Rigips lässt sich gut streichen, wenn Sie zwei Punkte beachten: Vor dem ersten Anstrich braucht die Platte zwingend einen Tiefengrund, und als Farbe eignet sich eine matte Dispersionsfarbe mit hoher Nassabriebklasse. Gipskarton saugt nämlich stark und vor allem ungleichmäßig. Die Kartonflächen nehmen Farbe anders auf als die gespachtelten Fugen. Ohne Grundierung zeichnen sich Fugen und Schraubenreihen später dauerhaft ab. Achten Sie, dass die Schraubenköpfe tief im Rigips sitzen und nicht über die Oberfläche spitzen. Hier lesen Sie, wie Sie vom Entstauben bis zum zweiten Anstrich vorgehen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Warum Sie Gipskarton nie ungrundiert streichen sollten
Ungrundierter Gipskarton führt fast immer zu einem fleckigen Ergebnis, weil Karton und Spachtelmasse unterschiedlich stark saugen. Jede Platte besteht aus einem Gipskern mit einer Kartonummantelung. Die Fugen zwischen den Platten und die Schraubenköpfe werden dann mit Gipsspachtelmasse gefüllt. Denken Sie auch an die Einarbeitung eines Gewebebandes, um später Risse an den Plattenfugen zu vermeiden. Beide Untergründe entziehen der Wandfarbe Wasser und Bindemittel in unterschiedlichem Tempo.
Das Ergebnis kennen viele Heimwerker: Nach dem Trocknen erscheinen die Fugenbereiche heller oder dunkler als die restliche Fläche, je nach Lichteinfall sogar als sichtbare Streifen. Dieses Abzeichnen verschwindet auch nach einem dritten Anstrich nicht zuverlässig. Ein lösemittelfreier Tiefengrund gleicht die Saugfähigkeit an, bindet restlichen Schleifstaub und senkt zusätzlich den Farbverbrauch. Wie Sie die Grundierung fachgerecht auftragen, erklärt unser Beitrag zum Thema Wand grundieren.
Werkzeug und Material für den Anstrich
Für einen sauberen Anstrich auf Gipskarton brauchen Sie neben Farbe und Grundierung nur wenige Werkzeuge. Rechnen Sie für ein Zimmer mit 40 m² Wandfläche mit Materialkosten von insgesamt 60 bis 100 €:
- lösemittelfreier Tiefengrund (5-l-Gebinde ab etwa 10 €)
- matte Dispersionsfarbe mit Nassabriebklasse 2 und Deckkraftklasse 1 oder 2
- mittelflorige Farbrolle, dazu kleine Rolle und Pinsel für Ecken
- Abstreifgitter und Teleskopstab
- Malerkrepp und Abdeckvlies
- Schleifpapier mit Korn 120 bis 150 für kleine Nacharbeiten
- Besen oder Staubsauger mit Bürstenaufsatz zum Entstauben
Welche Spachtelqualität braucht die Wand?
Für einen normalen matten Wandanstrich genügt die Qualitätsstufe Q2, bei seitlichem Lichteinfall sollten Sie Q3 einplanen. Die Q-Stufen beschreiben, wie fein die Oberfläche nach dem Verlegen der Rigipsplatten verspachtelt wurde:
| Q-Stufe | Ausführung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Q1 | Fugen nur gefüllt | Fliesen, verkleidete Flächen |
| Q2 | Fugen gespachtelt und geschliffen | matte Anstriche, Raufaser |
| Q3 | Fugen zusätzlich breit überspachtelt | matte Farben bei seitlichem Licht |
| Q4 | vollflächig überspachtelt | glänzende Farben, Streiflicht |
Wie Sie die einzelnen Stufen erreichen, zeigt die Anleitung Wände spachteln. Welche Masse für Fugen und Flächen passt, lesen Sie im Überblick zu den Spachtelmassen.
Nach dem Schleifen gilt: erst entstauben, dann grundieren, sonst liegt der Tiefengrund auf einer Trennschicht aus Staub.
Welche Farbe eignet sich für Gipskarton?
Die beste Wahl ist eine matte Dispersionsfarbe mit Nassabriebklasse 2 und Deckkraftklasse 1 oder 2. Sie deckt zuverlässig in zwei Anstrichen und übersteht feuchtes Abwischen. Sehr günstige Farben sparen am Bindemittel: Sie kreiden, decken schlecht und erzwingen einen dritten Anstrich, der den Preisvorteil wieder auffrisst.
In Küche und Bad greifen Sie zu einer scheuerbeständigen Farbe der Nassabriebklasse 1. Reine Silikatfarbe haftet auf Karton nicht und gehört auf mineralische Untergründe; geeignet ist allenfalls eine Dispersionssilikatfarbe. Bei kräftigen Wunschfarbtönen hilft ein passend vorgetönter Grundanstrich, damit zwei Endanstriche ausreichen.
Anleitung: In sechs Schritten zum fertigen Anstrich
Planen Sie inklusive Trockenzeiten anderthalb bis zwei Tage ein. So gehen Sie vor:
- Entstauben: Kehren Sie die Wand ab oder saugen Sie sie mit dem Bürstenaufsatz ab. Nicht feucht abwischen, der Karton weicht sonst auf.
- Abkleben: Schützen Sie Steckdosen, Leisten und Fensterrahmen mit Malerkrepp, den Boden mit Abdeckvlies.
- Grundieren: Tragen Sie den Tiefengrund mit der Rolle gleichmäßig und satt auf, ohne dass er in Läufen herunterrinnt. Trockenzeit nach Herstellerangabe, meist zwölf Stunden.
