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Ein Handwerker verputzt eine Wand mit dunkelgrauem Putz

Welche Putzart passt zu welchem Zweck?

Lesedauer 6 Minuten

Foto von RGtimeline – iStock

Für normale Wohnräume ist Gipsputz die Standardwahl, in Feuchträumen und an der Fassade kommt Kalkzementputz zum Einsatz, und wer Wert auf ein gesundes Raumklima legt, greift zu Kalkputz oder Lehmputz. Putz erfüllt dabei weit mehr als eine optische Aufgabe: Im Innenbereich reguliert er die Raumfeuchtigkeit und beugt Schimmelbildung vor, im Außenbereich schützt er das Mauerwerk vor Witterung und Feuchtigkeit. Dieser Überblick stellt alle wichtigen Putzarten mit Eigenschaften, Einsatzbereichen und Preisen vor.

Grundlagen von Putz

Putz besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: Bindemitteln (z.B. Kalk, Zement, Gips, Lehm oder Kunstharz), Zuschlagstoffen (z.B. Sand, Kies) und Wasser. Mineralische Putze (Kalk, Zement, Gips, Lehm, Silikat) sind diffusionsoffen, das heißt, sie lassen Wasserdampf durch und ermöglichen ein „Atmen“ der Wände, was das Raumklima verbessert. Organische Putze (Kunstharzputze, Silikonharzputze) sind wasserabweisend und elastisch, sie eignen sich besonders für den Außenbereich und Wärmedämmverbundsysteme.

Innenputze regulieren die Raumfeuchtigkeit und schaffen eine glatte Oberfläche für Tapeten oder Farben. Außenputze schützen die Fassade vor Regen, Wind und Frost und prägen die optische Erscheinung des Gebäudes.

Mineralische Putzarten von Kalk bis Lehm

Mineralische Putze sind diffusionsoffen, nicht brennbar und die erste Wahl für Wohnräume und mineralische Untergründe.

Kalkputz (Klasse P I)

Kalkputz ist besonders atmungsaktiv und schimmelhemmend, da Kalk durch seine Alkalität Pilzwachstum verhindert. Er reguliert die Raumfeuchtigkeit effektiv und verbessert das Raumklima. Kalkputz wird oft in historischen Gebäuden und bei ökologischem Bauen verwendet, ist jedoch teurer und schwieriger zu verarbeiten als Gipsputz. Alle Details dazu liefert der Ratgeber Kalkputz.

Kalkzementputz (Klasse P II)

Diese Mischung ist robust und wasserabweisend und eignet sich daher für Feuchträume wie Bäder und Keller sowie für den Außenbereich. Kalkzementputz ist diffusionsoffen, mechanisch belastbar und langlebig, neigt aber zu Spannungsrissen und ist nicht für wärmedämmende Systeme geeignet. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Kalkzementputz.

Zementputz (Klasse P III)

Zementputz ist ein besonders robuster und widerstandsfähiger Putz, der hauptsächlich aus Zement als Bindemittel besteht. Mit einer Druckfestigkeit von mindestens 10 N/mm² ist er extrem belastbar und dank seiner dichten Struktur ideal für Feuchträume, Sockelbereiche oder Flächen unter der Geländeoberfläche. Seine harte Oberfläche federt Spannungen im Mauerwerk allerdings schlecht ab, was zu Rissen führen kann. Alle Details zum härtesten Mineralputz stehen im Ratgeber Zementputz.

Gipsputz (Klasse P IV)

Der meistverwendete Innenputz ist Gipsputz. Er ist feinkörnig, glatt und lässt sich gut verarbeiten. Gipsputz ist feuerhemmend, feuchtigkeitsregulierend und diffusionsoffen, was ein gesundes Raumklima fördert. Er eignet sich für alle normal belasteten Innenwände und Decken, ist preiswert und ökologisch unbedenklich. Allerdings ist Gipsputz nicht wasserabweisend und daher nicht für Feuchträume geeignet. Was er kostet, zeigt der Ratgeber Gipsputz.

