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PUR und PIR: Hochleistungsdämmung für schlanke Aufbauten

Lesedauer 4 Minuten

PUR und PIR sind die Hochleistungsdämmstoffe unter den Hartschäumen: Mit Wärmeleitgruppen ab 023 dämmen sie 30 bis 40 % besser als Styropor oder Mineralwolle – bei gleicher Dicke. Das macht sie zur ersten Wahl, wo jeder Zentimeter zählt: auf dem Flachdach, bei der Aufsparrendämmung und in schlanken Fußbodenaufbauten. Der Preis: 20 bis 40 € pro m² bei 100 mm.

Was ist der Unterschied zwischen PUR und PIR?

Beide sind Hartschäume aus Polyurethan, der gleichen Stofffamilie. PIR (Polyisocyanurat) ist die Weiterentwicklung: höher vernetzt, dadurch hitzebeständiger und im Brandfall stabiler. Im Handel sind heute fast nur noch PIR-Platten, umgangssprachlich werden beide Begriffe synonym verwendet. Die Platten sind meist beidseitig mit Alu- oder Vlieskaschierung versehen, die die Dämmwirkung zusätzlich verbessert.

Die Stärke: maximale Dämmung bei minimaler Dicke

DämmstoffWLGDicke für U-Wert 0,24 W/m²K
PIR (alukaschiert)023ca. 9 cm
PUR (vlieskaschiert)027ca. 11 cm
EPS / Glaswolle035ca. 14 cm
Holzfaser040ca. 16 cm

Fünf bis sieben Zentimeter weniger Aufbau klingen unspektakulär, entscheiden aber beim Flachdach über die Attikahöhe, bei der Aufsparrendämmung über die Dachhöhe (Genehmigung!) und beim Fußboden darüber, ob die Türen noch passen.

Wo lohnt sich PUR/PIR?

  • Aufsparrendämmung: Das Standardmaterial – dünner Aufbau hält die Dacherhöhung gering, hohe Druckfestigkeit trägt die Lattung
  • Flachdach: Leicht und schlank, ideal wenn die Statik wenig Reserven hat
  • Fußboden und Estrich: Wo wenig Aufbauhöhe bleibt (Altbausanierung), ersetzen 50 mm PIR rund 80 mm EPS
  • Kellerdecke mit Höhenproblem: mehr Dämmung pro Zentimeter, siehe Kellerdecke dämmen
  • Wärmebrückendetails: Laibungen, Rollladenkästen, Gauben
  • Weniger sinnvoll: Überall, wo Platz keine Rolle spielt, dort rechnet sich der günstigere Dämmstoff pro erreichtem U-Wert

Was kostet PUR/PIR-Dämmung?

Plattenstärke (alukaschiert)Preis pro m²
50 mm12 bis 20 €
80 mm17 bis 30 €
100 mm20 bis 40 €
140 mm28 bis 50 €
160 mm (Aufsparren, BAFA-Niveau)32 bis 58 €

Pro Zentimeter Dämmwirkung relativiert sich der Aufpreis: PIR kostet etwa 40 bis 60 % mehr als EPS, dämmt aber ein Drittel besser. PIR wird bei Aufsparrendämmungen häufig eingesetzt, weil mit geringer Aufbauhöhe sehr gute U-Werte erreichbar sind.

Beispielrechnung: Aufsparrendämmung mit PIR

Das häufigste PIR-Projekt am Einfamilienhaus: Im Zuge der Neueindeckung kommt eine Aufsparrendämmung aufs Dach. Bei 140 m² Dachfläche und 140 mm PIR (alukaschiert, WLG 023) sieht die Kalkulation so aus:

PositionKosten
PIR-Elemente 140 mm (140 m²)3.900 bis 7.000 €
Unterdeckbahn, Konterlattung, Befestigung1.400 bis 2.500 €
Verlegung (im Zuge der Neueindeckung)2.800 bis 4.900 €
Gesamt Dämmanteil8.100 bis 14.400 €
Nach BAFA-Zuschuss (20 % mit iSFP)6.480 bis 11.520 €

Mit 140 mm PIR erreicht das Dach einen U-Wert von etwa 0,15 W/m²K – Fördergrenze geschafft, und die Dacherhöhung bleibt mit rund 18 cm (inklusive Lattung) im genehmigungsfreien Rahmen der meisten Bundesländer. Die geringe Aufbauhöhe von PIR kann helfen, Änderungen an Dachhöhe und Dachdetails zu minimieren. Ob eine Genehmigung erforderlich ist, richtet sich jedoch nach dem jeweiligen Landesbaurecht. Mit Mineralwolle wären für denselben Wert 22 bis 24 cm nötig. Die Einordnung in die anderen Dachvarianten liefert der Beitrag Dachdämmung: Arten, Kosten und Förderung.

