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Sichtestrich – Kosten, Eigenschaften und Farben

Letzte Aktualisierung am 20. Juli 2022 von M. Lehmann

Bild von schulzfoto / stock.adobe.com

Den meisten Bauverantwortlichen ist Estrich als Unterboden bekannt. Als Trockenestrich oder Fließestrich bildet er eine Zwischenschicht zwischen Beton und Parkett, Laminat oder Fliesen. Er gleicht Unterschiede im Boden aus, sorgt für eine ausreichende Wärmedämmung und Trittschalldämmung und leistet so einen wertvollen Beitrag in der Inneneinrichtung.

In modern eingerichteten Gebäuden, die mit dem Industrial Look aufwarten, wird dies jedoch anders gehandhabt. Hier ist der Estrich nicht mehr ein unter dem eigentlichen Bodenbelag versteckter Unterboden, sondern stellt selbst den Bodenbelag dar. Aufgrund der Sichtbarkeit des Estrichs im täglichen Gebrauch spricht man hier auch von Sichtestrich. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten für den Bodenbelag aus Sichtestrich es gibt, wie dieser verlegt wird – inklusive Imprägnierung – und was seine Vorteile und Nachteile sind. Daneben gibt es wertvolle Informationen zu Gestaltungsmöglichkeiten mit Sichtestrich. Auch die Kosten eines Bodenbelags aus Sichtestrich und die Kombinierbarkeit mit Fußbodenheizungen werden umrissen.

Kosten

Wenn Sie in Ihrer Wohnung Sichtestrich verlegen wollen, müssen Sie neben einer langen Arbeitszeit auch einiges an Kosten einplanen. Je nach gewünschter Optik, Politurqualität und Oberflächenversiegelung kommen einige Materialkosten und Arbeitskosten auf Sie zu. Auch die Versiegelung und eventuelles Zusatzmaterial wie Ausgleichsmörtel oder eine Dehnungsfuge müssen eingeplant werden. Insgesamt ist bei einem 50 m² großen Zimmer im Wohnbereich ohne Fußbodenheizung mit folgenden Kosten zu rechnen:

Kostenpunkt Kosten (Euro)
Estrichverlegung 1600
Politur 3400
Imprägnierung 600
Zusatzmaterial 300
Gesamt 5900

Bei diesen Angaben handelt es sich um ungefähre Werte zur Orientierung. Die Kosten für Sichtestrich liegen zwischen 80 und 140 Euro pro Quadratmeter. Am besten kann man die Kosten einschätzen, wenn man einen Kostenanschläge von Handwerkern aus der Region vergleicht – zum Beispiel mit Blauarbeit. Einfach den Auftrag beschreiben, Angebote vergleichen und den passenden Handwerker finden!

Varianten und Eigenschaften von Sichtestrich

Für den Einsatz als Sichtestrich kommen grundsätzlich nur feuchte Estrichvarianten infrage, die entweder an der Baustelle angemischt oder von Fabriken geliefert werden. Trockenestrichplatten, die aus zwei Gipsplatten bestehen, sind nicht stabil und feuchtigkeitsresistent genug, um als Sichtestrich zu dienen.

Zum Einsatz als Sichtestrich in Wohngebäuden kommen zahlreiche verschiedene Estricharten. Diese sind im Einzelnen:

  • Anhydritfließestrich
  • Calciumsulfatestrich
  • Gussasphaltestrich
  • Zementestrich

Bei Anhydritfließestrich handelt es sich um einen besonders flüssigen Estrich auf Kalziumsulfatbasis, der mit speziellem Gesteinsbinder und Wasser angerührt wird. Er ist besonders gut für große Räume geeignet und kann bei Abwesenheit einer Fußbodenheizung oft auch ohne Dehnungsfuge eingebaut werden. Dank seiner selbstnivellierenden Eigenschaften erleichtert er die Arbeit und führt zu einem besonders glatten Endergebnis.