Anhydritputz (Klasse P V)

Anhydritputz besteht aus calciniertem Gips (Anhydrit) als Bindemittel. Er ist besonders hart und belastbar, lässt sich leicht verarbeiten und bietet eine glatte Oberfläche für weitere Beschichtungen. Wie andere Gipsputze reguliert er die Luftfeuchtigkeit, trocknet schnell und neigt weniger zu Rissen.

Lehmputz

Lehmputz ist ein ökologisches Material, das durch seine feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften ein gesundes Raumklima schafft. Er ist diffusionsoffen, nicht brennbar und kann Schadstoffe binden. Lehmputz ist jedoch wasserlöslich, teuer und neigt bei trockener Luft zu Rissbildung. Mehr dazu erklärt der Ratgeber Lehmputz.

Silikatputz

Silikatputz ist mineralisch gebunden, sehr wasserbeständig und witterungsfest. Er bietet eine hohe Wasserdampfdiffusion, ist schimmelhemmend und nahezu unbrennbar. Silikatputz eignet sich für mineralische Untergründe und besonders für den Außenbereich. Mehr zu Einsatz und Preisen steht im Ratgeber Silikatputz.

Organische Putzarten mit Kunstharz und Silikonharz

Organische Putze binden über Kunstharzdispersionen ab und kommen vor allem an der Fassade zum Einsatz.

Kunstharzputz/Dispersionsputz (Klasse P Org)

Kunstharzputz ist flexibel, wasserabweisend und langlebig. Er passt sich der Unterlage gut an und eignet sich besonders für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) und Betonflächen. Er ist in vielen Farben und Strukturen erhältlich und mechanisch widerstandsfähig.

Silikonharzputz

Silikonharzputz ist sehr wasserresistent und schützt die Fassade effektiv vor Pilz- und Algenbefall. Er ist langlebig und eignet sich besonders für Fassaden mit hohen Ansprüchen an die Witterungsbeständigkeit.

Buntsteinputz

Buntsteinputz enthält farbige Natursteingranulate, die der Oberfläche eine dekorative Optik verleihen. Er ist elastisch, kratzfest, witterungsbeständig und wird oft für Sockelbereiche, Fensterumrahmungen und Einfriedungen verwendet.

Putzarten nach Funktion

Neben dem Bindemittel unterscheidet man Putze nach ihrer Aufgabe im Wandaufbau. Dazu kommen Spezialputze für besondere Zwecke:

  • Sanierputz nimmt Salze aus feuchtem Mauerwerk auf und ist der Spezialist für die Altbausanierung; mehr dazu im Ratgeber Sanierputz.
  • Feinputz sorgt mit feiner Körnung für glatte, streichfertige Oberflächen; Details liefert der Ratgeber Feinputz.
  • Dekorputz gestaltet Wandflächen mit Struktur, Farbe und Technik; die Möglichkeiten zeigt der Ratgeber Dekorputz.
  • Streichputz und Rollputz werden wie Farbe mit der Rolle aufgetragen und sind die einfachste Variante für Heimwerker; mehr dazu im Ratgeber Streichputz und Rollputz.

Auf schwierigen Untergründen wie Holz oder Mischmauerwerk schaffen Putzträgerplatten einen tragfähigen Putzgrund.

Alle Putzarten im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte für Material und Verarbeitung pro m² im Innenbereich; Außenputz liegt inklusive Gerüst bei 30 bis 60 €/m².

PutzartEigenschaftenEinsatzPreis pro m²
Gipsputzglatt, leicht zu verarbeitentrockene Innenräume, Decken10 bis 25 €
Kalkputzdiffusionsoffen, schimmelhemmendInnenräume, Altbau, Bad20 bis 40 €
Kalkzementputzrobust, feuchtebeständigFeuchträume, Fassade15 bis 30 €
Zementputzsehr hart, wasserfestSockel, Keller, außen15 bis 30 €
Lehmputzökologisch, feuchteregulierendWohnräume30 bis 60 €
Silikatputzwitterungsfest, diffusionsoffenFassade, mineralische Untergründe30 bis 50 €
Kunstharzputzelastisch, wasserabweisendFassade, WDVS20 bis 40 €
Silikonharzputzwasserabweisend, algenhemmendstark bewitterte Fassaden30 bis 50 €

Was komplette Projekte kosten, zeigen die Ratgeber Wand verputzen Kosten, Decke verputzen und Haus verputzen Kosten.

