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Bautrockner wird in einem Fertighaus-Rohbau zur Estrichtrocknung eingesetzt

Estrichtrocknung: So vermeidet man Schäden am Boden

Letzte Aktualisierung am 5. Januar 2022 von Max Lehmann

Um Estrich kommt man als Bodenleger nicht herum. Er dient entweder als Unterlage für den späteren Bodenbelag oder wird als begehbarer Estrich verlegt. Beim fachgerechten Verlegen von Estrich spielt aber auch die richtige Estrichtrocknung eine wichtige Rolle, denn ein falscher Umgang kann den Boden nachhaltig beschädigen.

Welche Estricharten gibt es?

Estrich gibt es sowohl als flüssige Masse (Fließestrich) als auch in vorgefertigten, festen Bauplatten (Fertigteilestrich). Da Fertigteilestrich schon ausgehärtet und getrocknet ist, wird er auch Trockenestrich genannt. Die korrekte Estrichtrocknung vor der Bodenverlegung ist daher nur für Fließestrich wichtig. Beim Fließestrich unterscheidet man die verschiedenen Arten über das Bindemittel:

  • Zementestrich
  • Calciumsulfatestrich
  • Gussasphaltestrich
  • Kunstharzestrich
  • Magnesitestrich

Wann ist der Estrich trocken?

Leider lässt sich das nicht pauschal sagen, denn die Dauer der Estrichtrocknung hängt von vielen Faktoren ab. Generell geben die Estrichhersteller aber an, wie der Estrich zu benutzen und zu trocknen ist. Für gewöhnlich braucht der Estrich vier bis sechs Wochen, um auf natürliche Weise zu trocknen und seine gesamte Feuchtigkeit zu verlieren. Auf vielen Baustellen wird diese Dauer aber nicht eingehalten, weil das Bauprojekt bis zu einem gewissen Zeitpunkt fertig sein muss. Diese Faktoren beeinflussen die Trocknungsdauer:

  • Estrichart / Bindemittel
  • Verlegungsmethode
  • Volumen und Dicke des Estrichs
  • Verwendung von Trocknungsbeschleuniger
  • Raumtemperatur, Raumfeuchte und Belüftung

Tatsächlich ist es für den Estrich aber auch wichtig, nicht komplett auszutrocknen. Den Bodenbelag sollte man nämlich dann verlegen, wenn der Estrich zwar trocken ist, aber noch eine bestimmte Restfeuchte hat. Dann ist der Estrich belegreif. Je nach Estrichart gibt es hier aber wieder andere Empfehlungen für den Restfeuchtegehalt und in Kombination mit einer Fußbodenheizung ändern sich die Bedingungen erneut. Es empfiehlt sich also, einen Experten für Bautrocknung und einen erfahrenen Bodenleger möglichst früh bei der Planung einzubinden.

Trocknungszeit von Zementestrich

Zementestrich ist relativ unempflindlich gegen Feuchtigkeit und trocknet daher schon nach etwa sieben bis zehn Tagen. Er besteht aus Zement, Kies/Sand und Wasser und ist dank seiner Feuchtigkeitstoleranz auch gut für Nassbereiche und den Außenbereich geeignet. Auch für eine Fußbodenheizung eignet er sich gut.

Trocknungszeit von Calciumsulfatestrich

Calciumsulfatestrich ist bei gutem Raumklima und niedriger Luftfeuchtigkeit schon nach zwei bis drei Tagen begehbar. Nach ungefähr einem Monat ist er bei richtiger Trocknung voll belastbar. Er ist aber auch sehr empflindlich gegenüber Feuchtigkeit und sollte deshalb zuvor gut austrocknen. Um das zu testen eignet sich die Calcium-Carbid-Methode, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen.

Estrichtrocknung ohne Bautrockner

Die optimale Raumtemperatur für den Estrich liegt in den ersten Tagen zwischen fünf und 15 Grad Celsius. Außerdem ist es besonders wichtig, dass der Estrich für die ersten zehn Tage keine Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung abbekommt. Dadurch trocknet zwar die Oberfläche schnell, aber das Innere bleibt weiterhin feucht und der Estrich wölbt sich.

