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Ein blauer Stoff mit Blüten für den Wandbehang

Was ist eine Wandbespannung und was kostet sie?

Lesedauer 6 Minuten

Eine Wandbespannung aus Stoff kostet je nach Material, Fläche und Ausführung grob 30 bis 120 € pro m². Diese Spanne dient nur als erste Orientierung, da Raumausstatter für Wandbespannungen kaum feste Preise pro Quadratmeter veröffentlichen. Das Angebot setzt sich meist aus mehreren Positionen zusammen: dem Stoff, den Leisten und der Unterlage sowie dem Arbeitsaufwand für Aufmaß, Zuschnitt und Montage. Je nach Stoff können bereits für das Material sehr unterschiedliche Preise anfallen.

Was ist eine textile Wandbespannung?

Bei einer textilen Wandbespannung wird der Stoff nicht wie eine Tapete direkt auf die Wand geklebt, sondern gespannt. Dafür befestigt der Raumausstatter umlaufend Leisten an der Wand. Der Stoff wird anschließend in diesen Leisten befestigt und unter gleichmäßiger Spannung über die Fläche geführt.

Zwischen Wand und Stoff kann eine weiche Unterlage aus beispielsweise Molton oder Vlies liegen. Sie sorgt für eine gleichmäßige Oberfläche und kann zusätzlich zur Schallabsorption beitragen. Je nach Ausführung bleibt zwischen Wand und Bespannung ein kleiner Hohlraum.

Eine textile Wandbespannung lässt sich bei geeigneter Ausführung später wieder abnehmen. Der Stoff kann dadurch ausgetauscht werden, ohne die gesamte Wand neu zu gestalten. Das macht die Technik auch für Räume interessant, die regelmäßig verändert werden sollen.

So bespannt der Raumausstatter eine Wand

  1. Er misst die Wand einschließlich Fenster, Türen, Steckdosen und anderer Öffnungen aus und bespricht mit Ihnen den gewünschten Stoff.
  2. Er montiert die Leisten umlaufend an der Wand und berücksichtigt dabei Fenster und Türen.
  3. Schalter und Steckdosen werden bei der Planung und Montage berücksichtigt, damit die Bespannung an diesen Stellen passend ausgespart werden kann.
  4. Die vorgesehene Unterlage aus Molton, Vlies oder einem anderen geeigneten Material wird auf der Fläche angebracht.
  5. Anschließend wird der Stoff zugeschnitten und Bahn für Bahn unter gleichmäßiger Spannung an den Leisten befestigt.

Die Wand muss für eine textile Bespannung nicht so fein vorbereitet werden wie für einen Anstrich oder eine Tapete. Der Untergrund muss aber trocken, tragfähig und frei von Feuchtigkeit oder Schimmel sein. Bei einem vorhandenen Schaden muss zunächst die Ursache geklärt und behoben werden. Bei Schimmel können Sie beispielsweise den Schimmel fachgerecht sanieren lassen.

Welche Stoffe eignen sich für eine Wandbespannung?

Für eine textile Wandbespannung kommen unterschiedliche Gewebe infrage. Dazu zählen unter anderem Baumwolle, Leinen, Wolle, Filz und verschiedene Dekorationsstoffe. Auch spezielle Akustikstoffe können verwendet werden. Entscheidend ist nicht nur die Optik, sondern auch, wie sich der Stoff unter Spannung verhält.

Für eine Wandbespannung sind insbesondere folgende Eigenschaften wichtig:

  • formbeständig, damit der Stoff unter Spannung nicht aus der Form gerät
  • lichtbeständig, damit sich die Farbe bei Sonneneinstrahlung möglichst wenig verändert
  • für den jeweiligen Einsatzbereich ausreichend strapazierfähig
  • bei Bedarf schwer entflammbar
  • für die vorgesehene Befestigungsart geeignet

Bei der Auswahl sollte außerdem auf die Stoffbreite und ein vorhandenes Muster geachtet werden. Bei einem Rapport muss der Stoff so zugeschnitten werden, dass das Muster über mehrere Bahnen hinweg zusammenpasst. Dadurch kann mehr Material benötigt werden als bei einem einfarbigen Stoff.

Für öffentliche Gebäude gelten je nach Nutzung zusätzliche Anforderungen an das Brandverhalten. In Versammlungsräumen müssen Wandbekleidungen nach der jeweiligen Versammlungsstättenverordnung mindestens schwer entflammbar sein. In Bayern schreibt § 5 der dortigen Versammlungsstättenverordnung dies für Bekleidungen an Wänden in Versammlungsräumen vor.

Für eine private Wohnung lässt sich daraus keine allgemeine Vorgabe ableiten, dass jeder Wandbespannungsstoff schwer entflammbar sein muss. Bei besonderen Gebäuden oder Nutzungen sollten Sie die geltenden bau- und brandschutzrechtlichen Anforderungen vorab prüfen.

