Rechnen Sie für den Rohbau eines Einfamilienhauses im Bundesdurchschnitt mit 700 bis 900 € pro m² Wohnfläche. Für ein Haus mit 150 m² Wohnfläche belaufen sich die Kosten somit auf 105.000 bis 135.000 € rein für die Erstellung der Gebäudehülle. Dieser Richtwert umfasst alle gewöhnlichen Rohbauarbeiten vom Aushub und dem Gießen der Bodenplatte über das Aufmauern der Wände und das Einziehen der Betondecken bis hin zum Zimmern des Dachstuhls. Welche Kostenpunkte im Detail auf Sie zukommen, wie sich die Materialauswahl auswirkt und wie Sie bei den Rohbauarbeiten sparen können, erfahren Sie in dieser Übersicht.
Was kostet ein Rohbau pro m² im Überblick?
Die Gesamtkosten für den Rohbau machen etwa 40 bis 50 % der gesamten Baukosten eines schlüsselfertigen Hauses aus. Bei einem Neubau müssen Sie für Erdarbeiten, Fundament, Mauerwerk, Decken und Dachstuhl mit festen Budgets kalkulieren. Die Kosten variieren je nach Region, Bodenbeschaffenheit und der gewünschten Bauweise des Hauses.
| Gewerk / Bauabschnitt | Kostenanteil | Kostenbereich (150 m² Haus) |
|---|---|---|
| Erdarbeiten & Bodenplatte / Fundament | ca. 15 % | 15.000 bis 30.000 € |
| Mauerwerk, Betonarbeiten & tragende Wände | ca. 40 % | 40.000 bis 60.000 € |
| Betondecken & Treppen | ca. 15 % | 15.000 bis 25.000 € |
| Dachstuhl & Holzarbeiten | ca. 25 % | 25.000 bis 35.000 € |
| Zusatzleistungen (Baustelle, Gerüst, Entsorgung) | ca. 5 % | 5.000 bis 10.000 € |
Die genaue Verteilung der Kosten hängt stark von der Architektur ab. Ein einfacher, quadratischer Baukörper ohne Erker oder Vorsprünge ist in der Ausführung durch die Rohbaufirma günstiger als ein verwinkeltes Architektenhaus. Detaillierte Angaben zu den reinen Maurerleistungen finden Sie in unserer Übersicht über die Kosten für Mauerarbeiten.
Materialkosten: Welche Baustoffe kosten was?
Die Auswahl der Steine für das Mauerwerk beeinflusst sowohl den Materialpreis als auch die spätere Arbeitszeit der Maurer. Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf Schallschutz, Wärmedämmung und Tragfähigkeit auf, was sich direkt im Preis pro m² Wandfläche niederzuschlägt.
| Baustoff | Eigenschaften | Materialpreis pro m² Wand |
|---|---|---|
| Porenbeton (z. B. Ytong) | Hervorragende Wärmedämmung, leichtes Material | 45 bis 65 € |
| Kalksandstein | Sehr guter Schallschutz, hohe Rohdichte | 50 bis 75 € |
| Ziegel / Poroton (mit Dämmfüllung) | Traditioneller Allrounder, gute Dämmung | 55 bis 80 € |
| Transportbeton (z. B. C25/30) | Für Decken, Säulen und Kellerwände (pro m³) | 130 bis 160 € |
Kalksandstein wird wegen seiner hohen Masse oft für tragende Innenwände genutzt. Porenbeton hat ein geringes Gewicht und exzellenten Dämmeigenschaften, deshalb eignet sich Porenbeton für Außenwände. Für einen Massivbau sollte man die verschiedenen Ziegelarten vergleichen, um den optimalen Stein für das eigene Bauvorhaben zu finden. Für spezielle Außenwände kommt häufig auch ein zweischaliges Mauerwerk infrage, das Schutz vor Schlagregen bietet.
Arbeitskosten: Was verrechnen Rohbaufirmen?
