Kunststoff lässt sich dauerhaft lackieren, wenn Sie die Oberfläche gründlich entfetten, mit feinem Schleifpapier anrauen und eine spezielle Kunststoffgrundierung auftragen. Ohne diesen Haftvermittler blättert jeder Lack nach wenigen Monaten wieder ab, denn Kunststoff ist glatt. Mit Material für 20 bis 40 € frischen zum Beispiel Sie verwitterte Gartenmöbel wieder auf. Diese Anleitung erklärt, welche Kunststoffe sich überhaupt lackieren lassen, wie Sie in vier Schritten vorgehen und wann ein Malerbetrieb das bessere Ergebnis liefert.
Warum hält Lack auf Kunststoff so schlecht?
Lack findet auf Kunststoff kaum Halt, weil die Oberfläche porenfrei und unpolar ist. Holz saugt Farbe in seine Fasern ein, Putz bindet sie mechanisch in seinen Poren. Kunststoff bietet beides nicht: Die Lackschicht liegt nur lose auf und platzt bei der ersten Belastung ab. Zwei Maßnahmen lösen das Problem. Das Anschleifen raut die Oberfläche mikroskopisch auf und vergrößert die Kontaktfläche, die Kunststoffgrundierung stellt zusätzlich eine chemische Verbindung zwischen Untergrund und Decklack her. Wie groß der Unterschied zu saugenden Untergründen ist, zeigt der Vergleich mit unserer Anleitung zum Holzlackieren: Dort genügt oft ein einfacher Vorlack, beim Kunststoff benötigt man eine Spezialgrundierung.
Welche Kunststoffe lassen sich lackieren?
Hart-PVC, ABS und GFK nehmen Lack nach richtiger Vorbereitung zuverlässig an, Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) dagegen kaum. Achten Sie auf die Herstellerangabe: Bei vielen Bauteilen ist die Kunststoffart als Kürzel eingeprägt, meist auf der Rückseite oder Unterseite. Fehlt die Kennzeichnung, hilft die Produktdokumentation des Herstellers oder eine Probelackierung an einer verdeckten Stelle.
| Kunststoffart | Lackierbar? | Grundierung | Geeigneter Lack |
|---|---|---|---|
| Hart-PVC (Fensterbänke, Rollladenkästen) | gut | Kunststoffgrundierung | Acryllack, PVC-Lack |
| ABS (Gehäuse, Möbelteile) | gut | Kunststoffgrundierung | Acryllack, 2-K-Lack |
| GFK (Verkleidungen, Abdeckungen) | gut | Epoxidgrundierung oder Kunststoffgrundierung | 2-K-Lack |
| PE/PP (günstige Gartenstühle, Eimer) | kaum | Spezialprimer, Haftung bleibt unsicher | nur bedingt empfehlenswert |
Diese Objekte lohnen einen neuen Anstrich
Am häufigsten lackieren Heimwerker Gartenmöbel, Fensterbänke, Rollladenkästen und Wandverkleidungen aus Kunststoff. Alle vier bestehen in der Regel aus gut lackierbarem Hart-PVC oder ABS und bieten große, ebene Flächen.
- Gartenmöbel aus Hartkunststoff werden nach Jahren in der Sonne stumpf und fleckig. Ein neuer Anstrich kostet einen Bruchteil der Neuanschaffung. Die allgemeinen Techniken finden Sie im Ratgeber Möbel streichen.
- Innenfensterbänke aus Hart-PVC vergilben mit der Zeit. Mit weißem Acryllack wirken sie wieder wie neu.
- Rollladenkästen und Verkleidungen lassen sich farblich an neue Fenster oder Wandfarben anpassen.
- Türblätter mit Kunststofffolie sind ein Sonderfall: Die Folie kann sich beim Schleifen lösen. Prüfen Sie vorher an einer Kante, ob sie vollflächig fest verklebt ist.
So lackieren Sie Kunststoff in vier Schritten
Der Ablauf ist bei allen Objekten gleich: reinigen, anschleifen, grundieren, lackieren. Planen Sie inklusive Trockenzeiten gute 48 h ein.
Schritt 1: Reinigen und entfetten
Waschen Sie das Objekt zuerst mit warmem Wasser und Spülmittel ab. Danach folgt der wichtigere Teil: Wischen Sie die Fläche mit Silikonentferner ab, denn Pflegemittel, Politurreste und Trennmittel aus der Produktion sind mit Spülmittel allein nicht zu entfernen. Auf Fett- oder Silikonresten bildet der Lack später Krater.
Schritt 2: Anschleifen mit feinem Korn
Schleifen Sie die gesamte Fläche mit 240er bis 400er Schleifpapier gleichmäßig matt. Für Rundungen und Profile eignet sich Schleifvlies besser als Papier. Lose oder abblätternde Altanstriche müssen vollständig entfernt werden, die passenden Methoden zeigt der Ratgeber alte Farbe entfernen. Zum Schluss wischen Sie den Schleifstaub mit einem feuchten Tuch ab.