PIR-Platten richtig verarbeiten

  1. Zuschnitt: Mit Handkreissäge oder feinzahnigem Fuchsschwanz, die Alukaschierung sauber durchtrennen, Kanten entgraten
  2. Nut-Feder-Verlegung: Aufsparrenelemente greifen ineinander und bilden eine winddichte Ebene ohne Wärmebrücken
  3. Stöße verkleben: Alukaschierte Systeme an den Stößen mit Aluklebeband luftdicht abkleben. Bei einigen zugelassenen Aufsparrensystemen übernimmt die verklebte Alukaschierung die Funktion der Dampfbremse. Maßgeblich sind jedoch immer die Herstellervorgaben und die bauphysikalische Berechnung
  4. Befestigung: Systemschrauben durch Konterlattung und Dämmung in den Sparren, Schraubenlänge und -winkel nach Herstellervorgabe
  5. Anschlüsse: First, Traufe und Durchdringungen mit PU-Schaum ausschäumen und überkleben, jede Lücke kostet messbar Dämmwirkung

Ökobilanz und Entsorgung: Die Schwachstellen

PUR/PIR ist ein petrochemisches Produkt mit energieintensiver Herstellung, die Ökobilanz fällt schlechter aus als bei Zellulose oder Holzfaser. Die Rechnung relativiert sich über die Nutzungsphase: Durch die überlegene Dämmleistung spart eine PIR-Dämmung über 40 Jahre ein Vielfaches ihrer Herstellungsenergie ein. Bei der Entsorgung gilt: Sortenreiner Verschnitt geht in die chemische Verwertung, Ausbaumaterial als Baumischabfall in die Müllverbrennung (150 bis 250 € pro Tonne). Ein Recyclingkreislauf wie bei Mineralwolle oder Schaumglas existiert für PUR/PIR bislang nur in Pilotprojekten, wer maximale Kreislauffähigkeit sucht, wird bei den Alternativen im Beitrag Dämmstoffe im Vergleich fündig.

PIR im Fußboden: Das Rechenbeispiel Altbau

Typischer Altbauengpass: Der neue Fußbodenaufbau mit Dämmung, Estrich und Belag darf 12 cm nicht überschreiten, sonst passen Türen und Treppenantritte nicht mehr. Mit Estrich (5 cm) und Parkett (1,5 cm) bleiben 5,5 cm für die Dämmung. PIR mit WLG 023 erreicht damit einen U-Wert um 0,38 W/m²K – EPS bräuchte für denselben Wert 8 cm, die nicht vorhanden sind. Kostenpunkt für 60 m²: PIR-Platten 720 bis 1.200 € gegenüber 300 bis 480 € für EPS. Der Aufpreis von rund 500 € ist der Preis dafür, dass alle Türen im Haus bleiben können, wo sie sind, jede Tür kürzen kostet 80 bis 150 € und frisst den EPS-Vorteil sofort auf.

Häufige Fragen zu PUR und PIR

Ist PUR-Dämmung gesundheitlich bedenklich?

Ausgehärtete PUR/PIR-Platten sind chemisch stabil und emissionsarm, unbedenklich im Wohnbereich. Anders beim PU-Bauschaum aus der Dose: Dessen Isocyanate sind vor dem Aushärten reizend, hier gelten Handschuh- und Lüftungspflicht.

Wie brandsicher ist PIR?

PIR weist je nach Produkttyp bessere Brandkennwerte auf als EPS, erreicht jedoch nicht die Nichtbrennbarkeit von Mineralwolle. Baustoffklasse E wie alle organischen Hartschäume, aber: PIR bildet im Brandfall eine verkohlende Schutzschicht statt zu schmelzen und brennend abzutropfen wie EPS. Für nicht brennbare Anforderungen (A1) bleibt nur Mineralwolle oder Kalziumsilikat.

PIR oder Holzfaser für die Aufsparrendämmung?

PIR gewinnt bei Aufbauhöhe und Preis pro Dämmwirkung, Holzfaser beim sommerlichen Hitzeschutz und der Ökobilanz. Wer unterm Dach schläft, profitiert von der Phasenverschiebung der Holzfaser, wem die Dachhöhe oder das Budget wichtiger ist, nimmt PIR. Beide Details im Vergleich: Holzfaserdämmung.

Kann PIR im Erdreich eingesetzt werden?

PIR ist nicht für den dauerhaften Erdkontakt oder drückendes Wasser vorgesehen. Für Perimeterdämmungen werden in der Praxis überwiegend XPS oder Schaumglas eingesetzt.

Was bedeutet die Alukaschierung bei PIR Platten?

Die beidseitige Aluminiumschicht reflektiert Wärmestrahlung und verbessert die Wärmeleitgruppe von 027 auf 023 – rund 15 % mehr Dämmleistung bei gleicher Dicke. Zugleich wirkt sie als Dampfsperre: Bei der Aufsparrendämmung ersetzt das alukaschierte System mit verklebten Stößen die separate Dampfbremsfolie. Vlieskaschierte Platten sind dafür putzfähig und kommen im WDVS oder unter Estrich zum Einsatz.

Ist PIR ein sommerlicher Hitzeschutz?

PIR erzielt hervorragende Dämmwerte im Winter, erreicht beim sommerlichen Hitzeschutz jedoch nicht die Speicherfähigkeit schwerer Dämmstoffe wie Holzfaser oder Zellulose. In Dachgeschossen kann dies bei starker Sonneneinstrahlung spürbar werden.

Fazit: Wenn Zentimeter über das Projekt entscheiden

PUR und PIR kaufen Platz: weniger Dacherhöhung bei der Aufsparrendämmung, passende Türen im Altbaufußboden, schlanke Flachdachaufbauten. Wo dieser Platz nichts wert ist, rechnet sich der Aufpreis nicht, wo er über Genehmigung, Wohnfläche oder Machbarkeit entscheidet, ist PIR konkurrenzlos.
Die Faustregel: Erst prüfen, ob der günstige Dämmstoff in den verfügbaren Raum passt; erst wenn nicht, die Hochleistungsklasse einkaufen.

Bild: KI generiert

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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