Vor- und Nachteile einer Wandbespannung aus Stoff

Eine textile Wandbespannung bietet vor allem gestalterische Möglichkeiten. Sie können zwischen vielen Farben, Strukturen und Stoffqualitäten wählen. Gleichzeitig kann eine weiche Unterlage die Raumakustik verbessern. Die Wirkung hängt allerdings stark von Stoff, Unterlage, Aufbau und Abstand zur Wand ab.

Weitere Vorteile sind:

  • Der Stoff kann bei geeigneter Befestigung später ausgetauscht werden.
  • Unebenheiten des Untergrunds lassen sich teilweise überdecken.
  • Die Oberfläche fühlt sich wärmer und weicher an als eine gestrichene Wand.
  • Stoffe können zur Schallabsorption beitragen.
  • Die Wand lässt sich individuell mit Farben, Mustern und Strukturen gestalten.

Es gibt aber auch Nachteile. Eine textile Wandbespannung kostet meist mehr als ein einfacher Anstrich. Zudem hängt die spätere Optik stark von einer gleichmäßigen Spannung des Stoffes ab. Bei großen Flächen, vielen Aussparungen oder Stoffen mit Muster steigt der Arbeitsaufwand.

Auch die Reinigung muss bei der Auswahl berücksichtigt werden. Nicht jeder Stoff lässt sich feucht reinigen. Bei empfindlichen Materialien kann regelmäßiges vorsichtiges Absaugen die bessere Lösung sein. Fragen Sie beim Kauf nach den Pflegehinweisen des Herstellers.

Was kostet eine Wandbespannung?

Realistische Festpreise pro Quadratmeter veröffentlichen Raumausstatter nur selten. Eine häufig genannte Orientierung liegt bei etwa 30 bis 120 € pro m². Dabei ist jedoch nicht bei jedem Preis klar, ob Stoff, Leisten, Unterlage, Zuschnitt und Montage bereits enthalten sind. Für ein konkretes Projekt ist deshalb ein individuelles Angebot aussagekräftiger als ein pauschaler Quadratmeterpreis.

Der Gesamtpreis setzt sich vor allem aus diesen Positionen zusammen:

  • Stoff
  • Unterlage
  • Befestigungsleisten
  • Aufmaß und Planung
  • Zuschnitt und gegebenenfalls Konfektionierung
  • Montage
  • Anfahrt

Bei Stoffen mit einer Breite von beispielsweise 140 cm entspricht ein laufender Meter einer Stofffläche von 1,4 m². Ein Stoffpreis von 20 € pro laufendem Meter entspricht damit zunächst rund 14 € pro m² Stofffläche. Verschnitt und notwendige Zugaben sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Wie viel Stoff benötigt wird, hängt unter anderem von der Wandhöhe, der Stoffbreite und dem Muster ab. Bei einem Rapport kann zusätzlicher Verschnitt entstehen, weil die einzelnen Bahnen exakt aufeinander abgestimmt werden müssen.

Auch Fenster, Türen, Heizkörper, Steckdosen und andere Aussparungen erhöhen den Arbeitsaufwand. Bei einer hohen Wand oder einer schwer zugänglichen Fläche können zusätzliche Arbeiten für Gerüst oder Arbeitsbühne erforderlich sein.

Lassen Sie sich im Angebot deshalb möglichst genau aufschlüsseln, welche Leistungen enthalten sind. Dazu gehören insbesondere Stoff, Unterlage, Leisten, Zuschnitt, Montage, Aufmaß und Anfahrt. So können Sie Angebote verschiedener Betriebe besser miteinander vergleichen.

Selbst bespannen oder den Raumausstatter beauftragen?

Eine kleine Wand lässt sich mit handwerklichem Geschick auch selbst mit Stoff gestalten. Für einfache Lösungen können beispielsweise Klettbänder verwendet werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine gespannte Wandbespannung auf umlaufenden Leisten.

Bei einer professionellen Wandbespannung kommt es dagegen auf einen gleichmäßigen Zug des Stoffes an. Falten, Wellen oder ein schief sitzendes Muster lassen sich nach der Montage nur schwer korrigieren. Besonders anspruchsvoll wird die Arbeit bei großen Flächen, hohen Räumen, schweren Stoffen und Mustern mit Rapport.

Das Raumausstatterhandwerk gehört außerdem zu den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung. Fragen Sie den Betrieb vor der Beauftragung, ob er Wandbespannungen ausführt, und lassen Sie sich nach Möglichkeit bereits ausgeführte Arbeiten zeigen.

Welche weiteren Leistungen zum Berufsbild gehören, zeigt das Berufsbild des Raumausstatters.

