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Balkonkraftwerk am Geländer: zwei Solarmodule hängen außen am Balkon, die Kabel führen zum Speicher an der Hauswand

Balkonkraftwerk und wie es funktioniert

Lesedauer 5 Minuten

Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine, steckerfertige Solaranlage, die Sie selbst am Balkon, an der Fassade, auf der Terrasse oder im Garten aufstellen. Ein oder zwei Solarmodule wandeln Sonnenlicht in Strom um, ein kleiner Wechselrichter speist diesen Strom über eine Steckdose direkt ins Hausnetz ein. Den erzeugten Strom verbrauchen Sie direkt selbst und senken so Ihre Stromrechnung. Ein Set kostet 300 bis 800 €. Wie die Anlage aufgebaut ist, wie viel sie bringt und für wen sie sich rechnet, erklärt dieser Ratgeber Schritt für Schritt.

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk ist eine Miniphotovoltaikanlage für den Eigenverbrauch, die ohne Elektriker in Betrieb geht. Fachlich heißt sie auch Steckersolargerät, weil sie über einen Stecker mit dem Hausstromnetz verbunden wird. Gängig sind ein bis zwei Module mit zusammen bis zu 800 Wp Leistung, montiert am Balkongeländer, an der Hauswand oder auf einem Gestell im Garten.

Der entscheidende Unterschied zu einer großen Dachanlage: Ein Balkonkraftwerk versorgt nicht gezielt einzelne Geräte, sondern deckt die Grundlast im Haushalt. Kühlschrank, Router, Standby-Verbraucher und Ladegeräte laufen den ganzen Tag und ziehen den Solarstrom automatisch aus der nächsten Steckdose, solange die Sonne scheint. Erst wenn die Module mehr liefern, als der Haushalt gerade braucht, fließt der Überschuss ungenutzt ins Netz.

Wie ist ein Balkonkraftwerk aufgebaut?

Ein Balkonkraftwerk besteht aus wenigen Komponenten, die als fertiges Set geliefert werden. Sie müssen nichts selbst berechnen oder zusammenstellen, sondern die Teile nur montieren und einstecken.

  • Ein oder zwei Solarmodule erzeugen aus Sonnenlicht Gleichstrom. Moderne Module bringen einzeln rund 400 bis 450 Wp.
  • Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom um. Er begrenzt die eingespeiste Leistung auf den zulässigen Wert. Wie dieses Bauteil arbeitet, lesen Sie im Ratgeber zum Wechselrichter.
  • Ein Anschlusskabel führt vom Wechselrichter zur Steckdose. Genutzt wird entweder eine normale Schuko-Steckdose oder eine spezielle Einspeisesteckdose, oft Wieland-Steckdose genannt.
  • Eine Halterung fixiert die Module am Geländer, an der Wand oder auf dem Flachdach. Sie ist auf die Montageart abgestimmt.

Ob eine normale Steckdose ausreicht oder eine spezielle Einspeisesteckdose sinnvoll ist, wird unterschiedlich bewertet. Der Betrieb über eine vorhandene, intakte Schuko-Steckdose ist nach aktuellem Stand für kleine Anlagen üblich. Ist Ihr Stromkreis alt oder unklar abgesichert, lassen Sie die Steckdose vor der Inbetriebnahme von einem Fachbetrieb prüfen. Optional kann eine spezielle Einspeisesteckdose gesetzt werden.

Wie viel Strom bringt ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk mit rund 800 Wp erzeugt in Deutschland je nach Ausrichtung etwa 400 bis 850 kWh Strom im Jahr. Wie viel davon bei Ihnen ankommt, hängt vor allem von der Himmelsrichtung und dem Neigungswinkel der Module ab. Ein nach Süden ausgerichtetes, leicht geneigtes Modul liefert mehr als eines, das senkrecht am Nordbalkon hängt.

Ausrichtung der ModuleStromertrag pro JahrErsparnis pro Jahr
Süden, leicht geneigt700 bis 850 kWh130 bis 200 €
Süden, senkrecht am Geländer500 bis 650 kWh90 bis 160 €
Osten oder Westen450 bis 600 kWh80 bis 150 €
Nordenunter 300 kWhkaum lohnend

Die Ersparnis in der Tabelle geht von einem Strompreis um 35 ct/kWh und einem hohen Eigenverbrauch aus. Entscheidend ist, dass Sie den erzeugten Strom auch selbst nutzen: Was Sie nicht direkt verbrauchen, fließt bei einem einfachen Balkonkraftwerk ohne Vergütung ins Netz. Wer tagsüber zu Hause ist und Waschmaschine, Geschirrspüler oder Homeoffice in die sonnenreichen Stunden legt, holt mehr aus der Anlage heraus. Wie Sie den Eigenverbrauch gezielt steigern, zeigt der Beitrag zum Eigenverbrauch bei Photovoltaik.

