Runde Löcher von 5 bis 8 cm Durchmesser in einer verputzten Fassade, meist an der Wetterseite und in einigen Metern Höhe: Das ist das gängige Bild eines Spechtschadens. Betroffen sind fast ausschließlich Häuser mit Wärmedämmverbundsystem, weil der hohle Klang der Dämmplatten für den Vogel wie morsches Holz wirkt.
Warum gehen Spechte ans Haus?
Drei Motive kommen infrage, und sie erklären auch die Jahreszeit, in der die Schäden auftreten.
Höhlenbau. Von März bis Mai sucht der Specht Bruthöhlen. Eine Dämmplatte lässt sich leichter bearbeiten als ein Baumstamm, und das Ergebnis ist eine tiefe Höhle im Dämmstoff.
Reviermarkierung. Im Frühjahr trommelt der Specht auf resonanten Flächen, um sein Revier akustisch zu markieren. Dabei entstehen zunächst nur flache Vertiefungen, häufig an Fallrohren und Blechen.
Nahrungssuche. Sitzen Insekten im Putz oder in Hohlräumen, hackt der Vogel gezielt danach. Das kommt seltener vor, ist aber ein Hinweis auf ein weiteres Problem in der Fassade.
Was gilt rechtlich?
Alle heimischen Spechtarten sind besonders geschützt, einige streng geschützt. Nach § 44 BNatSchG ist es verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Fortpflanzungsstätten zu beschädigen.
Eine bereits belegte Bruthöhle in der Fassade darf während der Brutzeit nicht verschlossen werden. Sie müssen warten, bis die Jungen ausgeflogen sind, was je nach Art vier bis sechs Wochen dauert. Erst danach ist die Sanierung zulässig.
Vergrämungsmaßnahmen, die den Vogel weder verletzen noch eine besetzte Brutstätte zerstören, sind erlaubt. Bei Unsicherheit ist die untere Naturschutzbehörde die richtige Adresse, und bei stark betroffenen Gebäuden kann sie eine Ausnahme nach § 39 BNatSchG prüfen.
Welche Abwehr wirkt?
- Netz mit Abstand: Ein Vogelschutznetz, 10 bis 15 cm vor der Fassade gespannt, ist die zuverlässigste Lösung. Es kostet 20 bis 50 € je m² montiert und verhindert das Anfliegen der Wand.
- Reflektierende Bänder: Glitzernde Streifen im Bereich der Schäden wirken einige Wochen. Sie sind günstig, aber keine Dauerlösung.
- Nistkasten als Ablenkung: Ein Spechtkasten an einem nahen Baum kann den Höhlenbau umlenken. Er kostet 40 bis 90 € und ist naturschutzrechtlich die beste Variante.
- Vermeiden: Netze direkt auf dem Putz, weil sich Vögel darin verfangen können. Ebenso Klebemittel und Spikes, die tierschutzrechtlich problematisch sind.
Attrappen von Greifvögeln wirken wie bei Tauben nur wenige Tage. Akustische Geräte sind in Wohngebieten meist wegen der Lärmbelastung nicht praktikabel.
Löcher fachgerecht schließen

Ein Spechtloch ist nicht nur ein kosmetischer Schaden. Durch die Öffnung dringt Wasser in die Dämmebene, und in der entstandenen Höhle siedeln sich häufig Insekten oder weitere Vögel an.
Fachgerecht wird der beschädigte Dämmstoff großzügig ausgeschnitten, ein passendes Dämmstück eingesetzt und verklebt, danach folgen Armierungsgewebe, Spachtelung und Oberputz im Farbton der Fassade. Rechnen Sie mit 150 bis 400 € je Loch, bei mehreren Schäden und Gerüstbedarf entsprechend mehr. Vom bloßen Zuschäumen ist abzuraten. Der Schaum schließt nicht dauerhaft den Untergrund, die Stelle bleibt sichtbar, und die Feuchtigkeit gelangt weiterhin hinein.
Welche Fassaden sind betroffen?
| Fassadenart | Risiko | Grund |
|---|---|---|
| WDVS mit Polystyrol | hoch | hohler Klang, weicher Kern |
| WDVS mit Mineralwolle | mittel | ebenfalls hohl, aber fester Putz üblich |
| Holzverkleidung | mittel | bei Insektenbefall im Holz |
| Massive Wand mit Putz | gering | kein Hohlraum, kein Resonanzklang |
| Klinker | sehr gering | zu hart |
Zusätzlich spielen Lage und Farbe eine Rolle. Häuser in Waldnähe und am Ortsrand sind häufiger betroffen als Gebäude in dichter Bebauung, und dunkle Fassaden werden öfter angeflogen als helle. Die Schäden liegen meist an der Wetter- oder Südseite in 3 bis 8 m Höhe.
Wann Sie handeln sollten
Die Zeitplanung ergibt sich aus dem Verhalten des Vogels und aus dem Artenschutz.
- Im Winter kontrollieren. Zwischen November und Februar sind keine Bruten in der Fassade. Prüfen Sie alle Löcher und lassen Sie sie schließen.
- Vor März abwehren. Netz oder Bänder anbringen, bevor die Balz beginnt und der Höhlenbau startet.
- Von März bis Juli nichts verschließen, ohne die Höhle vorher auf Besatz zu prüfen.
- Nach dem Ausfliegen sanieren. Sobald die Jungen weg sind, Loch schließen und Abwehr ergänzen.
Die Kontrolle auf Besatz übernimmt ein Fachbetrieb mit einem Endoskop. Sie kostet 80 bis 200 € und ist die Voraussetzung dafür, dass die Sanierung rechtlich zulässig ist.
Was kostet die Sanierung?
Ein einzelnes Loch fachgerecht zu schließen kostet 150 bis 400 €, sofern es von einer Leiter oder einem Hubsteiger aus erreichbar ist. Sind mehrere Löcher betroffen und wird ein Gerüst nötig, kommen 800 bis 2.500 € für die Einrüstung dazu.
Der Netzschutz über die betroffene Fassadenfläche liegt bei 20 bis 50 € je m² montiert. Bei einer üblichen Giebelseite von 40 m² sind das 800 bis 2.000 €, die dafür jahrzehntelang wirken.
Die Kombination aus Sanierung und Abwehr ist die einzige Variante, die zukünftig hält. Wird nur repariert, kehrt der Vogel im nächsten Frühjahr zurück, weil die Fassade unverändert attraktiv bleibt. Zur Einordnung anderer Tierabwehrmaßnahmen dient Preise für Taubenabwehr und die Preisspiegel Kammerjäger.
Häufige Fragen
Zahlt die Versicherung Spechtschäden?
Die Wohngebäudeversicherung nur, wenn Tierschäden ausdrücklich eingeschlossen sind. Standardtarife decken das meist nicht ab, weshalb sich die Nachfrage beim Versicherer rechnet.
Kommt der Specht wieder?
Sehr wahrscheinlich, wenn nur das Loch geschlossen wird. Die Fassade bleibt für ihn attraktiv. Dauerhaft hilft nur die Kombination aus Reparatur und Abwehr.
Sind bestimmte Fassaden besonders betroffen?
Ja, Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol und dünnem Oberputz, besonders in dunklen Farbtönen und in Waldnähe. Massive Wände ohne Dämmebene werden kaum bearbeitet.
Darf ich das Loch umgehend schließen?
Nur wenn sicher keine Brut darin ist. Kontrollieren Sie mit einem Endoskop oder lassen Sie das prüfen. Ist die Höhle belegt, warten Sie bis zum Ausfliegen der Jungen.
Bild: Canva





