Fließestrich – das sollte man vor dem Kauf wissen

Letzte Aktualisierung am 7. Januar 2021 von Max Lehmann

Die rohe Bodenplatte eines Gebäudes ist in den meisten Fällen zu wellig, um auf dieser den gewünschten Bodenbelag zu verlegen. Daher wird Estrich als Zwischenschicht aufgetragen. Diese Estrichschicht gleicht die vorherrschenden Untergrundunebenheiten aus und bietet eine ebene Grundlage, die sich optimal für das Verlegen eines darauffolgenden Bodenbelags eignet. Dabei stehen unterschiedliche Estricharten zur Verfügung, die sich für die Erstellung einer solchen glatten Zwischenschicht eignen. Einer besonders häufigen Anwendung erfreut sich dabei der Fließestrich.

Wie wird Fließestrich verarbeitet?

Fließestrich kommt als Sackware in Form von Trockenmörtel auf die Baustelle, wo er dann mit Wasser angerührt wird. Hierfür kommt eine Estrichmaschine oder ein Schlagbesen zum Einsatz. Denn mithilfe dieser Maschinen kann eine Masse ohne störende Bläschen erzeugt werden. Nach erfolgter Anmischung wird der Fließestrich mit einem Gießschlauch und einer Pumpe gleichmäßig auf der Bodenfläche verteilt. Dabei verteilt sich der Estrich aufgrund seiner fließenden Art von ganz alleine gleichmäßig auf der gesamten Bodenfläche. Auch die Verteilung in den Ecken stellt hierbei kein Problem dar. Somit ist der Fließestrich auf Grundlage seiner fließfähigen Konsistenz schnell und bequem schwimmend verlegt.

Nach dem Auftragen des Estrichs muss dieser, im Vergleich zu anderen Estricharten, nicht mehr mit der Wasserwaage glatt gezogen werden. Denn dank seiner selbstnivellierenden Eigenschaften und der Wirkung der Schwerkraft pendelt sich der Estrich von ganz alleine auf eine einheitliche Bodenhöhe ein. Eine glatte, ebene Oberfläche ist hierbei die Folge.

Sind diese Schritte erledigt, muss der aufgetragene Fließestrich trocknen. Dies nimmt die meiste Zeit in Anspruch. So kann es bei einem Fließestrich schon mal bis zu 30 Tagen dauern, bis dieser vollständig trocken und belegreif ist. Denn beim Trocknungsprozess muss das Wasser, das zum Anmischen des Estrichs verwendet wurde, verdunsten. Hierdurch steigt der Luftfeuchtigkeitsgehalt im Raum deutlich an, was zu einer Verzögerung des Trocknungsprozesses beiträgt. Um die steigende Luftfeuchtigkeit zu verringern und folglich den Trocknungsprozess zu beschleunigen, kann das Gebäude kräftig eingeheizt werden. Auch regelmäßiges Lüften sowie der Einsatz von technischen Trocknern fördern den Trocknungsprozess. In der Industrie werden dem Estrich in besonderen Fällen auch bauchemische Zusätze verabreicht, welche die Trocknungszeit deutlich verkürzen.

Somit lässt sich Fließestrich schnell und bequem verarbeiten. Doch auch hierfür wird Übung benötigt, um am Ende ein schönes und wirklich glattes Oberflächenergebnis erzielen zu können. Demnach sollten Sie für die Verarbeitung von Fließestrich stets ein Fachunternehmen beauftragen. Dieses verfügt auch über die nötige Pumpe und den Gießschlauch, welche für eine optimale Verarbeitung von Fließestrich unabdingbar sind.

Welche Vor- und Nachteile hat der Fließestrich?

Unter anderem lässt sich Fließestrich im Vergleich zu anderen Estricharten deutlich schneller und bequemer verteilen. Dadurch gehören aufwendige und mühsame Schaufelarbeiten zur Estrichverteilung der Vergangenheit an. Zudem fließt der Estrich dank seiner fließfähigen Konsistenz auch in die hintersten und verwinkelten Ecken zuverlässig, sodass keinerlei Nacharbeiten mehr nötig sind. Einen weiteren Vorteil stellt die selbstnivellierende Eigenschaft dieser Estrichart dar, welche automatisch für eine besonders glatte und ebene Oberfläche sorgt. Zudem muss der Fließestrich nicht verdichtet werden, denn auch diesen Arbeitsschritt übernimmt der Estrich selbst. Des Weiteren ist der Fließestrich aufgrund seiner geringen Porosität besonders gut beim Verlegen von Fußbodenheizungen geeignet. Außerdem tragen die besonderen Eigenschaften des Fließestrichs zur Effektivitätssteigerung der Heizung bei. So heizt eine Fußbodenheizung in Fließestrich doppelt so schnell auf wie vergleichsweise bei anderen Estricharten. Demnach weist der Fließestrich zahlreiche Pluspunkte im Vergleich zu anderen Estricharten auf:

  • Schnelles und bequemes Verteilen dank fließfähiger Konsistenz (auch in verwinkelte Ecken fließt der Estrich zuverlässig)
  • selbstnivellierende Eigenschaft erzeugt besonders glatte und ebene Oberfläche
  • keine Verdichtung des Estrichs nötig
  • geringe Porosität (besonders geeignet für Fußbodenheizungen)

Allerdings gibt es auch einzelne Situationen, in denen eine Anwendung eines Fließestrichs nicht zu bevorzugen ist. So gestaltet sich die Anwendung von Fließestrich besonders bei älteren Gebäuden äußerst schwierig, deren Bodenflächen von Grund aus über ein minimales Gefälle verfügen. Hierbei wird die einst so positiv betrachtete fließfähige Konsistenz plötzlich zum Nachteil. Denn aufgrund des Gefälles und der Schwerkraft würde sich der Estrich hierbei ungleichmäßig verteilen.