Zur Einordnung: Ein Zwei- bis Dreipersonenhaushalt verbraucht im Jahr grob 2.500 bis 3.500 kWh Strom. Ein gut ausgerichtetes Balkonkraftwerk deckt davon rund 15 bis 25 %. Es ersetzt also nicht die gesamte Stromrechnung, senkt aber verlässlich die Grundlastkosten, die das ganze Jahr über durch Kühlgeräte, Router und weitere Dauerverbraucher entstehen. Genau in diesem Bereich arbeitet die Anlage besonders wirtschaftlich, weil hier fast immer ein Verbrauch anliegt, der den Solarstrom sofort aufnimmt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Für ein Balkonkraftwerk brauchen Sie vor allem einen sonnigen Platz und eine erreichbare Steckdose. Ein Balkon ist nicht zwingend nötig: Ebenso geeignet sind eine Terrasse, eine Garagenwand, ein Flachdach, ein Gartengestell oder ein Carport. Wichtiger als der Ort ist die Ausrichtung. Je näher die Module nach Süden zeigen und je weniger Bäume oder Nachbargebäude sie verschatten, desto höher fällt der Ertrag aus.

Der Neigungswinkel spielt ebenfalls eine große Rolle. Flach aufgestellte oder leicht geneigte Module ernten über das Jahr mehr als senkrecht hängende. Welcher Winkel und welche Himmelsrichtung an Ihrem Standort am meisten bringen, erklärt der Ratgeber zur Ausrichtung einer Solaranlage. Prüfen Sie außerdem, ob die Halterung sicher hält und ob bei Montage in der Höhe niemand durch herabfallende Teile gefährdet ist.

Achten Sie vor dem Kauf darauf, dass die geplante Befestigung zum Untergrund passt. Ein stabiles Metallgeländer trägt die Module problemlos, bei Glas- oder Kunststoffbrüstungen sind spezielle Halterungen nötig. Wird die Anlage über Kopfhöhe montiert, sollte die Halterung sturmfest verschraubt sein, damit sich bei starkem Wind kein Modul löst. Ein Modul wiegt je nach Größe mehrere Kilogramm, entsprechend solide muss die Aufhängung ausgeführt sein.

Auf der organisatorischen Seite ist nur eine einzige Anmeldung nötig, und die erledigen Sie selbst online. Wie das abläuft, lesen Sie im Ratgeber zum Balkonkraftwerk anmelden.

Für wen rechnet sich ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich besonders für Haushalte mit einem gleichmäßigen Stromverbrauch über den Tag und einem sonnigen Platz nach Süden, Osten oder Westen. Wer tagsüber zu Hause arbeitet, Kinder betreut oder viele Dauerverbraucher wie Kühl- und Gefriergeräte laufen hat, nutzt den Solarstrom direkt und spart am meisten.

Gerade für Mieterinnen und Mieter ist die kleine Anlage attraktiv, weil sie ohne bauliche Eingriffe auskommt und bei einem Umzug mitgenommen werden kann. Auch für Eigentümer, die keine große Dachanlage planen oder erst einmal in kleinem Rahmen starten wollen, ist ein Balkonkraftwerk ein guter Einstieg. Ein Set liegt bei 300 bis 800 €, mit Speicher entsprechend höher. Die Details dazu finden Sie im Beitrag zu den Kosten eines Balkonkraftwerks.

Weniger sinnvoll ist die Anschaffung, wenn nur ein reiner Nordbalkon zur Verfügung steht, der Platz stark verschattet ist oder der Haushalt tagsüber fast keinen Strom verbraucht. In diesen Fällen fällt der Ertrag gering aus und die Anschaffung amortisiert sich nur langsam.

Was unterscheidet ein Balkonkraftwerk von einer großen Photovoltaikanlage?

Ein Balkonkraftwerk ist bewusst klein gehalten und auf den Selbstbau ohne Fachbetrieb ausgelegt, während eine Dachanlage vom Elektriker installiert und ans Netz gebracht wird. Aus dieser Größe ergeben sich die wichtigsten Unterschiede in Leistung, Ertrag und Möglichkeiten.

