Styrodur ist der bekannteste Markenname für XPS (extrudierter Polystyrol-Hartschaum) – den druckfesten, wasserresistenten Dämmstoff für alle Einsatzorte, an denen normale Dämmplatten versagen: im Erdreich, unter der Bodenplatte, auf dem Flachdach. XPS kostet 15 bis 30 € pro m² bei 100 mm Stärke und besitzt eine sehr lange Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten und zeigt auch im Erdreich nur geringe Alterungserscheinungen. Wir erklären die Eigenschaften, den Unterschied zu Styropor und alle Einsatzgebiete.
Was ist Styrodur und was ist XPS?
XPS steht für extrudiertes Polystyrol: Der Kunststoff wird geschmolzen und durch eine Düse gepresst, dabei entsteht ein geschlossenzelliger Hartschaum. Die geschlossenen Zellen machen den Unterschied, sie lassen kein Wasser eindringen und verleihen hohe Druckfestigkeit. “Styrodur” ist die XPS-Marke von BASF (typisch grün), daneben gibt es “Jackodur” (lila), “Austrotherm XPS” (rosa) und weitere, technisch sind alle vergleichbar,
Styropor oder Styrodur: Was ist der Unterschied?
| Eigenschaft | Styropor (EPS) | Styrodur (XPS) |
|---|---|---|
| Herstellung | expandiert (verschweißte Kugeln) | extrudiert (geschlossene Zellen) |
| Preis pro m² (100 mm) | 8 bis 15 € | 15 bis 30 € |
| Druckfestigkeit | gering bis mittel | sehr hoch (bis zu 70 t/m²) |
| Wasseraufnahme | nimmt Feuchte auf | praktisch keine |
| WLG | 032 bis 040 | 032 bis 038 |
| Einsatz | Fassade (WDVS), Geschossdecke | Erdreich, Flachdach, Bodenplatte |
Die einfache Merkregel: EPS überall dort, wo es trocken und lastfrei bleibt, XPS überall, wo Wasser oder Druck im Spiel ist. Normales Fassaden-EPS ist für den dauerhaften Erdkontakt ungeeignet. Für Perimeterdämmungen werden überwiegend XPS oder speziell zugelassenes Perimeter-EPS eingesetzt.
Wo wird XPS eingesetzt?
- Perimeterdämmung: An erdberührten Kellerwänden ist XPS der Standard – druckfest gegen das Erdreich, unempfindlich gegen Feuchte. Details im Beitrag Perimeterdämmung
- Lastabtragende Dämmung unter der Bodenplatte: Spezielle XPS-Typen tragen das komplette Gebäudegewicht
- Umkehrdach: Beim Flachdach liegt XPS über der Abdichtung und schützt sie vor UV und Temperaturstress
- Sockeldämmung: In der Spritzwasserzone zwischen Erdreich und Fassade, siehe Sockeldämmung
- Bodendämmung unter Estrich: Bei hohen Lasten (Garage, Gewerbe)
- Laibungen und Wärmebrücken: Dünne XPS-Platten (20 bis 40 mm) für Detaildämmung
Was kostet XPS?
| Plattenstärke | Preis pro m² |
|---|---|
| 40 mm | 8 bis 14 € |
| 60 mm | 11 bis 18 € |
| 80 mm | 14 bis 24 € |
| 100 mm | 15 bis 30 € |
| 140 mm | 22 bis 40 € |
| 200 mm (Bodenplatte) | 35 bis 60 € |
XPS kostet etwa 50 bis 100 % mehr als EPS gleicher Stärke. Hochdruckfeste Spezialtypen (700 kPa für Bodenplatten) liegen nochmals 30 bis 50 % darüber. Die Verarbeitung durch den Fachbetrieb schlägt je nach Anwendung mit 15 bis 40 € pro m² zu Buche.
Vor- und Nachteile von XPS
- Stärken: Höchste Druckfestigkeit aller gängigen Dämmstoffe, keine Wasseraufnahme, verrottungsfest, unbegrenzt haltbar im Erdreich, einfach zu schneiden
- Schwächen: XPS ist ein brennbarer Dämmstoff und erreicht je nach Produkt üblicherweise die Euroklasse E, nicht diffusionsoffen, UV-empfindlich (muss abgedeckt werden), petrochemische Herstellung, teurer als EPS
- Nicht geeignet für: Steildachzwischensparrendämmung (zu starr), überall wo Brandschutz A1 gefordert ist. Für klassische Innendämmungen von Wohnräumen werden meist diffusionsoffenere Systeme bevorzugt. XPS kommt jedoch in speziellen Anwendungsfällen wie Kellern oder Feuchträumen zum Einsatz.

Beispielrechnung: Perimeterdämmung mit XPS
Das Kernprojekt für XPS am Bestandsbau: Die Kellerwände eines Einfamilienhauses (80 m² erdberührte Fläche) werden im Zuge einer Kellerabdichtung gleich mitgedämmt:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Erdarbeiten (Freilegen, 80 m²) | 2.400 bis 4.800 € |
| Bitumendickbeschichtung | 800 bis 1.600 € |
| XPS-Platten 120 mm (80 m²) | 1.440 bis 2.400 € |
| Verkleben und Drainagevlies | 800 bis 1.600 € |
| Verfüllen und Verdichten | 800 bis 1.600 € |
| Gesamt | 6.240 bis 12.000 € |
| Nach BAFA-Zuschuss (15-20 %) | 5.000 bis 10.200 € |
Die Erdarbeiten dominieren die Rechnung – deshalb die goldene Regel: XPS-Dämmung immer dann, wenn die Baugrube ohnehin offen ist (Abdichtung, Drainage, Neubau). Der reine Dämmanteil ist mit 2.200 bis 4.000 € überschaubar. Die bauphysikalischen Details stehen im Beitrag Perimeterdämmung.
