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Solardachziegel kosten 60 bis 100 € pro m² Dachfläche und sind damit deutlich teurer als eine gewöhnliche Aufdach-Photovoltaikanlage, oft um das Zwei- bis Dreifache pro kWp. Sie erzeugen wie normale Solarmodule Strom, sehen aber fast aus wie herkömmliche Dachziegel und fügen sich unauffällig ins Dach ein. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vor allem von der Optik, dem Denkmalschutz und davon ab, ob ohnehin ein neues Dach ansteht. Dieser Ratgeber zeigt die Kosten, den Vergleich zur klassischen Photovoltaik und wann sich Solardachziegel rechnen.
Was sind Solardachziegel?
Solardachziegel arbeiten nach demselben Funktionsprinzip wie herkömmliche Photovoltaikanlagen: Mit der Sonnenenergie wird Strom erzeugt. Der große Unterschied liegt im Aussehen. Optisch sehen Solardachziegel beinahe wie gewöhnliche Dachziegel aus und sind aus der Entfernung, anders als Solarmodule, nicht als Solaranlage erkennbar. Die ersten Solardachziegel kamen bereits Anfang der 1990er Jahre auf den Markt; damals wurden herkömmliche Tonziegel mit Solarzellen beklebt. Seither hat sich die Technik deutlich weiterentwickelt, und es gibt Hersteller aus Deutschland, Italien und Asien.
Zurzeit sind zwei Varianten auf dem Markt. Bei der ersten sind Solarzellen in Ziegel aus Kunststoff, Keramik, Ton oder Schiefer eingebettet, die die gleichen Maße wie herkömmliche Dachziegel haben. Bei der zweiten Variante bilden die Solarzellen selbst den Ziegel, meist aus Quarzglas. Diese Modelle sind oft größer und breiter als normale Dachziegel; manche Solardachziegel sind so groß wie sechs Standardziegel.
Die Systeme unterscheiden sich stark: Manche Hersteller setzen auf kleine Ziegel im Format herkömmlicher Dachpfannen, andere auf großformatige Elemente. Für eine 5-kWp-Anlage werden deshalb je nach System etwa 40 großformatige oder mehrere hundert kleine Ziegel auf 30 bis 40 m² verlegt. Ein Preisvergleich einzelner Ziegel ist wenig aussagekräftig; entscheidend sind die Kosten pro kWp Gesamtleistung.
Preise pro m² und im Vergleich zur Aufdachanlage
Solardachziegel kosten 60 bis 100 € pro m² Dachfläche. Umgerechnet auf die Leistung liegt der Preis bei rund 3.000 bis 5.000 € pro kWp und damit etwa zwei- bis dreimal so hoch wie bei einer Aufdach-Photovoltaikanlage mit 1.200 bis 1.800 € pro kWp. Wie hoch der Preis genau ausfällt, hängt von der Ziegelgröße, der Dachform und der gewünschten Gesamtleistung ab.
| Variante | Preis pro kWp | Richtwert pro m² Dachfläche |
|---|---|---|
| Aufdach-Photovoltaik | 1.200 bis 1.800 € | – |
| Solardachziegel | 3.000 bis 5.000 € | 60 bis 100 € |
Ein Einfamilienhaus benötigt im Schnitt eine Leistung von 6 bis 7 kWp und erhält damit jährlich zwischen 5.000 und 6.000 kWh Strom. Für 6 kWp mit Solardachziegeln wird eine Dachfläche von rund 50 m² belegt; die übrige Dachfläche muss weiterhin mit normalen Ziegeln inklusive Dämmung gedeckt werden.
Wie groß der Preisunterschied zur Aufdach-Anlage ausfällt, hängt entscheidend vom Dach ab. Steht ohnehin ein neues Dach an, fällt er gering aus, weil Sie die Dacheindeckung in beiden Fällen bezahlen. Die folgende Beispielrechnung für ein Neubau- oder Sanierungsdach macht das deutlich:
| Anlagenart | PV- bzw. Ziegelkosten | Dacheindeckung | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Solardachziegel | ca. 18.000 € | ca. 13.000 € | ca. 31.000 € |
| Aufdach-Photovoltaik | ca. 8.000 € | ca. 20.000 € | ca. 28.000 € |
Auf einem intakten Bestandsdach dagegen ist die Aufdach-Photovoltaik klar günstiger, weil die vorhandene Eindeckung erhalten bleibt und nur die Module aufgesetzt werden. Eine Übersicht der reinen Photovoltaik-Kosten finden Sie im Ratgeber zu den Photovoltaik-Kosten.
Solardachziegel oder Aufdach-Photovoltaik im Vergleich
Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist die Aufdach-Photovoltaik die bessere Wahl, weil sie günstiger ist und eine höhere Rendite bringt. Solardachziegel spielen ihre Stärke aus, wenn die Optik oder Vorgaben zum Denkmalschutz im Vordergrund stehen.
Wie bei allen Photovoltaikanlagen müssen vorab die Dachausrichtung und die Dachneigung geprüft werden. Solardachziegel sind nicht schwerer als herkömmliche Ziegel und werden auf der Dachlattung verlegt; jeder Ziegel besitzt auf der Unterseite eine Steckverbindung und wird über ein Solarkabel angeschlossen. Die Installation der einzelnen Ziegel ist allerdings zeitaufwendig. Ergänzen lässt sich die Anlage mit einem Stromspeicher und einem Energiemanager.
