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Roter Stoff wird vom Stuhl abgeschnitten

So beziehen Sie einen Stuhl neu

Lesedauer 7 Minuten

Ein Stuhl lässt sich mit überschaubarem Aufwand neu beziehen, wenn die Sitzplatte abnehmbar ist. Für einen Stuhl benötigen Sie Schaumstoff, Polsterwatte, Möbelstoff und einen Handtacker. Das Material für den ersten Stuhl kostet rund 35 bis 75 € einschließlich Tacker, für jeden weiteren Stuhl fallen etwa 20 bis 55 € an. Ist die Sitzfläche fest mit dem Gestell verbunden, mit Polsternägeln befestigt oder besitzt der Stuhl eine gepolsterte Rückenlehne, ist eine Polsterei die bessere Wahl. Für eine Sitzfläche mit Stoff mittlerer Preislage können Sie dort mit rund 80 bis 150 € rechnen.

Was brauchen Sie, um einen Stuhl neu zu beziehen?

Für eine getackerte Sitzplatte reicht einfaches Werkzeug. Legen Sie alles bereit, bevor Sie anfangen, denn beim Spannen des Stoffs brauchen Sie beide Hände.

Das Werkzeug

  • Ein Schraubendreher oder Akkuschrauber, um die Sitzplatte vom Gestell zu lösen
  • Einen Klammerentferner oder einen flachen Schraubendreher und eine Kombizange für die alten Klammern
  • Einen Handtacker mit Klammern, die kürzer sind als die Platte dick ist
  • Ein elektrisches Küchenmesser oder ein langes Cuttermesser zum Zuschneiden des Schaumstoffs
  • Eine Stoffschere, ein Maßband und ein Stück Schneiderkreide
  • Etwas Sprühkleber, damit der Schaum beim Spannen nicht auf der Platte verrutscht

Das Material und seine Kosten

MaterialPreis für einen Stuhl
Schaumstoff für die Sitzfläche10 bis 15 €
Polsterwatte3 bis 5 €
Möbelstoff, rund 0,7 m zu 10 bis 50 € pro Meter7 bis 35 €
Tackerklammern, eine Packungrund 4 €
Handtacker13 bis 15 €
Summe für den ersten Stuhlrund 35 bis 75 €
Jeder weitere Stuhl mit Schaum, Watte und Stoffrund 20 bis 55 €

Mit 0,7 m Stoff kalkulieren Polstereien bei einem Esszimmerstuhl mit Sitz und Rücken. Für eine reine Sitzplatte benötigen Sie oft weniger. Ab dem zweiten Stuhl entfallen die Kosten für Handtacker und zusätzliche Klammerpackung, sofern das Werkzeug bereits vorhanden ist.

Die Vorbereitung von Stuhl, Schaum und Stoff

Prüfen, ob sich die Sitzplatte abnehmen lässt

Drehen Sie den Stuhl um. Ist die Sitzplatte von unten verschraubt oder nur in den Rahmen eingelegt, können Sie sie herausnehmen und selbst beziehen.

Sitzt der Stoff dagegen direkt am Gestell, etwa mit Polsternägeln oder einer Borte, oder spüren Sie unter dem Bezug Gurte und Federn, gehört die Polsterung zum Stuhl. Ein solcher Polsteraufbau mit Gurten, Federn und Schaum sollte von einer Polsterei übernommen werden.

Welcher Schaumstoff eignet sich für die Sitzfläche?

Schaumstoff wird unter anderem nach dem Raumgewicht (RG) unterschieden. Es gibt an, wie viel ein Kubikmeter Schaumstoff wiegt. Für Sitzflächen können Sie mindestens RG 35 verwenden, für einen stärker beanspruchten Esszimmerstuhl sind RG 40 bis 50 eine gute Orientierung.

RG 25 eignet sich eher für weiche, weniger beanspruchte Kissen. Die Stärke des neuen Schaumstoffs können Sie am bisherigen Polster ausrichten, wenn der Sitz bisher bequem war. Als Plattenware kostet Schaumstoff je nach Raumgewicht und Stärke rund 25 bis 65 € pro m².

Den Stoff auswählen

Verwenden Sie Möbelstoff und keinen reinen Dekostoff. Einfache Möbelstoffe gibt es ab etwa 10 bis 25 € pro laufendem Meter. Für Stoffe mittlerer Qualität können Sie mit etwa 45 bis 70 € pro Meter rechnen.

Achten Sie außerdem auf die Scheuertouren nach Martindale. Für einen täglich genutzten Sitz sind 15.000 bis 25.000 Scheuertouren eine brauchbare Orientierung. Bei stärkerer Beanspruchung können 30.000 und mehr sinnvoll sein. Der Wert beschreibt allerdings nur den Abrieb des Stoffes. Schäden durch Tierkrallen oder andere punktuelle Belastungen werden damit nicht abgebildet.