Kalziumsulfatestrich hat ähnliche Eigenschaften wie Anhydritfließestrich, setzt jedoch höhere Ansprüche an die Nivellierung. Dafür ist er deutlich günstiger in der Anschaffung und kann bei korrekter Verlegung hervorragende Ergebnisse nach entsprechender Trocknungszeit erzielen. Er verfügt zudem über eine sehr gute Färbbarkeit, ist allerdings nur im Trockenbereich anwendbar.

Gussasphaltestrich wird durch eine Beimengung von Split, Bitumen, Steinmehl oder anderen Zusätzen zur Estrichmasse erzeugt. Er hat besonders angenehme Wärmeeigenschaften und kann deswegen sehr gut im Wohnbereich verwendet werden.

Zementestrich ist besonders robust und auch im Außenbereich verwendbar. Er ist widerstandsfähig gegenüber Verschleiß, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Aus diesen Gründen wird er nicht nur im Innenbereich von Wohnungen, sondern auch in Garagen, Industrie und Gewerbegebäuden gerne eingesetzt.

Verlegung von Sichtestrich und Imprägnierung

Die grundlegende Verlegung von Sichtestrich ähnelt der Verlegung von Fließestrich für einen Unterboden. Zuerst wird der Untergrund vorbereitet, indem mit einem speziellen Mörtel eventuell vorhandene starke Unebenheiten ausgeglichen werden. Dann wird eine Schutzfolie verlegt, die an den Rändern des Raumes in Dämmstreifen übergeht. Auf diese wird nun eine eventuelle Fußbodenheizung montiert. Bei Estrichflächen mit einer Seitenlänge über 6 Metern wird eine Dehnungsfuge eingebaut. Grund ist, dass Estrich wie jedes Material sich bei Wärme ausdehnt und bei Kälte zusammenzieht. Ohne die Dehnungsfuge könnten im Estrich bei Temperaturschwankungen Spannungsrisse entstehen. Dann kann in diese vorbereitete Fläche der Estrich gegossen werden. Ob der Estrich nun von einer Fabrik angeliefert oder an der Baustelle angemischt wurde, er wird nun ausgegossen, nivelliert und mit einer sogenannten Rakel durchzogen. Dies bezeichnet man im Fachjargon auch als Schwabbeln, die Rakel auch als Schwabbelstange. Dabei lösen sich eventuelle Luftblasen im Fließestrich und steigen an die Oberfläche.

Nach dem vollständigen Aushärten des Estrichs, das je nach Sorte bis zu 30 Tage dauern kann, erfolgt die Bearbeitung der Oberfläche. Mit speziellen Schleifmaschinen wird die Oberfläche des Estrichs gründlich abgeschliffen, um eine perfekt glatte Oberfläche zu erzielen. Dieser Arbeitsschritt erfordert passendes Material und eine hohe fachliche Sachkenntnis, da Fehler beim Schleifen nur schwer behoben werden können. Sobald die Oberfläche perfekt abgeschliffen ist, wird sie mit einer Estrichversiegelung überzogen oder imprägniert. Der Grund für eine Versiegelung oder Imprägnierung liegt darin, dass die meisten Estrichsorten gegenüber Flecken empfindlich sind. Bei Sichtestrich auf Kalziumsulfatbasis kommt eine Anfälligkeit gegenüber Feuchtigkeit hinzu. Die Versiegelung oder Imprägnierung erhöht die Widerstandsfähigkeit des Sichtestrichs und erleichtert die Reinigung.

Oberflächenbehandlung

Bei einer Versiegelung wird auf den fertig geschliffenen Estrich eine schützende, wenige Millimeter dicke Schicht aus Kunststoffharz oder Hartwachs aufgetragen. Diese Schutzschicht kann etwa aus Epoxidharz, Acrylharz, Kunststoffdispersionen oder Hartwachs bestehen. Während bei den Kunststoffharzen eine Polymerisation durch einen beigemischten Härter die Schutzschicht erzeugt, wirkt die Kunststoffdispersion wie eine Farbe, die in mehreren Schichten aufgetragen wird und so eine Schutzschicht bildet. Hartwachs wird vor dem Auftragen erhitzt und durch Polieren in die Oberfläche eingearbeitet. Nach dem Auskühlen bildet es eine leicht zu reinigende, widerstandsfähige Oberfläche.