Falls mit dem Estrich auch eine Fußbodenheizung verlegt wurde, kann auch diese für die Trocknung verwendet werden. Dazu verwenden Sie am Anfang eine niedrige Temperatur und stellen Sie von Tag zu Tag ein bisschen höher. Wenn Sie die Höchsttemperatur erreicht haben, senken Sie die Temperatur wieder Tag für Tag ab.

Jetzt sollten Sie kontrollieren, wie trocken der Estrich wirklich ist. Zuerst mit einem simplen Schnelltest: Legen Sie einfach eine luftdichte Folie auf den Estrich und warten Sie kurz. Wenn Feuchtigkeit an der Unterseite der Folie kondensiert, dann sollte man auf jeden Fall noch warten. Falls bei diesem Schnelltest aber keine Feuchtigkeit auftaucht, können Sie die Calcium-Carbid-Methode (CM-Test) nutzen.

Estrichtrocknung mit Bautrockner

Durch moderne Bauweisen werden die Bauzeiten immer kürzer und Handwerker arbeiten oft unter Zeitdruck. Die natürliche Trocknung kommt daher eher selten in Frage. Auch bei einem Wasserschaden ist die professionelle Bautrocknung unumgänglich. Dafür gibt es verschiedene Arten von Bautrocknern, die sich auch als Heimwerker mieten und nutzen lassen.

Bei der Kondensationstrocknung wird die feuchte Luft mit einem Ventilator über ein Kühlelement befördert. Dadurch kondensiert das vorhandene Wasser außerhalb des zu trocknenden Raumes und der Estrichboden trocknet schneller.

Bei der Adsorptionstrocknung wird ein feines Granulat über dem Estrich verteilt, das die Wassermoleküle bindet. Nachdem das Granulat genug Feuchtigkeit aufgenommen hat, kann es dann einfach abtransportiert werden.

Wie vermeidet man Fehler bei der Estrichtrocknung?

  • Gute Planung der Bodenverlegung
  • Volumenverlust bei mineralischem Estrich einplanen
  • Auswahl der richtigen Estrichart
  • Beachten der Herstellerangaben und des Heizprotokolls
  • Richtiges Lüften nach dem Verlegen
  • Zuständige Bautrocknungsfirma über Eigenschaften des Estrichs informieren
  • Alle Beteiligten schnell und zuverlässig informieren (Bautrocknung, Bodenleger & sonstige Handwerker)

Auch eine falsche Anwendung des Bautrockners bzw. Estrichtrockners kann schnell Schäden verursachen. Ist die Leistung zu hoch, kann der Estrich zu schnell austrocknen und rissig werden. Ist die Leistung des Bautrockners zu gering, muss er länger in Betrieb bleiben und kann dadurch zu höheren Betriebskosten führen.

Warum ist die Estrichtrocknung so wichtig?

Eine direkte Konsequenz von schlechter Estrichtrocknung können Wölbungen, Brüche und Risse sein und seine Lebensdauer verkürzt sich stark. Von der richtigen Estrichtrocknung hängt im Bau aber noch sehr viel mehr ab: Da Estrich die Grundlage für den späteren Bodenbelag bildet oder als begehbarer Estrich direkt belastet wird, kann zu feuchter Estrich zu starken Schäden an der Gesamtbausubstanz führen. Langfristig besteht auch die Gefahr für Schimmel. Das führt nicht nur zu Baufeuchteschäden, sondern wirkt sich auch auf die Gesundheit der Bewohner aus. Selbst wenn man sehr viel Glück hat, kann ein feuchter Estrich zu höheren Heizenergiekosten in den Folgejahren führen.

Bildquelle: schulzfoto/stock.adobe.com

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3 Kommentare zu „Estrichtrocknung: So vermeidet man Schäden am Boden“

  1. Interessant, dass es von Volumen und Dicke abhängt, wann der Estrich trocken ist. Ich hoffe in unserem Haus ist es bald soweit. Dann kann endlich der Bodenleger kommen.

  2. Sabine Andersen

    Gut zu wissen, dass es verschiedene Arten von flüssigem Estrich gibt. Ich hatte bisher nur von Schnellestrich gehört. Zementestrich scheint mir aktuell die beste Lösung zu sein. Es trocknet schnell und eignet sich vor allem auch für den Außenbereich.

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