Maler streicht eine Fassade mit einem Farbroller hellgrau

Biozide in Fassaden – Schädlich für die Umwelt?

Fassadenfarben sowie Fassadenputze enthalten häufig Biozide. Die Hauptaufgabe dieser Biozide ist es, die Entstehung von unansehnlichen Verfärbungen durch Mikroorganismen wie Algen und Pilze abzutöten. Allerdings handelt es sich bei den Bioziden um giftige Stoffe, die durch den Regen ausgewaschen werden können und dadurch die Umwelt belasten sowie gefährden.

Bild: andrey gonchar / stock.adobe.com

Warum sind Biozide in Farben und Putzen?

Grundsätzlich siedeln sich an jeder Hauswand, an der sich Kondenswasser bildet, Mikroorgansimen in unterschiedlichsten Formen und Farben an. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Grünalgen, Schwarzschimmel, Moose, Flechten oder andere Pilze. Dieser Bewuchs ist für die eigentliche Funktion der Fassade völlig unerheblich. Doch für viele Hausbesitzer stellen diese Verfärbungen optisch gesehen einen deutlichen Mangel dar – auch wenn es sich aus juristischer Sicht hierbei nicht um einen Mangel handelt. Um diesen optischen Mangel erst gar nicht entstehen zu lassen, greifen viele Hausbesitzer zu Fassadenfarben beziehungsweise Fassadenputzen, die mit Bioziden versetzt sind. Dabei handelt es sich bei Bioziden allgemein um Mikroorganismen und Chemikalien, die in den verschiedensten Bereichen zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. So auch im Rahmen der Fassadenfarben und Fassadenputze. Hierbei wird durch die Zugabe von Bioziden die Fassade durch einen Film konserviert. Diese Filmkonservierung soll die Fassade dann vor dem Befall mit Mikroorganismen sowie dadurch entstehende Verfärbungen schützen. Dank der hohen Langlebigkeit der Biozide kann die Hausfassade mithilfe dieser Filmkonservierung auch über eine längere Zeitspanne von mehreren Jahren gut geschützt werden.

Allerdings wirkt das Biozid gegen den unerwünschten Bewuchs nur dann, wenn es nicht nur langlebig, sondern auch wasserlöslich ist. Jedoch sorgt gerade diese wasserlösliche Eigenschaft für schwerwiegende Folgen. Denn durch stetige Umwelteinflüsse wie Regen, Schnee oder Sonneneinstrahlung sowie durch die jahreszeitlich bedingten Temperaturschwankungen verwittert die Fassadenfarbe beziehungsweise der Fassadenputz mit der Zeit. Folglich werden die Biozide aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit und der zusätzlichen Fassadenverwitterung nach und nach aus der Fassade herausgewaschen. Und genau diese herausgewaschenen Substanzen gelangen dann in die Kanalisation, das Erdreich und in siedlungsnahe Gewässer, wo sie schwerwiegende Auswirkungen für die Ökologie hervorrufen. Denn die meisten Biozidwirkstoffe sind für Wasserorganismen und Fische äußerst schädlich. Hinzu kommt, dass die Substanzen durch ihren Einsatz das Nahrungsangebot von Insekten verringern, wodurch diese einen indirekten Beitrag zum Insektensterben leisten.

Neben Fassadenfarben und Fassadenputzen werden die Biozide heutzutage auch für wurzelfeste Dachbahnen verwendet und im Bereich der Landwirtschaft eingesetzt. Auch bei der sogenannten Topfkonservierung, die Kosmetikprodukte und Bauprodukte im Gebinde haltbar machen soll, werden Biozide angewandt. In manchen Fällen kommen Biozide auch zur Reinigung von Fassaden zum Einsatz, um diese wieder im neuen Glanze erstrahlen zu lassen.

Warum sind manche Biozide in der Landwirtschaft verboten, aber beim Bau erlaubt?

Eine Untersuchung von Umweltchemikern der Universitäten Lübeck, Freiburg und Lüneburg ergab, dass die langlebigen chemischen Verbindungen der Biozide nicht nur in der Kanalisation und im Erdreich, sondern auch im Grundwasser nachgewiesen werden können. Bei den Untersuchungen konnten im Grundwasser fast alle gängigen Biozide nachgewiesen werden, welche zum Fassadenschutz eingesetzt werden. Hierzu zählen auch Rückstände von Diuron und Terbutryn, die in der Landwirtschaft früher mal als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, aber in diesem Bereich seit über 20 Jahren untersagt sind.

Doch warum werden diese Stoffe im Baubereich weiter eingesetzt, obwohl diese in der Landwirtschaft bereits längst verboten sind? Hierfür ist die unterschiedliche Rechtslage der EU verantwortlich, welche die Anwendung solcher Substanzen je nach deren Einsatzgebiet überprüft und zulässt. Da es sich bei einer solchen Überprüfung und Zulassung um ein Verfahren handelt, das über mehrere Jahre andauert, können in verschiedenen Einsatzgebieten für ein und dieselbe Substanz unterschiedliche Regulierungen vorhanden sein. So wurden manche Biozide für den Einsatz im Bereich der Landwirtschaft durch ein solches langjähriges Verfahren bereits überprüft und anschließend verboten. Diese vollständige Überprüfung steht im Baubereich bei den Baustoffen allerdings noch aus. Demnach ist der Einsatz von Bioziden im Baubereich noch nicht vollständig überprüft, wodurch hier teils noch Biozide zur Anwendung kommen dürfen, die in der Landwirtschaft bereits seit mehreren Jahren verboten sind.

