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Hausfassade aus rotem Klinker

Was kostet eine Klinkerfassade?

Lesedauer 5 Minuten

Letzte Aktualisierung am 10. Juni 2024

Eine neue Klinkerfassade kostet 120 bis 150 € pro m² inklusive Dämmung, Material und Lohn. Deutlich günstiger ist die Sanierung einer bestehenden Fassade: Neu verfugen kostet 30 bis 80 € pro m², eine professionelle Reinigung 10 bis 25 € pro m². Dafür hält eine Klinkerfassade deutlich länger als jede Putzfassade und braucht kaum Pflege. Hier erfahren Sie, was die Fassadenart auszeichnet, welche Kosten bei Neubau und Sanierung anfallen und warum Sie Klinker besser nicht streichen sollten.

Bild: Kara / stock.adobe.com

Was ist eine Klinkerfassade?

Als Klinkerfassade bezeichnet man eine Fassadenart, die aus Klinkern, Verblendern und Backsteinen besteht. Es handelt sich um den äußeren Teil einer zweischaligen Wandkonstruktion, das sogenannte Verblendmauerwerk. Laut DIN 105-100 kommen nur bestimmte Varianten von Vormauerziegeln für die Klinkerfassade infrage, wodurch diese Fassadenart ihr charakteristisches Aussehen erhält.

Neben klassischen Klinkern werden auch Keramikklinker, Backsteine, Verblender, Handformverblender und Handstrichziegel als Vormauerziegel für diese Art von Hausfassade benutzt. Früher gab es dabei große regionale Unterschiede, mittlerweile haben sich alle Arten von Vormauerziegeln überregional etabliert.

Allen Vormauerziegeln für Klinkerfassaden ist gemeinsam, dass es sich um reine Naturprodukte handelt. Die Ziegel werden bei Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius gebrannt und bestehen aus reinem Ton. Auf Bindemittel, Zement und Kalk wird beim Brennen verzichtet.

Kosten für Neubau und Sanierung im Überblick

Im Neubau zahlen Sie für eine Klinkerfassade 120 bis 150 € pro m². In diesem Preis sind Lohnkosten, die erforderliche Dämmung und das Material enthalten, darunter Klinkersteine, Mörtel und Anker. Für Bestandsgebäude gibt es günstigere Alternativen und Sanierungsmaßnahmen:

LeistungKosten pro m²
Klinkerfassade im Neubau (zweischalig, mit Dämmung)120 bis 150 €
Klinkerriemchen auf bestehende Fassade kleben60 bis 120 €
Klinkerfassade neu verfugen30 bis 80 €
Klinkerfassade reinigen10 bis 25 €

Klinkerriemchen sind nur wenige Zentimeter dicke Scheiben echter Klinker, die wie Fliesen auf die bestehende Außenwand oder auf ein Dämmsystem geklebt werden. Optisch sind sie von einer gemauerten Klinkerfassade kaum zu unterscheiden, brauchen aber weder ein eigenes Fundament noch Anker und eignen sich deshalb gut für die nachträgliche Fassadenaufwertung.

Regionale Preisunterschiede sind keine Seltenheit. Da Klinkerfassaden im Norden Deutschlands verbreiteter sind und eine längere Tradition haben, fallen die Kosten dort meist geringer aus als im Süden: Es gibt schlicht mehr Betriebe, die das Handwerk beherrschen. Im Norden hat sich die Klinkerfassade vor allem deshalb durchgesetzt, weil ihr selbst das raue Seeklima kaum etwas anhaben kann. Die höheren Anschaffungskosten relativieren sich über die Lebensdauer, denn eine Klinkerfassade überdauert mehrere Putzfassaden ohne Anstrich und Neuverputz.

Wie sind Klinkerfassaden aufgebaut?

Klinkerfassaden bestehen aus einem zweischaligen Wandaufbau. Das Innenmauerwerk übernimmt die tragende Funktion, hier kommen oft Porenbeton, Thermoziegel oder Kalksandstein zum Einsatz. Die äußere Klinkerschale trägt dagegen nichts, sie schützt die Bausubstanz vor Witterung und hält das Innenmauerwerk trocken. Verbunden werden beide Schalen mit Luftschichtankern aus Edelstahl, die der Fassade zusätzliche Stabilität geben.

