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Steinwolle oder Glaswolle: Welcher Dämmstoff passt wann?

Lesedauer 4 Minuten

Steinwolle ist der Dämmstoff für alle, denen Brandschutz und Schallschutz wichtig sind: nicht brennbar bis über 1.000 °C, schwer und damit schalldämmend, diffusionsoffen. Sie kostet 12 bis 22 € pro m² bei 140 mm Stärke, rund 40 % mehr als Glaswolle. Wir zeigen, wann sich der Aufpreis lohnt, wo Steinwolle Pflicht ist und wie sie sich von der leichteren Schwester unterscheidet.

Steinwolle oder Glaswolle: Welcher Dämmstoff passt wann?

KriteriumSteinwolleGlaswolle
RohstoffBasalt, Diabas (Vulkangestein)Altglas, Quarzsand
Preis pro m² (140 mm)12 bis 22 €8 bis 15 €
Rohdichte30 bis 100 kg/m³15 bis 30 kg/m³
Schmelzpunktüber 1.000 °Cca. 700 °C
Schallschutzsehr gut (hohe Masse)gut
Handlingschwerer, formstabilerleichter, stärker komprimierbar
Typischer EinsatzFassade, Brandschutz, TrittschallSteildach, Trennwände

Faustregel: Über Kopf und im Dach gewinnt die leichte Glaswolle, an der Fassade und überall mit Brandschutzanforderung die Steinwolle. Beide gehören zur Familie der Mineralwolle, den Überblick gibt der Beitrag Mineralwolle: Glaswolle und Steinwolle im Überblick.

Vorteile von Steinwolle als Dämmung

  • Fassadendämmung (WDVS): Bei WDVS mit EPS-Dämmung sind abhängig vom zugelassenen System und der Gebäudehöhe Brandriegel aus Mineralwolle erforderlich. Die genauen Anforderungen ergeben sich aus der jeweiligen Systemzulassung und den Landesbauordnungen
  • Trittschalldämmung: Steinwolle-Trittschallplatten unter dem Estrich entkoppeln Geschossdecken hörbar besser als leichte Alternativen
  • Heizungskeller und Technikräume: Brandschutzbekleidung von Decken (die meisten Steinwolledämmstoffe erreichen die Baustoffklasse A1 oder A2 nach DIN EN 13501-1)
  • Flachdach: Druckbelastbare Steinwolleplatten unter der Abdichtung
  • Haustrennwände: Wo Schallschutz zwischen Wohneinheiten zählt
  • Brandschutz-Abschottungen: Rohr- und Kabeldurchführungen

Was kostet Steinwolle?

ProduktPreis pro m²
Klemmfilz 100 mm (Dach)8 bis 14 €
Klemmfilz 140 mm12 bis 22 €
Klemmfilz 200 mm18 bis 30 €
Fassadendämmplatte 140 mm (WDVS)25 bis 40 €
Trittschallplatte 30 mm6 bis 12 €
Flachdachplatte 120 mm25 bis 45 €

Mit Verarbeitung durch den Fachbetrieb kommen je nach Einsatzort 25 bis 70 € pro m² zusammen. Die BAFA fördert die Dämmung mit Steinwolle wie jede andere Einzelmaßnahme mit 15 bis 20 % Zuschuss, sofern die U-Wert-Anforderungen erreicht werden. Aktuelle Fördersätze können sich ändern und sollten vor Antragstellung geprüft werden.

Verarbeitung: Das ist zu beachten

  • Schutzkleidung: Wie bei aller Mineralwolle – langärmlig, Handschuhe, Schutzbrille, bei Überkopfarbeit FFP2-Maske. Das Jucken ist mechanisch, moderne Steinwolle (nach 1996) ist biolöslich und gesundheitlich unbedenklich
  • Schneiden: Mit dem Dämmstoffmesser auf fester Unterlage, Platten 1 cm größer zuschneiden für klemmenden Sitz
  • Keine Quetschung: Zusammengedrückte Steinwolle verliert Dämmwirkung – Hohlräume vollständig, aber spannungsfrei füllen
  • Feuchteschutz: Steinwolle ist wasserabweisend ausgerüstet, verliert jedoch bei dauerhafter Durchfeuchtung ihre Dämmwirkung. Deshalb sind funktionierende Feuchte- und Witterungsschutzebenen wichtig, siehe auch Dampfsperre und Dampfbremse

Beispielrechnung: Trittschalldämmung mit Steinwolle

Die unterschätzte Steinwolledisziplin: Bei der Geschossdecken-Sanierung im Altbau kommt unter den neuen Estrich eine Steinwolletrittschallplatte. Für eine 60 m² Wohnetage:

PositionKosten
Steinwolle-Trittschallplatte 30 mm (60 m²)360 bis 720 €
Randdämmstreifen und Abdeckfolie120 bis 240 €
Zementestrich 50 mm (60 m²)1.500 bis 2.400 €
Gesamt Bodenaufbau1.980 bis 3.360 €

Das Ergebnis: 20 bis 30 dB Trittschallverbesserung, aus der hellhörigen Altbaudecke wird Neubauniveau. EPS-Trittschallplatten wären etwas günstiger, Steinwolle bringt aber zusätzlich Brandschutz und bessere Werte bei niedrigen Frequenzen (Gehgeräusche).

