Letzte Aktualisierung am 9. Juni 2026
Meeresrauschen in den Ohren, ein salziger Geruch in der Nase und Wind in den Haaren – ein Reetdach erinnert unweigerlich an unbeschwerte Urlaubstage an der Küste. Gerade in Norddeutschland ist das Reetdach eine weit verbreitete Dacheindeckung. Vor allem bei älteren Häusern im Norden besteht das Dach oft aus getrocknetem Schilfrohr. Doch auch bei einem Neubau, könnte das Reetdach dem Haus das gewisse Etwas geben und außerdem stets die Erinnerungen an die entspannten Urlaube an Nord- und Ostsee wecken. Doch eignet sich die Dacheindeckung wirklich für den Hausbau?
Woraus besteht ein Reetdach?
Das Reetdach zählt zu den ältesten Möglichkeiten sein Dach einzudecken. Die alte Bautradition geht vor allem auf die Natürlichkeit der Dacheindeckung zurück. Das Reet, also der Baustoff, der dem Reetdach seinen Namen verleiht, ist Schilfrohr, das vor allem an Ufern oder auf sumpfigem Gelände wächst – kein Wunder also, dass es vor allem in den nördlichen Küstenregionen Deutschlands so beliebt ist. Um es als Dacheindeckung zu verwenden, wird das Schilfrohr getrocknet.
Dachdecker können das Reetdach auf drei verschiedenen Wegen aufbauen:
- Geschraubtes Dach
- Genähtes Dach
- Gebundenes Dach
Für die Arbeit mit Reet hat sich unter Dachdeckern eine eigene Sparte entwickelt, die man als Reetdachdeckerei bezeichnet. Dazu ist besonderes handwerkliches Können nötig, Reetdächer gelten außerdem als Kulturerbe. In Teilen Norddeutschlands wird die Eindeckung von Häusern mit einem traditionellen Reetdach sogar durch Bebauungspläne vorgeschrieben. Um das Dach einzudecken, werden einzelne Lagen des Schilfes auf einer glatten Fläche ausgelegt und mit Draht gebunden.
Das Reetdach in der Vergangenheit
Reet fand seine Verwendung in der Geschichte nicht nur als Dacheindeckung, sondern beispielsweise auch zur Bestickung von Deichen. In der Vergangenheit war das getrocknete Schilfrohr als Baustoff so beliebt, weil es sich um einen natürlichen Rohstoff handelt, der gerade in Uferregionen häufig vorkommt und dementsprechend leicht aufzubringen war. Anders als Dachziegel, die aufwendig hergestellt werden mussten, war das Schilfrohr stets lokal verfügbar.
Reet gilt sogar als einer der ersten Baustoffe, der zur Bedachung von Häusern verwendet wurde. Vor allem in ländlichen Regionen war das Reetdach lange die dominierende Dacheindeckung, während mit der Urbanisierung im Mittelalter das Reetdach in den Städten langsam verschwand.
Reetdach beim Neubau?
Wer einen Neubau plant und seinem Haus ein traditionelles Äußeres verleihen möchte, könnte mit dem Reetdach an der richtigen Adresse sein. Doch ist es sinnvoll, diese Dacheindeckung heute noch für moderne Häuser zu verwenden? Generell eignet sich das Reetdach wohl eher für freistehende Einfamilienhäuser, für andere Haustypen erscheint es einfach zu speziell. Außerdem sollte man bei der Kostenkalkulation für den Hausbau einplanen, dass eine Dacheindeckung mit Reet durch die komplizierte Bedachung deutlich teurer ist, als die Eindeckung eines herkömmlichen Ziegeldaches. Darüber hinaus lässt sich das Reetdach nicht bei allen Dachformen verwenden.
Sollten Sie das jedoch berücksichtigt haben und trotzdem noch ernsthaft ein Reetdach in Erwägung ziehen, werfen Sie einen Blick auf die Vor- und Nachteile des Reetdaches.
Vorteile des Reetdaches
- Reet besteht aus nachwachsendem Schilfrohr und gilt dabei als besonders ökologischer Baustoff
- Bietet eine gute Schalldämmung
- Gilt als widerstandsfähig gegenüber Witterung
- Bei guter Wartung sehr langlebig
- Traditionelle, ansprechende Optik
- Feuchtigkeitsregulierend
Nachteile des Reetdaches
- Teurer als andere Dacheindeckungen
- Besonders wartungsbedürftig, meist einmal jährlich
- Erhöhtes Brandrisiko, dementsprechend strenge Brandschutzbestimmungen
- Nur erfahrene Dachdecker können ein Reetdach eindecken
Mit dem Reetdach die Tradition am Leben halten
Die Entscheidung für ein Reetdach sollte vor allem aus Überzeugung geschehen. Zwar geht es mit höherem Aufwand einher: so ist nicht nur die Wartung teurer als bei anderen Dächern, auch die Versicherung eines Hauses mit Reetdach wird höher ausfallen als bei einem Ziegeldach. Doch man kann sich auch sicher sein, mit dem Eigenheim herauszustechen. Ein sogenanntes Reethaus erzeugt eine gemütliche und rustikale Atmosphäre. Außerdem hält man als Bauherr so diese traditionelle Dacheindeckung weiterhin am Leben.
Was kostet ein Reetdach pro Quadratmeter?
