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Wie man Wände richtig tapezieren kann

So tapezieren Sie Wände und Decken richtig

Lesedauer 5 Minuten

Tapezieren gelingt auch ohne Vorkenntnisse, wenn Sie die Wand gründlich vorbereiten, den passenden Kleister anrühren und die erste Bahn exakt lotrecht ansetzen. Geübte Heimwerker schaffen eine Wand in zwei bis drei Stunden, ein kompletter Raum ist an einem Wochenende erledigt. Ob nach dem Einzug in die neue Wohnung oder bei einer Renovierung der eigenen vier Wände: Irgendwann steht der Tapetenwechsel einfach an. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch alle Arbeiten, von der Werkzeugliste über das Tapezieren von Wänden und Decke bis zur Frage, wann sich ein Malerbetrieb lohnt.

Die richtige Vorbereitung für den Tapetenwechsel

Zur Vorbereitung gehören drei Dinge: das passende Werkzeug, die richtige Tapetenmenge und ein sauberer, tragfähiger Untergrund. Tapezieren ist keine Zauberei, dennoch entscheidet die Vorbereitung über das Ergebnis. Bevor Sie sich mit Kleister und Tapete an die Wände wagen, prüfen Sie deshalb zuerst, ob alle Werkzeuge vorhanden sind. In der Regel benötigen Sie:

  • Cuttermesser mit frischen Klingen
  • Tapezierbürste und Kleisterrolle
  • Tapeziertisch
  • Andrückspachtel und Nahtroller
  • Kleister und einen sauberen Eimer
  • Zollstock, Bleistift und Wasserwaage
  • eine stabile Leiter

Sobald alle Werkzeuge beisammen sind, ermitteln Sie den Materialbedarf für Ihr Zimmer. Anschließend bereiten Sie die Wände gründlich vor, damit die neue Tapete dauerhaft hält.

Materialbedarf ermitteln

Eine Standardrolle mit 10,05 m Länge und 53 cm Breite deckt etwa 5 m² Wandfläche ab, das ist die wichtigste Rechengröße für Ihren Einkauf. Haben Sie Ihre Wunschtapete unter den zahlreichen Tapetenarten gefunden, messen Sie den Raum aus, statt auf Verdacht zu kaufen: Multiplizieren Sie den Raumumfang mit der Raumhöhe und teilen Sie das Ergebnis durch 5, schon haben Sie die ungefähre Rollenzahl. Planen Sie 10 bis 15 % Verschnitt ein, bei Mustertapeten mit Rapport eher 20 %. Kaufen Sie außerdem lieber eine Rolle mehr aus derselben Charge, denn Nachkäufe aus einer anderen Produktion können sich im Farbton minimal unterscheiden.

Wände vor dem Tapezieren richtig vorbereiten

Der Untergrund muss sauber, trocken, glatt und tragfähig sein, sonst hält die schönste Tapete nicht. Schalten Sie zuerst den Strom ab und entfernen Sie die Verkleidungen von Steckdosen und Lichtschaltern. Bringen Sie die Möbel möglichst in einem anderen Raum unter und decken Sie den Fußboden mit Folie, alten Decken oder Malervlies ab. Beginnen Sie danach mit der Vorbereitung der Wand:

  • Entfernen Sie alle alten Tapetenreste vollständig von der Wand
  • Waschen Sie Staub, Schmutz und Fett gründlich ab
  • Füllen Sie Risse und Löcher mit Spachtelmasse und lassen Sie alles trocknen
  • Grundieren Sie saugende oder sandende Untergründe, etwa Trockenbauwände; wie das geht, zeigt der Ratgeber zum Grundieren von Wänden

Bei starken Unebenheiten oder einem besonders schwierigen Untergrund muss die Wand unter Umständen vollflächig gespachtelt werden. Das ist für Laien nicht ganz leicht, in diesem Fall lohnt es sich, einen professionellen Maler und Lackierer zu beauftragen. Eine frisch verputzte Wand muss außerdem vollständig durchgetrocknet sein, bevor Sie tapezieren.

