Zellulosedämmung ist recyceltes Zeitungspapier mit neuem Job: zerfasert, mit Borsalzen gegen Brand und Schädlinge ausgerüstet und als Flocken in Hohlräume eingeblasen. Mit 15 bis 25 € pro m² gehört sie zu den günstigsten Dämmstoffen, und zu den ökologischsten. Wir zeigen, wo Zellulose eingesetzt wird, was sie kostet und warum sie beim Hitzeschutz Mineralwolle schlägt.
Was ist Zellulosedämmung?
Ausgangsmaterial ist sortenreines Altpapier, das zu feinen Flocken zerfasert wird. Borate oder andere mineralische Brandschutzmittel machen die Zellulose schwer entflammbar. Je nach Hersteller erreicht sie meist die Euroklasse B-s2,d0 oder C-s2,d0 und erschweren Schimmelbildung sowie den Befall durch Schädlinge. Verarbeitet wird fast immer maschinell: Der Fachbetrieb bläst die Flocken mit Druck in geschlossene Hohlräume (Einblasdämmung) oder sprüht sie leicht befeuchtet auf offene Flächen.
Die Eigenschaften im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Wärmeleitgruppe (WLG) | 038 bis 040 |
| Brandverhalten | B-s2 (schwer entflammbar) |
| Sommerlicher Hitzeschutz | sehr gut – hohe Speicherkapazität wie Holzfaser |
| Schallschutz | sehr gut – fugenlose Verfüllung |
| Feuchteverhalten | kapillaraktiv, puffert Feuchtespitzen |
| Ökobilanz | gehört zu den ökologischsten Dämmstoffen am Markt |
| Preis pro m² (140 mm eingeblasen) | 15 bis 25 € |
Wo wird Zellulose eingesetzt?
- Holzbalkendecken: Flocken füllen jede Balkenlage fugenlos aus, ideal bei der obersten Geschossdecke, siehe Dachboden dämmen
- Dachschrägen: Einblasen in geschlossene Sparrenfelder, ohne die Verkleidung zu öffnen
- Holzrahmenbau: Standarddämmung in Wandelementen von Fertighäusern und Aufstockungen
- Installationsebenen und Vorwände: Hohlraumfüllung gegen Schall
- Nicht geeignet: Erdreich und Spritzwasserbereiche, WDVS-Fassade, überall mit dauerhafter Feuchtelast
Was kostet Zellulosedämmung?
Eingeblasen vom Fachbetrieb 15 bis 25 € pro m² bei 140 mm, inklusive Material und Maschine. Eine 100-m²-Geschossdecke ist für 1.500 bis 2.500 € in einem halben Tag gedämmt. Die offene Aufblasvariante auf Geschossdecken ist noch günstiger (12 bis 20 € pro m²). Das Einblasen erfordert einen Fachbetrieb. Die Maßnahme kann im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) gefördert werden, sofern die technischen Mindestanforderungen erfüllt werden. Alle Verfahren im Detail finden Sie hier: Einblasdämmung.
Beispielrechnung: Oberste Geschossdecke mit Zellulose
Ein typisches Einfamilienhaus mit 90 m² Holzbalkendecke zum unausgebauten Spitzboden: Der Fachbetrieb bläst Zellulose in die 18 cm hohe Balkenlage und setzt darüber eine 10 cm offene Aufblasschicht, zusammen 28 cm, was den BAFA-Fördergrenzwert (U-Wert 0,14 W/m²K) erreicht.
| Position | Kosten |
|---|---|
| Einblasdämmung Balkenlage (90 m², 18 cm) | 1.620 bis 2.250 € |
| Offene Aufblasschicht (90 m², 10 cm) | 720 bis 1.080 € |
| Anfahrt und Einrichtung | 150 bis 300 € |
| Gesamt | 2.490 bis 3.630 € |
| Nach BAFA-Zuschuss (20 % mit iSFP) | 1.990 bis 2.900 € |
Bei 10 bis 15 % Heizkostenersparnis (300 bis 450 € jährlich bei diesem Haustyp) amortisiert sich die Maßnahme in wenigen Jahren, vergleichbar in der Amortisierung nur mit der Kellerdeckendämmung.
