Aerogel zählt zu den leistungsfähigsten Dämmstoffen auf dem Markt. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von etwa λ = 0,015 bis 0,019 W/(m·K) erreicht er bessere Dämmwerte als Mineralwolle, EPS oder Holzfaser. Sein Einsatz lohnt sich deshalb nur dort, wo jeder Millimeter zählt: Fensterlaibungen, Denkmalfassaden und schwierigen Wärmebrücken oder wenn außen keine gewöhnliche Fassadendämmung zulässig ist.
Was ist Aerogel?
Aerogel ist hochporöses Silikat: zu 95 bis 99 % besteht es aus Luft, gefangen in Nanoporen, die kleiner sind als die freie Weglänge der Luftmoleküle. Ergebnis: Die Wärmeleitung über die Luft ist praktisch ausgeschaltet. Entwickelt für die Raumfahrt, kommt das Material im Bau als flexible Matte (Aerogelfasern auf Vliesträger) oder in Hochleistungsdämmputzen an die Wand.
Die Eigenschaften im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Wärmeleitgruppe (WLG) | 015 bis 019, Bestwert am Markt |
| Brandverhalten | Je nach Trägermaterial erreichen Aerogelmatten Baustoffklassen von A2-s1,d0 bis B-s1,d0 |
| Diffusionsoffenheit | hoch, geeignet für Altbau und Innendämmung |
| Wasserverhalten | hydrophob ausgerüstet, dampfdurchlässig |
| Mattenstärken | 5, 10, 20 mm |
| Preis pro m² (10 mm Matte) | 60 bis 120 € |
Wo lohnt sich Aerogel?
- Fensterlaibungen: Das Einsatzgebiet: In der Laibung ist kein Platz für 6 cm Dämmung, aber 10 mm Aerogel minimiert die Wärmebrücke und verhindern Schimmel im Fensterbereich. Dadurch sinkt gleichzeitig das Risiko für Tauwasserbildung und Schimmel
- Denkmalgeschützte Fassaden: Aerogeldämmputz (ca. 100 bis 200 € pro m²) dämmt spürbar, ohne die Ansicht zu verändern
- Innendämmung bei Platzmangel: Wo jeder Zentimeter Wohnfläche zählt: 20 mm Aerogel statt 60 mm konventionell
- Rollladenkästen: Enge Kästen mit großem Wärmeleck, mit 10-mm-Matten auskleidbar
- Heizungsnischen und Details: Punktuelle Wärmebrücken hinter Heizkörpern
- Nicht sinnvoll: Großflächen wie Fassade oder Dach, hier liefern konventionelle Dämmstoffe dieselbe Wirkung für ein Zehntel des Preises des Gels
Beispielrechnung: Fensterlaibungen im Altbau
Ein Projekt für Aerogel: Ein Altbau bekommt eine Innendämmung, aber an den Fensterlaibungen ist nur Platz für wenige Millimeter, sonst verschwindet der Blendrahmen. Für 12 Fenster mit je 1,5 m² Laibungsfläche rechnet sich das so:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Aerogelmatten 10 mm (18 m²) | 1.080 bis 2.160 € |
| Kleber und Armierungsputz | 270 bis 540 € |
| Verarbeitung Fachbetrieb (12 Fenster) | 1.200 bis 2.400 € |
| Gesamt | 2.550 bis 5.100 € |
Das klingt teuer für 18 m², verhindert aber den üblichen Folgeschaden der Innendämmung: Schimmel in der ungedämmten Laibung, wo die kalte Wandfläche auf warme Raumluft trifft. Die Sanierung eines Schimmelschadens kostet schnell mehr als die Behandlung mit Aerogel. Der Kontext zur Gesamtmaßnahme steht im Beitrag Innendämmung.
Aerogeldämmputz: Die Alternative für Denkmalfassaden
Neben den Matten gibt es Aerogel als Hochleistungsdämmputz (WLG 026 bis 028): Der Putz wird in 4 bis 8 cm Stärke maschinell aufgetragen und folgt jeder Fassadenkontur. Gesimse, Faschen und Stuck bleiben erhalten. Genau das macht ihn zur Lösung für denkmalgeschützte Fassaden, an denen eine Plattendämmung optisch oder rechtlich ausscheidet.
- Kosten: 100 bis 200 € pro m² verarbeitet, etwa das Doppelte eines WDVS, aber oft die einzige genehmigungsfähige Außendämmung am Denkmal
- Dämmwirkung: Je nach Produkt und Wärmeleitfähigkeit erreichen etwa 20 bis 25 mm Aerogelmatten eine vergleichbare Dämmwirkung wie rund 50 mm Mineralwolle (WLG 035)
- Diffusionsoffen: Verträgt sich mit feuchteempfindlichem Altbaumauerwerk und Fachwerk
- Förderfähig: Wird mit Aerogel die erforderliche Wärmedämmung nach der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) erreicht, kann die Maßnahme grundsätzlich förderfähig sein.
Wann rechnet sich der hochpreisige Dämmstoff?
