Hydrokultur – schöne Pflanzen ohne Erde

Wasser, Luft, Nährstoffe und Sonnenlicht – mehr braucht es nicht, um eine Pflanze zum Wachstum anzuregen und gesund zu halten. Tatsächlich kommen auch in der freien Natur viele Pflanzen völlig ohne Erde aus, und Schädlinge und falsche Zusammensetzungen der Erde können Pflanzen stark zusetzen. Aus diesem Grund liegt der Gedanke nahe, auf Blumenerde zu verzichten und Pflanzen nur in Wasser zu züchten. Die Hydrokultur ist der Oberbegriff für alle Methoden, mit denen dieser Gedanke verwirklicht wird. Sie wird nicht nur bei Büropflanzen, sondern auch bei der professionellen Anzucht und Landwirtschaft genutzt, und zahlreiche Projekte arbeiten darauf hin, mit Hydrokultur die Landwirtschaft der Zukunft zu ermöglichen. Hier erfahren Sie mehr davon, wie Sie in Ihrem Büro oder Ihrer Wohnung schöne und gesunde Pflanzen in Hydrokultur großziehen können.

Definition und Geschichte

Definition

Hydrokultur beschreibt ein Verfahren, bei dem Pflanzen ohne Erde aufwachsen. Bei Zimmerpflanzen und in Gartenbeeten dient Blähton als Substrat, um den Wurzeln Halt zu geben. Der Blähton ist durch seine geschlossene Struktur und seine geringe Dichte ideal, um die Pflanzen zu halten, ohne mit ihnen oder dem Wasser zu interagieren. Eine Sonderform der Hydrokultur ist die Hydroponik, bei der auch auf das Substrat verzichtet wird und die Pflanzen in speziellen Körben gehalten werden. Hydroponik setzt nicht auf reines, gedüngtes Wasser, sondern auf eine spezielle Nährlösung, die mit einer Umwälzpumpe bewegt wird. Weitere Formen der Hydrokultur sind das gezielte Überfluten von Feldern, etwa beim Anbau von Reis, oder die Kultivierung natürlich allein im Wasser wachsender Pflanzen. Diese Technologien stellen zwar in der Botanik und Landwirtschaft eine wichtige Arbeits- und Forschungskomponente dar, sind dank ihres aufwendigen Betriebs jedoch für private Haushalte unbedeutend. Dieser Artikel bezieht sich aus diesem Grund nur auf Hydrokultur mit Blähton als Substrat.

Geschichte

Erste wissenschaftliche Belege für Anbauarten in Hydrokultur finden sich im 1627 erschienenen, von Francis Bacon verfassten Lehrbuch „A Natural History“. Während sich der britische Universalgelehrte vor allem auf die Pflanzenanzucht konzentrierte, wurde die erste echte wissenschaftliche Arbeit Mitte des 19. Jahrhunderts von Julius von Sachs und Wilhelm Knopp verfasst. Damals war bereits bekannt, welche chemischen Elemente für das Wachstum von Pflanzen notwendig waren, und so führten die beiden Biologen Experimente mit Pflanzen durch, die sie in mit Nährstoffen versetztem Wasser züchteten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich Hydrokultur schließlich als Zweig der Botanik und war sowohl in Gärten und der Landwirtschaft als auch bei Zimmerpflanzen Alltag geworden.

Vorteile und Nachteile von Pflanzen in Hydrokultur

Vorteile

Die Hydrokultur erleichtert die Pflege von Topfpflanzen erheblich. Aus diesem Grund ist sie besonders bei Büropflanzen beliebt, dann das Gießen gelingt dank des exakten Füllstandsanzeigers auch Menschen ohne grünen Daumen kinderleicht. Staunässe wird ebenso vermieden wie die damit einhergehende Wurzelfäule, und auch in der Erde eingenistete Parasiten – zum Beispiel Trauermücken – können einer in Hydrokultur wachsenden Pflanze nichts anhaben. Das Wässern und Umtopfen kann in deutlich größeren Abständen erfolgen und ein Gießen auf Vorrat ist möglich, womit die Pflanzen auch während des Urlaubs optimal versorgt sind. Zusätzlich verbessern Pflanzen in Hydrokultur die Raumluft, denn das Wasser im Blumentopf befeuchtet die Raumluft, während Allergiker sich über eine deutliche Verringerung von belastenden Schwebstoffen in der Luft gegenüber Topferde freuen können.

  • Einfache Pflege durch seltenes Gießen und Umtopfen
  • Vermeidung von Wurzelfäule und Parasitenbefall
  • Bessere Raumluft

Nachteile

Pflanzen in Hydrokultur sind weniger gut gegen Kälte geschützt. Selbst winterharte Pflanzen vertragen häufig keinen Frost, da ihre sonst von der Erde geschützten Wurzeln diesem vollständig ausgesetzt sind. Sollten Sie in Ihrer Wohnung Tiere halten, besteht die Gefahr, dass diese die Blähtonkugeln als Spielzeug entdecken und beträchtlichen Schaden an den Pflanzen anrichten können. Zudem ist Blähton deutlich leichter als Erde und kann großen Pflanzen nicht gut halt geben. Hierfür gibt es spezielle, schwere Substrate. Außerdem ist Hydrokultur in der Anschaffung teurer, denn neben den Wasserstandsanzeigern und dem Blähton benötigen Sie auch Spezialdünger.

