Verpasse nicht diese Infos!

Hier kannst du dich für unseren wöchentlichen Newsletter anmelden:

Wann lohnt sich Schaumglas als Dämmstoff?

Lesedauer 4 Minuten

Der Spezialist für sehr hohe Belastungen: aufgeschäumtes Recyclingglas, wasserundurchlässig und praktisch ohne Wasseraufnahme, dampfdicht, unverrottbar und so druckfest, dass ganze Gebäude darauf gegründet werden. Dafür kostet es 30 bis 60 € pro m², das Doppelte von XPS.
Schaumglas wird überall dort eingesetzt, wo herkömmliche Dämmstoffe an ihre Grenzen stoßen: lastabtragende Dämmung unter Bodenplatten, Flachdächer mit hoher Belastung und der Erdkontakt ohne Kompromisse.

Was ist Schaumglas?

Ausgangsstoff ist Altglas, das gemahlen, mit Kohlenstoff versetzt und bei 1.000 °C aufgeschäumt wird. Es entstehen Millionen hermetisch geschlossener Glaszellen. Daher die einzigartige Kombination: kein Wasser, kein Dampf, kein Gas kommt durch. Erhältlich als Platten (Marke “Foamglas”) oder als Schotter aus gebrochenem Schaumglas, der gleich zwei Jobs übernimmt: Dämmung und kapillarbrechende Tragschicht unter der Bodenplatte.

Die Eigenschaften im Überblick

EigenschaftWert
Wärmeleitgruppe (WLG)040 bis 050 (Platten), Schotter ca. 080
BrandverhaltenA1 – nicht brennbar
Wasseraufnahmewasserundurchlässig und praktisch ohne Wasseraufnahme
Dampfdiffusiondampfdicht (μ ≈ unendlich), eigene Dampfsperre
DruckfestigkeitDruckfestigkeit bis etwa 1.600 kPa (≈160 t/m²)
Lebensdauerpraktisch unbegrenzt, unverrottbar
Preis pro m² (100 mm Platte)30 bis 60 €

Wo lohnt sich Schaumglas?

  • Lastabtragende Dämmung: kann die kapillarbrechende Schicht und die Wärmedämmung in einem Aufbau übernehmen
  • Perimeterdämmung bei drückendem Wasser: Schaumglas eignet sich besonders für dauerhaft feuchte oder hoch belastete Bereiche. In vielen Standardanwendungen genügt dagegen zugelassenes XPS vollständig, Details im Beitrag Perimeterdämmung
  • Genutzte Flachdächer: Parkdecks, Dachterrassen mit hoher Last: Die dampfdichte Struktur macht zusätzliche Dampfsperren überflüssig
  • Brandschutzsonderfälle: A1-Anforderung plus Feuchtelast gleichzeitig
  • Historische Bauten: Unverrottbar auch in dauerfeuchten Gewölben und Sockelzonen

Beispielrechnung: Bodenplatte mit Schaumglasschotter

Ein Neubaueinfamilienhaus mit 120 m² Bodenplatte zeigt, wie Schaumglasschotter kalkuliert wird: Bei 30 cm verdichteter Schichtdicke werden rund 45 Kubikmeter Schotter benötigt (Verdichtungsfaktor 1,3 einrechnen). Der Kubikmeter kostet 70 bis 110 € frei Baustelle.

PositionKosten
Schaumglasschotter 45 m³ (lose)3.150 bis 4.950 €
Anlieferung (Silo-LKW)300 bis 600 €
Einbau und Verdichten (Bagger, Rüttelplatte)900 bis 1.800 €
Geotextilvlies (Trennlage)240 bis 480 €
Gesamt4.600 bis 7.800 €

Zum Vergleich: Die konventionelle Lösung aus Kiesschicht plus XPS-Platten plus Sauberkeitsschicht liegt bei 4.000 bis 6.500 €. Der Mehrpreis für Schaumglasschotter ist also klein, dafür entfallen zwei Arbeitsgänge und die Wärmebrücke der Streifenfundamente. Im Altbaukontext lohnt sich der Blick auf die Alternative im Beitrag Perimeterdämmung.