Tapezieren der vorbereiteten Wände

Für das Tapezieren gilt eine einfache Grundregel: Die erste Bahn wird lotrecht ausgerichtet, alle weiteren Bahnen stoßen Kante an Kante daran an. Rühren Sie zunächst den Kleister an und beachten Sie die Herstellerangaben zu Mischverhältnis und Quellzeit. Papiertapeten und Raufasertapeten kleistern Sie auf dem Tapeziertisch ein, schlagen die Bahnen locker zusammen und lassen den Kleister einige Minuten einwirken. Bei Vliestapeten kommt der Kleister dagegen direkt an die Wand, die trockene Bahn legen Sie einfach in das frische Kleisterbett. Gehen Sie dann so vor:

  • Zeichnen Sie mit Wasserwaage und Bleistift eine senkrechte Linie an die Wand, an der Sie die erste Bahn ausrichten
  • Setzen Sie die Bahn oben mit 2 bis 3 cm Überstand zur Decke an und bringen Sie sie gleichmäßig entlang der Linie an
  • Streichen Sie die Tapete mit dem Andrückspachtel oder der Tapezierbürste von der Mitte zu den Rändern glatt, damit Luftblasen entweichen
  • Drücken Sie die Nähte mit dem Nahtroller sorgfältig an
  • Schneiden Sie überstehende Reste an Decke und Fußleiste mit dem Cuttermesser entlang einer Spachtelkante ab

Nicht jede Tapete lässt sich gleich leicht verarbeiten. Die folgende Tabelle zeigt, wie anspruchsvoll die gängigen Tapetenarten sind und welcher Kleister jeweils passt.

TapetenartSchwierigkeitKleister
Papiertapetemittel, weicht schnell durchNormalkleister, Bahnen einweichen lassen
Raufasertapeteleicht bis mittelNormal- oder Spezialkleister, Bahn einkleistern
Vliestapeteleicht, ideal für EinsteigerVlieskleister, direkt auf die Wand
Muster- und Designtapeteanspruchsvoll wegen RapportKleister je nach Trägermaterial
Glasfasertapeteanspruchsvoll, schweres GewebeGlasgewebekleber

Besonders robust, aber auch besonders schwer wieder zu entfernen ist die Glasfasertapete. Sie eignet sich vor allem für stark beanspruchte Räume wie Flure, Küchen und Treppenhäuser.

Vorsicht bei schwierigen Bereichen

Ecken, Steckdosen und Fußleisten sind die klassischen Stolperstellen, mit der richtigen Technik meistern Sie aber auch diese Bereiche. Tapezieren Sie Innenecken nie mit einer durchgehenden Bahn um die Ecke: Lassen Sie 1 bis 2 cm Tapete überstehen und setzen Sie die nächste Bahn bündig in die Ecke, sodass der Überstand überdeckt wird. Bei Fußleisten und Verkleidungen ersparen Sie sich viel Ärger, wenn Sie diese vorher abschrauben, denn dann verschwinden die Schnittkanten später hinter der Leiste. An Steckdosen und Schaltern tapezieren Sie bei abgeschaltetem Strom einfach über die Öffnung und schneiden das Loch nach dem Antrocknen kreuzweise frei.

So tapezieren Sie die Decke

Die wichtigste Regel für die Decke lautet: Arbeiten Sie zu zweit und verlegen Sie die Bahnen quer zum Fenster, also parallel zum Lichteinfall. So zeichnen sich die Nähte im Streiflicht kaum ab. Während eine Person auf der Leiter die Bahn ansetzt und andrückt, hält die zweite den restlichen Streifen mit einem sauberen Besen oder von einer zweiten Leiter aus gegen die Decke. Am einfachsten gelingt die Decke mit Vliestapete: Sie kleistern die Decke bahnenweise ein und rollen die Tapete direkt von der Rolle ab, ganz ohne Zuschnitt am Tapeziertisch und ohne Einweichzeit.

In Ecken und an Dachschrägen gilt dieselbe Technik wie an der Wand: Lassen Sie an der Kante 1 bis 2 cm überstehen und schneiden Sie den Überstand nach dem Andrücken sauber ab. An Dachschrägen tapezieren Sie zuerst die Schräge und danach den Kniestock, damit das Eigengewicht der Bahnen nicht an der frischen Naht zieht. Grundsätzlich kommt die Decke immer vor den Wänden an die Reihe, damit herabtropfender Kleister keine fertig tapezierten Flächen verschmutzt.

Wann lohnt sich ein Malerbetrieb?

