Bei einem Wasserrohrbruch zählt jede Minute: Schließen Sie sofort den Haupthahn, nehmen Sie den Strom im betroffenen Bereich vom Netz und dokumentieren Sie den Schaden mit Fotos. Die professionelle Leckortung kostet 200 bis 600 €, die Reparatur je nach Lage des Rohrs 150 bis 2.500 €. Den Schaden am Gebäude übernimmt in der Regel die Wohngebäudeversicherung, durchnässtes Inventar die Hausratversicherung. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie einen Rohrbruch erkennen, wie die Ortung abläuft und welche Kosten auf Sie zukommen.
Sofortmaßnahmen in den ersten Minuten
Schließen Sie als Erstes den Haupthahn, damit kein weiteres Wasser nachströmt. Er sitzt im Einfamilienhaus meist im Keller direkt hinter der Wasseruhr, in Wohnungen häufig im Bad, in der Küche oder im Flurschacht. Danach arbeiten Sie diese Punkte der Reihe nach ab:
- Strom abschalten: Nehmen Sie die Sicherungen der betroffenen Räume heraus, denn Wasser in Steckdosen und Geräten ist lebensgefährlich.
- Wasser aufnehmen: Beseitigen Sie stehendes Wasser mit Eimer, Wischer und Handtüchern, bevor es in Estrich und Wände zieht.
- Möbel räumen: Bringen Sie Teppiche und Möbel aus dem nassen Bereich oder stellen Sie die Füße auf Folie oder Untersetzer.
- Schaden dokumentieren: Fotografieren Sie Wasseraustritt, Pfützen und beschädigtes Inventar, bevor Sie aufräumen. Die Versicherung braucht diese Belege für die Regulierung.
- Fachbetrieb und Versicherung informieren: Der Installateur repariert die Leitung, der Versicherer gibt Folgearbeiten wie die Trocknung frei.
- Nachbarn und Hausverwaltung verständigen: Läuft im Mehrfamilienhaus Wasser durch die Decke, sind die Wohnungen darunter betroffen und die Hausverwaltung muss den Strang absperren lassen.
Woran Sie einen versteckten Rohrbruch erkennen
Der zuverlässigste Test ist der Blick auf den Wasserzähler: Läuft er weiter, obwohl alle Hähne geschlossen sind, verliert eine Leitung irgendwo Wasser. Notieren Sie den Zählerstand am Abend und lesen Sie ihn nach zwei Stunden ohne jede Wasserentnahme erneut ab. Daneben gibt es weitere Anzeichen:
- Feuchte Flecken an Wand oder Decke, oft mit dunklen Rändern oder abblätternder Farbe
- Modriger Geruch in einzelnen Räumen trotz regelmäßigen Lüftens
- Schwächerer Strahl an den Armaturen; mehr dazu im Ratgeber Wasserdruck zu niedrig
- Rauschen oder Gluckern in der Wand, obwohl niemand Wasser entnimmt
- Höhere Wasserrechnung ohne geändertes Verbrauchsverhalten
In Etagenwohnungen sollte man auch die Zimmerdecke mit anschauen: Verfärbungen dort stammen häufig aus der Wohnung darüber und gehören ebenfalls gemeldet.
So läuft die Leckortung ab
Die Leckortung kostet 200 bis 600 € und findet die Schadstelle heute in den meisten Fällen, ohne Wände großflächig zu öffnen. Fachbetriebe kombinieren dafür mehrere Methoden:
- Akustische Ortung: Ein empfindliches Mikrofon macht das Strömungsgeräusch an der Leckstelle hörbar.
- Thermografie: Die Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede an der Oberfläche, besonders bei Warmwasserleitungen.
- Feuchtemessung: Messgeräte grenzen den durchfeuchteten Bereich in Wand und Boden systematisch ein.
- Tracergas: Ein Prüfgas wird in die Leitung gedrückt und tritt an der Schadstelle aus, wo ein Sensor es aufspürt.
Viele Wohngebäudeversicherer übernehmen die Ortungskosten, wenn tatsächlich ein versicherter Leitungswasserschaden vorliegt. Klären Sie die Kostenübernahme deshalb mit einem kurzen Anruf, bevor Sie den Auftrag erteilen. Planen Sie für den Termin zwei bis vier Stunden ein; im Anschluss erhalten Sie einen Ortungsbericht, den Sie bei der Versicherung einreichen können.
Was die Reparatur kostet
Die Reparaturkosten hängen vor allem davon ab, wie zugänglich die Schadstelle ist. Installateure rechnen mit 60 bis 90 € pro Stunde; dazu kommen Material sowie das Öffnen und Schließen von Wand oder Boden. Die folgenden Spannen geben eine erste Orientierung:
| Lage der Schadstelle | Kosten |
|---|---|
| Frei liegende Leitung (Keller, unter der Spüle) | 150 bis 400 € |
| Leitung in der Wand | 500 bis 1.500 € |
| Leitung im Boden oder Estrich | 1.000 bis 2.500 € |
| Zuleitung im Erdreich auf dem Grundstück | 1.500 bis 5.000 € |
In den Spannen stecken die Reparatur der Leitung und die Stemmarbeiten. Fliesenersatz, Malerarbeiten und Trocknung kommen gesondert dazu. Liegen Fliesen oder hochwertige Beläge über der Schadstelle, kalkulieren Sie eher am oberen Ende der Spanne. Welche Arbeiten der Fachmann übernimmt, beschreibt unser Beitrag zum Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs.
Wer zahlt bei einem Wasserrohrbruch?
