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Lehmbauplatten werden vorrangig im Trockenbau verwendet.

Lehmbauplatten – nachhaltige Alternative für den Trockenbau

Letzte Aktualisierung am 25. Oktober 2021 von A. Mroos

Bild: Sarah / stock.adobe.com

Lehm gehört neben Holz und Stein zu den ältesten Baustoffen, die der Mensch zur Verfügung hat. In allen Ecken der Welt wurden mit gestampftem Lehm Hütten und Häuser erbaut, und auch in Deutschland findet man noch heute Häuser, die vor Jahrhunderten gebaut wurden, deren Lehmwände aber immer noch hervorragende Eigenschaften aufweisen. Kein Wunder, dass dieser Baustoff heute auch im modernen Trockenbau gerne verwendet wird. Die hierzu gefertigten Lehmbauplatten weisen zahlreiche Vorteile auf, die sie gegenüber Alternativen wie Gipskarton überlegen machen. Hier erfahren Sie mehr zu diesem Baustoff, seinen Eigenschaften und seinen Verwendungsmöglichkeiten.

Aufbau und Montage

Lehmbauplatten bestehen, neben dem namensgebenden Naturstoff, aus einer Vielzahl an Beimengungen, welche die Eigenschaften der Platte entscheidend beeinflussen. So fügen viele Hersteller Stroh, Sägespäne oder Kokosfasern hinzu. Auch Vermiculit, ein im Brandschutz verwendetes Mineral, findet Verwendung. Neben dem Brandschutz und der Wärmedämmung dienen diese Zusatzstoffe auch dazu, die Platten leichter zu machen. Wie andere Trockenbauplatten werden die Lehmbauplatten auf einen Unterbau aus Holzlatten geschraubt. Der Zuschnitt erfolgt mit einer Stichsäge, auch sonst sind keine Spezialwerkzeuge notwendig. Auf die Fugen der Platten wird eine Armierung aus Flachsgewebe aufgebracht, die mit Lehmklebemörtel befestigt wird. Ein Lehmputz vervollständigt die Trockenbauwand, ohne die Wand gegenüber Feuchtigkeit zu versiegeln. Dabei gibt es eine große Auswahl unterschiedlicher Farbtöne, sodass auch mit Lehmfarben der gestalterischen Vielfalt kaum Grenzen aufgezeigt werden. Der Einsatz von versiegelnden Farben wie Latexfarben verbietet sich, da sonst die Feuchtigkeit ausgeschlossen wird.

Einsatzbereiche

Wände aus Lehmbauplatten können im Innenraum an allen Orten eingesetzt werden, an denen keine Spritzwassergefahr besteht. Lehm ist ein wasserlöslicher Naturstoff, dem häufige Berührung mit Wasser schaden würde. Auch im Bad kann er jedoch etwa beim Abhängen von Decken oder im oberen Wandbereich eingesetzt werden und mit seinen positiven Eigenschaften zum Raumklima beitragen. An allen anderen Orten können die Wände mit Lehmbauplatten komplett verkleidet werden. Besonders im Wohnbereich, wo Atemluft die Luftfeuchtigkeit erhöht und viele Menschen die positiven Eigenschaften der Lehmtrockenbauwände zu schätzen wissen, kann dieser Naturstoff seine Vorteile voll ausspielen.

Vorteile und Nachteile

Vorteile

Lehmbauplatten sind ein echter Naturstoff und können in Sachen Nachhaltigkeit andere Baustoffe wie Gipskarton leicht ausstechen. Alle Baustoffe können lokal hergestellt werden, was Transportkosten niedrig hält. Auch die Entsorgung belastet die Umwelt nicht, und nicht verwendeter Lehmmörtel oder Lehmfarbe können problemlos wiederverwendet werden. Aber auch in seinen baulichen Eigenschaften begeistern Lehmbauplatten. Sie sind in der Lage, Feuchtigkeit zu absorbieren und wieder abzugeben. So wird die Feuchtigkeit in Wohnräumen immer auf ein angenehmes Niveau reguliert. Sehr beliebt sind auch die exzellenten Schalldämmungseigenschaften, sodass die meistens nur 2 Zentimeter dicken Platten deutlich besser dämmen als Gipskarton. Zudem speichert der Lehm auch Wärme hervorragend und ist eine exzellente Verkleidung für eine Wandheizung. Die meisten Lehmbauplatten, die keine hohe Beimengung organischer Stoffe haben, werden in der Klasse A1 (nicht brennbar) eingeordnet.

Nachteile

Größter Nachteil von Lehmbauplatten ist ihr Preis. Durch die aufwendige Herstellung und den noch relativ kleinen Markt können Lehmbauplatten mit etwa 20 bis 30 Euro pro Platte das Dreifache einer vergleichbaren Platte aus Gipskarton kosten. Auch die Anfälligkeit gegenüber Feuchtigkeit ist ein Problem, etwa bei Unfällen mit Getränken oder einem vergessenen Fenster bei einem Regenguss. Eine feuchte Reinigung verbietet sich ebenso, und so ist es bei Wänden aus Lehm üblich, diese bei unschönen Verfärbungen neu mit Lehmfarbe zu streichen. Die früher sehr lange Trocknungszeit der Armierungsmörtel und Farben auf Lehmbasis wurde durch technische Neuerungen inzwischen auf insgesamt drei Tage verkürzt.

Kosten

Wie schon erwähnt sind Lehmbauplatten teurer als andere Trockenbauplatten. Während einfache Lehmbauplatten mit einer Fläche von 0,3 Quadratmetern für 20 Euro zu haben sind, können Lehmbauplatten mit speziellen Beimengungen bis zu 30 Euro kosten. Da weder die Verarbeitung noch das Material sich merklich von Gipskarton oder ähnlichen Baustoff unterscheiden, sind die Arbeitskosten jedoch vergleichbar. Lehmfarben sind dafür etwas teurer als andere Farben, sollten aber auf jeden Fall zur Anwendung kommen, um den Lehm offenporig zu halten. Insgesamt ist bei der Renovierung einer Wohnung mit Kosten von etwa 80 Euro pro Quadratmeter zu rechnen.

 

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