- Ecken vorstreichen: Streichen Sie Kanten, Innenecken und Anschlüsse mit dem Pinsel etwa fünf Zentimeter breit vor.
- Erster Anstrich: Verdünnen Sie die Farbe mit maximal 5 % Wasser und rollen Sie in Bahnen quer zum Lichteinfall. Arbeiten Sie nass in nass, ohne Pause auf halber Fläche.
- Zweiter Anstrich: Nach vier bis sechs Stunden folgt die unverdünnte zweite Schicht, diesmal längs zum Lichteinfall, also vom Fenster weg ins Zimmer gerollt.
Das Streiflichtproblem bei Q2-Flächen
Fällt Licht flach an der Wand entlang, werden kleinste Unebenheiten sichtbar, selbst wenn der Anstrich handwerklich sauber ist. Typische Stellen sind bodentiefe Fenster, Wandleuchten und lange Flure mit Fenster am Ende. Eine Q2-Fläche zeigt dann flache Wellen über den Fugen. Abhilfe schaffen drei Maßnahmen: die Fläche vollflächig auf Q3 oder Q4 überspachteln lassen, eine stumpfmatte und gut gefüllte Farbe wählen sowie direkte Streiflichtquellen bei der Lichtplanung vermeiden. Glänzende und dunkle Farbtöne verstärken den Effekt zusätzlich.
Tapezieren als Alternative zum Streichen
Wenn die Spachtelung nur Q2 erreicht, kaschiert eine Tapete Unebenheiten besser als jede Farbe. Malervlies und Vliestapeten werden direkt geklebt und anschließend überstrichen, Raufaser ist die preiswerteste Variante. Grundieren müssen Sie trotzdem: Ohne Tiefengrund verkrallt sich der Kleister im Karton. Beim nächsten Tapetenwechsel reißt dann die oberste Kartonschicht mit ab, und die beschädigte Platte muss aufwendig nachgespachtelt werden. Der Anstrich auf dem Vlies folgt anschließend denselben Regeln wie oben beschrieben.
Wann ist ein Maler sinnvoll und was kostet er?
Ein Malerbetrieb macht bei großen Flächen Sinn, bei Decken und immer dann, wenn die Wand streiflichttauglich in Q3 oder Q4 gespachtelt werden muss. Für das Streichen inklusive Grundierung zahlen Sie meist 8 bis 15 €/m². Die Details schlüsselt unser Beitrag Wände streichen auf.
Abgerechnet wird oft nach Zeit: Übliche Sätze von 45 bis 65 €/h zeigt der Überblick zum Stundenlohn beim Maler. Der Maler bringt vor allem bei der Vorarbeit Übung mit, denn eine wirklich ebene, streiflichtfreie Fläche gelingt Laien im ersten Anlauf selten.
Häufige Fragen zum Streichen von Gipskarton
Kann ich Rigips ohne Grundierung streichen?
Nein, davon wird abgeraten. Karton und Spachtelfugen saugen unterschiedlich stark, ohne Tiefengrund zeichnen sich die Fugen im fertigen Anstrich ab. Zudem bindet die Grundierung Schleifstaub und senkt den Farbverbrauch. Die 10 bis 20 € für den Tiefengrund sind gut investiert, denn ein fleckiger Anstrich lässt sich nachträglich nur schwer retten.
Welcher Tiefengrund eignet sich für Gipskarton?
Ein lösemittelfreier Tiefengrund auf Acrylatbasis für saugende Untergründe ist die Standardwahl. Er zieht ein, verfestigt die Oberfläche und gleicht die Saugfähigkeit von Karton und Spachtelstellen an. Pigmentierte Grundierungen sind sinnvoll, wenn ein starker Farbkontrast überdeckt werden soll. Einen Sperrgrund brauchen Sie nur bei durchschlagenden Flecken, etwa nach einem Wasserschaden.
Wie viele Anstriche braucht frischer Gipskarton?
Auf grundiertem Untergrund reichen in der Regel zwei Anstriche mit einer Farbe der Deckkraftklasse 1 oder 2. Bei kräftigen oder sehr dunklen Farbtönen kann ein dritter Anstrich nötig werden, hier spart ein vorgetönter Grundanstrich Arbeit. Ohne Grundierung deckt selbst gute Farbe oft erst nach drei Schichten gleichmäßig.
Warum zeichnen sich die Fugen nach dem Streichen ab?
Entweder wurde nicht grundiert oder die Fläche liegt im Streiflicht.
Im ersten Fall hilft nur: leicht anschleifen, gründlich grundieren und zwei neue Anstriche auftragen. Im zweiten Fall liegt es an der Spachtelqualität, dann muss die Wand auf Q3 oder Q4 überspachtelt werden, bevor Sie neu streichen.
Kann ich Gipskarton im Bad streichen?
Ja, in häuslichen Bädern ist das üblich. Verbaut sein sollten imprägnierte Feuchtraumplatten, erkennbar an der grünen Farbe. Nach dem Grundieren streichen Sie mit einer scheuerbeständigen Farbe der Nassabriebklasse 1. In den direkten Spritzwasserbereich von Dusche und Wanne gehören statt Farbe eine Abdichtung und Fliesen auf die Platte. Dies sollte auch in Absprache mit dem Heizungsbauer und Fliesenleger erfolgen. Denn die Abdichtung ist der wichtigste Arbeitsschritt im Badezimmer.