Ein Reetdach kostet inklusive Verlegung 180 bis 350 Euro pro Quadratmeter. Das Material macht 80 bis 150 Euro aus, die spezialisierte Verlegung 100 bis 200 Euro pro qm. Für ein typisches Reetdachhaus mit 150 Quadratmeter Dachfläche bedeutet das 27.000 bis 52.500 Euro Gesamtkosten – deutlich teurer als ein Tonziegel-Dach.
| Position | Kosten pro qm |
|---|---|
| Reet-Material (Qualität A) | 80 bis 120 Euro |
| Reet-Material (Premium) | 120 bis 150 Euro |
| Bindedraht und Befestigung | 5 bis 12 Euro |
| Spezialisierte Verlegung (Reetdachdecker) | 100 bis 180 Euro |
| Firstfirst (Heide oder Ziegel) | 15 bis 35 Euro pro lfd. Meter |
| Sanierung Dachstuhl (falls noetig) | 30 bis 80 Euro pro qm |
Reet ist ein Premium-Naturmaterial: hochwertige Daemmung, regionaler Charme, hohe Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren. Die spezialisierten Reetdachdecker arbeiten oft nur in der Norddeutschen Region zwischen Nordsee, Ostsee und Bremen. Eine Vermittlung von Reetdachdeckern finden Sie über unsere Plattform.
Welche Faktoren treiben den Preis?
- Reet-Qualität: Die besten Halme aus Polen, Ungarn oder Norddeutschland sind 30 bis 50 Prozent teurer als Importware aus China oder Tuerkei, halten aber doppelt so lang
- Dachneigung: Reetdaecher brauchen mindestens 45 Grad Neigung für Wasserablauf. Steile Daecher (50-60 Grad) sind aufwendiger zu verlegen, +20 bis 30 Prozent Arbeitskosten
- Dichte der Reetschicht: Standard sind 30 cm Dicke, Premium 35-40 cm für laengere Haltbarkeit. Aufpreis 15 bis 25 Prozent
- Brandschutz: In manchen Bundeslaendern Pflicht zur Spruehschutz-Impraegnierung, 8 bis 15 Euro pro qm zusaetzlich
- Anbauten: Schornsteine, Dachfenster und Anschluesse erhöhen den Aufwand um 200 bis 600 Euro pro Stueck
- Regionale Verfuegbarkeit: Reetdachdecker sind selten – die Anfahrtspauschale faellt oft hoeher aus als bei normalen Dachdeckern
Wann lohnt sich ein Reetdach?
Reetdaecher sind keine Massenware – sie lohnen sich vor allem in drei Situationen: Denkmalschutz, Regionaltypischer Wiederherstellung oder gezielte Architektur-Entscheidung für ein hochwertiges Naturmaterial. Auf einem normalen Reihenhaus in Sueddeutschland wird ein Reetdach weder optisch noch wirtschaftlich Sinn machen.
- Lohnt sich bei: Bestand-Reetdach renovieren, denkmalgeschuetzte Haeuser, Ferienhaus in Norddeutscher Tradition, hoher Anspruch an Natur-Aesthetik
- Nicht sinnvoll bei: Standard-Einfamilienhaus ohne regional-typische Lage, knappes Budget, fehlende Reetdachdecker in der Naehe
- Sonderpflicht: In Schleswig-Holstein und Niedersachsen gelten teilweise erhöhte Brandschutzauflagen mit Abstaenden zum Nachbar (typisch 12 bis 15 Meter)
Im Vergleich zu anderen Eindeckungsarten ist Reet das teuerste Material. Den Vergleich finden Sie unter Dach neu decken Kosten.
Häufige Fragen zum Reetdach
Wie lange haelt ein Reetdach?
Bei guter Verlegung und regelmaessiger Wartung 30 bis 50 Jahre. Wichtig: Reetdaecher müssen gleichmaessig austrocknen können. Schattenlage unter großen Baeumen verkuerzt die Lebensdauer auf 20 bis 30 Jahre. Sonnige Lage mit guter Belueftung erreicht die 50 Jahre.
Welche Versicherung braucht ein Reetdach?
Die Wohngebaeudeversicherung kostet bei Reetdach 50 bis 150 Prozent mehr als bei Standard-Eindeckung, weil das Brandrisiko hoeher ist. Manche Versicherer schliessen Reetdach komplett aus. Vor Sanierung lohnt sich der Versicherungs-Check, sonst stehen Sie am Ende ohne Schutz da.
Wird ein Reetdach gefördert?
Eine Reet-Eindeckung als reine Materialwahl wird nicht direkt gefördert. Bei Kombination mit zeitgemaesser Daemmung greift BAFA-Förderung für den Daemmungs-Anteil. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen gibt es teilweise regionale Foerderprogramme für denkmalgeschuetzte Reetdach-Haeuser. Mehr unter Dachsanierung Förderung.
Welche Pflege braucht ein Reetdach?
Alle 5 bis 8 Jahre sollte ein Reetdachdecker das Dach inspizieren und ggf. Moos entfernen. Kleine Schadenstellen lassen sich oft punktuell ausbessern (300 bis 800 Euro pro Reparatur). Bei normaler Witterung gibt es alle 15 bis 25 Jahre eine groessere Sanierung mit teilweisem Austausch der oberen Schicht (50 bis 100 Euro pro qm).
Was kostet ein Reetdach für ein typisches Haus?
Bei einem 150-Quadratmeter-Reetdach zahlen Sie 27.000 bis 52.500 Euro Komplett-Kosten inklusive Material und Verlegung. Mit Gerüst (1.500 bis 4.000 Euro), Entsorgung Altmaterial (1.500 bis 3.000 Euro) und Brandschutzimpragnierung (1.200 bis 2.250 Euro) liegen die Gesamtkosten bei 31.200 bis 61.750 Euro.





Vielen dank für diese hilfreiche Auflistung der Vor- und Nachteile eines Reetdaches. Mir hat diese Art von Dach schon immer gefallen und mein Dachdecker Freund meinte letztens zu mir, dass er mir dabei helfen würde bei meinem eigenem Heim. Bei den Vorteilen hat mir gut gefallen, dass es feuchtigkeitsregulierend wirkt und denke nun ich will eins!