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Fliesenkleber wird mit der Zahnkelle aufgekämmt: gleichmäßiges Kleberbett mit Rillenstruktur

Welcher Fliesenkleber wofür?

Lesedauer 4 Minuten

Einer der wichtigsten Fliesenkleber ist Flexkleber der Klasse C2: Er ist geeignet für Feinsteinzeug und Fußbodenheizung und kostet 15 bis 50 € pro 25-kg-Sack. Daneben gibt es vier weitere Kleberarten, vom günstigen Dünnbettmörtel bis zum Reaktionsharz für Sonderfälle. Dieser Überblick zeigt, welcher Kleber wofür konzipiert ist, was die Kürzel auf dem Sack bedeuten, wie viel Sie pro m² brauchen und was das Entfernen alter Kleberreste kostet.

Welche Arten von Fliesenkleber gibt es?

Fünf Klebertypen decken alle Anwendungen ab, für Heimwerker relevant sind vor allem die Zementkleber und der Dispersionskleber. Zementäre Produkte werden mit Wasser angerührt und tragen die Kennung C, gebrauchsfertige Dispersionskleber ein D, Reaktionsharze ein R.

KlebertypTypischer EinsatzPreis pro kg
Dünnbettmörtel (C1)Steingutfliesen innen auf Estrich und Putz0,40-1 €
Flexkleber (C2, meist S1)Feinsteinzeug, Fußbodenheizung, Außenbereich0,60-2 €
FließbettkleberBodenfliesen, Großformat, hohlraumarme Verlegung1-2,50 €
Dispersionskleber (D)Wandfliesen innen, kleine Flächen2-4 €
Reaktionsharzkleber (R)Schwimmbad, Metall, chemisch belastete Flächen6-15 €

Ein Dünnbettmörtel reicht für saugfähige Steingutfliesen an Innenwänden aus. Sobald Feinsteinzeug verlegt wird, braucht es Flexkleber, denn das dichte Material saugt kein Wasser auf und verbindet sich nur mit kunststoffvergüteten Klebern zuverlässig. Dispersionskleber kommt gebrauchsfertig aus dem Eimer, bleibt lange korrigierbar und eignet sich gut für das Verlegen von Wandfliesen in trockenen bis mäßig feuchten Räumen. Draußen auf Balkon und Terrasse ist ein frostbeständiger C2-Kleber passend. Der Fließbettkleber wiederum ist eine Bodenvariante: Er ist so eingestellt, dass er unter der aufgelegten Fliese zusammenfließt und ohne zweiten Arbeitsgang eine fast hohlraumfreie Bettung erreicht.

Was bedeuten C2, S1 und die anderen Kürzel auf dem Sack?

Die Kürzel folgen der Norm DIN EN 12004 und beschreiben die Leistung: Der Buchstabe steht für die Kleberbasis, die Zahl für die Haftfestigkeit. C1 erfüllt die Grundanforderung von 0,5 N/mm², C2 verdoppelt sie auf 1 N/mm². Der Zusatz S1 kennzeichnet verformungsfähige Kleber, die Spannungen aus einer Fußbodenheizung oder aus arbeitenden Untergründen abfedern, S2 ist noch flexibler. Dahinter folgen Verarbeitungsmerkmale: F steht für schnell abbindend, E für verlängerte offene Zeit und T für standfest, die Fliese rutscht an der Wand also nicht ab. Ein Sack mit der Kennung C2 FT S1 ist demnach ein schnell abbindender, standfester Flexkleber.

Wie viel Fliesenkleber brauchen Sie pro m²?

Je nach Zahnung der Kelle brauchen Sie 1,7 bis 4 kg Pulverkleber pro m². Die Zahngröße richtet sich nach dem Fliesenformat: kleine Formate bekommen feine Zahnung, große Platten brauchen mehr Kleberauftrag. Die Hersteller drucken den Verbrauch je Zahnung auf den Sack, die folgenden Werte sind verlässliche Mittelwerte für die Planung.

  • 4-mm-Zahnung: rund 1,7 kg/m², für Mosaik und kleine Wandfliesen
  • 6-mm-Zahnung: rund 2,4 kg/m², für Formate bis etwa 30 cm Kantenlänge
  • 8-mm-Zahnung: rund 3,1 kg/m², für Formate von 30 bis 60 cm
  • 10-mm-Zahnung: rund 3,9 kg/m², für Bodenfliesen und Großformat
  • Buttering-Floating: 5 bis 6 kg/m², im Außenbereich und bei XXL-Platten

Eine Beispielrechnung: Für 20 m² Bodenfliesen im Format 60 x 60 cm mit 10-mm-Zahnung rechnen Sie 20 mal 3,9 kg, also 78 kg. Das sind vier 25-kg-Säcke Flexkleber für 60 bis 200 €. Kalkulieren Sie 10 % Reserve ein, denn ein angebrochener Sack hält trocken gelagert etwa 6 bis 12 Monate und ist beim nächsten Projekt noch brauchbar.

Wie tragen Sie Fliesenkleber richtig auf?