Verarbeitung: Platten und Schotter im Detail

Schaumglasplatten verlegen

  1. Untergrund vorbereiten: Eben, tragfähig, mit Voranstrich aus Bitumen grundieren
  2. Platten in Heißbitumen einlegen: Vollflächig und fugenversetzt, die Bitumenschicht verklebt und dichtet zugleich
  3. Fugen vergießen: Auch die Stoßfugen werden mit Bitumen gefüllt, so entsteht eine homogene, dampfdichte Ebene
  4. Oberseite abdichten: Je nach System Bitumenbahn oder Deckabstrich als Abschluss

Die Heißbitumenverlegung ist nichts für den Eigenbau. Sie verlangt Fachbetriebe mit Erfahrung im Flachdach- oder Abdichtungsbau. Kalt verklebbare Systeme mit PU-Kleber existieren, sind aber teurer und seltener zugelassen.

Schaumglasschotter einbauen

  1. Baugrubensohle planieren und Geotextilvlies als Trennlage auslegen
  2. Schotter schütten: Lose Schütthöhe = gewünschte Endhöhe mal 1,3 (Verdichtungsreserve)
  3. Lagenweise verdichten: Mit Rüttelplatte in Lagen von maximal 30 cm, der Schotter verzahnt sich dabei zu einer stabilen Schicht
  4. Zweites Vlies auflegen, darauf folgt direkt die Sauberkeitsschicht oder Bodenplatte

Der Schottereinbau gelingt unter Anleitung auch versierten Selberbauern. Das Material ist leicht (130 bis 170 kg/m³), staubarm und schneidet nicht. Wer den Bagger selbst bedienen kann, spart die Einbaukosten fast komplett.

Nachhaltigkeit: Recyclingglas mit langem Leben

Schaumglas besteht zu über 60 % aus Recyclingglas und ist selbst wieder vollständig recycelbar. Alter Schaumglasschotter wandert gereinigt zurück in den Kreislauf oder dient als Schüttmaterial. Die hohe Herstellungsenergie (Schmelzprozess) relativiert sich über die praktisch unbegrenzte Lebensdauer: besitzt eine sehr hohe Lebensdauer und verliert dabei praktisch keine Dämmwirkung. Für Bauherren, die Wert auf wartungsfreie Konstruktionen legen, ist das ein gewichtiges Argument gegenüber organischen Dämmstoffen mit 30 bis 50 Jahren Lebenserwartung.

Schaumglas am Flachdach: Das Kompaktdach

Eine Spezialität verdient eigene Erwähnung: das Kompaktdach. Dabei werden Schaumglasplatten vollflächig in Heißbitumen auf die Betondecke geklebt, alle Fugen vergossen und die Abdichtung direkt aufgeschweißt. Es entsteht ein hohlraumfreier, komplett dampfdichter Verbund ohne separate Dampfsperre.
Das Besondere: Selbst wenn die Abdichtung irgendwann ein Leck bekommt, kann Wasser nicht unter der Dämmung wandern. Der Schaden bleibt punktuell und ist einfach zu orten. Bei konventionellen Flachdachaufbauten läuft eindringendes Wasser dagegen unkontrolliert zwischen den Schichten und tritt meterweit entfernt aus. Deshalb ist das Kompaktdach Standard bei kritischen Nutzungen: Operationssäle, Rechenzentren, Museen, überall dort, wo ein Wasserschaden nicht passieren darf. Im privaten Bereich lohnt es bei hochwertig genutzten Flachdächern wie Dachterrassen mit aufwendigem Belag. Das Kompaktdach zählt zu den langlebigsten Flachdachkonstruktionen überhaupt.

Häufige Fragen zu Schaumglas

Wie gut dämmt Schaumglas?

Mit Wärmeleitgruppen zwischen 040 und 050 erreicht Schaumglas nicht ganz die Dämmleistung moderner Hochleistungsdämmstoffe wie PIR (WLG 023) oder XPS (WLG 035). Für dieselbe Dämmwirkung sind daher größere Dämmstärken erforderlich. Seine Stärke liegt nicht in der maximalen Wärmedämmung, sondern in der einzigartigen Kombination aus Druckfestigkeit, Feuchtigkeitsbeständigkeit und Brandschutz. Wo diese Eigenschaften gefragt sind, spielt die etwas geringere Dämmleistung meist nur eine untergeordnete Rolle.