Schritt 3: Kunststoffgrundierung auftragen
Tragen Sie die Kunststoffgrundierung dünn und gleichmäßig auf, als Spray oder mit einer feinporigen Schaumstoffrolle. Eine Schicht genügt. Halten Sie die Trockenzeit aus der Herstellerangabe genau ein, bevor Sie weiterarbeiten, denn zu frühe Lackierung löst die Grundierung wieder an.
Schritt 4: Zwei dünne Schichten Lack
Lackieren Sie in zwei dünnen Schichten statt einer dicken. Für glatte Flächen liefert die Sprühdose das beste Ergebnis, weil keine Rollstruktur entsteht: mit gleichmäßigen Bahnen und rund 20 cm Abstand sprühen, Zwischentrocknung abwarten, dann die zweite Schicht auftragen. Für den Rest eignet sich wasserbasierter Acryllack, für stark beanspruchte Flächen der härtere 2-K-Lack.
Was kosten Material und Malerbetrieb?
Für ein mittelgroßes Objekt zahlen Sie insgesamt 20 bis 40 € Material. Die Kunststoffgrundierung kostet 10 bis 20 €, Sprühlack liegt bei 8 bis 15 € pro Dose, die für rund 1 m² reicht. Dazu kommen Silikonentferner für 8 bis 12 € sowie Schleifpapier und Abdeckmaterial für etwa 5 bis 10 €. Beim Malerbetrieb rechnen Sie mit Stundensätzen von 45 bis 70 €, die aktuellen Sätze finden Sie im Beitrag zum Malerstundenlohn. Einzelne Kleinteile lackieren zu lassen ist selten wirtschaftlich. Bei Serien wie allen Rollladenkästen einer Hausfassade lohnt sich dagegen ein Angebot, weil der Betrieb Rüstzeit und Material nur einmal kalkuliert.
Wann sollten Sie einen Fachbetrieb beauftragen?
Bei Kunststofffenstern, großen Flächen und kombinierten Materialien ist der Fachbetrieb die bessere Wahl. Kunststofffenster sind der wichtigste Sonderfall: Durch eigenmächtiges Lackieren erlischt in der Regel die Herstellergarantie, und Fehler an Dichtungen oder Beschlägen lassen sich kaum korrigieren. Was die professionelle Lösung kostet, zeigt der Ratgeber Fenster streichen lassen. Auch große zusammenhängende Flächen wie komplette Fassadenverkleidungen gehören in Profihände, weil dort jede Unregelmäßigkeit im Streiflicht auffällt. Objekte aus Metall und Kunststoff, etwa Gartentische mit Stahlgestell, brauchen zwei getrennte Aufbauten: Für das Gestell gelten die Regeln aus dem Ratgeber Metall lackieren.
Häufige Fragen zum Lackieren von Kunststoff
Kann ich Kunststoff ohne Grundierung lackieren?
Nur mit speziellen Kunststofflacken, die den Haftvermittler bereits enthalten und selbst dann bleibt das Ergebnis unsicher. Auf glattem, unbehandeltem Kunststoff verankert sich normaler Lack nicht und blättert bei Belastung schnell wieder ab. Die Kombination aus Anschleifen und separater Kunststoffgrundierung kostet nur 10 bis 20 € mehr und verlängert die Haltbarkeit um Jahre.
Welcher Lack eignet sich für Kunststoff am besten?
Für Wohnräume ist wasserbasierter Acryllack die beste Wahl, weil er geruchsarm ist und schnell trocknet. Stark beanspruchte Flächen wie Gartenmöbel oder Fensterbänke profitieren von 2-K-Lack, der deutlich härter aushärtet. Auf großen glatten Flächen liefert Sprühlack aus der Dose das gleichmäßigste Bild ohne Rollenstruktur. Entscheidend bleibt in jedem Fall die passende Grundierung darunter.
Wie lange muss der Lack auf Kunststoff trocknen?
Getrocknet ist Acryllack meist nach ein bis zwei Stunden, belastbar nach 24 bis 48 Stunden. Die volle Endhärte erreichen viele Lacke erst nach etwa einer Woche. Behandeln Sie frisch lackierte Flächen bis dahin vorsichtig und stellen Sie nichts darauf ab. Verbindlich sind immer die Angaben auf dem jeweiligen Gebinde.
Lassen sich folierte Türblätter lackieren?
Ja, solange die Folie vollflächig fest verklebt ist. Statt kräftigem Schleifen übernimmt hier ein Haftgrund die Verbindung, denn durchgeschliffene Folie lässt sich nicht reparieren. Löst sich die Folie bereits an Kanten oder Ecken, müssen Sie sie komplett entfernen oder das Türblatt vom Fachbetrieb neu beschichten lassen.
Warum hält Lack auf PE und PP nicht?
Polyethylen und Polypropylen haben eine besonders niedrige Oberflächenenergie, an der weder Grundierung noch Lack eine stabile Verbindung aufbauen können. Selbst Spezialprimer liefern hier nur unsichere Ergebnisse. Bei günstigen Gartenstühlen aus diesen Kunststoffen ist der Neukauf deshalb meist wirtschaftlicher als ein aufwendiger Lackierversuch mit ungewissem Ausgang.




