Rammbrunnen – Brauchwasserversorgung günstig sichern

Letzte Aktualisierung am 9. Juli 2021 von Max Lehmann

Wenn Sie auf Ihrem Grundstück einen Brunnen errichten möchten, um die Brauchwasserversorgung Ihres Hauses und Gartens zu sichern, so müssen Sie nicht unbedingt einen großen Ziehbrunnen oder eine Zisterne errichten lassen. Ein Rammbrunnen stellt eine günstige Alternative dar, die auch in trockenen Jahren Ihren Pflanzen ein grünes Blattwerk sichert. Dennoch ist er nicht ganz einfach zu errichten, benötigt spezialisiertes Material und eine geübte Hand, um nicht irreparable Schäden an dem Material zu verursachen. Deswegen sollten Sie diese Arbeit lieber einem Profi überlassen. Hier erfahren Sie, wo ein Rammbrunnen errichtet werden kann, welche Vorbereitungen und Behördengänge notwendig sind und wie der Bau selbst abläuft. Außerdem erhalten Sie einige wertvolle Tipps, um die Lebensdauer des Rammbrunnens deutlich zu verlängern.

Behördliche Grundlagen

Einfach so das Grundwasser anzuzapfen ist in Deutschland auch Grundstücksbesitzern auf ihrem eigenen Grundstück nicht gestattet, denn Grundwasser ist Allgemeingut. Deswegen sollte Sie der erste Gang zur Vorbereitung Ihres Rammbrunnens zu der Gemeindeverwaltung ihres Wohnortes führen. Jedes Bundesland hat unterschiedliche Regulierungen zu Rammbrunnen. Während manche Bundesländer eine reine Anzeige des Vorhabens verlangen, ist bei anderen Bundesländern ein Antrag notwendig. Im Allgemeinen sind die Ansprüche an einen Antrag zur Brauchwassernutzung weniger streng als die für eine Nutzung als Trinkwasserquelle. Da das Wasser zur Aufbereitung auf Trinkwassergüte speziell behandelt werden müsste, ist eine Brauchwassernutzung sinnvoller.

Gleichzeitig sollten Sie bei der Gemeindeverwaltung erfragen, wie der Grundwasserstand und das Bodenprofil auf Ihrem Grundstück sind. Die Pumpe für einen Rammbrunnen kann Wasser um etwa sieben bis acht Meter heben, was die maximale Tiefe des Rammbrunnens ist. Für das Bohren von Rammbrünnen eignet sich feiner Kies oder lockerer Sand, während Lehmboden dem Bohrer zu viel Widerstand bieten würde. Auch nach Altlasten im Boden, die einer Grundwasserentnahme entgegenstünden, sollten Sie bei der Gelegenheit fragen. Daneben sollten Sie beim örtlichen Versorgungsamt einen Schachtschein besorgen. Dieser zeigt Ihnen an, wo auf Ihrem Grundstück Leitungen für Wasser, Gas, Strom oder Abwasser verlegt sind. So können Sie unabsichtliche Beschädigungen vermeiden, und im Falle einer nicht eingezeichneten Leitung sind Sie Ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen und können für entstandene Schäden nicht belangt werden. Experten für Rammbrunnenbau kennen sich mit den örtlichen Regulierungen an Ihrem Wohnort aus und nehmen Ihnen häufig auch gerne die Behördengänge ab.

Position und Ausrüstung

Aufbau des fertigen Rammbrunnens

Angenommen, Sie erhalten alle notwendigen Erlaubnisse für Ihren Rammbrunnen, das Grundwasser steht flach genug und auch sonst spricht nichts gegen die Errichtung des Rammbrunnens, so können Sie sich eine passende Position aussuchen. Sowohl im Garten als auch im Keller sind Rammbrunnen möglich. Achten Sie beim Arbeiten im Keller allerdings darauf, dass genug Platz zum Arbeiten oberhalb des Brunnenloches vorhanden ist.

Zur Errichtung des Rammbrunnens benötigen Sie folgende Ausrüstung:

  • Bohrer mit ausreichend Verlängerungsstücken
  • Pumpenfilter
  • Verlängerungsrohre mit Muffen
  • Elektrische Ramme oder Hammer
  • Hanf und Fermit zur Abdichtung
  • Spülmuffe
  • Kies
  • Handpumpe mit Pumpenständer und/oder elektrische Pumpe, eventuell doppelter Pumpenstock

Zusätzlich gehen viele Arbeiten beim Errichten eines Rammbrunnens zu zweit oder zu dritt erheblich leichter. Viele dieser Werkzeuge können in Baumärkten ausgeliehen werden, andere werden im Handel als „Rammpumpensets“ angeboten. Sollten Sie sich für einen Profi entscheiden, so bringt er natürlich alle notwendigen Werkzeuge, Materialien inklusive Reservematerial und Mitarbeiter mit.

Bohrvorgang

Um den Bohrvorgang einzuleiten, wird der Bohrer senkrecht über der Erde montiert und mit zwei bis drei Umdrehungen in die Erde getrieben. Danach wird er aus dem Loch gezogen und im Gewinde befindliche Erde vorsichtig entfernt. Dies wird wiederholt, wobei sowohl beim Schrauben als auch bei der Reinigung Geduld wichtig ist. Sollte während des Bohrvorgangs ein Hindernis wie ein großer Stein das Bohren unmöglich machen, so sollte der Bohrer herausgezogen und an anderer Stelle neu angesetzt werden. Dauerhafte Beschädigungen am Bohrkopf könnten sonst die Folge sein.