XPS verarbeiten: Die wichtigsten Regeln
- Zuschnitt: Mit feinzahnigem Fuchsschwanz oder Heißdrahtschneider, XPS schneidet sich sauber und staubarm
- Verkleben im Erdreich: Mit Bitumenkleber oder PU-Kleber punktuell auf die abgedichtete Wand – niemals mechanisch dübeln, das perforiert die Abdichtung
- Stufenfalz nutzen: Platten mit Stufenfalz verlegen sich wärmebrückenfrei – Stoßfugen ohne Falz versetzt anordnen
- Schutz vor UV: XPS vergilbt und versprödet unter Sonnenlicht – auf der Baustelle abdecken, im Sockelbereich zügig verputzen
- Lösungsmittel meiden: Bitumenkaltkleber mit Lösungsmitteln greifen XPS an – nur als “XPS-geeignet” deklarierte Kleber verwenden
Das Umkehrdach: XPS-Spezialität auf dem Flachdach
Beim klassischen Warmdach liegt die Dämmung unter der Abdichtung, beim Umkehrdach genau umgekehrt: XPS-Platten liegen lose auf der Abdichtung, beschwert mit Kies oder Terrassenplatten. Nur XPS übersteht diese Lage dauerhaft, weil Regenwasser ungehindert durch die Fugen ablaufen kann, ohne dem Dämmstoff zu schaden.
Die Vorteile: Die Abdichtung liegt geschützt vor UV, Hagel und Temperaturstress (ihre Lebensdauer verdoppelt sich), und die Sanierung eines Bestandsflachdachs gelingt ohne Abriss der alten Abdichtung. Mehrkosten gegenüber dem Warmdach: 10 bis 20 % – die längere Lebensdauer der Abdichtung holt das wieder herein.
Mehr zu Flachdachaufbauten im Beitrag Dachdämmung: Arten und Kosten.
Häufige Fragen zu Styrodur und XPS
Ist Styrodur wasserdicht?
Praktisch ja: Die geschlossenen Zellen nehmen unter 0,7 Volumen-% Wasser auf, deshalb ist XPS als einziger gängiger Dämmstoff für den dauerhaften Erdkontakt und XPS ist der heute mit Abstand am häufigsten eingesetzte Dämmstoff für Umkehrdächer. Eine Bauwerksabdichtung ersetzt XPS trotzdem nicht, es schützt sie nur.
Kann ich Styrodur für die Fassade nehmen?
Im Sockel- und Erdbereich ja, oberhalb davon ist es unnötig teuer und wegen der dampfdichten Struktur sogar nachteilig. Für die Fassade über dem Sockel sind EPS oder Mineralwolle im WDVS die richtige Wahl, siehe Fassadendämmung.
Welche XPS-Stärke brauche ich?
Für die Perimeterdämmung nach GEG 100 bis 140 mm, für BAFA-Förderung (U-Wert 0,25 W/m²K) meist 120 bis 160 mm. Unter der Bodenplatte werden 120 bis 200 mm verlegt. Bei Wärmebrückendetails reichen 20 bis 60 mm.
Wie wird XPS entsorgt?
Sauberes XPS aus Neubauverschnitt geht als Wertstoff zurück in die Verwertung. Ausbaumaterial wird über die Müllverbrennung entsorgt (Baumischabfall, 150 bis 250 € pro Tonne). Altes XPS mit HBCD-Flammschutz (vor 2016) ist überwachungsbedürftig, HBCD-haltige Altplatten unterliegen besonderen Entsorgungsanforderungen und müssen getrennt betrachtet werden.
Kann man XPS verputzen oder streichen?
Ja, im sichtbaren Sockelbereich wird XPS mit gewebearmiertem Sockelputz überzogen, gestrichen wird der Putz, nie die nackte Platte. Wichtig ist die angeraute oder waffelgeprägte Plattenoberfläche als Putzträger; glatte XPS-Platten müssen vorher angeschliffen werden, sonst fehlt dem Putz die Haftung.
Ist Styrodur umweltschädlich?
XPS ist ein petrochemisches Produkt, die Herstellung kostet Energie und Erdöl. Seit 2016 sind allerdings die klimaschädlichen HBCD-Flammschutzmittel und die früher kritisierten HFKW-Treibgase verboten; Moderne XPS-Platten werden heute mit deutlich klimafreundlicheren Treibmitteln hergestellt als frühere Generationen. Über die Nutzungsdauer spart eine XPS-Perimeterdämmung das 50- bis 100-fache ihrer Herstellungsenergie an Heizwärme ein. Wer dennoch mineralisch bauen will, greift im Erdreich zu Schaumglas, zum etwa doppelten Preis.
Grafik und Bild: KI generiert