Ablauf Einblasdämmung mit Zellulose
- Voruntersuchung: Der Fachbetrieb prüft per Endoskop oder Probebohrung, ob der Hohlraum frei von Schutt, Kabeln und Feuchte ist
- Einblasöffnungen setzen: Pro Gefach reichen ein bis zwei Öffnungen von 10 bis 12 cm, bei Holzbalkendecken meist von oben durch die Beplankung
- Flocken einblasen: Die Maschine fördert die Zellulose über einen Schlauch und verdichtet sie auf die protokollierte Soll-Dichte (45 bis 65 kg/m³)
- Dichtekontrolle: Stichprobenkernbohrungen belegen die Einbaudichte, wichtig für Gewährleistung und Förderung
- Öffnungen verschließen: Deckel einsetzen, Beplankung schließen. Nach einem Arbeitstag ist alles erledigt
Zellulose im Vergleich mit anderen Einblasdämmstoffen
| Kriterium | Zellulose | EPS-Granulat | Steinwolleflocken |
|---|---|---|---|
| Preis pro m² (140 mm) | 15 bis 25 € | 15 bis 25 € | 20 bis 35 € |
| Hitzeschutz (Phasenverschiebung) | sehr gut | schwach | mittel |
| Brandverhalten | B-s2 | E | A1 |
| Feuchteverhalten | kapillaraktiv, puffernd | wasserabweisend | wasserabweisend |
| Setzungssicherheit | hoch (verfilzt) | mittel (rieselt) | hoch |
| Ideal für | Holzbau, Decken, Dachschräge | zweischaliges Mauerwerk | Brandschutzanforderungen |
In Holzkonstruktionen ist Zellulose fast immer die erste Wahl: Sie verfilzt zu einem setzungssicheren Polster, puffert Feuchtespitzen wie das umgebende Holz und bringt den besten sommerlichen Hitzeschutz der drei Kandidaten mit. Im gemauerten Hohlraum punktet dagegen EPS-Granulat mit seiner Wasserunempfindlichkeit. Alle Verfahren im Beitrag Einblasdämmung.
Hitzeschutz im Detail: Warum Zellulose den Sommer gewinnt
Der Unterschied zeigt sich am Dachgeschoss im Juli: Bei leichter Glaswolle wandert die Mittagshitze in 5 bis 7 Stunden durch die Dämmebene und erreicht den Wohnraum am frühen Abend, genau zur Schlafenszeit. Zellulose braucht für denselben Weg 10 bis 12 Stunden (Phasenverschiebung), die Hitzewelle kommt erst nach Mitternacht an, wenn draußen längst kühlere Luft zum Querlüften bereitsteht. Physikalische Ursache ist die fast doppelt so hohe Rohdichte samt Wärmespeicherkapazität: Die Faserflocken puffern die Energie, statt sie durchzureichen. Messbar wird das als Amplitudendämpfung. Gute Zelluloseaufbauten drücken die Temperaturschwankung der Dachoberfläche von 40 Grad auf unter 3 Grad an der Innenseite.
Häufige Fragen zur Zellulosedämmung
Ist Zellulosedämmung brennbar?
Nein, die Boratausrüstung macht das Papier schwer entflammbar (B-s2). Im Brandversuch verkohlt die Oberfläche und schützt das dahinterliegende Material, ähnlich wie Massivholz. Für Bereiche mit A1-Anforderung (nicht brennbar) bleibt Mineralwolle die korrekte Wahl.
Sackt Zellulose mit der Zeit zusammen?
Bei fachgerechter Einblasdichte (45 bis 65 kg/m³ je nach Bauteil) nicht. Die Flocken verfilzen zu einem stabilen Polster. Setzungen entstehen nur bei zu geringer Dichte, deshalb gehört die Verarbeitung in die Hände zertifizierter Betriebe, die die Dichte protokollieren.
Zellulose oder Glaswolle: Was ist besser?
Preislich liegen beide nah beieinander. Zellulose gewinnt beim sommerlichen Hitzeschutz, Schallschutz und in der Ökobilanz; Glaswolle ist nicht brennbar und zur Selbstverlegung als Matte verfügbar. In Holzkonstruktionen und bei Einblasanwendungen ist Zellulose meist die rundere Lösung.
Sind die Borsalze gesundheitlich bedenklich?
Im eingebauten Zustand nein. Die Salze sind fest an die Fasern gebunden und staubdicht hinter Beplankung oder Folie. Beim Einblasen trägt der Verarbeiter eine Staubmaske. Borathaltige Zellulose ist seit Jahrzehnten millionenfach verbaut, relevante Emissionen ins Rauminnere sind nicht nachweisbar.
Kann Zellulose auch in der Wand eingesetzt werden?
Ja, im Holzrahmenbau ist die Wand sogar das zweitgrößte Einsatzgebiet: Die Gefache der Ständerkonstruktion werden über Einblasöffnungen verfüllt, die Flocken verdichten sich setzungssicher zwischen den Beplankungen. Im massiven Mauerwerk funktioniert Zellulose dagegen nur im zweischaligen Aufbau mit Hohlschicht, und dort ist wasserabweisendes EPS-Granulat meist die robustere Wahl, falls Feuchtigkeit in der Schale steht.
Kann Zellulose schimmeln?
Zellulose selbst kann Feuchtigkeit aufnehmen und zeitweise wieder abgeben. Solange die Dämmung trocken bleibt oder austrocknen kann, entsteht in der Regel kein Schimmel. Bei dauerhaft eindringender Feuchtigkeit verliert jedoch auch Zellulose ihre Dämmwirkung und kann Schimmelbildung begünstigen. Deshalb müssen Undichtigkeiten im Dach oder in der Fassade immer schnell beseitigt werden.
Vorteile und Nachteile der Zellulosedämmung
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| sehr gute Ökobilanz | nur vom Fachbetrieb einbaubar |
| hervorragender sommerlicher Hitzeschutz | Fachbetrieb erforderlich |
| guter Schallschutz | nicht für dauerhaft feuchte Bereiche |
| fugenlose Einblasdämmung | entflammbar, verkohlt |
| recyceltes Material | Qualitätsunterschiede je nach Einbaudichte |