Auf sehr verwinkelten Dächern lässt sich eine normale Photovoltaikanlage nur schwer oder mit hohen Kosten anbringen, und bei denkmalgeschützten Gebäuden sind aufgesetzte Solarmodule oft nicht erlaubt. Hier können Solardachziegel eine Lösung sein. Geht ein einzelner Ziegel kaputt, muss nur dieser ausgetauscht werden.
Wann lohnen sich Solardachziegel?
Solardachziegel lohnen sich vor allem in drei Fällen: bei denkmalgeschützten Gebäuden, wenn eine unauffällige Optik gewünscht ist, und im Neubau oder bei einer ohnehin fälligen Dachsanierung. In diesen Situationen fällt der Aufpreis gegenüber der Aufdach-Anlage am geringsten aus oder ist die einzige zulässige Möglichkeit, das Dach zur Stromerzeugung zu nutzen.
- Denkmalschutz: Wo aufgesetzte Module untersagt sind, können in das Dach integrierte Ziegel eine genehmigungsfähige Alternative sein.
- Ästhetik: Wer eine ruhige, einheitliche Dachfläche ohne sichtbare Module möchte, erhält mit Solardachziegeln ein nahezu unverändertes Erscheinungsbild.
- Neubau oder Dachsanierung: Wird das Dach ohnehin neu eingedeckt, entfällt ein großer Teil des Mehrpreises, weil die Dacheindeckung in beiden Fällen anfällt.
Steht dagegen ein intaktes Dach, das in absehbarer Zeit nicht erneuert werden muss, ist eine gewöhnliche Photovoltaikanlage deutlich kostengünstiger.
Wirkungsgrad und Nachteile
Der größte Nachteil von Solardachziegeln ist der Preis, hinzu kommt oft ein geringerer Wirkungsgrad. Weil die einzelnen Ziegel kleiner sind und sich schlechter hinterlüften als aufgeständerte Module, liefern sie pro m² Dachfläche meist etwas weniger Ertrag. Die Folge ist eine niedrigere Rendite als bei einer klassischen Photovoltaikanlage.
Auch die Montage ist aufwendiger, weil jeder Ziegel einzeln verlegt und verbunden werden muss. Theoretisch können viele Bauteile ausfallen, im Schadensfall lässt sich aber jeder Ziegel einzeln tauschen. Wählen Sie einen Dachdeckerbetrieb mit Erfahrung im Einbau von Solardachziegeln und achten Sie auf Referenzen und Kundenbewertungen.
Solardachziegel und Indach-Photovoltaik
Solardachziegel sind nicht dasselbe wie Indach-Photovoltaik, auch wenn beide in das Dach integriert werden. Bei der Indach-Photovoltaik werden großflächige Solarmodule anstelle der Dachhaut verlegt und ersetzen so die Eindeckung auf ihrer Fläche. Solardachziegel dagegen bestehen aus vielen kleinen, ziegelförmigen Elementen. Indach-Systeme sind meist günstiger und leistungsstärker als Solardachziegel, wirken aber weniger wie ein klassisches Ziegeldach.
Welche Variante für Ihr Dach passt, hängt von Optik, Budget und Dachform ab. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber zur Indach-Photovoltaik.
Häufige Fragen zu Solardachziegeln
Was kosten Solardachziegel pro m²?
Solardachziegel kosten etwa 60 bis 100 € pro m² Dachfläche. Für ein Einfamilienhaus mit rund 6 kWp und einer belegten Fläche von etwa 50 m² liegen die reinen Ziegelkosten bei rund 18.000 €, hinzu kommt die Eindeckung der übrigen Dachfläche mit normalen Ziegeln.
Sind Solardachziegel teurer als eine normale Photovoltaikanlage?
Ja. Pro kWp kosten Solardachziegel mit 3.000 bis 5.000 € etwa zwei- bis dreimal so viel wie eine Aufdach-Photovoltaikanlage mit 1.200 bis 1.800 €. Nur im Neubau oder bei einer ohnehin fälligen Dachsanierung schrumpft der Preisunterschied deutlich.
Wann lohnen sich Solardachziegel?
Solardachziegel lohnen sich vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden, wenn eine unauffällige Dachoptik gewünscht ist, oder wenn das Dach ohnehin neu eingedeckt wird. Auf einem intakten Bestandsdach ist eine Aufdach-Anlage in der Regel die wirtschaftlichere Wahl.
Wie hoch ist der Wirkungsgrad von Solardachziegeln?
Solardachziegel liefern pro m² Dachfläche meist etwas weniger Strom als aufgeständerte Module, weil sie kleiner sind und sich schlechter hinterlüften. Dadurch fällt die Rendite niedriger aus als bei einer klassischen Photovoltaikanlage.
Was ist der Unterschied zwischen Solardachziegeln und Indach-Photovoltaik?
Solardachziegel bestehen aus vielen kleinen, ziegelförmigen Elementen und ähneln einem gewöhnlichen Ziegeldach. Bei der Indach-Photovoltaik ersetzen großflächige Module die Dachhaut. Indach-Systeme sind meist günstiger und leistungsstärker, wirken aber weniger wie ein klassisches Ziegeldach.