Für Schäden am Gebäude kommt die Wohngebäudeversicherung auf, für durchnässtes Inventar die Hausratversicherung. Leitungswasser zählt bei beiden zu den versicherten Gefahren.
Die Wohngebäudeversicherung zahlt üblicherweise die Reparatur der Leitung, die Trocknung sowie die Wiederherstellung von Wänden und Böden. Die Hausratversicherung ersetzt beschädigte Möbel, Teppiche und Elektrogeräte. Melden Sie den Schaden umgehend und stimmen Sie größere Arbeiten vorher mit dem Versicherer ab; die genauen Leistungen regelt immer der jeweilige Vertrag. Leckortung und Trocknung gehören in der Regel ebenfalls zum regulierten Umfang.
In der Mietwohnung ist die Leitung Sache des Vermieters: Er beauftragt Reparatur und Trocknung und rechnet über seine Gebäudeversicherung ab. Mieter melden den Schaden unverzüglich und sichern ihr eigenes Hab und Gut über die Hausratversicherung ab.
Folgeschäden: Trocknung nicht aufschieben
Nach der Reparatur muss die Bausubstanz vollständig trocknen, sonst drohen dauerhafte Schäden. Trocknungsgeräte laufen je nach Durchfeuchtung zwei bis vier Wochen und gehören zum Standardumfang der Schadenregulierung.
Bleibt Restfeuchte in der Wand, bildet sich oft schon nach wenigen Wochen Schimmel; dann hilft nur noch eine fachgerechte Schimmelsanierung. Auch Holzböden leiden: Aufgequollenes Parkett lässt sich manchmal retten, häufig ist aber ein Teilaustausch nötig. Was dann zu tun ist, lesen Sie im Ratgeber zum Wasserschaden am Parkett.
So beugen Sie einem Rohrbruch vor
Die wirksamste Vorbeugung ist der rechtzeitige Austausch alter Leitungen. Verzinkte Stahlrohre aus den 1960er- und 1970er-Jahren korrodieren von innen und sind die häufigste Ursache für Rohrbrüche in Bestandsgebäuden. Kosten und Ablauf der Erneuerung finden Sie im Beitrag Wasserleitungen verlegen. Darüber hinaus helfen einfache Gewohnheiten:
- Leitungen in unbeheizten Räumen dämmen und die Räume bei Frost temperieren
- Vor längerer Abwesenheit den Haupthahn schließen, besonders im Winter
- Starke Kalkablagerungen verengen alte Rohre zusätzlich; was gegen hartes Wasser hilft, zeigt unser Überblick
- Absperrautomaten am Hausanschluss erkennen ungewöhnlich langen Durchfluss und sperren die Leitung selbstständig ab
Was Sie selbst machen dürfen und wann der Fachmann die Arbeit übernehmen sollte
Selbst erledigen dürfen Sie nur die Sofortmaßnahmen: absperren, Wasser aufnehmen, dokumentieren. Bei einem frei liegenden Rohr kann eine Dichtschelle aus dem Baumarkt den Austritt vorübergehend stoppen, bis der Fachbetrieb eintrifft. Alles Weitere gehört in Handwerkerhände, denn Leitungen in Wand und Boden erfordern Spezialwerkzeug und Erfahrung. Hinzu kommt: Die Versicherung verlangt eine fachgerechte Reparatur als Nachweis, sonst gefährden Sie die Regulierung des Schadens.

Häufige Fragen zum Wasserrohrbruch
Wie schnell muss ich bei einem Rohrbruch handeln?
Sofort: Jede Minute mit offenem Haupthahn drückt weiteres Wasser in Wände und Böden. Absperren, Strom abschalten und dokumentieren sollten innerhalb der ersten Minuten passieren. Die Meldung an Versicherung und Fachbetrieb kann danach folgen, sollte aber noch am selben Tag erledigt sein.
Zahlt die Versicherung auch bei alten Leitungen?
Grundsätzlich ja, das Alter der Leitung allein ist kein Ausschlussgrund. Wer erkennbare Mängel allerdings jahrelang ignoriert, riskiert eine Kürzung wegen verletzter Sorgfaltspflichten. Maßgeblich sind immer die Bedingungen des eigenen Vertrags; im Zweifel lohnt die Nachfrage beim Versicherer, bevor Sie Aufträge vergeben.
Wie lange dauert die Trocknung nach einem Wasserrohrbruch?
In den meisten Fällen zwei bis vier Wochen mit Kondens- oder Adsorptionstrocknern. Durchnässter Estrich mit Dämmschicht braucht länger, weil die Geräte die Feuchtigkeit über Bohrungen aus der Dämmebene ziehen müssen. Der Trocknungsbetrieb misst den Fortschritt und beendet den Einsatz erst, wenn die Zielwerte erreicht sind.
Kann ich einen Rohrbruch selbst abdichten?
Nur provisorisch: Eine Dichtschelle stoppt den Austritt an einem frei zugänglichen Rohr für kurze Zeit. Die dauerhafte Reparatur muss ein Fachbetrieb ausführen, schon weil die Versicherung eine fachgerechte Ausführung verlangt. Bei Leitungen in Wand oder Boden gibt es keine sinnvolle Eigenlösung.
Wo finde ich den Haupthahn?
Im Einfamilienhaus sitzt der Haupthahn fast immer im Keller oder Hauswirtschaftsraum, direkt hinter der Wasseruhr. In Wohnungen gibt es oft eigene Absperrventile im Bad, in der Küche oder im Flurschacht. Prägen Sie sich die Position ein, bevor der Ernstfall eintritt.





