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Handwerker gestaltet mit der Kelle eine dekorative Putzstruktur an einer beigen Wand

Dekorputz und Edelputz für besondere Wände

Lesedauer 4 Minuten

Dekorputz ist ein Oberputz, der Wände nicht nur schützt, sondern sichtbar gestaltet: mit Kornstruktur, Kratzoptik, farbigen Steinchen oder poliertem Glanz. Traditionell heißen diese werksgemischten Oberputze mit ausgesuchten Zuschlägen Edelputz. Die Preisspanne beim Fachmann reicht von 10 bis 25 € pro m² für einfachen Reibeputz bis zu 60 bis 120 € pro m² für Kalk-Marmor-Putz. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Arten, die passenden Strukturtechniken und die Unterschiede zwischen Innenraum und Fassade.

Was ist Dekorputz und was bedeutet Edelputz?

Dekorputz bezeichnet alle Oberputze, die als sichtbare Endbeschichtung eine gestaltete Oberfläche erzeugen, von der feinen Kornstruktur bis zum glänzenden Spachteleffekt. Der ältere Begriff Edelputz stammt aus der Baustoffkunde: Gemeint waren werksgemischte Mörtel mit ausgesuchten Zuschlägen wie Marmormehl, farbigen Sanden oder Glimmer, die ohne weiteren Anstrich auskommen. Heute werden beide Begriffe weitgehend gleichbedeutend verwendet.

Im Putzaufbau sitzt Dekorputz immer auf einem tragfähigen Unterputz oder einer geeigneten Grundierung. Wie sich Unterputz und Oberputz grundsätzlich unterscheiden, erklärt die Übersicht der Putzarten. Wer statt Struktur eine völlig glatte, streichfertige Fläche sucht, ist beim Feinputz richtig.

Welche Dekorputzarten gibt es?

Fünf Gruppen decken fast alle Gestaltungswünsche ab: Putze mit Kornstruktur, Kratzputz, geworfene Strukturen, Buntsteinputz und glänzende Glättetechniken.

Reibeputz und Scheibenputz

Reibeputz ist der gefragteste unter den Strukturputzen: Beim Verreiben mit dem Reibebrett rollen die enthaltenen Körner über die Fläche und ziehen Rillen, je nach Führung waagerecht, senkrecht oder kreisförmig. Scheibenputz enthält ein gleichmäßiges Größtkorn und wird kreisend abgerieben; so entsteht eine dichte, gleichmäßige Kornstruktur ohne Rillen. Übliche Körnungen liegen zwischen 1,5 und 3 mm. Je gröber das Korn, desto rustikaler wirkt die fertige Wand.

Kratzputz

Kratzputz wird dicker aufgetragen als andere Oberputze und nach dem Anziehen mit einem Nagelbrett oder Kratzigel abgekratzt. Die oberste Schicht bricht dabei kornweise heraus; zurück bleibt eine stumpfe, spannungsarme Oberfläche, die als besonders langlebig und rissunempfindlich gilt. An Fassaden hält gut ausgeführter Kratzputz viele Jahrzehnte und altert würdevoll, weil kleine Beschädigungen in der offenen Struktur kaum auffallen.

Kellenwurfputz und Kellenstrichputz

Beim Kellenwurfputz wird der Mörtel mit der Kelle angeworfen und nur grob verteilt; das ergibt eine kräftige, rustikale Struktur mit lebendigem Schattenspiel. Beim Kellenstrichputz bleibt der Kellenschlag als bogenförmiges Muster sichtbar. Beide Techniken sieht man an ländlichen Fassaden und Sockelzonen und verzeihen Unebenheiten im Untergrund besser als feine Strukturen.

Buntsteinputz

Buntsteinputz besteht aus farbigen Natursteinkörnchen in einem transparenten Bindemittel auf Kunstharzbasis. Er wird geglättet aufgetragen und ist nach dem Trocknen äußerst stoßfest und abwaschbar. Deshalb ist er die Standardlösung für Sockel, Treppenhäuser und Flure, also überall dort, wo Wände Stöße, Spritzwasser und regelmäßige Reinigung aushalten müssen.

Kalk-Marmor-Putz und Stucco Veneziano

Kalk-Marmor-Putz ist die Königsdisziplin der dekorativen Techniken: Mehrere hauchdünne Lagen aus Sumpfkalk und Marmormehl werden aufgezogen, verdichtet und poliert, bis eine marmorartig glänzende Fläche entsteht. Bekannt ist die Technik als Stucco Veneziano. Als mineralische Kalkoberfläche ist sie zugleich diffusionsoffen und schimmelhemmend; mehr zu den Eigenschaften des Bindemittels lesen Sie im Beitrag über Kalkputz.

Gefilzt, geglättet oder modelliert

Die Struktur entsteht nicht nur durch das Material, sondern vor allem durch das Werkzeug: Ein und derselbe Putz wirkt gefilzt völlig anders als geglättet oder modelliert. Beim Filzen wird die angezogene Fläche mit dem Filzbrett kreisend verrieben und erhält eine gleichmäßig feinraue Oberfläche. Beim Glätten verdichtet die Kelle den Putz zu einem feinen, geschlossenen Finish. Modellierte Flächen werden mit Bürste, Schwamm, Strukturwalze oder Kelle frei gestaltet, von sanften Wellen bis zu kräftigen Wischtechniken. Wer einen dezenten Struktureffekt ohne Mörtelkübel möchte, findet mit Streichputz eine einfache Alternative direkt aus dem Eimer.