Das Grundwasser ist erreicht, sobald das Erdreich am Bohrkopf nicht mehr haftet, sondern abgleitet. Je nach Beschaffenheit von Boden und Grundwasser kann auch sichtbar das Wasser aus dem Loch an die Oberfläche steigen. Nun sollte das Loch noch um einen Meter vertieft werden, bevor der Bohrer gegen das Brunnenrohr getauscht wird.

Montage und Inbetriebnahme des Rammbrunnens

Der Brunnenfilter und die Brunnenrohre werden nun miteinander über die Muffen verbunden. Dies muss sorgfältig durchgeführt werden, sodass sich die Gewinde der Rohre innerhalb der Muffen berühren. Wenn die Rohre nicht korrekt montiert werden, so können sich die Gewinde beim Rammvorgang verziehen, was zu undichten Stellen im Brunnenrohr führen kann. Die Muffen werden nun mit Hanf umwickelt und mit Fermit abgedichtet, bis das Gewinde nur noch leicht erkennbar ist. Der Schlagkopf wird auf das letzte Rohr aufgeschraubt. Nun wird das Rohr mit mehreren leichten Hammerschlägen oder einer elektrischen Ramme in den Boden getrieben. Das Rohr ist tief genug, wenn die Oberkante des Filters etwa einen Meter unterhalb der Wasseroberfläche liegt. Dies gibt ausreichend Spielraum bei starker Wasserentnahme oder trockenen Monaten, in denen der Grundwasserspiegel schwanken kann.

Nun wird der Schlagkopf entfernt und das Loch mit Wasser aus einem Gartenschlauch durchgespült, um losen Sand vom Filter zu entfernen. Auf das Rohr wird die Spülmuffe montiert und etwa 10 Minuten mit Leitungswasser rückgespült. Danach kann die Handpumpe samt Pumpenständer beziehungsweise die elektrische Pumpe, bei gleichzeitigem Einbau beider Pumpensorten auch ein doppelter Pumpenstock montiert werden. Die Handpumpe wird mit Wasser angegossen, um eine vollständige Wassersäule zu erzeugen. Dann kann mit der Handpumpe ein Pumpversuch unternommen werden. Wenn Wasser gleichmäßig und ohne Druckabriss kommt, kann das Loch zuerst mit 50 cm Kies und dann mit dem Erdaushub verfüllt werden. Nun können Sie sich über einen günstigen, aber leistungsstarken Brunnen in Ihrem Garten oder Keller freuen.

Lebensdauer und Reinigung des Rammbrunnens

Es liegt in der Natur von Rammbrunnen, dass sie nicht ewig halten. Der Filter setzt sich auch bei pfleglicher Behandlung nach und nach zu und kann irgendwann nicht mehr genug Wasser fördern, um die Pumpe zu betreiben. Bei normaler Benutzung beträgt die erwartete Betriebsdauer eines Rammbrunnens fünf Jahre. Mit einigen Schritten können Sie den Filter reinigen und die Lebensdauer erhöhen.

Um grobe Schmutzpartikel aus dem Filter zu lösen, sollte dieser regelmäßig rückgespült werden. Dazu sollten Sie in regelmäßigen Abständen die Handpumpe mit der Spülmuffe tauschen und ausreichend lange rückspülen. Je nach Bodenbeschaffenheit und Häufigkeit der Benutzung sollte dieses Rückspülen manchmal nur einmal jährlich, manchmal auch monatlich erfolgen.

Neben der mechanischen Verstopfung können auch chemische Reaktionen den Filter verstopfen. Dabei löst Kohlensäure im Wasser Mangan oder Eisen aus dem umgebenden Erdreich. Dieses wandert in den Filter und lagert sich dort als Manganoxid (Braunstein) oder Eisenoxid (Rost) ab. Wegen der typischen Farbe dieser Ablagerungen bezeichnet man diesen Vorgang auch als Verockern. Diese Ablagerungen sind säurelöslich. Geben Sie deshalb bei einer Verockerung zwei Tassen pulverförmige Zitronensäure in den Brunnenschacht und lassen Sie diese für drei Tage einwirken. Danach öffnen Sie den Brunnenschacht vorsichtig, ohne das Gesicht über den Schacht zu halten. Lassen Sie den Schacht ausdünsten und führen Sie eine Rückspülung durch, bevor Sie den Brunnen wieder in Betrieb nehmen.

Ist der Brunnen mit diesen Mitteln nicht mehr in Betrieb zu nehmen, so muss er zurückgebaut werden. Dazu wird das Brunnenrohr unter mehrfachem Drehen aus dem Boden gezogen und entsorgt. Je nach Zustand des Loches kann der Filter ausgetauscht, ein neues Rohr eingerammt oder ein komplett neuer Brunnen gebohrt werden. Im letzten Fall muss der alte Brunnenschacht jedoch sorgfältig mit Erde verfüllt werden.

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