Die reine Arbeitszeit macht etwa 50 bis 60 % der Rohbaukosten aus. Ein eingetragener Maurerbetrieb kalkuliert für seine Facharbeiter im Bauhauptgewerbe mit einem Stundensatz von 50 bis 75 €. Diese Werte basieren auf den tariflichen Vorgaben und beinhalten alle Lohnnebenkosten sowie die Betriebshaftpflicht und Verwaltungskosten.
In der Praxis werden Rohbauarbeiten jedoch fast nie nach tatsächlichem Stundenaufwand abgerechnet. Stattdessen erstellt der Architekt oder Planer ein Leistungsverzeichnis nach VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen), in dem feste Einheitspreise pro m² gemauerter Wand oder pro m³ gegossener Betondecke vereinbart werden. Das gibt Ihnen als Bauherr maximale Planungssicherheit und schützt vor unvorhergesehenen Verzögerungen auf der Baustelle.
Zusatzkosten: Welche Posten kommen zum Rohbau hinzu?
Neben den Hauptgewerken fallen beim Rohbau diverse Nebenkosten an, die oft unterschätzt werden. Die Baustelleneinrichtung, die Absicherung des Geländes, die Miete für den Kran sowie die ordnungsgemäße Entsorgung des Aushubs und der Materialreste müssen fest in das Budget eingeplant werden.
| Zusatzleistung | Zweck | Kosten |
|---|---|---|
| Baustelleneinrichtung & Kran | Bauzaun, Bau-WC, Kranmiete und Baustrom | 2.000 bis 5.000 € |
| Gerüstbau (Fassadengerüst) | Sicherheit für Maurer und Zimmerer | 1.500 bis 3.000 € |
| Bauschuttentsorgung / Container | Abtransport von Erdaushub und Reststoffen | 1.000 bis 2.500 € |
| Baugenehmigung & Prüfstatik | Amtliche Gebühren und baustatische Prüfung | 2.000 bis 4.500 € |
Gerüstkosten hängen stark von der Standzeit ab. Verzögern sich nachfolgende Arbeiten wie das Richten des Dachstuhls, fallen wöchentliche Mietgebühren für das Fassadengerüst an. Auch die Baustelleneinrichtung muss bis zum Ende der Dachdeckungsarbeiten bestehen bleiben.
Keller oder Bodenplatte: Die Kosten im Vergleich
Die Entscheidung für oder gegen einen Keller ist einer der größten Kostentreiber beim Rohbau. Ein Fundament mit Bodenplatte kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus etwa 15.000 bis 30.000 €. Hierbei sind die Erdarbeiten zur Vorbereitung des Baugrunds bereits enthalten. Genauere Preisstrukturen dazu finden Sie in unserem Beitrag über die Kosten für eine Bodenplatte.
Entscheiden Sie sich stattdessen für eine Unterkellerung, müssen Sie mit zusätzlichen Kosten von 40.000 bis 70.000 € rechnen. Diese Mehrkosten entstehen durch den massiv vergrößerten Erdaushub, die aufwendigere Abdichtung gegen drückendes Wasser (oft als “Weiße Wanne” aus wasserundurchlässigem Beton) und das zusätzliche Gießen der Kellerwände. Dennoch erhöht ein Keller den Wiederverkaufswert der Immobilie und bietet wertvollen zusätzlichen Wohn- oder Lagerraum, der später nicht mehr nachgerüstet werden kann. Für die Planung verschiedener Gründungsvarianten hilft unsere Übersicht zu den unterschiedlichen Fundamenten.
Betondecken und Treppen im Rohbau
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Rohbaus sind die Zwischendecken und Treppenläufe. In modernen Wohnhäusern kommen oft Decken aus Stahlbeton zum Einsatz. Diese bieten nicht nur die notwendige statische Tragfähigkeit, sondern garantieren auch einen hervorragenden Schallschutz zwischen den Etagen. Die Kosten für eine solche Betondecke belaufen sich je nach Bauweise und Spannweite auf 100 bis 180 € pro m². Weitere Details zu den Konstruktionen und Schalungen finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Betondecke.