Eine Dachanlage hat oft 5 bis 15 kWp Leistung, produziert mehrere tausend kWh im Jahr und kann Überschüsse gegen eine Vergütung ins Netz einspeisen. Sie eignet sich, um zusätzlich eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto zu versorgen, und lässt sich mit einem großen Stromspeicher kombinieren. Ein Balkonkraftwerk deckt dagegen nur die Grundlast und rechnet sich fast nur über den direkten Eigenverbrauch. Wenn Sie den Schritt zur größeren Lösung erwägen, hilft der Überblick zur Photovoltaikanlage weiter. Ob sich ein kleiner Speicher rentiert, lesen Sie unter Vorteile eines Stromspeichers.

Häufige Fragen zum Balkonkraftwerk

Wie viele Module darf ein Balkonkraftwerk haben?

Üblich sind ein bis zwei Module mit zusammen bis zu 800 W Einspeiseleistung, was nach aktuellem Stand als Obergrenze für die vereinfachte Anmeldung gilt. Die Modulleistung darf etwas höher liegen als die eingespeiste Leistung, weil die Module ihren Maximalwert nur selten erreichen. Größere Anlagen sind erlaubt, gelten dann aber nicht mehr als steckerfertiges Balkonkraftwerk und erfordern den üblichen Weg über einen Fachbetrieb.

Brauche ich einen Elektriker für die Installation?

Für ein steckerfertiges Set ist kein Elektriker vorgeschrieben. Sie montieren die Module, verbinden Wechselrichter und Kabel und stecken die Anlage ein. Sinnvoll ist die Prüfung durch einen Fachbetrieb dann, wenn Ihre Elektroinstallation alt ist, der Stromkreis schwach abgesichert wirkt oder Sie eine spezielle Einspeisesteckdose setzen lassen möchten.

Funktioniert ein Balkonkraftwerk auch im Winter?

Ja, die Module erzeugen auch bei diffusem Licht Strom, allerdings weniger als im Sommer. In den dunklen Monaten fällt der Ertrag auf einen Bruchteil des Jahresmittels. Kühle Temperaturen sind für die Module sogar günstig, entscheidend bleibt jedoch die geringere Sonnenscheindauer. Über das gesamte Jahr gerechnet stimmen die genannten Ertragswerte.

Kann ich das Balkonkraftwerk mit einem Speicher erweitern?

Ja, viele Sets lassen sich um einen kleinen Speicher ergänzen, der Strom vom Tag für den Abend bereithält. Das erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber zusätzlich und verlängert die Amortisation. Ob sich der Speicher rechnet, hängt von Ihrem Verbrauchsprofil ab. Für Haushalte, die tagsüber wenig Strom nutzen, kann ein Speicher die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Was passiert bei einem Stromausfall?

Ein normales Balkonkraftwerk schaltet sich bei einem Netzausfall aus Sicherheitsgründen automatisch ab und liefert dann keinen Strom. Damit wird verhindert, dass Spannung ins abgeschaltete Netz zurückfließt und Personen gefährdet. Als Notstromquelle taugt eine einfache Anlage daher nicht. Nur spezielle Systeme mit Speicher und passender Technik bieten eine begrenzte Notstromfunktion.

Wie lange hält ein Balkonkraftwerk?

Die Solarmodule sind auf eine lange Lebensdauer ausgelegt und liefern meist über 20 Jahre Strom, wenn auch mit langsam nachlassender Leistung. Der Wechselrichter ist das empfindlichere Bauteil und muss unter Umständen früher getauscht werden. Da die Anschaffung sich oft in 3 bis 7 Jahren bezahlt macht, arbeitet die Anlage danach viele Jahre praktisch kostenlos.

Corinna Fröhling, Redakteurin für Kosten und Sanierung

Verfasst von

Corinna Fröhling Redakteurin für Kosten und Sanierung

Corinna Fröhling verantwortet als Redakteurin einen Großteil der Kosten-Ratgeber auf Blauarbeit und prüft neue Beiträge vor der Veröffentlichung. Seit 2019 schreibt sie über Kosten und Preise rund um Haus, Garten und Sanierung, daneben quer durch alle Gewerke. Ihr Anspruch: Preisspannen, mit denen man wirklich planen kann, statt Lockangebote und Schaufensterzahlen.

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