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Lehmputz mit sichtbaren Strohfasern an der Wand, davor ein Reibebrett mit frischem Lehm

Lehmputz für ein gesundes Raumklima

Lesedauer 5 Minuten

Lehmputz reguliert die Luftfeuchtigkeit stärker als jeder andere gängige Putz und schafft damit ein angenehmes Raumklima. Das Material ist ein Gemisch aus Ton und Sand ist sogar schadstofffrei, vollständig wiederverwendbar und verzeiht Verarbeitungsfehler. Dafür ist es nicht wasserfest, empfindlicher gegen Stöße und mit 30 bis 60 € pro m² vom Fachbetrieb teurer als Gips- oder Kalkzementputz. Dieser Beitrag zeigt, was Lehmputz wirklich kann, wo er an Grenzen stößt, was er kostet und wie er verarbeitet wird.

Was ist Lehmputz und woraus besteht er?

Lehmputz an Wand und Kaminofen in einem hellen Wohnraum

Lehmputz besteht im Kern aus zwei Zutaten: Ton als Bindemittel und Sand als Gerüst, oft ergänzt mit Pflanzenfasern wie Stroh, die den Putz armieren. Chemische Zusätze braucht das Material nicht. Anders als Kalk-, Zement- oder Gipsputz bindet Lehm nicht chemisch ab, sondern trocknet rein physikalisch. Genau das macht ihn einzigartig: Mit Wasser angefeuchtet wird er wieder weich und formbar, ausgetrockneter Restmörtel lässt sich einfach neu anrühren. Lehmputz ist damit der einzige vollständig wiederverwendbare Putz. Auch die Ökobilanz überzeugt, denn Lehm wird regional gewonnen und ohne energieintensives Brennen aufbereitet. Im Handel finden Sie das Material als trockene Sackware zum Anrühren oder erdfeucht im Big Bag, jeweils als groben Unterputz und als feinen Oberputz; für die farbige Endbeschichtung gibt es zusätzlich fertig pigmentierte Feinputze. Wie sich das Material von anderen Putzarten unterscheidet, zeigt der Überblick über die Putzarten.

Lehmputz: An Natürlichkeit nicht zu überbieten. Bild: istock.com/Sylvia Becerra Gonzalez

Diese Vorteile bietet Lehmputz im Wohnraum

Der größte Pluspunkt ist die Feuchteregulierung: Lehmputz nimmt Wasserdampf schneller und in größerer Menge auf als Kalk- oder Gipsputz und gibt ihn bei trockener Luft wieder ab. Die relative Luftfeuchte pendelt sich dadurch in einem behaglichen Bereich um 50 % ein. Davon profitieren besonders Schlafräume und Haushalte mit Allergikern. Hinzu kommt die Speichermasse: Eine 15 mm dicke Lehmschicht wirkt ausgleichend auf die Raumtemperatur. Die weiteren Stärken:

  • Lehmputz nimmt Duschdampf, Kochdunst und nächtliche Atemfeuchte zuverlässig auf.
  • Das Material ist schadstofffrei und kommt ohne Lösungsmittel und Konservierungsstoffe aus.
  • Die Tonminerale binden Gerüche, etwa aus der Küche, statt sie zu speichern.
  • Die Oberfläche wirkt warm und matt und ist in vielen Erdtönen erhältlich.
  • Lehmputz lädt sich nicht elektrostatisch auf und zieht dadurch weniger Staub an.

Die Nachteile von Lehmputz

Lehmputz ist nicht wasserfest, und daran ändert auch die beste Verarbeitung nichts. Direkter Wasserkontakt weicht die Oberfläche auf, deshalb scheidet er im Spritzwasserbereich von Dusche und Badewanne aus. Die Oberfläche ist zudem weicher als bei Gips- oder Kalkzementputz: Stöße, Kratzer und scheuernde Möbel hinterlassen schneller Spuren, in Fluren und Treppenhäusern ist das ein Nachteil.
Auch schwere Lasten ist Vorsicht geboten: Dübel brauchen in weichem Lehmputz mehr Sorgfalt und tragen weniger als in Kalkzementputz. Auch beim Preis liegt Lehm über den Standardputzen, sowohl beim Material als auch beim Lohn, weil die Trocknungszeiten länger sind und nicht jeder Betrieb Erfahrung mit dem Material hat. Wer diese Schwächen kennt und einplant, wird vom Rest selten enttäuscht.