Klinkerfassaden können mit und ohne Dämmung erstellt werden. Kommen für das Innenmauerwerk Thermoziegel zum Einsatz, reicht deren Dämmwirkung oft aus. Der Zwischenraum zwischen Innenmauerwerk und Klinkerschale bleibt dann ungefüllt, die Luft kann zirkulieren und das Risiko einer feuchten, zu Schimmel neigenden Fassade sinkt. Bei klassischen Steinen ist dagegen eine zusätzliche Dämmschicht nötig: Der Hohlraum wird mit Dämmmaterial gefüllt, bei vollständiger Füllung spricht man von einer Kerndämmung. Wie dick sie ausfallen muss, berechnet der Architekt oder Energieberater. Kerndämmungen spielen bei Passivhäusern und Plusenergiehäusern eine zentrale Rolle.

Der zweischalige Aufbau lässt sich flexibel an die örtlichen Gegebenheiten anpassen, etwa durch die Kombination von Thermoziegeln mit einer zusätzlichen Dämmschicht. So entstehen massive, gut gedämmte und trotzdem schlanke Wandkonstruktionen. Im Sommer hält die Klinkerschale zudem einen Großteil der Wärme vom Haus fern, und die gebrannten Ziegel sorgen für guten Lärmschutz.

Welche Vor- und Nachteile bringt eine Klinkerfassade mit sich?

Der größte Vorteil neben der Optik ist die Haltbarkeit: Eine Klinkerfassade überschreitet die Lebensdauer einer klassischen Putzfassade bei Weitem, denn der gebrannte Ton hält Witterung deutlich besser stand. Dazu kommen guter Schallschutz, sommerlicher Wärmeschutz und der Brandschutz der gebrannten Vormauerziegel. Da die Klinkerschale das Innenmauerwerk dauerhaft trocken hält, bleibt auch die Dämmung dahinter leistungsfähig. Auf Anstriche und intensive Pflege können Sie verzichten, und bei Optik und Oberfläche gibt es eine große Auswahl an Farben, Formaten und Strukturen.

Dem stehen höhere Kosten und ein größerer Arbeitsaufwand bei der Erstellung gegenüber. Außerdem sollten Sie sich an einen erfahrenen Handwerksbetrieb wenden, der Verblendmauerwerk sauber ausführt. Im Norden Deutschlands ist das einfacher, weil die Bauweise dort lange Tradition hat, im Süden kann die Suche etwas länger dauern. Wer Wert auf eine langlebige, pflegeleichte Fassade legt, ist mit Klinker trotzdem gut beraten.

Klinkerfassade sanieren: Verfugen, Risse und Steintausch

Die häufigste Sanierungsmaßnahme ist das Neuverfugen: Es kostet 30 bis 80 € pro m². Dabei fräst der Fachbetrieb die alten Fugen zwei bis drei Zentimeter tief aus und verfugt die Fassade anschließend neu. Sind nur wenige Mörtelfugen bröselig, können Sie diese kleine Reparatur auch selbst erledigen: Fugen auskratzen, mit passendem Fugenmörtel nachbessern, fertig. Bei großen Flächen gehört die Arbeit in Profihand, hier kommen meist noch Gerüstkosten von einigen € pro m² Fassadenfläche dazu.

Ob eine Sanierung ansteht, erkennen Sie an sandenden oder ausgebrochenen Fugen, weißen Ausblühungen, abgeplatzten Steinen oder feuchten Stellen an der Innenwand. Je früher Sie reagieren, desto günstiger bleibt die Reparatur: Offene Fugen lassen Wasser in das zweischalige Mauerwerk laufen, und Frost sprengt die Schäden dann weiter auf.

Durchgehende Risse in der Wand sollten Sie dagegen vom Fachmann beurteilen lassen, denn sie können auf Setzungen oder Probleme mit den Ankern hinweisen. Einzelne frostgeschädigte oder abgeplatzte Klinker lassen sich austauschen: Der Maurer entfernt den defekten Stein, setzt einen passenden Ersatzklinker ein und verfugt ihn. Was eine umfassende Instandsetzung kostet, zeigt der Ratgeber zu den Kosten der Mauerwerkssanierung.

