Ein Einbruch ist mehr als nur ein finanzieller Schaden. Es ist das sehr belastende Gefühl, dass jemand Fremdes unbefugt in den persönlichen (und intimsten) Rückzugsräumen war. Nicht wenige Einbruchsopfer fühlen sich danach in den eigenen Wänden nicht mehr sicher – Umzug ist dann oft die einzige Lösung.
Schutz gegen Einbrecher ist deshalb ein Thema, mit dem sich jeder grundsätzlich befassen sollte. Aber: Nüchtern, strategisch und auf echte Wirksamkeit fokussiert, ohne im Alltag das Gefühl aufkommen zu lassen, in einer regelrechten Festung leben zu müssen. Dinge, die angesichts der typischen Täterprofile und – vorgehensweisen wirklich funktionieren, haben wir im Folgenden zusammengefasst.
Wie denken und handeln Einbrecher?
Leider ist das Fernsehen dafür verantwortlich, dass über Einbrecher zahlreiche Irrtümer im Umlauf sind. Vor allem dieser: Sie sind in den allerseltensten Fällen mit allen Wassern gewaschene Profis, die höchstens von Fort-Knox-artigen Sicherheitsmaßahmen gehindert werden. Auch stimmt es nicht, dass die Täter meistens nachts zuschlagen. Im Gegenteil, auf den Zeitraum zwischen 20 und 6 Uhr entfällt seit vielen Jahren schon weniger als jeder Siebte Einbruch.
Gerade, wenn man keine Person in exponierter Position oder von bekanntem größerem Reichtum ist, hat „der” Einbrecher meist ein klar umrissenes Profil:

Der typische Einbrecher schlägt dann zu, wenn er eine günstige Gelegenheit sieht. Dann muss es schnell und leise gehen. Sobald er zu viel Zeit benötigt zu viel Lärm machen würde oder gesehen werden könnte, bricht er meistens ab.

Laut der Polizei dauert ein Durchschnittseinbruch insgesamt nur fünf Minuten! Genau deshalb genügt es für die breite Masse von Personen, sich beim Einbruchschutz auf zwei Dinge zu fokussieren:

Somit kann bereits ein eine voller Blumenvasen stehende Fensterbank auf der Innenseite ein wirksamer Einbruchschutz sein – weil die Vasen beim Aufbrechen zwangsläufig herabfallen und jede Menge Lärm verursachen würden.
Im Gegenzug können martialisch wirkende Vergitterungen oder Alarmanlagen sogar kontraproduktiv sein, indem sie signalisieren „Hier gibt es etwas von besonderem Wert”. Deutlich wirksamer sind deshalb die folgenden Dinge.
Ordentliche Tür- und Fenstersicherungen
Kaum ein Einbrecher macht sich per Dietrich über die (meist gut einsehbare) Haustür her. Die meisten gehen den
„Schraubenzieherweg” über schlechter einsehbare Fenster und Fenstertüren. Dementsprechend hilft es, diese gut abzusichern:
- Pilzkopfverriegelungen – extrem wirksam gegen Aufhebeln.
- Nachrüstbare Zusatzverriegelungen innen, am besten mit Schloss.
- Stabile Scharniere und Schließbleche.
Bereits Türen und Fenster mit Schutzklasse RC2N (keine Sicherheitsverglasung) genügen für die meisten Privatpersonen. Klasse RC3 schützt sogar gegen besser ausgerüstete Täter und verzögert um mindestens fünf Minuten.
⚠️Wichtig: Abschließbare Fenstergriffe sind allein kein wirksamer Einbruchschutz, da nur
die Griffbetätigung unterbunden wird – gegen Aufhebeln hilft das nichts.
Rollläden
Rollläden können, wenn sie gegen Aufschieben von außen gesichert sind, den Tür- und Fensterschutz nochmals beträchtlich erhöhen. Und wer Rollladen nachrüsten will, sollte durchaus für dieses Feature Zusatzkosten ausgeben.
Allerdings ist selbst der einfachste, gurtbetätigte Rollladen besser als gar nichts – denn im Mindestmaß verwehrt er jeglichen Blick ins Innere und damit den schnellen Check, ob jemand zuhause ist oder ob Licht und Fernseher in einem leeren Haus laufen.
Noch besser wird es, wenn der Rollladen elektrisch gesteuert wird – idealerweise durch Smart-Home-Technik. In dem Fall lassen sich komplexe Anwesenheitssimulationen erstellen, die selbst einen mehrere Tage lang beobachtenden Einbrecher verwirren würden.

