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Neuen Putz streichen: frisch verputzter Raum mit Malerrollen, Abklebematerial und Leiter auf dem Arbeitstisch

Wann dürfen Sie neuen Putz streichen?

Lesedauer 4 Minuten

Frischen Wandputz streichen dürfen Sie erst, wenn er vollständig durchgetrocknet ist. Als Faustregel gilt ein Tag Wartezeit pro Millimeter Putzdicke: Bei üblichen 10 bis 15 mm Innenputz sind das 2 bis 4 Wochen. Früher sollte man nicht überstreichen, sonst kann es zu Feuchtigkeit, Schimmel und abblätternde Farbe, kommen. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie trockenen Putz erkennen, welche Grundierung zu welcher Putzart passt und mit welcher Farbe der erste Anstrich dauerhaft hält.

Wie lange muss frischer Putz trocknen?

Rechnen Sie mit einem Tag pro Millimeter Putzdicke und zwar unter günstigen Bedingungen. Ein Gipsputz von 10 mm braucht also rund zwei Wochen, ein 15 mm dicker Kalkzementputz eher drei bis vier. Entscheidend sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Bei etwa 20 °C und regelmäßigem Stoßlüften trocknet der Putz zügig, in kalten oder unbeheizten Räumen kann sich die Wartezeit verdoppeln. Lüften Sie mehrmals täglich für 10 bis 15 Minuten quer durch die Wohnung, statt die Fenster dauerhaft zu kippen. Heizen unterstützt die Trocknung, Bautrockner sollten Sie bei Kalkputz aber zurückhaltend einsetzen, weil zu schnelles Trocknen Risse verursacht. Wie der Putz überhaupt an die Wand kommt, lesen Sie in der Anleitung Wand verputzen und im Ratgeber Decke verputzen.

Woran erkennen Sie, dass der Putz trocken ist?

Trockener Putz ist gleichmäßig hell und zeigt keine dunklen Flecken mehr. Frisch aufgetragener Putz wirkt dunkel und fleckig; erst wenn die gesamte Fläche denselben hellen Farbton hat, ist die Oberfläche durchgetrocknet. Verlassen Sie sich aber nicht allein auf die Optik, denn im Kern kann der Putz noch feucht sein.

Der einfachste Nachweis ist der Folientest: Kleben Sie ein etwa 50 x 50 cm großes Stück Folie ringsum dicht mit Klebeband auf die Wand und warten Sie 24 Stunden. Bildet sich darunter Kondenswasser oder verfärbt sich die Fläche dunkel, arbeitet noch Feuchtigkeit im Putz. Genauer misst ein Feuchtemessgerät aus dem Fachhandel, die zulässigen Werte unterscheiden sich allerdings je nach Putzart und Gerät.

Was passiert, wenn Sie zu früh streichen?

Zu frühes Streichen schließt die Baufeuchte in der Wand ein, und genau daraus entstehen vermeidbare Schäden. Die Farbschicht wirkt wie eine Sperre, das Wasser kann nicht mehr entweichen: Es kommt zu Blasen, abplatzende Farbe und im schlimmsten Fall Schimmel hinter dem Anstrich. Bei Kalk- und Zementputz kommt ein zweites Problem dazu: Frischer Putz ist stark alkalisch. Die Alkalität zerstört die Bindemittel gewöhnlicher Dispersionsfarbe, Fachleute sprechen von Verseifung. Die Folge sind fleckige, kreidende Flächen, die sich später großflächig ablösen. Ein falscher Anstrich ist somit doppelt teuer: Sie zahlen die Farbe zweimal und müssen die geschädigte Schicht vorher mühsam entfernen. Die Wartezeit von 2 bis 4 Wochen ist also gut investiert.

Welche Grundierung braucht welcher Putz?