Kann Schaumglas schimmeln?

Nein. Schaumglas besteht vollständig aus Glas und bietet weder Feuchtigkeit noch organische Bestandteile, auf denen Schimmel wachsen könnte. Da das Material weder Wasser aufnimmt noch verrottet, bleibt seine Dämmwirkung auch nach Jahrzehnten erhalten. Schimmel kann lediglich auf angrenzenden Baustoffen entstehen, wenn dort Feuchtigkeit eindringt.

Vorteile und Nachteile von Schaumglas

Vorteile

  • nicht brennbar (A1)
  • wasserundurchlässig
  • dampfdicht
  • extrem druckfest
  • unverrottbar
  • schimmelresistent
  • nagetiersicher
  • recycelbar
  • sehr langlebig

Nachteile

  • hoher Preis
  • schlechtere Dämmwirkung als PIR oder XPS
  • höheres Eigengewicht
  • Verarbeitung meist nur durch Fachbetriebe
  • wirtschaftlich nur bei Spezialanwendungen

Warum ist Schaumglas so teuer?

Der Schmelzprozess bei 1.000 °C ist energieintensiv, die Nachfrage klein und spezialisiert. Der Aufpreis kauft Eigenschaften, die kein anderer Dämmstoff vereint: A1-Brandschutz plus Wasserdichtheit plus extreme Druckfestigkeit plus unbegrenzte Lebensdauer. Wo nur eine davon gebraucht wird, gibt es günstigere Spezialisten.

Schaumglasschotter oder XPS unter der Bodenplatte?

Schaumglasschotter ersetzt die kapillarbrechende Kiesschicht gleich mit und ist diffusionsoffen nach unten, bauphysikalisch die elegantere Lösung. XPS dämmt pro Zentimeter besser und ist bei dünnen Aufbauten günstiger. Im Neubau entscheidet oft der Statiker mit.

Kann Schaumglas im Wohnbereich eingesetzt werden?

Technisch ja, wirtschaftlich selten sinnvoll. Im trockenen Innenbereich erledigen Mineralwolle oder EPS denselben Job für ein Drittel des Preises. Schaumglas spielt seine Stärken nur dort aus, wo Wasser, Druck oder Brandschutzsonderanforderungen herrschen.

Wie wird Schaumglas verarbeitet?

Platten werden in heißem Bitumen oder Spezialkleber vollflächig verlegt. Das ist Fachbetriebsarbeit. Schaumglasschotter wird wie Kies geschüttet und verdichtet, was auch im Eigenbau gelingt. Beim Schneiden der Platten entsteht Glasstaub: Staubmaske tragen.

Wie unterscheiden sich Schaumglasplatten und Schaumglasschotter?

Die Platte ist das Präzisionsprodukt: exakte Maße, höchste Druckfestigkeit, dampfdicht verklebbar – für Kompaktdächer, Perimeterwände und lastabtragende Sonderfälle. Der Schotter ist gebrochenes Schaumglas als Schüttgut: günstiger, schnell einzubauen, aber mit schwächerer Dämmwirkung pro Zentimeter (WLG um 080), weshalb die Schicht 30 bis 50 cm dick ausfällt. Unter Bodenplatten kommt in der Praxis häufig Schaumglasschotter zum Einsatz, an Wänden und Dächern die Platte.

Bild: KI generiert

Weitere Beiträge

Heizung & Klima 2026: Wärmepumpe, Pellets, KfW-458-Förderung
Solar & Energie 2026: PV-Kosten, Speicher, Solarpflicht, KfW
Bad, Küche & Sanitär 2026: Sanierung, KfW 159, DIN 18040-2

Handwerker-Vermittlung

Kostenlose Angebote in 48 Stunden.

Anfrage stellen
2 Mio+Anfragen
150 k+Handwerker
48 hØ Reaktion
20Jahre Erfahrung
Nach oben scrollen