  • Schlechter Kälteschutz
  • Haustiere können zu Problemen führen
  • Hohe Anschaffungskosten durch Zusatzausrüstung und eventuelles Spezialsubstrat

Umtopfen von Blumenerde zu Blähton

Material

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, ihre Pflanzen in Hydrokultur umzutopfen, dann benötigen Sie dafür einige Ausrüstung, die Sie in jedem guten Gartencenter oder Onlinehandel bekommen können. Sollten Sie sich unsicher sein, dann hilft Ihnen beim ersten Versuch sicher auch gerne Ihr*e Gärtner*in des Vertrauens. Im Einzelnen benötigen Sie für das Umtopfen neben der Pflanze:

  • Hydrokulturgefäß oder Übertopf und Einsatz
  • Wasserstandsanzeiger oder automatisches Bewässerungssystem
  • Blähton (4/8 oder 8/16)
  • Verdunstungsschutz (eine Plastikhülle in der Größe Ihrer Pflanze)

Umtopfen

Das Umtopfen gelingt außer bei kleinen Pflanzen am besten zu zweit und im Freien. Ziehen Sie die Pflanze mit Wurzelballen vorsichtig aus dem Topf, möglichst ohne die Wurzeln zu beschädigen. Dann entfernen Sie die Erde aus dem Wurzelballen mit einem weichen Wasserstrahl, bis die Wurzeln komplett freigelegt sind. Prüfen Sie die Pflanze auf Erdreste und abgestorbene Wurzelteile, die Sie mit einem scharfen Messer entfernen können. Die Pflanze ist nun bereit, in das Substrat eingebracht zu werden.

Stellen Sie den Wasserstandsanzeiger in das Hydrokulturgefäß oder den Einsatz und füllen Sie eine erste Schicht Blähton in den Topf. Sollten Sie eine Wuchshilfe wie einen Bambusstock im Topf wünschen, muss dieser auch schon jetzt eingesteckt werden. Dann halten Sie die Pflanze mit dem Wurzelballen in den Topf und füllen mit Blähton auf. Durch Klopfen und Schütteln bringen Sie den Blähton dazu, sich zwischen die Wurzeln zu bewegen. Auf keinen Fall dürfen Sie den Blähton andrücken, denn dies würde die empfindlichen Wurzeln beschädigen.

Das erste Gießen und die Umstellung sind eine kritische Phase. Gießen Sie das Wasser durch das Einfüllloch oder zwischen Übertopf und Einsatz und auf keinen Fall von oben in das Substrat, um die Pflanze zu korrektem Wurzelwachstum anzuregen. Über den Topf und die Pflanze wird der Verdunstungsschutz gestülpt, da die Wurzeln in der Anfangszeit noch nicht ausreichend zur Wasseraufnahme im Blähton fähig sind. Kontrollieren Sie die frisch umgetopfte Pflanze innerhalb der ersten Wochen täglich.

Pflege von Pflanzen in Hydrokultur

Gießen

Dank des Wasserstandsanzeigers ist Gießen kinderleicht. Der Wasserstand sollte sich möglichst mittig zwischen dem Minimum und Maximum befinden. Das Gießen bis auf das Maximum sollte nur auf Vorrat passieren, wenn Sie die Pflanze etwa wegen Ihres Urlaubs einige Zeit nicht gießen können. Regelmäßiges Auffüllen bis zum Maximum behindert die Pflanze bei der Wurzelatmung und ist schädlich. Allgemein ist das Gießintervall größer als bei Pflanzen in Erdkultur und liegt bei etwa zwei bis vier Wochen.

Düngen

Für Hydrokulturpflanzen müssen Sie speziellen Flüssigdünger verwenden, da Düngestäbchen für Erdpflanzen zu stark konzentriert sind. Diese für Ihre Pflanze geeigneten Flüssigdünger finden Sie in jedem Gartencenter oder Baumarkt. Folgen Sie den Anweisungen auf der Verpackung. Üblich sind Düngungsintervalle von zwei bis vier Wochen, typischerweise bei jedem Bewässerungsintervall als Beimengung des Gießwassers.

Umtopfen

Einmal in Blähton umgetopft, müssen Pflanzen in Hydrokultur nur umgetopft werden, wenn sie ihrem bisherigen Topf entwachsen. Dazu müssen Sie jährlich die obersten zwei bis drei Schichten Blähton austauschen, da sich hier Salze aus dem Substrat ansammeln. Der entfernte Blähton kann mit warmem Wasser abgespült und wiederverwendet werden.

Welche Pflanzen eignen sich für Hydrokultur?

Allgemein gesagt können alle Zimmerpflanzen auf Hydrokultur in Blähton umgestellt werden. Während besonders große Pflanzen spezielles, schweres Substrat benötigen, kommen alle anderen Pflanzen auch mit leichtem Substrat bestens zurecht. Von empfindlichen Pflanzen bis zu den Trockenheit liebenden Kakteen und Sukkulenten haben Sie die volle Auswahl. Klassiker der Hydrokultur sind etwa die Schmetterlingsorchidee, die auch in der Natur mit blanken Wurzeln wächst, sowie die stets feuchtes Substrat verlangenden Pflanzen Drachenbaum und Korbmarante. Auch der Trockenheit liebende Bogenhanf und die für ihre hohen Ansprüche betreffend der Düngung bekannte Monstera, auch Fensterblatt genannt, gelingen in Hydrokultur deutlich leichter als in Blumenerde.

Bild: Firn / stock.adobe.com

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