Die Grundierung richtet sich nach der Putzart, Gipsputz bekommt einen Tiefengrund, Kalk- und Zementputz streichen Sie besser mit alkalibeständiger Silikatfarbe oder warten die vollständige Abbindung ab. Gipsputz saugt stark und ungleichmäßig; ohne Tiefengrund entzieht er der Farbe das Wasser, und der Anstrich wird streifig. Kalkputz braucht dagegen meist gar keine Grundierung, verträgt aber wegen seiner Alkalität in den ersten Wochen nur mineralische Farben. Wie Sie die Grundierung richtig auftragen, zeigt der Beitrag Wand grundieren. Die Übersicht:

PutzartWartezeit vor dem AnstrichGrundierungGeeignete Farbe
Gipsputzca. 14 Tage bei 10 mmTiefengrundDispersionsfarbe
Kalkputz2 bis 4 Wochenmeist keineKalkfarbe, Silikatfarbe
Kalkzementputz2 bis 4 WochenTiefengrund bei starkem SaugenSilikatfarbe, später Dispersionsfarbe
Zementputz3 bis 4 WochenTiefengrund bei starkem SaugenSilikatfarbe oder Dispersionsfarbe
Lehmputz1 bis 2 WochenkeineLehmfarbe, Kalkfarbe

So gelingt der erste Anstrich auf neuem Putz

Streichen Sie den frischen Wandputz grundsätzlich zweimal und verdünnen Sie den ersten Anstrich nach Herstellerangabe leicht mit Wasser. Der verdünnte Voranstrich dringt besser in die Oberfläche ein und bindet den Reststaub. Wählen Sie eine diffusionsoffene Farbe, damit Restfeuchte weiter entweichen kann, und streichen Sie erst Kanten und Ecken mit dem Pinsel, dann die Fläche nass in nass mit der Rolle. Die Raumtemperatur sollte während der Arbeit über 5 °C liegen. Wer den Anstrich lieber abgibt: Malerbetriebe berechnen für das Streichen inklusive Material meist 5 bis 15 € pro m² Wandfläche, die Details stehen im Ratgeber Wände streichen. Für gespachtelte Gipskartonflächen gelten andere Regeln als für Nassputz, mehr dazu unter Rigips streichen.

Häufige Fragen zum Streichen von frischem Putz

Kann man neuen Putz schon nach einer Woche streichen?

Nur bei dünnen Putzlagen. Ein 5 mm dünner Gipsputz kann in einem warmen, gut gelüfteten Raum nach etwa einer Woche trocken sein. Bei üblichen 10 bis 15 mm Putzdicke ist eine Woche fast immer zu kurz. Machen Sie im Zweifel den Folientest (siehe oben): Bleibt die Folie über Nacht trocken, dürfen Sie streichen.

Welche Farbe eignet sich für frischen Kalkputz?

Kalkfarbe und Silikatfarbe, denn beide sind alkalibeständig und diffusionsoffen. Gewöhnliche Dispersionsfarbe verseift auf dem alkalischen Untergrund und blättert ab. Erst wenn der Kalkputz nach mehreren Wochen vollständig abgebunden hat, ist auch ein Anstrich mit Dispersionsfarbe möglich. Wer sichergehen will, bleibt bei mineralischen Farben, die passen technisch am besten zum Kalkputz.

Muss neuer Gipsputz immer grundiert werden?

Ja, in der Praxis fast immer. Gipsputz saugt stark und oft ungleichmäßig, ohne Tiefengrund entstehen streifige und wolkige Anstriche. Der Tiefengrund kostet mit 1 bis 3 € pro m² wenig und verhindert, dass Sie einen dritten Anstrich brauchen. Nur geglättete, schwach saugende Flächen kommen gelegentlich ohne Grundierung aus.

Beschleunigen Heizen und Lüften die Trocknung?

Ja, die Kombination aus beidem wirkt am besten. Heizen Sie den Raum auf 18 bis 20 °C und lüften Sie mehrmals täglich per Stoßlüftung. Warme Luft nimmt Feuchtigkeit auf, das Lüften trägt sie nach draußen. Dauerhaft gekippte Fenster bringen dagegen wenig und kühlen die Wand aus. Bei Kalkputz gilt: langsam trocknen lassen, sonst reißt die Oberfläche.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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