Aerogel setzt man für kleinere Projekte ein. Für größere Arbeiten kann er preislich nicht mit anderen Dämmstoffen mithalten. Wirtschaftlich wird Aerogel vor allem dann, wenn ohne Aerogel ein Folgeschaden droht (Schimmel an Wärmebrücken). Zweitens, wenn Wohnfläche bares Geld wert ist: In Großstadtlagen mit 5.000 € pro m² zahlt sich jeder eingesparte Zentimeter Dämmstärke direkt aus. Drittens, wenn Auflagen konventionelle Dämmung verhindern (Denkmalschutz, Grenzbebauung, Mindestdurchgangsbreiten). In allen drei Fällen ist der hohe Quadratmeterpreis das kleinere Übel. Überall sonst gilt: erst die Standarddämmstoffe im Beitrag Dämmstoffe im Vergleich prüfen.
Aerogel kaufen: Produkte und Verfügbarkeit
Anders als Standarddämmstoffe liegt Aerogel nicht im Baumarktregal. Die Matten (bekannteste Marken: Aspen Aerogels “Spaceloft”, Sto “Aevero”, Fixit, Heck, Remmers) laufen über den Baustofffachhandel und spezialisierte Onlinehändler. Üblich sind Rollen von 1,5 m Breite in 5 oder 10 mm Stärke, Zuschnitte ab etwa 1 m² bestellbar. Aerogeldämmputze (Fixit 222, Sto Therm In Aevero) sind reine Systemprodukte: Sie werden über zertifizierte Verarbeitungsbetriebe bezogen und maschinell verarbeitet. Der Eigenkauf ergibt hier keinen Sinn. Für kleine DIY-Projekte wie Laibungen oder Rollladenkästen lohnt der Preisvergleich zwischen den Händlern: Die Spanne für identische Spaceloftmatten reicht von 55 bis über 100 € pro m². Reste lassen sich gut lagern. Das Material altert nicht und nimmt keine Feuchtigkeit auf.
Häufige Fragen zur Aerogeldämmung
Warum ist Aerogel so teuer?
Die Herstellung über Sol-Gel-Prozess und überkritische Trocknung ist aufwendig und energieintensiv, die Produktionsmengen sind klein. Die Preise sinken langsam, von über 200 € pro m² vor zehn Jahren auf heute 60 bis 120 €. Für die Großfläche bleibt das unwirtschaftlich, für kleinere Arbeiten ist es oft die einzige Lösung.
Wie wird Aerogel verarbeitet?
Die Matten lassen sich mit dem Cuttermesser schneiden und werden geklebt oder mechanisch befestigt, darüber kommt Putz oder Bekleidung. Es staubt beim Schneiden. FFP2-Maske und Handschuhe sind ein Muss, der Silikatstaub trocknet die Haut aus. Ansonsten ist die Verarbeitung einfacher als bei den meisten Dämmstoffen.
Gibt es Förderung für die Dämmung mit Aerogel?
Für das Aerogel direkt nicht, aber die BAFA fördert die Maßnahme wie jede Dämmung mit 15 bis 20 %, wenn die U-Wert-Anforderungen erreicht werden. Bei der Innendämmung (U-Wert 0,35 W/m²K) ist das mit 30 bis 40 mm Aerogel machbar. Der Energieberater rechnet den Nachweis.
Was ist besser: Aerogel oder Vakuumdämmplatten?
Im Sanierungsalltag werden Aerogelmatten häufig bevorzugt, da sie viel robuster und einfacher zu verarbeiten sind als Vakuumdämmplatten.
Hält Aerogel wirklich, was die Werbung verspricht?
Die Dämmwerte sind real und unabhängig geprüft. WLG 015 bis 019 – λ = 0,015–0,019 W/(m·K) -erreicht kein anderer baupraktischer Dämmstoff.
Was die Werbung gern verschweigt: Der Effekt rechnet sich nur über eingesparten Platz, nie über eingesparte Heizkosten allein. Wer 10 mm Aerogel statt 25 mm Mineralwolle in die Laibung setzt, zahlt das Fünffache fürs Material, gewinnt aber den Platz, der über Schimmelfreiheit oder erhaltene Wohnfläche entscheidet. Genau dafür ist das Material gemacht.
Wie gut dämmt Aerogel?
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,015 bis 0,019 W/(m·K) gehört Aerogel zu den leistungsfähigsten Dämmstoffen im Bauwesen. Die Wärmeleitgruppe (WLG) beschreibt, wie gut ein Material Wärme zurückhält – je kleiner der Wert, desto besser die Dämmwirkung. Während Mineralwolle und EPS meist in den Wärmeleitgruppen 032 bis 040 liegen, erreicht Aerogel Werte bis 015. Dadurch genügt oft bereits eine Dämmstärke von 10 bis 20 mm, wo konventionelle Dämmstoffe 40 bis 60 mm benötigen würden. Besonders bei Fensterlaibungen, Balkonen, Rollladenkästen oder denkmalgeschützten Fassaden ist dieser Platzgewinn entscheidend.
Fazit: Die Lösung für anspruchsvolle Dämmarbeiten
Aerogel ist kein Dämmstoff für die Fläche, sondern ein Präzisionsarbeiten: Es vermindert Wärmebrücken, an denen konventionelle Dämmung scheitert (Laibungen, Denkmalfassaden, Rollladenkästen). Richtig eingesetzt verhindert es Folgeschäden, die ein Vielfaches kosten würden. Die Entscheidungsregel bleibt einfach: überall erst die Standarddämmstoffe prüfen und dort, wo Millimeter über Erfolg oder Schimmel entscheiden, zur Hightechdämmung greifen.
Bild: KI generiert