Ein Malerbetrieb lohnt sich vor allem bei großen Flächen, hohen Decken, Treppenhäusern und teuren Mustertapeten, bei denen jeder Fehlschnitt Geld kostet. Für das Tapezieren berechnen Betriebe je nach Tapetenart etwa 8 bis 20 € pro m²: Einfache Raufaser liegt am unteren Ende der Spanne, Design- und Glasfasertapeten am oberen. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für das Entfernen der Alttapete und für Spachtelarbeiten. Wie sich Stundensätze und Quadratmeterpreise im Malerhandwerk zusammensetzen, lesen Sie im Ratgeber zu Malerkosten und Stundenlohn. Soll nach dem Tapezieren auch gestrichen werden, hilft der Überblick zu den Kosten für das Streichen von Wänden weiter.

Häufige Fragen zum Tapezieren

Wie viele Tapetenrollen brauche ich?

Multiplizieren Sie den Raumumfang mit der Raumhöhe und teilen Sie das Ergebnis durch 5, denn eine Eurorolle mit 10,05 m x 0,53 m deckt rund 5 m² ab. Für ein Zimmer mit 18 m Umfang und 2,50 m Höhe benötigen Sie also etwa 9 Rollen. Bei Mustertapeten rechnen Sie wegen des Rapports ein bis zwei Rollen zusätzlich.

Muss die alte Tapete immer runter?

In den meisten Fällen ja. Alte Bahnen können sich durch den feuchten Kleister lösen und Blasen werfen, außerdem zeichnen sich Nähte und Strukturen durch die neue Tapete ab. Nur fest sitzende, glatte Raufaser lässt sich in Ausnahmefällen überkleben. Wohin die alten Bahnen gehören, erklärt der Ratgeber zum Entsorgen von Tapeten.

Tapeziert man zuerst die Decke oder die Wände?

Immer zuerst die Decke. Beim Deckentapezieren tropft Kleister nach unten und würde fertige Wandflächen verschmutzen. Außerdem können Sie die Deckenbahnen an den Rändern wenige Millimeter auf die Wand ziehen und den Übergang später mit den Wandbahnen sauber abdecken. Erst wenn die Decke getrocknet ist, folgen die Wände.

Wie tapezieren Sie ohne sichtbare Stöße?

Völlig unsichtbare Nähte gibt es nicht, aber auf Stoß geklebte Bahnen kommen dem sehr nahe. Setzen Sie die Bahnen exakt Kante an Kante, ohne Überlappung, und drücken Sie jede Naht mit dem Nahtroller an. Verlegen Sie die Bahnen parallel zum Lichteinfall und tragen Sie den Kleister gleichmäßig auf, dann fallen die Stöße später kaum auf.

Wie lange muss die Tapete trocknen?

Je nach Tapetenart, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit dauert das Trocknen 12 bis 48 Stunden. Wichtig ist langsames Trocknen: Vermeiden Sie in dieser Zeit Zugluft und drehen Sie die Heizung nicht voll auf, sonst können sich Nähte öffnen oder Blasen bilden. Streichen dürfen Sie frisch tapezierte Wände erst nach vollständiger Trocknung.

Alexander Oberst, Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Verfasst von

Alexander Oberst Redakteur für Auftragsvergabe und Handwerksalltag

Alexander Oberst ist seit 2017 Redakteur beim Blauarbeit-Ratgeber und damit eine der dienstältesten Stimmen der Redaktion. Sein Thema ist die Zusammenarbeit von Auftraggebern und Handwerksbetrieben: Angebote vergleichen, Aufträge sicher vergeben, Gewährleistung und Anfahrtskosten richtig einordnen. Sein Blick ist dabei immer der des Auftraggebers: Was muss ich wissen, bevor ich unterschreibe?

So entstehen unsere Ratgeber

1 Kommentar zu „So tapezieren Sie Wände und Decken richtig“

  1. Auf die Vorbereitung zum Tapezieren warten auch die Wände in unserem Wohnzimmer. Danke herzlich für die hilfreichen Ratschläge, sogar zur Ausrüstung! Gegen Risse und Löcher soll ich noch die Spachtelarbeiten unternehmen. Welcher Kleister wird für die Vlies Tapeten empfohlen?

Die Kommentare sind geschlossen.

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