Während Versiegelungen eine zweite Oberflächenschicht über dem Sichtestrich bilden, ziehen Imprägnierungen in die obersten Schichten des Estrichs ein. Dazu muss die Imprägnierflüssigkeit auf den noch nassen Estrich aufgetragen werden. Die Inhaltsstoffe der Imprägnierflüssigkeit wandern in die Tiefe des Sichtestrichs und härten ihn gegenüber Schmutz und anderen Umwelteinflüssen ab. Das Ergebnis ist eine natürliche, optisch und taktil unversiegelte Oberfläche, die dennoch allen Ansprüchen des Alltags standhält. Der Vorteil einer Imprägnierung ist, dass diese eine Tiefenwirkung besitzt und sich im Laufe der Zeit nicht ablöst. Auch bei Kratzern ist die zum Vorschein kommende, tiefere Schicht bereits mit entsprechenden Mitteln geschützt.

Vorteile und Nachteile

Vorteile von Sichtestrich

Die Vorteile von Sichtestrich liegen in seiner vielfältigen Einsetzbarkeit im Industrial Look, der guten Reinigung dank fugenloser Verlegung und der hervorragenden Kombinierbarkeit mit einer Fußbodenheizung. Sichtestrich ist lange haltbar und bei korrekter Oberflächenbehandlung robust gegenüber Belastungen. Zudem erlaubt auch Sichtestrich zahlreiche Möglichkeiten zur Inneneinrichtung und ist dank seiner vielfältigen Farbgebung ein echtes Unikat in den eigenen vier Wänden. Zuletzt ist die reine Anwendung von Sichtestrich gegenüber vielen anderen Bodenbelägen günstig, da der sowieso vorhandene Estrich nur bearbeitet wird, anstatt dass ein Oberbelag auf ihm verlegt wird.

  • vielfältiger Einsatz und Design
  • leicht zu reinigen
  • gut mit Fußbodenheizung kombinierbar
  • robust
  • günstig

Nachteile von Sichtestrich

Sichtestrich benötigt für seine Aushärtung eine lange Zeit von bis zu 30 Tagen. Sein Einbau muss deswegen gut geplant werden, um andere Bautätigkeiten nicht aufzuhalten. Während seiner Trocknung muss er vor Feuchtigkeit geschützt werden und darf nicht belastet werden. Die Politur von Sichtestrich erfordert viel Geschick und kostet entsprechend auch etwas. Dennoch sind diese Arbeitskosten gut investiert, denn das Verlegen von Sichtestrich für Heimwerker ist extrem schwierig und dabei entstehende Fehler so gut wie nicht zu korrigieren.

  • lange Trocknungszeit
  • schwierig zu verlegen, nichts für Heimwerker

Gestaltungsmöglichkeiten mit Sichtestrich

Die Gestaltungsmöglichkeiten mit Sichtestrich sind vielfältig. Am beliebtesten ist der nüchterne Industrial Look, der in modernen Wohnräumen ebenso Verwendung findet wie in Gewerberäumen. Er bringt die Wirkung vorhandener Möbel besonders zur Geltung, kann jedoch etwas eintönig wirken. Wenn Sie es abwechslungsreicher mögen, können Sie sich mit Farbbeimengungen farblich auf die unterschiedlichste Weise verwirklichen. Je nach Wunsch kann diese Farbgebung homogen sein oder mit helleren und dunkleren Stellen ein faszinierendes Farbenspiel erzeugen. Mit diesen Effekten ist Sichtestrich auch hervorragend in jeder anderen Umgebung geeignet. Wer es noch exklusiver möchte, der kann auch in die Oberflächenversiegelung noch gestalterische Elemente einfließen lassen. So kann etwa in Epoxidharz ein kundiger Experte faszinierende 2-D-Effekte oder 3-D-Effekte einfließen lassen.

Zu beachten ist auch, das Sichtestrich immer einzigartig aussieht und je nach Handwerker und Verlegung unterschiedliche Muster bildet. Damit holen Sie sich mit Sichtestrich ein echtes Kunstwerk in Ihr Zuhause.

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