Standard im Innenraum ist das Floating-Verfahren: Sie ziehen den Kleber mit der glatten Kellenseite auf den Untergrund auf und kämmen ihn anschließend mit der Zahnseite im Winkel von 45 bis 60° durch. Beim Buttering wird stattdessen die Fliesenrückseite beschichtet, üblich bei kleinen Formaten und bei Reparaturen. Für Großformatfliesen und alle Außenflächen kombinieren Fliesenleger beide Verfahren, damit unter der Fliese keine Hohlräume bleiben. Achten Sie darauf, wie lange der Kleber bereits offen ist: Nach 20 bis 30 Minuten bildet zementärer Kleber eine Haut und hält nicht mehr. Bleibt bei der Fingerprobe kein Kleber am Finger hängen, muss die Fläche abgezogen und frisch beschichtet werden. Die Fliese selbst legen Sie mit einer leicht schiebenden Bewegung ein, nicht nur andrücken. Arbeiten Sie deshalb in Abschnitten von höchstens 1 bis 2 m², dann bleibt der Kleber durchgehend verarbeitbar.

Wie bekommen Sie alten Fliesenkleber wieder ab?

Alter Kleber wird abgestemmt oder abgeschliffen, je nach Fläche und Untergrund. Kleine Flächen erledigen Hammer und Meißel oder ein Multitool mit Hartmetallaufsatz. Für ganze Räume leihen Sie sich einen Betonschleifer mit Absaugung für ca. 40 bis 80 € pro Tag, das ist das gründlichste und staubärmste Verfahren. Beim Profi kostet das Entfernen 10 bis 25 €/m² und wird meist zusammen mit dem Abbruch des Belags beauftragt, die Gesamtkosten dazu stehen im Ratgeber Fliesen entfernen. Fest sitzende Reste bis 2 bis 3 mm Höhe müssen übrigens nicht restlos weg: Eine Ausgleichsmasse mit Zement überdeckt sie zuverlässig und schafft zugleich einen ebenen Untergrund. Tragen Sie beim Stemmen und Schleifen immer eine Schutzbrille und eine FFP2-Maske, denn alter Kleberstaub ist stark alkalisch und reizt die Atemwege.

Welcher Kleber hält auf Holz und alten Fliesen?

Auf kritischen Untergründen entscheidet die Vorbereitung mehr als der Kleber selbst. Holzdielen und OSB-Platten arbeiten mit der Luftfeuchte, hier braucht es einen verformungsfähigen S1- oder S2-Flexkleber und eine Entkopplungsmatte, sonst reißen Fugen und Fliesen nach dem ersten Winter. Was die Verlegung auf Holz kostet, zeigt der Ratgeber Fliesen verlegen Kosten. Bei der Fliese-auf-Fliese-Verlegung genügt ein C2-Flexkleber auf einer Haftgrundierung, sofern der Altbelag vollflächig fest sitzt. Gipsputz und Anhydritestrich müssen vor dem Verkleben grundiert werden, weil Gips und Zementkleber sich chemisch nicht vertragen und die Verbindung sonst mit der Zeit versagt. Frisch eingebauter Zementestrich braucht vor dem Fliesen zudem rund 28 Tage Trocknungszeit, sonst verformt sich der Boden und die Fliesen haften nicht.

Fünf Fragen, die beim Kleberkauf immer wieder auftauchen

Wie lange muss Fliesenkleber trocknen?

Zementärer Kleber ist nach etwa 24 Stunden begehbar, verfugen können Sie nach 24 bis 48 Stunden. Voll belastbar ist der Belag nach rund 7 Tagen. Schnellkleber mit der Kennung F verkürzen die Wartezeit auf 3 bis 6 Stunden, sind aber teurer und trocknen auch im Eimer schneller ein.

Welcher Fliesenkleber eignet sich für das Bad?

Im Bad ist ein C2-Flexkleber die richtige Wahl, in Dusche und Wannenbereich kommt darunter eine Verbundabdichtung aus Dichtschlämme oder Flüssigfolie. Dispersionskleber dürfen nur außerhalb der Spritzwasserzonen an die Wand, denn sie weichen bei dauerhafter Feuchtigkeit wieder auf. Für Wandfliesen lohnt zusätzlich die T-Kennung, damit nichts abrutscht.

Können Sie neuen Kleber auf alte Kleberreste auftragen?

Ja, wenn die Reste fest sitzen, tragfähig sind und nur wenige Millimeter auftragen. Machen Sie die Klopfprobe: Klingt nichts hohl und lässt sich nichts abhebeln, können Sie nach einer Grundierung direkt darüber arbeiten. Lose oder hohe Reste müssen dagegen vorher abgeschliffen werden.

Wie viel kostet ein Sack Fliesenkleber?

Ein 25-kg-Sack Dünnbettmörtel kostet 10 bis 20 €, Flexkleber liegt bei 15 bis 50 €, Schnellkleber und Fließbettkleber darüber. Dispersionskleber wird im Eimer verkauft, 5 kg kosten 15 bis 30 €. Ein Sack Pulverkleber reicht je nach Zahnung für 6 bis 14 m² Fläche.

Ist teurer Fliesenkleber automatisch besser?

Nein, entscheidend ist die passende Klasse für den Einsatzzweck. Für Steingut an trockenen Innenwänden leistet ein günstiger C1-Mörtel dasselbe wie ein Premiumprodukt. Bei Fußbodenheizung, Feinsteinzeug und im Außenbereich ist ein C2-Kleber mit S1-Kennung Voraussetzung für jahrelang intakte Fliesen.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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