Dekorputz innen und außen

Innen und außen gelten unterschiedliche Anforderungen: In Wohnräumen zählen Optik und Raumklima, an der Fassade zählt der Witterungsschutz. Innen kommen deshalb Gips- und Kalkputze mit feineren Körnungen und Effekttechniken zum Einsatz, von der gefilzten Wand bis zum polierten Glanzputz im Bad. Außen dominieren witterungsbeständige Bindemittel wie Kalkzement, Silikat oder Silikonharz, meist als Reibeputz, Scheibenputz oder Kratzputz. Buntsteinputz bewährt sich am Sockel, wo Spritzwasser und mechanische Belastung zusammenkommen. Bei gedämmten Fassaden muss der Oberputz zum Dämmsystem passen und wird als Systemkomponente des Herstellers verarbeitet.

Was kostet Dekorputz vom Handwerker?

Einfache Strukturputze kosten vom Fachbetrieb 10 bis 25 € pro m², aufwendige Glanztechniken erreichen 60 bis 120 € pro m². Die Spannen enthalten Material und Lohn; Gerüst, Untergrundvorbereitung und Grundierung kommen je nach Objekt hinzu.

DekorputzartPreis pro m² (Firma, inklusive Material)
Reibeputz / Scheibenputz10 bis 25 €
Kellenwurfputz15 bis 30 €
Buntsteinputz (Sockel)20 bis 40 €
Kratzputz20 bis 45 €
Kalk-Marmor-Putz / Stucco Veneziano60 bis 120 €

Innen treiben die Effekttechniken den Preis stärker als das Material: Bei Stucco Veneziano stecken bis zu drei Arbeitsgänge mit Zwischenglättung und Politur in jedem m², beim einfachen Reibeputz nur einer.

Wann sollten Sie einen Stuckateur beauftragen?

Sobald Effekttechniken, große zusammenhängende Flächen oder die Fassade anstehen, gehört Dekorputz in Facharbeiterhände. Reibeputz auf einer einzelnen Innenwand gelingt geübten Heimwerkern; Kratzputz, Kalk-Marmor-Putz und Fassadenflächen erfordern dagegen Erfahrung mit Material und Timing, denn Ansätze und ungleichmäßige Strukturen lassen sich nachträglich kaum korrigieren. Was der Fachmann für Putz, Stuck und Ausbau alles übernimmt, zeigt das Berufsbild Stuckateur. Auch Zierprofile gehören zu seinem Gebiet; wie deren Montage abläuft, lesen Sie unter Stuckleisten anbringen.

Was Sie sonst noch zu Dekorputz wissen sollten

Kann man Dekorputz überstreichen?

Ja, mineralische Strukturputze lassen sich mit Dispersions- oder Silikatfarbe streichen; die Struktur bleibt dabei vollständig erhalten. Wegen der größeren Oberfläche steigt der Farbverbrauch je nach Kornstärke um 20 bis 50 % gegenüber einer glatten Wand. Buntsteinputz sollten Sie nicht streichen, weil der Natursteineffekt sonst unwiederbringlich verloren geht.

Eignet sich Dekorputz für Feuchträume?

Ja, mit dem richtigen Bindemittel: Kalkbasierte Dekorputze regulieren Feuchtigkeit und hemmen Schimmel. Geglättete Kalktechniken sind sogar im Duschbereich verbreitet, wenn die Oberfläche verseift oder versiegelt wird. Reine Gipsputze bleiben dagegen außerhalb des Spritzwasserbereichs. Im Zweifel entscheidet die Herstellerangabe zur Feuchtraumeignung auf dem Gebinde.

Lässt sich Dekorputz selbst auftragen?

Teilweise: Fertige Strukturputze aus dem Eimer und Reibeputz auf kleinen Flächen sind mit etwas Übung machbar, am besten nach einem Test an einer Restplatte. Kratzputz, Kellenwurf und Glanztechniken erfordern handwerkliche Routine, weil das Zeitfenster zwischen Auftragen und Strukturieren kurz ist und jeder Ansatz sichtbar bleibt.

Wie wird alter Dekorputz entfernt oder erneuert?

Meist ist Überarbeiten einfacher als Entfernen: Grobe Strukturen lassen sich mit Spachtelmasse oder einem neuen Oberputz überziehen, sofern der Altputz tragfähig ist. Vollständiges Entfernen bedeutet Abschlagen oder maschinelles Abschleifen mit viel Staub und Schutt. An Fassaden prüft der Fachbetrieb vorher die Haftung des Bestands.

Welche Körnung passt zu welchem Raum?

Je feiner das Korn, desto ruhiger wirkt die Fläche: Innen sind 1 bis 2 mm üblich, weil grobe Strukturen kleine Räume optisch verkleinern und sich schwerer reinigen lassen. Außen dürfen es 2 bis 3 mm sein; dort kaschiert das gröbere Korn Unebenheiten und spätere Ausbesserungen besser.

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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