Für den Aufgang im Rohbau stehen meist Fertigteil-Betontreppen zur Auswahl, die direkt mit dem Kran eingehoben und im Mauerwerk verankert werden. Eine solche Rohbautreppe kostet inklusive Einbau meist 2.000 bis 4.500 €. Sie dient während der gesamten weiteren Bauphase als sicherer Aufgang für alle Ausbaugewerke und wird erst ganz am Ende mit Holz, Fliesen oder Naturstein verkleidet.
Wie können Sie bei den Rohbaukosten sparen?
Ein Rohbau erfordert zwar zwingend die Ausführung durch einen Fachbetrieb, doch es gibt für Bauherren Wege, die Gesamtkosten zu senken:
- Eigenleistungen einbringen: Einfache Hilfsarbeiten auf der Baustelle wie das Aufräumen der Baustelle, das Streichen der Holzschalungen oder das Einbringen der perimeterseitigen Dämmung am Keller können in Eigenleistung erbracht werden.
- Einfache Hausgeometrie wählen: Jeder Erker, jeder Balkon und jede komplexe Dachform erhöht die Arbeitsstunden der Zimmerer und Maurer massiv. Ein kompakter Baukörper schont das Budget am stärksten.
- Materialien über den Betrieb beziehen: Rohbaufirmen erhalten beim Baustoffhändler oft Großkundenrabatte für Zement, Steine und Bewehrungsstahl, die sie an den Bauherren weitergeben können.
- Angebote frühzeitig vergleichen: Holen Sie mindestens drei detaillierte Angebote von regionalen Bauunternehmen ein, um Leistungsverzeichnisse und Preise in Ruhe vergleichen zu können.
- Bauen in der Nebensaison vermeiden: Viele Betriebe haben im Frühjahr und Sommer Hochkonjunktur. Wer den Baustart geschickt in den späten Herbst legt (solange frostfreie Tage garantiert sind), kann von besseren Konditionen profitieren.
Bei allen Sparbemühungen sollten Sie jedoch statisch relevante Arbeiten oder den Einbau tragender Bauteile wie Stürze niemals in Eigenregie durchführen. Wie kompliziert Eingriffe in die Tragstruktur sein können, zeigt auch unser Beitrag zum Thema tragende Wand entfernen.
Häufige Fragen zu den Rohbaukosten
Wie viel % der Gesamtkosten macht der Rohbau aus?
Der Rohbau macht ca. 40 bis 50 % der gesamten reinen Baukosten aus. Der verbleibende Anteil entfällt auf den Innenausbau (Heizung, Sanitär, Elektro, Estrich, Bodenbeläge) sowie die Gestaltung der Außenanlagen.
Wie lange dauert die Erstellung eines Rohbaus?
Für ein normales Einfamilienhaus benötigt ein eingespieltes Team einer Rohbaufirma im Schnitt drei bis fünf Wochen reine Bauzeit. Verzögerungen können durch extreme Wetterlagen wie Dauerregen oder Frost entstehen, da Beton und Mörtel Mindesttemperaturen zum Aushärten benötigen.
Kann man den Rohbau im Winter errichten?
Ja, moderne Baustoffe ermöglichen das Arbeiten auch bei niedrigen Temperaturen. Allerdings darf für die meisten Mörtel- und Betonarbeiten die temperatur nicht unter 5 Grad Celsius fallen, da sonst das Wasser im Baustoff gefriert und die chemische Bindung ausbleibt. Bei Dauerfrost ruht die Baustelle.
Welcher Stein ist der günstigste für den Rohbau?
Porenbeton (auch als Gasbeton oder unter Markennamen wie Ytong bekannt) ist mit die wirtschaftlichste Lösung. Der Stein selbst ist vergleichsweise günstig, und durch das geringe Eigengewicht sowie die großen Blockmaße können die Maurer die Wände zügig hochziehen, was wertvolle Arbeitszeit spart.
Wann wird die erste Abschlagszahlung beim Rohbau fällig?
Die Zahlungen beim Hausbau richten sich meist nach dem Baufortschritt (MaBV). Die erste Abschlagszahlung wird nach Abschluss der Erdarbeiten und der Fertigstellung der Bodenplatte fällig. Weitere Raten folgen nach der Fertigstellung des Rohbaus einschließlich der Zimmererarbeiten.