Wie wird das Risiko erforscht?

Wie groß das Risiko und die Gefahr durch Biozide wirklich ist, die durch den Regen oder Schnee in die Umwelt gelangen, wird in Bayern an der Hochschule Coburg in zwei Forschungsprojekten erforscht. Dabei befassen sich beide Forschungsprojekte, die vom Wirtschafts- und Umweltministerium in Bayern finanziert werden, mit biozidhaltigen Baustoffen und deren Auswirkung auf die Umwelt. Bestandteil dieser Forschungsprojekte ist auch ein Freiland-Versuchsaufbau, in denen die Umweltbelastung durch biozidhaltige Fassadenfarben und Fassadenputze im Ablaufwasser untersucht und analysiert wird. Für diese Freilandstudie wurde auf einem Parkplatz, der sich in der Nähe der Hochschule befindet, eine Vielzahl von kniehohen Betonsteinen aufgestellt. Die senkrechte Fläche der Betonsteine wurde jeweils mit verschiedenen biozidhaltigen Putzen und Farben versehen, die auch im Bereich des Hausbaus und dem Baubereich angewandt werden. So soll mithilfe dieses Versuchsaufbaus eine echte Hausfassade mit einem modernen Farb- oder Putzanstrich in Miniatur simuliert werden. Die Miniaturfassaden bleiben auf dem Parkplatz für ein Jahr im Freien stehen, wo sie jeder Witterung ausgesetzt sind. Das dabei entstehende Ablaufwasser wird von der Forschergruppe aufgefangen und im Labor genauer analysiert.

Alternativen

Wenn Sie Ihre Fassade neu streichen oder an Ihrem Haus einen neuen Putz anbringen möchten, finden Sie eine Reihe von Farben und Putzen, die über eine mehr oder weniger hohe Beimischung von Bioziden verfügen. Allerdings müssen Sie nicht zwangsläufig auf Farben und Putze mit Bioziden zurückgreifen. Denn es gibt vielseitige Alternativen zu den biozidhaltigen Fassadenanstrichen und Fassadenputzen, mit denen Sie nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch Ihre Fassade frei von unschönen Pilzflecken und Algenbelägen halten. Greifen Sie anstelle von biozidhaltigen Farben und Putzen beispielsweise zu Kalkputzen oder alkalischen Silikatanstrichen, die dank ihres hohen pH-Wertes eine Bildung von Pilzen und Algen auf Ihrer Fassade ebenfalls verringern beziehungsweise ganz verhindern. Hinzu kommt, dass diese biozidfreien Farben und Putze auch keine Topfkonservierung benötigen und somit komplett frei von den umweltbelastenden Bioziden sind. Zudem bieten viele Hersteller ihre klassischen Fassadenfarben und Fassadenputze auch ausdrücklich ohne beigemischten Bioziden an. Hierbei wird stattdessen auf die Verwendung von Titandioxid zurückgegriffen. Dieses spezielle Oxid soll dann mithilfe des fotokatalytischen Effektes das Wachstum von Pilzen und Pflanzen verhindern. Welche konkrete Farb- oder Putzart für Sie sinnvoll ist, können Ihnen Maler und Farbhändler, die Sie schnell und einfach bei Blauarbeit finden, einschätzen.

Neben den verschiedenen biozidfreien Farben und Putzen lassen sich aber auch bereits während der Bauplanung einige Vorkehrungen treffen, die eine spätere Bildung von Algen und Pilzen auf Ihrer Hausfassade verhindern. Sollten Sie daher mitten in der Planung Ihres neuen Eigenheims stecken, können Sie bei Ihrem Haus ein überstehendes Dach umsetzen, das Ihnen den Regen und somit auch die Feuchtigkeit von der Fassade fernhält. Denn wird eine Fassade weniger feucht, bilden sich folglich weniger Mikroorganismen wie Algen und Pilze. Auch bei der angebrachten Dämmung kann grundsätzlich infrage gestellt werden, wie viel davon wirklich notwendig ist und was dabei über ein mäßiges Heizen erzielt werden kann. Außerdem ist es eine Überlegung wert, ob Sie bei Ihrer Fassadengestaltung von vornherein auf einen dunkleren Fassadenfarbton setzen, damit der Bewuchs von Algen, Pilzen und Moos gar nicht oder nur kaum sichtbar ist. Denn schlussendlich ist der Bewuchs der Fassade mit Moos, Flechten, Algen oder Pilzen grundsätzlich nur ein ästhetisches und kein schwerwiegendes Problem. 

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