Steinwolle im Brandschutz: Wo sie Pflicht ist

  • Brandriegel im WDVS: Die Anordnung von Brandriegeln richtet sich nach der jeweiligen bauaufsichtlichen Zulassung des WDVS
  • Hochhäuser: Hochhäuser erfordern nicht brennbare Fassadensysteme. In der Praxis kommen dafür meist Steinwolle-WDVS oder andere nicht brennbare Fassadenkonstruktionen zum Einsatz
  • Rettungswege: Decken und Wände von Treppenhäusern und Fluren verlangen je nach Landesbauordnung A1-Material
  • Heizungs- und Technikräume: Keine generelle Pflicht im Einfamilienhaus, aber die fachliche Empfehlung, brennende Dämmung über der Heizung ist ein vermeidbares Risiko
  • Lüftungs- und Abgasleitungen: Brandschutzschalen aus Steinwolle ummanteln Durchführungen durch Brandwände

Kauftipps: Worauf bei Steinwolle achten?

  • RAL-Gütezeichen: Garantiert biolösliche, gesundheitlich unbedenkliche Fasern, bei Markenware Standard
  • Anwendungstyp prüfen: Klemmfilz, Fassadenplatte, Trittschallplatte und Flachdachplatte unterscheiden sich in Rohdichte und Druckfestigkeit, der Anwendungskurzname (z.B. DAD, DI, WAP) steht auf dem Etikett
  • Rohdichte als Schallschutzindikator: Je schwerer die Platte, desto besser die Schalldämmung – für Trennwände lohnen 40 statt 30 kg/m³
  • Komprimierte Gebinde: Steinwolle ist weniger komprimierbar als Glaswolle – beim Transport mehr Volumen einplanen

Beispiel Fassade: Steinwolle-WDVS in Zahlen

Für ein Mehrfamilienhaus mit 400 m² Fassade und Gebäudeklasse 4 (Brandriegelpflicht entfällt, da komplett nicht brennbar gedämmt wird) kalkuliert sich das Steinwolle-WDVS so: Fassadendämmplatten 140 mm für 10.000 bis 16.000 €, Kleber, Dübel und Armierung für 9.000 bis 15.000 €, Putz, Gerüst und Lohn für 28.000 bis 44.000 € – gesamt 47.000 bis 75.000 €. Der Mehrpreis gegenüber EPS liegt bei 8 bis 12 % der Gesamtmaßnahme, kauft aber die brandschutzrechtliche Freiheit und den besseren Schallschutz an der Straßenfassade. Für Vermieter rechnet sich das doppelt: Die Modernisierungsumlage gilt unabhängig vom Material, die BAFA fördert beide gleich.

Häufige Fragen zur Steinwolle

Wärmedämmung: Ist Steinwolle schlechter als Glaswolle?

Bei der Wärmedämmung unterscheiden sich Steinwolle und Glaswolle heute nur noch gering. Beide erreichen Wärmeleitgruppen von etwa 032 bis 040. Die Entscheidung fällt daher meist über Brandschutz, Schallschutz und Verarbeitung, nicht über die reine Dämmwirkung.

Ist Steinwolle gesundheitsschädlich?

Moderne Steinwolle mit RAL-Gütezeichen (Produktion nach 1996) ist biolöslich und gilt als unbedenklich. Ein auftretender Juckreiz auf der Haut während der Verarbeitung ist eine mechanische Reizung ohne Langzeitfolgen. Alte Mineralwollen ohne RAL-Gütezeichen aus der Zeit vor 1996 gelten als potenziell krebserzeugend und müssen bei Ausbau als KMF-Abfall entsorgt werden.

Warum ist Steinwolle teurer als Glaswolle?

Höherer Energieaufwand beim Schmelzen des Gesteins und mehr Materialeinsatz durch die höhere Rohdichte. Der Aufpreis von rund 40 % kauft Brandschutz (A1 mit Schmelzpunkt über 1.000 °C), besseren Schallschutz und höhere Formstabilität, wo diese Eigenschaften nicht gebraucht werden, ist Glaswolle die wirtschaftlichere Wahl.

Welche Steinwolle für die Fassade?

Spezielle WDVS-Fassadendämmplatten (Putzträgerplatten) oder Lamellenplatten mit senkrechter Faser für besseren Halt. Sie sind formstabiler und teurer als Klemmfilz – 25 bis 40 € pro m² bei 140 mm. Das Gesamtsystem muss zugelassen sein, Details im Beitrag Was ist ein WDVS?.

Schimmelt Steinwolle?

Steinwolle selbst bietet Schimmel keinen Nährboden, sie ist anorganisch. Durchfeuchtete Steinwolle verliert aber ihre Dämmwirkung und trocknet langsam. Bei Wasserschäden muss durchnässte Wolle in der Regel ausgetauscht werden.

Wie schwer ist Steinwolle zu verarbeiten?

Nicht schwerer als Glaswolle, nur anders: Die Platten sind steifer und brechen nicht so leicht ein, dafür wiegen sie das Doppelte, bei Überkopfmontage ein spürbarer Unterschied. Geschnitten wird mit dem Dämmstoffmesser oder der Säge, das Jucken hält sich bei modernen Qualitäten in Grenzen. Schutzbrille, Handschuhe und bei Überkopfarbeiten eine FFP2-Maske bleiben trotzdem Pflicht.

Fazit: Der Spezialist für Brand- und Schallschutz

Steinwolle ist die richtige Wahl, wenn eine der beiden S-Disziplinen zählt: Schallschutz oder Sicherheit im Brandfall. Der Aufpreis von rund 40 % gegenüber Glaswolle ist dann gut investiert – an der Fassade ab Gebäudeklasse 4 führt ohnehin kein Weg daran vorbei. Für das normale Steildach und leichte Trennwände bleibt die günstigere Schwester die wirtschaftlichere Lösung; die Entscheidungsmatrix dazu steht oben in der Vergleichstabelle.

Bild: KI generiert

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