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Wie hoch sollte der Kniestock sein?

Lesedauer 4 Minuten

Der Kniestock ist die niedrige Wand zwischen Geschossdecke und Dachschrägenbeginn. Er bestimmt maßgeblich, wie viel nutzbare Wohnfläche unterm Dach entsteht. Eine Kniestockerhöhung kostet 200 bis 500 € pro laufenden Meter, ein neuer Kniestock beim Neubau 80 bis 180 € pro laufenden Meter. Wir zeigen Ihnen, wie hoch der Kniestock sein sollte, wie die nachträgliche Erhöhung funktioniert und welche Baugenehmigungspflichten gelten.

Was ist ein Kniestock?

Der Kniestock (auch Drempel genannt) ist die senkrechte Wand zwischen Geschossdecke und dem unteren Ende der Dachschrägen. Er bestimmt die Höhe, in der die Dachfläche beginnt, und damit wie viel Wohnraum unter dem Dach nutzbar ist. Ein hoher Kniestock von 1,80 bis 2,50 Meter gilt als vollwertigen Wohnraum, während ein niedriger Kniestock von 0,80 bis 1,20 Meter typisch für Altbauten ist.

“Kniestock” stammt vom kniehöhen ähnlichen Übergang zwischen Decke und Dach, daher der Name. “Drempel” ist der bauliche Fachbegriff der gleichen Konstruktion, häufig in technischer Literatur verwendet.

Vor einer Kniestockerhöhung muss geprüft werden, ob Wände, Fundamente und Decken die zusätzlichen Lasten aufnehmen können.

Welche Kniestockhöhe ist sinnvoll?

KniestockhöheWohnraumnutzungTypisch für
0,00 bis 0,80 mNur Stauraum nutzbarklassische Altbauten
0,80 bis 1,20 mEingeschränkter Wohnraum, Möbel an SchrägeModernisierte Altbauten
1,20 bis 1,80 mWohnraum möglich, Stehfläche eingeschränktEinfamilienhäuser
1,80 bis 2,30 mVollwertiger Wohnraum mit StellflächenModerne Hausplanungen
Über 2,30 mPraktisch volles GeschossStadtvillen, Premiumbau

Ob ein Dachgeschoss als Vollgeschoss gilt, richtet sich nach der jeweiligen Landesbauordnung. Maßgeblich sind unter anderem die Höhe der Aufenthaltsräume und deren Anteil an der Grundfläche.

Was kostet eine Kniestockerhöhung nachträglich?

Die nachträgliche Erhöhung des Kniestocks ist aufwendig, weil das gesamte Dach angehoben werden muss. Kosten: 200 bis 500 € pro laufenden Meter Kniestock, oft 25.000 bis 80.000 € für ein Einfamilienhaus.

KostenpostenPreis
Dach abheben (Hydraulische Hebung)8.000 bis 15.000 €
Kniestock neu errichten (Mauerwerk)200 bis 500 € pro lfd. Meter
Dach absenken und neu verbinden5.000 bis 10.000 €
Statische Berechnung Pflicht2.000 bis 5.000 €
Baugenehmigung800 bis 2.000 €
Innenausbauanpassung5.000 bis 15.000 €
Eindeckung anpassen oder erneuern5.000 bis 20.000 €

Beispielrechnung: Bei einem Haus mit 40 Meter Kniestockumfang und Erhöhung von 80 cm auf 1,80 Meter Kniestockhöhe sind das 35.000 bis 70.000 € Gesamtkosten. Dafür gewinnen Sie 20 bis 40 m² Wohnfläche zurück, das ist günstiger als ein Anbau (1.500 bis 2.500 € pro m² Wohnfläche).

Wie funktioniert die Kniestockerhöhung im Detail?

Je nach Gebäude kann das Dach angehoben, teilweise zurückgebaut oder vollständig neu errichtet werden. Das dauert 4 bis 8 Wochen reine Bauzeit.

  1. Vorbereitung: Dach abdecken (Ziegel runter, Lattung entfernen), Dampfsperre und Dämmung sichern
  2. Hydraulische Hebung: Dachstuhl auf hydraulischen Stützen anheben
  3. Neuer Kniestock: Mauerwerk aufbauen (Ziegel oder Beton), neue Dämmung integrieren
  4. Absenken: Dachstuhl wieder auf den erhöhten Kniestock absenken
  5. Neue Verbindungen: Sparren und Pfetten mit dem neuen Kniestock verbinden
  6. Eindeckung: Lattung, Dachpfannen wieder anbringen (häufig wird das Dach neu eingedeckt bei der Gelegenheit)

In welchen Fällen lohnt sich die Maßnahme?

