Beim Auszug müssen die Löcher verschlossen werden, in der Fuge genügt dafür etwas frischer Fugenmörtel.

Können Sie Fliesen ohne Spezialbohrer bohren?

Bei weichem Steingut funktioniert ein scharfer, neuwertiger Hartmetallbohrer mit Geduld und niedriger Drehzahl. Auf Feinsteinzeug rutscht er dagegen nur ab und stumpft, ohne in das Material einzudringen. Dort führt kein Weg am Diamantbohrer vorbei, einzelne Bohrer gibt es ab etwa 10 €.

Woran erkennen Sie Feinsteinzeug?

Machen Sie die Bohrprobe an verdeckter Stelle, etwa hinter dem Waschbecken: Greift der Hartmetallbohrer nach wenigen Sekunden nicht, handelt es sich um Feinsteinzeug. Weitere Hinweise sind eine durchgefärbte Bruchkante an Reservefliesen und Wassertropfen, die auf der Rückseite nicht einziehen.

Was tun, wenn die Fliese beim Bohren gerissen ist?

Ein feiner Haarriss lässt sich mit einem Reparaturset aus Füllmasse und Lack optisch schließen, das kostet 10 bis 20 €. Bei einem durchgehenden Riss tauscht der Fliesenleger die einzelne Fliese aus, ohne die Nachbarfliesen zu beschädigen. Heben Sie deshalb nach jeder Verlegung einige Reservefliesen auf.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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