Wandbespannung und Raumakustik

Eine Stoffwand kann den Raumklang verbessern, ist aber nicht automatisch ein vollwertiger Akustikabsorber. Entscheidend sind unter anderem das Flächengewicht und die Struktur des Stoffes, die Unterlage, der Abstand zur Wand und die Größe der bespannten Fläche.

Schwere Moltonstoffe ab etwa 300 g/m² werden beispielsweise als schallabsorbierend eingesetzt. Akustikstoffe mit höheren Flächengewichten werden ebenfalls gezielt für Wandbespannungen und Schallabsorber verwendet.

Eine dünne textile Bespannung mit geringer Unterlage kann daher zwar zur Reduzierung von Reflexionen beitragen, ersetzt aber keine gezielte raumakustische Planung.

Wenn Sie einen hallenden Raum leiser machen möchten, können Akustikpaneele aus Holz eine Alternative sein. Weitere Informationen finden Sie auch im Beitrag zur Akustik im ganzen Raum.

Der Unterschied zu Tapete und Akustikpaneelen

Wandbespannung, Tapete und Akustikpaneele erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

MerkmalWandbespannungTapeteAkustikpaneel
MaterialStoff, je nach Ausführung auch andere textile MaterialienPapier, Vlies oder andere TapetenmaterialienAbsorber mit sichtbarer Oberfläche, häufig aus Holz, Textil oder anderen Materialien
Befestigungauf Leisten gespanntdirekt auf die Wand geklebtan Wand oder Decke befestigt
Gestaltungviele Stofffarben, Muster und Strukturengroße Auswahl an Farben und Musternabhängig von Material und Oberfläche
Raumakustikkann Schall absorbierennur geringe akustische Wirkunggezielt zur Schallabsorption entwickelt
ErneuerungStoff kann bei geeigneter Ausführung abgenommen werdenalte Tapete muss entfernt werdeneinzelne Elemente können ausgetauscht werden

Wenn die Gestaltung der Wand im Vordergrund steht, können sowohl Stoff als auch Tapete infrage kommen. Soll vor allem der Nachhall reduziert werden, sollte die Auswahl der Materialien stärker nach ihrer akustischen Wirkung erfolgen.

Die Anleitung, eine Wand richtig zu tapezieren, beschreibt die Alternative mit Tapete ausführlicher.

Häufige Fragen zur Wandbespannung

Was ist der Unterschied zwischen Wandverkleidung und Wandbespannung?

Wandverkleidung ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Arten, eine Wand mit einem zusätzlichen Material zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise Holzpaneele, Platten oder textile Materialien. Bei einer Wandbespannung wird ein Stoff über Leisten gespannt und nicht vollflächig auf die Wand geklebt.

Muss der Stoff einer Wandbespannung schwer entflammbar sein?

In einer privaten Wohnung gibt es keine allgemeine Vorgabe, nach der jeder Stoff für eine Wandbespannung schwer entflammbar sein muss. Für bestimmte öffentliche Gebäude gelten dagegen besondere Brandschutzanforderungen. Bei Versammlungsräumen müssen Wandbekleidungen nach den entsprechenden Vorschriften mindestens schwer entflammbar sein.

Kann eine Wandbespannung die Raumakustik verbessern?

Ja. Stoffe und textile Unterlagen können Schall absorbieren und dadurch Reflexionen reduzieren. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt unter anderem von Stoff, Flächengewicht, Unterlage, Wandabstand und der Größe der bespannten Fläche ab. Für eine gezielte Verbesserung der Raumakustik sollten diese Faktoren gemeinsam betrachtet werden.

Kann man eine Wandbespannung selbst anbringen?

Kleine und einfache Flächen lassen sich mit handwerklichem Geschick selbst gestalten. Bei einer professionellen Bespannung müssen Stoff, Zuschnitt, Muster und Spannung genau aufeinander abgestimmt werden. Bei großen Flächen, vielen Aussparungen oder empfindlichen Stoffen ist die Ausführung durch einen Raumausstatter sinnvoll.

Wie wird eine textile Wandbespannung gereinigt?

Das hängt vom verwendeten Stoff ab. Viele Stoffe können vorsichtig abgesaugt werden. Eine feuchte Reinigung ist dagegen nicht bei jedem Material möglich. Beachten Sie deshalb die Pflegehinweise des Herstellers und testen Sie Reinigungsmittel nicht ohne vorherige Prüfung an einer unauffälligen Stelle.

Was kostet eine Wandbespannung pro Quadratmeter?

Als grobe Orientierung werden etwa 30 bis 120 € pro m² genannt. Die tatsächlichen Kosten können aber darüber oder darunter liegen. Entscheidend sind vor allem Stoffqualität, Wandgröße, Unterlage, Leisten, Zuschnitt, Aussparungen und Montage. Da Raumausstatter meist individuell kalkulieren, sollten Sie sich ein konkretes Angebot erstellen lassen.

Bild: Canva

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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