Für welche Räume eignet sich Lehmputz?

Ideal ist Lehmputz überall dort, wo Menschen viel Zeit verbringen: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Arbeitszimmer. In der Küche funktioniert er außerhalb des direkten Spritzbereichs hinter Herd und Spüle problemlos. Im Bad darf er an Wände und Decke außerhalb der Nasszonen, wo er den Duschdampf abfängt; die Spritzbereiche selbst gehören gefliest oder mit wasserfestem Putz ausgeführt. Ungeeignet ist Lehm in dauerfeuchten Kellern und an Fassaden ohne Wetterschutz. Ein Sonderfall ist die Wandheizung: Lehmputz leitet Wärme gut, umschließt die Heizrohre lückenlos und ist deshalb das Standardmaterial für den Aufbau von Wandheizungen. Wer im Trockenbau ganz auf das Naturmaterial setzen will, kombiniert den Putz mit Lehmbauplatten als Untergrund.

Was kostet Lehmputz?

Als Sackware kostet Lehmputz 15 bis 35 € pro Sack, verputzen lassen kostet 30 bis 60 € pro m² inklusive Material. Farbige Edelputze auf Lehmbasis als sichtbare Schlussschicht liegen noch einmal darüber. Zum Vergleich: Gipsputz vom Fachbetrieb gibt es innen schon ab etwa 15 € pro m². Was das Verputzen von Wänden im ganzen Raum kostet, rechnet die Kostenübersicht im Detail vor. Ein Rechenbeispiel: Für ein Schlafzimmer mit 35 m² Wandfläche zahlen Sie beim Fachbetrieb 1.050 bis 2.100 €.

PositionPreis
Lehmunterputz, Sackware 25 kg15 bis 25 € pro Sack
Lehmoberputz fein, Sackware 25 kg20 bis 35 € pro Sack
Verputzen lassen, zweilagig30 bis 60 € pro m²
Farbiger Edelputz auf Lehmbasis45 bis 80 € pro m²

Die Preisspannen hängen von Schichtdicke, Untergrund und Region ab. Wer den Unterputz selbst aufträgt und nur die sichtbare Endbeschichtung dem Fachbetrieb überlässt, kann hier Geld sparen.

Wie wird Lehmputz verarbeitet?

Lehmputz wird zweilagig aufgetragen: ein Unterputz von 10 bis 15 mm, der vollständig trocknen muss und darauf ein feiner Oberputz von 2 bis 5 mm. Planen Sie deutlich längere Trocknungszeiten ein als bei Gips oder Kalkzement, je nach Witterung ein bis zwei Wochen pro Schicht und lüften Sie in dieser Zeit konsequent, damit keine Stockflecken entstehen. Der Unterputz wird bei dickeren Schichten mit einem Armierungsgewebe aus Jute oder Glasfaser verstärkt, damit keine Trockenrisse entstehen; kleine Risse im Unterputz sind normal und verschwinden mit dem Oberputz. Dafür ist das Material ausgesprochen anfängerfreundlich: Weil Lehm nicht chemisch abbindet, können Sie misslungene Stellen einfach wieder anfeuchten und neu abziehen. Die Grundtechnik mit Kelle, Traufel und Kartätsche erklärt die Anleitung zum Wandverputzen Schritt für Schritt.

Lehmputz auf Rigips und Gipskarton

Mit der richtigen Vorbereitung hält Lehmputz auch auf Gipskartonplatten. Die glatte Kartonoberfläche saugt kaum und bietet dem schweren Putz wenig Halt, deshalb ist eine Grundierung als Haftbrücke unumgänglich, meist ein Tiefengrund mit eingestreutem Quarzsand. Darauf kommt der Lehmputz dünnlagig mit 3 bis 5 mm, bei dickeren Schichten zusätzlich mit eingebettetem Gewebe. Alternativ verkleben Sie Schilfrohrmatten als Putzträger, wenn stärkere Lehmschichten gewünscht sind. So verputzt profitiert auch eine Trockenbauwand von der Feuchtepufferung des Naturmaterials.