Wann welche Putzart sinnvoll ist

Innenbereich

  • Trockene Räume: Gipsputz (glatte Oberfläche, preiswert)
  • Feuchträume (Bäder, Keller): Kalkzementputz oder Silikatputz (wasserabweisend, schimmelhemmend)
  • Historische Gebäude, ökologisches Bauen: Kalkputz oder Lehmputz (natürliche Materialien, diffusionsoffen)

Außenbereich

  • Fassaden: Kunstharzputz, Silikonharzputz oder Silikatputz (wetterfest, wasserabweisend)
  • Sockelbereiche, stark beanspruchte Flächen: Buntsteinputz (kratzfest, dekorativ)
  • Wärmedämmverbundsysteme: Kunstharzputz (flexibel, rissüberbrückend)

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

  • Feuchtigkeitsbelastung: In Feuchträumen nur wasserabweisende Putze verwenden.
  • Untergrund: Mineralische Putze benötigen mineralische Untergründe, Kunstharzputze sind flexibler. Stark saugende Flächen sollten Sie vorher grundieren.
  • Optik: Struktur, Farbe und Glättegrad beeinflussen die Wirkung.
  • Kosten: Gipsputz ist preiswert, Lehmputz und Silikatputz sind teurer.
  • Verarbeitung: Manche Putze (z.B. Kalkputz) erfordern mehr Erfahrung, andere (z.B. Gipsputz) sind einfacher zu verarbeiten.

Putzmörtel werden in der DIN 18550 und der DIN 18558 definiert und in die oben genannten Klassen unterteilt. Bei der Auswahl helfen Ihnen außerdem diese Kürzel von Verpackungen und Datenblättern:

  • GP: Normalputz
  • LP: Leichtputz
  • OC: Einlagiger Außenputz
  • CR: Edelputz
  • R: Reparatur-/Sanierputz
  • T: Wärmedämmputz
  • CS: Druckfestigkeit (von I bis IV)
  • W: Kapillare Wasseraufnahme (0 bis 2)
  • T: Wärmeleitfähigkeit des getrockneten Putzes

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Putzsäcke beim Transport oder bei der Lagerung nicht feucht werden.

Auftragungsmethoden

Bei der Auftragung von Putz gibt es verschiedene Methoden, die je nach Putzart, Einsatzbereich und gewünschter Optik gewählt werden. Das sind die wichtigsten Varianten:

Manuelle Auftragung (Handputz)

  • Anwerfen (Kellenwurfputz): Der Putzmörtel wird mit der Kelle gegen die Wand geworfen, wodurch eine charakteristische, oft rustikale Oberflächenstruktur entsteht. Die Technik erfordert handwerkliches Geschick und wird bei traditionellen oder dekorativen Putzen eingesetzt.
  • Aufziehen: Der Putz wird mit einer Glättkelle oder Traufel aufgetragen und anschließend geglättet oder strukturiert; das eignet sich besonders für Innenputze wie Gips- oder Kalkputz.
  • Reiben und Filzen: Nach dem Auftragen wird die Oberfläche mit einem Reibebrett oder Filzbrett bearbeitet, um eine gleichmäßige Struktur zu erzielen; typisch ist das für Außenputze wie Münchner Rauputz. Zu langes Reiben kann die Oberfläche jedoch verhärten und rissanfällig machen.

Maschinelle Auftragung (Maschinenputz)

Maschinenputz ist besonders bei großen Flächen oder im Neubau üblich. Der Putz wird in mehreren Schichten aufgespritzt, wobei die erste Schicht oft glatt abgezogen und die zweite auf den noch feuchten Untergrund gespritzt wird.

Mehrschichtige Putzsysteme

  • Unterputz und Oberputz: Oft wird zunächst ein Unterputz als Haftgrund und Ausgleichsschicht aufgetragen, darauf folgt der Oberputz mit der finalen Optik und Schutzfunktion. Dieser Aufbau ist besonders bei Außenputzen und Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) üblich.
  • Dämmputz: Er wird in dicker Schicht (bis 100 mm) aufgetragen, um die Wärmedämmung zu verbessern; spezielle Techniken und Materialien verhindern dabei Risse.