Klinkerfassade reinigen

Eine professionelle Fassadenreinigung kostet 10 bis 25 € pro m². Kleine Verschmutzungen entfernen Sie selbst mit Wasser und Schrubber, viele Hausbesitzer schätzen die Patina älterer Klinker ohnehin als rustikalen Charme. Vorsicht mit dem Hochdruckreiniger: Zu viel Druck beschädigt die Fugen. Fachbetriebe arbeiten deshalb mit schonenden Verfahren wie Niederdruck- oder Dampfstrahlreinigung. Algen und Grünbeläge an der Wetterseite entfernen sie mit Reinigungsmitteln, die die Fugen nicht angreifen.

Klinkerfassade streichen: ja oder nein?

Fachbetriebe raten vom Streichen einer Klinkerfassade meist ab. Klinker ist diffusionsoffen und reguliert Feuchtigkeit selbstständig; ein deckender Anstrich kann diese Eigenschaft stören, Feuchtigkeit einschließen und langfristig zu Abplatzungen führen. Dazu kommt: Der Schritt ist praktisch nicht rückgängig zu machen, und der Anstrich muss anders als die unbehandelte Fassade regelmäßig erneuert werden. Wer eine farbige Fassade möchte, fährt mit einer verputzten Fassade samt Fassadenanstrich in der Regel besser.

Die häufigsten Fragen zur Klinkerfassade

Was kostet eine Klinkerfassade pro m²?

Im Neubau kostet die Klinkerfassade als äußere Schale eines zweischaligen Mauerwerks 120 bis 150 € pro m², inklusive Dämmung, Material und Lohn. Wer eine bestehende Fassade aufwerten will, kann Klinkerriemchen kleben lassen und zahlt dafür 60 bis 120 € pro m².

Was kostet es, eine Klinkerfassade neu zu verfugen?

Das Neuverfugen kostet 30 bis 80 € pro m². Der Preis hängt vom Zustand der alten Fugen, der Fugentiefe und der Zugänglichkeit ab. Für Arbeiten oberhalb des Erdgeschosses kommt ein Gerüst dazu. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 m² Fassade ergeben sich so 4.500 bis 12.000 €.

Kann man eine Klinkerfassade streichen?

Technisch ist das möglich, empfehlenswert ist es meist nicht. Der Anstrich nimmt dem diffusionsoffenen Klinker die Fähigkeit, Feuchtigkeit abzugeben, kann zu Abplatzungen führen und lässt sich kaum wieder entfernen. Zudem verliert die Fassade ihren wartungsfreien Charakter, weil der Anstrich regelmäßig erneuert werden muss.

Wie lange hält eine Klinkerfassade?

Bei fachgerechter Ausführung hält eine Klinkerfassade viele Jahrzehnte, oft länger als 100 Jahre, und übertrifft damit jede Putzfassade deutlich. Nötig sind lediglich gelegentliche Kontrollen der Fugen und nach mehreren Jahrzehnten gegebenenfalls eine Fugensanierung. Die gebrannten Steine selbst verwittern dagegen praktisch überhaupt nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Klinker und Verblender?

Verblender ist der Oberbegriff für alle Vormauerziegel, die als Sichtmauerwerk dienen. Klinker sind eine besonders hochwertige Variante: Sie werden bei über 1.000 Grad Celsius so dicht gebrannt, dass sie kaum Wasser aufnehmen und extrem widerstandsfähig sind. Einen Überblick über alle Steinsorten gibt der Ratgeber zu den Ziegelarten.

Verfasst von

Mika Lehmann Redakteurin für Handwerk und Sanierung

Mika Lehmann hat Online-Redaktion an der TH Köln studiert und gehört seit 2018 zu den produktivsten Autorinnen des Blauarbeit-Ratgebers. Kaum ein Gewerk, zu dem sie noch nicht geschrieben hat: Ihre Schwerpunkte sind Handwerkskosten, Sanierung und Modernisierung, von Dach und Fassade bis Solar und Energie. Ihr Steckenpferd sind die Zahlen: Was kostet eine Handwerksleistung wirklich, und woran erkennt man ein faires Angebot?

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