Beschädigte Stellen einfach ausbessern

Kleine Macken sind bei Lehmputz schnell repariert: Feuchten Sie die Schadstelle mit einer Sprühflasche an, bis der Putz weich wird und arbeiten Sie sie mit etwas frischem Material glatt. Nach dem Trocknen ist die Reparatur unsichtbar. Aufgehobene Materialreste lassen sich dafür beliebig lange lagern und wieder anrühren, ein Vorteil, den kein anderer Putz bietet.

Lehmputz oder Kalkputz?

Die kurze Antwort lautet: Lehm für das Wohnklima, Kalk gegen Feuchtigkeit und Schimmel. Kalkputz ist alkalisch und hemmt dadurch Schimmelpilze von Natur aus, außerdem verträgt er Feuchtigkeit deutlich besser; somit ist er besser für Bad, Küche und Keller. Lehmputz reguliert die Luftfeuchte stärker und bindet Gerüche, dafür ist er weicher und empfindlich gegen Wasser. In vielen Häusern ist die Kombination sinnvoll: Kalk in den Feuchträumen, Lehm in Wohn- und Schlafräumen. Preislich liegen beide Naturputze auf ähnlichem Niveau, deutlich über Gips- und Kalkzementputz.

Die wichtigsten Fragen rund um Lehmputz

Ist Lehmputz für das Bad geeignet?

Eingeschränkt. Außerhalb der Spritzbereiche puffert Lehmputz den Duschdampf sogar besonders gut und beugt beschlagenen Spiegeln vor. Direkt an Dusche, Wanne und Waschbecken hat er dagegen nichts verloren, weil Wasser die Oberfläche aufweicht. Dort sind Fliesen oder wasserfeste Kalk- und Zementsysteme die richtige Lösung. In stark genutzten Familienbädern ist zusätzlich eine zuverlässige Lüftung wichtig.

Wie lange muss Lehmputz trocknen?

Deutlich länger als Gips- oder Kalkzementputz. Je nach Schichtdicke, Temperatur und Lüftung braucht der Unterputz ein bis zwei Wochen, der Oberputz einige Tage. Konsequentes Stoßlüften oder ein Bautrockner beschleunigen die Trocknung und verhindern Stockflecken auf dem frischen Putz. Erst wenn die Fläche gleichmäßig hell abgetrocknet ist, folgt der nächste Arbeitsgang.

Kann ich Lehmputz streichen?

Ja, aber nur mit diffusionsoffenen Anstrichen wie Lehm-, Kalk- oder Silikatfarbe. Dispersionsfarben verschließen die Poren und nehmen dem Putz seine feuchteregulierende Wirkung. Viele Oberputze sind zudem bereits durchgefärbt erhältlich, dann können Sie sich das Streichen komplett sparen.

Kann ich Lehmputz selbst auftragen?

Ja, Lehmputz gilt als der anfängerfreundlichste Putz überhaupt. Er bindet nicht chemisch ab, Fehler lassen sich anfeuchten und korrigieren, und das Material verzeiht auch längere Pausen. Zeit müssen Sie trotzdem mitbringen, vor allem für die Trocknung. Beginnen Sie mit einer kleinen, wenig sichtbaren Wand, bevor Sie sich an das Wohnzimmer wagen. Bei großen Flächen oder Decken lohnt sich der Fachbetrieb.

Zieht Lehmputz Ungeziefer an?

Nein. Moderner Lehmputz ist mineralisch aufgebaut und bietet Insekten weder Nahrung noch Lebensraum. Die Sorge stammt aus Zeiten historischer Lehmbauweisen mit hohem Strohanteil. Heutige Putze enthalten allenfalls feine Pflanzenfasern, die fest im Tongefüge eingebunden sind.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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