  • Bei Altbauten mit Kniestock unter 1,20 Meter: Je nach Gebäudegrundriss kann die nutzbare Fläche deutlich zunehmen
  • Wenn Wohnraumerweiterung benötigt wird: Günstiger als Anbau oder Aufstockung
  • Bei geplanter Komplettsanierung: Sinnvolle Erweiterung kombiniert mit ohnehin nötiger Sanierung
  • Wenn die Statik des Hauses es zulässt: Tragende Wände müssen die zusätzliche Last aufnehmen können
  • Bei Bebauungsplan konforme Höhe: Bebauungsplan muss die maximale Dachhöhe zulassen;
    Häufige Ablehnungsgründe: maximale Firsthöhe, Traufhöhe, Geschosszahl

Genehmigung und rechtliche Aspekte

In den meisten Fällen ist eine Kniestockerhöhung genehmigungspflichtig, da sich die äußeren Abmessungen des Gebäudes verändern. Die Genehmigung dauert je nach Bundesland 4 bis 12 Wochen. Pflichtanlagen:

  • Bauantrag mit aktualisierten Bauzeichnungen
  • Statische Berechnung für neue Kniestockhöhe und Dachauflagen
  • Nachweis Bebauungsplan-Konformität
  • Je nach Umfang der Baumaßnahme können Nachweise nach dem Gebäudeenergiegesetz erforderlich werden
  • Eventuell Nachbarbeteiligung wenn Mindestabstände betroffen

Mehr zur Dachsanierung mit baulicher Veränderung finden Sie unter Dachsanierung Kosten und zur Förderung unter Förderung für Dachsanierung.

Alternativen zur Kniestockerhöhung

  • Dachgaube: 5.000 bis 15.000 € für eine Gaube, weniger Wohnflächengewinn aber günstiger
  • Dachaufstockung: Komplett neues Geschoss aufsetzen, 100.000 bis 250.000 €, größerer Eingriff aber mehr Wohnfläche
  • Mansarddach mit Knick: Bei Neubau geplante Mansarddachform gibt automatisch mehr Wohnraum
  • Anbau im Erdgeschoss: 1.500 bis 2.500 € pro m² Wohnfläche, oft teurer als Kniestockerhöhung
  • Dachgeschoss besser nutzen: Niedrige Möbel an die Dachschräge, hohe Möbel an die Innenwände

Häufige Fragen zum Kniestock

Wie hoch sollte der Kniestock sein?

Baurechtliche Kriterien für Aufenthaltsräume:

Damit die Räume im Dachgeschoss offiziell als Wohn- oder Schlafräume genutzt werden dürfen, gelten je nach Landesbauordnung in Deutschland folgende Mindeststandards:

Kniestock-Einfluss: Je höher der Kniestock (Drempel), desto weiter rückt die Dachschräge nach außen. Ein Kniestock von 1,20 m bis 1,50 m wird oft empfohlen, um Möbel gut stellen zu können.

Lichte Raumhöhe: In Dachgeschossen ist in der Regel eine lichte Mindesthöhe (gemessen von der Fußbodenoberkante bis zur Deckenunterkante) von 2,20 m bis 2,40 m vorgeschrieben.

Flächenvorgabe: Diese geforderte Mindesthöhe muss über mindestens der Hälfte (50 %) der Grundfläche des Raumes vorhanden sein.

Was ist der Unterschied zwischen Kniestock und Drempel?

Bauphysikalisch identisch, beide Begriffe bezeichnen die niedrige Wand zwischen Geschossdecke und Dachbeginn. “Kniestock” ist Umgangssprache, “Drempel” der technische Fachbegriff in der Bauliteratur. In Süddeutschland wird oft “Kniestock” verwendet, in Norddeutschland eher “Drempel”.

Kann ich den Kniestock selbst erhöhen?

Nein. Die hydraulische Dachhebung erfordert spezialisierte Firmen und schweres Hebezeug. Statische Berechnung, Baugenehmigung und fachgerechte Mauerwerksarbeiten sind Pflicht. Eigenleistung beschränkt sich auf einfache Vor- und Nacharbeiten wie Aufräumen.

Was kostet ein Kniestock im Neubau?

Beim Neubau ist der Kniestock Teil der normalen Außenwände, also 80 bis 180 € pro laufenden Meter inkl. Mauerwerk und Dämmung. Bei einem 40 Meter Kniestockumfang sind das 3.200 bis 7.200 €, vergleichsweise günstig, weil der Kniestock ohnehin gebaut werden muss.

Brauche ich eine Genehmigung für Kniestockerhöhung?

Ja, immer. Die Außenkubatur des Gebäudes wird verändert. Genehmigungspflichtig sind außerdem geänderte Dachneigung, neue Geschossanzahlklassifikation und energetische Bewertung. Der Bauantrag muss Bebauungsplan konform sein, die maximale Dachhöhe im Bebauungsplan darf nicht überschritten werden.

Wie lange dauert eine Kniestockerhöhung?

Reine Bauzeit 4 bis 8 Wochen. Plus 3 bis 6 Monate Vorbereitung (Planung, Genehmigung). Während der Bauphase ist das Haus oft nicht bewohnbar, rechnen Sie mit zusätzlichen Mietkosten für Übergangsunterkunft.

Wann lohnt sich Kniestockerhöhung statt Dachaufstockung?

Kniestockerhöhung ist meist günstiger als komplette Aufstockung (25.000-80.000 € vs 100.000-250.000 €). Lohnt sich, wenn ca. 20 bis 40 m² zusätzliche Wohnfläche reichen. Bei größerem Wohnraumbedarf ist Dachaufstockung mit eigenständigem Geschoss die richtige Wahl.

Bild: istock.com/Smederevac

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