Spezielle Oberflächentechniken

  • Strukturputz: Durch unterschiedliche Körnungen und Bearbeitungstechniken (z.B. Reiben, Kratzen, Rollen) entstehen dekorative Oberflächen wie Rauputz, Kratzputz oder Spachtelputz, innen wie außen.
  • Edelputz: Er wird oft als dünne, dekorative Schicht aufgetragen und ist besonders im Außenbereich als Oberputz von WDVS verbreitet.

Unterscheidung nach Zuschlagstoffen

Eine weitere Möglichkeit, Putzarten zu unterscheiden, ist die Art der verwendeten Zuschlagstoffe, denn sie beeinflussen die Eigenschaften des Putzes maßgeblich. Man unterscheidet drei Kategorien:

Mineralische Zuschläge

  • Blähton
  • Kies
  • gemahlenes Gestein
  • Perlite
  • Sand
  • Split
  • Quarzsand

Organische Zuschläge

  • EPS
  • Glasfaser
  • Glasmehl
  • Häcksel
  • Kork
  • Kunststoffgranulat
  • Polystyrol
  • Stroh

Additive Zuschläge

  • Haftungsverbesserer
  • Dichtungsmittel
  • Metalloxide
  • Trocknungsbeschleuniger
  • Trocknungsverzögerer

Häufige Fragen zu Putzarten

Welche Putzart ist die günstigste?

Gipsputz ist die günstigste Putzart: Inklusive Verarbeitung kostet er im Innenbereich 10 bis 25 €/m², das Material selbst nur wenige € pro m². Auch Kalkzementputz bleibt mit 15 bis 30 €/m² bezahlbar. Deutlich teurer sind Lehmputz mit 30 bis 60 €/m² und aufwendige Dekortechniken.

Welcher Putz eignet sich für Bad und Küche?

In Feuchträumen sind Kalkzementputz und Zementputz die sichere Wahl, weil sie Feuchtigkeit dauerhaft vertragen. Kalkputz funktioniert im Bad ebenfalls, solange er nicht ständig Spritzwasser abbekommt; Duschbereiche werden gefliest. Reine Gipsputze gehören nicht in stark feuchtebelastete Räume, da Gips Wasser aufnimmt und weich wird.

Welcher Putz hilft am besten gegen Schimmel?

Kalkputz gilt als wirksamster Putz gegen Schimmel: Sein hoher pH-Wert von etwa 12 entzieht Schimmelsporen die Lebensgrundlage, gleichzeitig puffert er Luftfeuchtigkeit ab. Auch Silikatputz wirkt schimmelhemmend. Wichtig bleibt trotzdem, die Ursache der Feuchtigkeit zu beheben, denn kein Putz ersetzt richtiges Lüften.

Was ist der Unterschied zwischen Unterputz und Oberputz?

Der Unterputz gleicht Unebenheiten aus, haftet auf dem Mauerwerk und trägt den weiteren Aufbau. Der Oberputz bildet die sichtbare Schicht und übernimmt Optik sowie Witterungsschutz. Als Faustregel sollte der Oberputz nie härter sein als der Unterputz, damit keine Spannungsrisse entstehen.

Kann man alten Putz einfach überputzen?

Ja, wenn der alte Putz tragfähig ist, also fest sitzt, nicht sandet und keine Hohlstellen hat. Lose Stellen müssen vorher abgeschlagen, stark saugende Untergründe grundiert werden. Bei großflächig bröselndem Altputz ist das vollständige Entfernen jedoch die sauberere und langfristig günstigere Lösung.

Verfasst von

Mika Lehmann Redakteurin für Handwerk und Sanierung

Mika Lehmann hat Online-Redaktion an der TH Köln studiert und gehört seit 2018 zu den produktivsten Autorinnen des Blauarbeit-Ratgebers. Kaum ein Gewerk, zu dem sie noch nicht geschrieben hat: Ihre Schwerpunkte sind Handwerkskosten, Sanierung und Modernisierung, von Dach und Fassade bis Solar und Energie. Ihr Steckenpferd sind die Zahlen: Was kostet eine Handwerksleistung wirklich, und woran erkennt man ein faires Angebot?

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