Eine Stoffauswahl liegt vor einem zu beziehenden Stuhl

In zehn Schritten zur neu bezogenen Sitzplatte

  1. Drehen Sie den Stuhl um, lösen Sie die Schrauben und nehmen Sie die Sitzplatte heraus. Markieren Sie mit Kreide, wo vorne ist, denn viele Sitzplatten sind nicht vollständig symmetrisch.
  2. Fotografieren Sie den alten Bezug von unten, vor allem die Ecken. So können Sie später nachvollziehen, wie die Falten gelegt waren.
  3. Entfernen Sie die alten Klammern mit dem Klammerentferner. Festsitzende Klammern können Sie mit einer Zange herausziehen. Ist der alte Bezug noch unbeschädigt, bewahren Sie ihn als Vorlage für den neuen Zuschnitt auf.
  4. Entfernen Sie alten Schaum und alte Polsterwatte. Klebereste können Sie vorsichtig von der Platte lösen. Eine beschädigte oder gerissene Platte sollten Sie durch einen Zuschnitt in gleicher Stärke ersetzen.
  5. Legen Sie die Platte auf den neuen Schaum, zeichnen Sie den Umriss an und schneiden Sie den Schaumstoff möglichst senkrecht mit dem Elektromesser. Er sollte bündig mit der Kante abschließen oder etwas überstehen, damit die Kante später weich wirkt. Mit etwas Sprühkleber lässt sich der Schaum auf der Platte fixieren.
  6. Schneiden Sie die Polsterwatte so zu, dass sie den Schaum und die Kanten bedeckt und bis auf die Unterseite der Platte reicht. Die Watte rundet die Kanten ab und schützt den Stoff vor Reibung am Schaum.
  7. Legen Sie den Stoff mit der Sichtseite nach unten aus. Platzieren Sie die gepolsterte Platte mit dem Polster nach unten mittig darauf. Richten Sie Muster und Fadenlauf an der Vorderkante aus. Geben Sie rundum die Höhe von Schaum und Platte sowie einen ausreichenden Rand zum Befestigen auf der Unterseite hinzu. Der alte Bezug kann dabei als Vorlage dienen.
  8. Spannen Sie den Stoff zunächst von der Mitte jeder Seite aus. Ziehen Sie ihn vorne in der Mitte um die Kante und setzen Sie einige Klammern. Danach befestigen Sie die Mitte der hinteren Kante und anschließend die beiden Seitenmitten. Arbeiten Sie sich von dort abwechselnd auf gegenüberliegenden Seiten zu den Ecken vor. Die Klammern setzen Sie in kurzen Abständen. Die Ecken bleiben zunächst frei.
  9. Ziehen Sie den Stoff an jeder Ecke diagonal über die Spitze zur Plattenmitte und befestigen Sie ihn dort. Legen Sie die seitlichen Stofflappen zu sauberen Falten, schneiden Sie überschüssiges Material heraus und tackern Sie die Falten fest. Kontrollieren Sie anschließend von oben, ob die Ecke glatt liegt.
  10. Schneiden Sie überstehenden Stoff ab. Bei Bedarf können Sie die Unterseite mit einem dünnen Stoff abdecken. Tasten Sie die Schraublöcher durch den Stoff ab, stechen Sie sie mit einer Ahle vor und befestigen Sie die Sitzplatte wieder am Stuhl.

Sitzt die Platte in einem Rahmen, prüfen Sie nach dem Spannen der ersten beiden Seiten, ob sie noch hineinpasst. Ein dicker Stoff und zusätzliche Polsterwatte können an den Kanten mehr Platz benötigen als der alte Bezug.

Was kann beim Neubeziehen schiefgehen?

  • Der Stoff wirft Falten, wenn Sie an einer Ecke beginnen. Arbeiten Sie stattdessen von den Seitenmitten aus und verteilen Sie die Spannung gleichmäßig über die Fläche.
  • Streifen oder Karos verlaufen schräg. Richten Sie das Muster vor der ersten Klammer aus und kontrollieren Sie es nach jeder Seite.
  • Zu viel Zug kann den Schaum an den Kanten zusammendrücken. Der Sitz wirkt dann kantig und dünner Stoff kann an den Klammern ausreißen.
  • Die Ecken tragen auf, wenn unter den Falten zu viel Stoff liegt. Entfernen Sie überschüssiges Material, bevor Sie die Ecke befestigen.
  • Zu lange Klammern können durch die Platte stoßen, zu kurze halten den Stoff nicht sicher. Testen Sie die Klammerlänge deshalb zunächst an einem Reststück.
  • Zu weicher Schaumstoff kann schnell wieder eine Sitzmulde bilden. Für stärker beanspruchte Sitzflächen eignet sich deshalb ein höheres Raumgewicht.

Ist eine Seite misslungen, können Sie die dort gesetzten Klammern wieder lösen und den Stoff neu spannen. Die alten Klammerlöcher befinden sich auf der Unterseite und bleiben später unsichtbar.

Wann gehört der Stuhl zum Polsterer und was kostet das?