Welche Fließestricharten gibt es?

Fließestrich ist nicht gleich Fließestrich, denn auch dieser Estrichart lassen sich weitere besondere Formen unterordnen. Hierzu zählen unter anderem der Zementfließestrich sowie der Anhydritfließestrich. Diese beiden Varianten besitzen neben den klassischen Vorteilen des Fließestrichs nochmals eigene Besonderheiten, wie sie nachfolgend dargestellt sind:

Bei der Variante des Anhydritfließestrichs, der auch als Kalziumsulfat-Fließestrich (CFE) bekannt ist, handelt es sich um die am häufigsten auf dem Markt verfügbare Fließestrichart. Dabei besitzt diese Art den Vorteil, dass sie aufgrund ihres Kalziumsulfatanteils, das hierbei als Bindemittel fungiert, beim Trocknen kaum Volumen verliert. Demnach handelt es sich beim CFE um einen formbeständigen Estrich, wovon beim Auftragen lediglich eine geringe Dicke notwendig ist. Allerdings besitzt das Kalziumsulfat den Nachteil, dass dieses besonders anfällig auf Feuchtigkeit reagiert. Demnach ist die Anwendung dieser Fließestrichart nur für Innenräume und keinesfalls für Feucht- und Außenräume geeignet. Abgesehen hiervon verfügt der Anhydritfließestrich über eine geringe Porosität und eine besondere Wärmeleitfähigkeit sowie Wärmespeicherfähigkeit. Demnach eignet sich diese Fließestrichart hervorragend für Kombinationen mit Fußbodenheizungen. Außerdem besticht diese Art durch ihren schnellen Trocknungsprozess, der zwischen sieben und zehn Tagen beträgt.

Bei Zementfließestrich (CTF) handelt es sich um die meist verwendete Estrichart in Deutschland. Hierbei wird, wie der Name bereits verrät, Zement als Bindemittel verwendet. Daher reagiert dieser Estrich, anders als der Anhydritestrich, nicht  auf Feuchtigkeit und kann folglich auch in Außen- und Feuchtbereichen ohne Bedenken angewandt werden. Allerdings zieht sich diese Variante beim Trocknen deutlich stärker zusammen, wodurch eine dickere Schicht und folglich auch mehr Material benötigt wird. Ein deutlicher Nachteil dieser Fließestrichart liegt in ihrer langen Trockenzeit. Zwar ist der Estrich nach etwa sieben Tagen bereits voll belastbar, doch erst nach 20-30 Tagen ist dieser dann auch belegbar.

Was kostet Fließestrich?

Grundsätzlich sind die Kosten für einen Fließestrich von der jeweiligen Fließestrichart abhängig. Beim Anhydritfließestrich belaufen sich die Kosten auf etwa 14-23 € pro Quadratmeter. Hierin sind sowohl die Materialkosten (10-14 €) als auch die Arbeitskosten eines Handwerkers fürs Verlegen (4-9 €) enthalten. Wollen Sie Ihren Boden durch einen Anschliff veredeln lassen, so steigen die Kosten um etwa 1,50-3 € pro Quadratmeter. Dies ist allerdings nur dann ratsam, wenn keinerlei Bodenbeläge auf dem Fließestrich verlegt werden sollen.

Zementfließestrich ist im Vergleich hierzu etwas günstiger. Der Quadratmeter für das Material beläuft sich hierbei auf etwa 8-10 €. Hinzu kommen 4-9 € Handwerkerkosten fürs Verlegen, sodass sich die Kosten bei dieser Fließestrichart auf 12-19 € pro Quadratmeter belaufen. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass aufgrund der Materialeigenschaften eine dickere Estrichschicht benötigt wird, was sich in höheren Baustoffkosten widerspiegelt. Demnach unterscheiden sich diese beiden Fließestricharten preislich gesehen lediglich in kleinen Nuancen.

Nachfolgende Tabelle bietet Ihnen nochmals einen Überblick über die Kosten der verschiedenen Fließestricharten

Fließestrichart Materialkosten pro m² Handwerkerkosten Gesamtkosten pro m²
Anhydritfließestrich 10-14 € 4-9 € 14-23 €
Zementfließestrich 8-10 € 4-9 € 12-19 €

Welche Unterschiede bestehen zu Trockenestrich?

Grundsätzlich besitzen sowohl Fließestrich als auch Trockenestrich denselben Nutzen. Denn beide Estricharten bilden einen glatten Untergrund, der sich als optimale Basis zum Verlegen von Bodenbelägen eignet. Allerdings besteht Trockenestrich nicht wie Fließestrich aus einer Form von Trockenmörtel, der mit Wasser angerührt werden muss. Vielmehr handelt es sich bei Trockenestrich um vorgefertigte Estrichplatten, die aus Gipsfasern, Holzspan, Beton, OSB oder Zement hergestellt werden. Dabei ergeben sich in Abhängigkeit des verwendeten Materials unterschiedliche Tragfähigkeitseigenschaften des Trockenestrichs. Um einen Raumboden mit Trockenestrich zu verkleiden, werden die vorgefertigten Bauteile im Verbund verlegt und anschließend miteinander verklebt. Folglich entstehen im Gegensatz zum Fließestrich beim Trockenestrich keinerlei Trockenzeiten, wodurch dieser sofort nach dem Verarbeiten belegreif ist. Auf Grundlage dieser Eigenschaften wird der Trockenestrich vorwiegend bei Altbausanierungen, Balkendecken oder bei Fertigbauweisen verwendet. Der Quadratmeter beläuft sich hierbei auf Kosten zwischen 20 und 40 €, wodurch Trockenestrich etwas teurer ist als vergleichsweise Fließestrich.

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