Außenbeleuchtung
Einbrecher wollen nicht gesehen werden. Daher schlagen sie so oft in den Herbst- und Wintermonaten am späten Nachmittag zu. Dann ist es bereits dunkel, aber viele Bewohner sind noch unterwegs.
Das bedeutet auch:

Es geht also im Außenbereich nicht darum, durch Licht Anwesenheit zu simulieren, sondern darum, Deckung durch Dunkelheit zu nehmen und das Licht als „Alarmanlage” zu verwenden.
Innenbeleuchtung
Umgekehrt ist es in Innenräumen. Hier liegt der Fokus darauf, Anwesenheit zu simulieren, selbst wenn kein Bewohner vor Ort ist. Das kann bei herabgelassenen Rollläden schon durch simple Dauerbeleuchtung funktionieren – sie ist höchstens durch Rollladenspalte und Ähnliches sichtbar.
Wirksamer ist jedoch eine Steuerung. Etwa kurzes An und Aus im Treppenhaus, zweiminütige Brenndauer im Badezimmer (typisch für einen Toilettengang), Einschalten im Heimbüro morgens zu „Arbeitsbeginn” oder in Küche und Wohnzimmer zur Feierabendzeit.

ℹ️ Tipp: Manche Zeitschaltuhren und insbesondere Smart-Home-Systeme können die Zeitschalten variieren und dadurch noch lebensechter machen. Beispielsweise montags um 17:53 Uhr, dienstags schon um 17:45.
Gesicherte Hilfsmittel und Wertsachen
Gelegenheit macht Diebe – gilt auch bei Einbrechern. Wer etwa alle Parterrefenster sichert, aber das Schlafzimmerfenster im ersten Stock gekippt lässt und in der offenen Garage eine Leiter bereitliegen hat, lädt einen Einbrecher regelrecht dazu ein, es zu versuchen.
In diesem Sinne sollte Folgendes gelten:
Keine durch die Fenster sichtbar herumstehende/-liegende, leicht transportable Wertgegenstände.
Keine ungesicherten Hilfsmittel zum Klettern oder anderweitigen Überwinden der Maßnahmen – etwa Werkzeug.
Schaltbare Außensteckdosen, damit wenigstens kabelbasierte Elektrowerkzeuge nicht genutzt werden können.
Keine Schlüsselverstecke irgendwo im Außenbereich. Auch Einbrecher informieren sich im Internet über sowas.
Mit anderen Worten: Es vor allem den Tätern in spe nicht leichter machen, indem man sich selbst kopflos verhält.
ℹ️ Übrigens: Entgegen einem leider weitverbreiteten Irrglauben hält es Einbrecher nicht davon ab, ihnen im Haus an gut erreichbarer Stelle Geld bereitzulegen, quasi im Tausch gegen Durchwühlen – sowas ist bloß eine Zusatzbeute.
Fazit: Einbruchschutz braucht Köpfchen statt Overkill
Zweifellos bedeuten Gitter, hohe Mauern und Ähnliches einen sehr hohen Einbruchschutz. Allerdings kommen sie nicht zu einem entsprechenden Preis, sondern sind für die meisten Einbrecher entweder Overkill oder locken diese sogar erst an.
Wer sein Heim wirklich schützen möchte, sollte sich auf Effizienz statt Effektivität fokussieren. Und das bedeutet vor allem:
Das Haus uninteressant wirken lassen
Unbemerktes Agieren verunmöglichen
Risikoerhöhung durch Zeitfaktor-verlängerung
Einbrecher wollen schließlich auch nicht geschnappt werden. In diesem Sinn kann ein gut gegen Aufhebeln gesichertes Fenster genau so wirksam sein wie dicke Edelstahlstäbe davor – bloß ganz erheblich günstiger und ohne “JVA-Look”.
Bildquellen: Flux Kontext Fast