Eine abnehmbare, von unten getackerte Sitzplatte lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick selbst beziehen. Bei anderen Bauarten sind Erfahrung und Werkzeug einer Polsterei gefragt:

  • Der Sitz ist fest mit dem Gestell verbunden und besitzt keine abnehmbare Platte.
  • Der Bezug ist mit Polsternägeln oder einer Borte befestigt, wie es bei vielen Stilmöbeln vorkommt.
  • Unter dem Bezug befinden sich Gurte und Sprungfedern, etwa bei älteren Stühlen mit Schnürpolsterung.
  • Sitz und Rücken sind gepolstert.
  • Der Stuhl soll einen Bezug aus Leder erhalten.
  • Es handelt sich um ein Erbstück oder einen hochwertigen Designerstuhl, bei dem ein misslungener Versuch den Wert des Möbels beeinträchtigen könnte.
Frau polstert einen Stuhl auf

Diese Preise nennen Polstereien je nach Ausführung als Richtwerte:

Leistung der PolstereiPreis je Stuhl
Nur Sitzfläche, abnehmbar und getackert, ohne Stoff60 bis 120 €
Nur Sitzfläche mit Stoff mittlerer Preislagerund 80 bis 150 €
Sitzfläche mit Polsternägeln oder Borterund 25 % mehr als getackert
Sitz und Rücken mit Stoffrund 150 bis 300 €
Sitz und Rücken in Echtlederrund 300 bis 350 €

Der Stundensatz einer Polsterei liegt bei etwa 50 bis 70 €. Für Abholung und Rücktransport können 0 bis 150 € anfallen. Manche Betriebe holen Möbel im näheren Umkreis ohne zusätzliche Transportkosten ab.

Gehört zu den Stühlen eine Eckbank, finden Sie die Kosten für eine neu bezogene Eckbank gesondert. Weitere Polstermöbel finden Sie in der Preisübersicht zum Neubeziehen von Polstermöbeln.

Rechnet sich das Selbstbeziehen gegenüber Polsterer und Neukauf?

Gähnende Katze auf Stuhl

Bei mehreren Stühlen fällt der Preisunterschied besonders ins Gewicht. Sechs abnehmbare Sitzplatten selbst zu beziehen kostet rund 135 bis 350 €. Darin enthalten sind beim ersten Stuhl der Handtacker und die Klammern sowie bei allen sechs Stühlen Schaum, Polsterwatte und Stoff.

Für sechs Sitzflächen mit Stoff mittlerer Preislage berechnet eine Polsterei rund 480 bis 900 €. Hinzu können Kosten für Abholung und Rücktransport kommen.

Ob sich der Neubezug gegenüber einem neuen Stuhl rechnet, hängt vor allem vom Zustand und Wert des Gestells ab. Für einen Neubezug sprechen ein stabiles Holzgestell, ein intakter Unterbau oder ein persönlicher Wert des Möbels. Bei einem instabilen oder beschädigten Gestell bringt auch ein neuer Bezug wenig.

Für Sessel können Sie mit Stoff mit rund 700 bis 1.900 € rechnen. Die einzelnen Positionen finden Sie in der Übersicht zu den Kosten für einen neu bezogenen Sessel.

Fragen und Antworten zum Neubeziehen von Stühlen

Wie viel Stoff brauchen Sie für einen Stuhl?

Für einen Esszimmerstuhl mit Sitz und Rücken kalkulieren Polstereien rund 0,7 m Stoff, für einen Hocker etwa 0,55 m. Bei einer reinen Sitzplatte benötigen Sie meist weniger.

Messen Sie Länge und Breite der Sitzplatte und rechnen Sie an jeder Seite die Höhe von Schaum und Platte sowie einen zusätzlichen Rand für die Befestigung hinzu. Bei großen Mustern oder Streifen sollten Sie mehr Stoff einplanen, damit das Motiv auf mehreren Stühlen passend ausgerichtet werden kann.

Können Sie den neuen Stoff einfach über den alten tackern?

Technisch ist das möglich, wenn der alte Bezug unbeschädigt ist und der Schaum noch ausreichend trägt. Die zusätzliche Stoffschicht macht die Sitzplatte allerdings dicker. Sitzt sie in einem Rahmen, kann es dadurch zu Platzproblemen kommen.

Außerdem bleiben Schmutz, Gerüche und ein möglicherweise bereits durchgesessener Schaum unter dem neuen Bezug erhalten. Besser ist es deshalb, den alten Bezug zu entfernen und den Zustand der Polsterung zu prüfen.

Bezugsstoff wird fest getackert

Wann gehört ein Designerstuhl zum Polsterer?

Ein Designerstuhl sollte in eine Polsterei, wenn die Polsterung fest mit der Schale oder dem Gestell verbunden ist, der Bezug vernäht statt getackert wurde oder Leder verarbeitet werden soll. Auch bei einem Möbelstück, dessen ursprüngliche Form und Verarbeitung erhalten bleiben sollen, ist eine fachgerechte Aufarbeitung sinnvoll.

Eine Polsterei kann die Form und Polsterung des vorhandenen Stuhls nacharbeiten und Nähte anfertigen, die mit einem Handtacker nicht möglich sind.

Bilder: Canva

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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