Heimische Holzarten – für nachhaltiges und langlebiges Bauen

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Wer nachhaltig bauen und lange Transportwege vermeiden möchte, ist gut damit beraten, heimische Holzarten in Erwägung zu ziehen. Im folgenden Artikel erhalten Sie eine Übersicht über die beliebtesten einheimischen Hölzer, ihre Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten.

Heimische Nadelhölzer

Fichte (Picea abies)

Fichtenholz gehört zu den beliebtesten Holzarten Europas. Das Nadelgehölz Fichte kann besonders vielseitig genutzt werden, was die Holzart so beliebt macht. Ein großer Vorteil von Fichten ist, dass sie relativ schnell wachsen und somit in regionalen Nutzbeständen stets verfügbar sind, um als Nutzholz weiterverarbeitet zu werden. Fichtenholz ist eher mittelschwer, wobei Gewicht, Festigkeit und Elastizität in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Zudem ist Fichtenholz weich und weist eine geringe Dichte auf, weshalb es sehr einfach verarbeitet und vielseitig eingesetzt werden kann. Allerdings sollten Sie beachten, dass Fichtenholz, wenn es im Außenbereich eingesetzt werden soll, stets einer Oberflächenbehandlung bedarf, damit es witterungsbeständig ist. Das Holz der Fichte wird gern als Baukonstruktionsholz verwendet, etwa für Dachstühle und den Innenausbau, aber auch für Treppen, Möbel und für Lärmschutzwände.

Douglasie (Pseudotsuga menziesii)

Das aus Kanada stammende Nadelgehölz Douglasie ist seit dem 18. Jahrhundert in Europa verbreitet und wird zunehmend als Alternative zu Fichtenholz verwendet. Das Holz ist witterungsbeständiger und verträgt Trockenheit und Hitze deutlich besser. Zudem ist das Holz der Douglasie schwerer und härter als das der Fichte und das Douglasienholz weist gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften auf. Eine Oberflächenbehandlung ist allerdings ebenfalls erforderlich, um Witterungsbedingungen optimal gewachsen zu sein. Eingesetzt wird das Holz der Douglasie für Dachkonstruktionen, den Fenster- und Türenbau sowie für tragende Baukonstruktionen. Auch für Wandverkleidung und Außenfassaden kann es bedenkenlos benutzt werden.

Kiefer (Pinus sylvestris)

Wie die Fichte ist die Kiefer in Deutschland besonders weit verbreitet. Kiefernholz ist eher mittelschwer und ist sowohl elastisch als auch fest. Abgesehen von der eher hohen Harzentwicklung lässt sich das Holz der Kiefer gut verarbeiten. Wird es gehobelt, kann es manchmal reißen. Kommt es in Kontakt mit Erde, sollte es unbedingt vorher behandelt werden, da es sonst zu einer Fäulnisbildung kommen kann. Dies gilt insbesondere, wenn es im Rahmenwerkbau und im Landschafts- und Gartenbau eingesetzt wird. Im Innenbereich wird es für Türen, Fenster, Fußböden und den Möbelbau verwendet.

Lärche (Larix decidua)

Bei Lärchenholz handelt es sich um eine besonders harte einheimische Holzart, die in Hinblick auf ihre Härte und Schwere sogar noch das allseits beliebte Eichenholz übertrifft. Neben dem nur selten genutzten Eibenholz ist das Holz der Lärche das schwerste und härteste Nadelholz, das in Deutschland als Nutzholz zur Verfügung steht. Bei der Bearbeitung ist zu beachten, dass Lärchenholz besonders harzhaltig ist. Ansonsten lässt sich das Nadelholz aber hervorragend bearbeiten, da Festigkeit und Elastizität in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Zudem ist Lärchenholz langlebig, sollte aber, wenn es im Außenbereich verwendet wird, vorab behandelt werden. Hier kommt es im Garten- und Landschaftsbau ebenso zum Einsatz wie beim Brückenbau oder der Errichtung von Kinderspielplätzen. Darüber hinaus ist Lärchenholz häufig im Möbelbau anzutreffen.

Heimische Laubgehölze

Eiche (Quercus petraea oder Quercus robur)

Das Holz der Eiche ist robust und beständig und seit jeher eines der beliebtesten Laubgehölze, das für den Konstruktionsbau genutzt wird. Eichenpfähle tragen Städte wie Venedig und Amsterdam schon seit vielen Jahrhunderten, was wenig verwundert, da das Kernholz der Eiche unter Wasser nahezu unverwüstlich ist. Eichenholz ist hart und mittelschwer und wird biegsam, wenn es gedämpft wird. Zudem ist es sehr witterungsbeständig, weshalb man es im Außenbereich unbehandelt verwenden kann. Die hervorragenden Festigkeitseigenschaften resultieren aus der hohen Dichte und der anatomischen Struktur der Laubholzart und auch der hohe Abnutzungswiderstand ergibt sich aus diesen positiven Charakteristika. Ein weiterer Pluspunkt von Eichenholz ist, dass das Holz sehr leicht bearbeitet werden kann. Allerdings sollten Sie beachten, dass Eichenholz eine Gerbsäure enthält, die dazu führt, dass Nägel und Schrauben mit der Zeit rosten können. Seit jeher ist Eichenholz ein weit verbreiteter Werkstoff im Möbelbau, wobei Massivholzmöbel aus Eichenholz als besonders wertvoll gelten. Weiterhin kommt es im Bereich Bautischlerei zum Einsatz und findet im Innenausbau in Form von Rahmenwerken, Treppen, Fenstern und Türen Verwendung. Parkettböden aus Eiche sind nach wie vor beliebt. Da Eichenholz wasserresistent ist, wird es außerdem im Schiffsbau eingesetzt.

Buche (Fagus)

Buchen machen den Großteil des heimischen Laubwaldes aus – 15 Prozent aller deutschen Wälder bestehen aus Buchen. Buchenholz ist sehr hart und hat einen hohen Abnutzungswiderstand. Das macht das Holz für die Weiterverarbeitung und holzwirtschaftliche Nutzung interessant. Dämpft man Buchenholz, lässt es sich hervorragend biegen. Außerdem trägt die homogene Struktur des Buchenholzes dazu bei, dass man es optimal hobeln, drechseln, polieren und sägen kann. Verwendet man Buchenholz im Außenbereich, sollte die Oberfläche behandelt werden, da das Holz anfällig für Pilzbefall ist. Im Trocknungsprozess kann es schrumpfen und unter Wassereinfluss wieder aufquellen. Im Außenbereich wird Buchenholz oftmals für Bahnschwellen eingesetzt. Für den Bau hochwertiger und robuster Möbel wird Buchenholz bevorzugt eingesetzt. Außerdem ist das Holz ideal für Fußböden geeignet, da es aufgrund seiner Härte und Zähigkeit druckbeständig ist.

Linde (Tilia)

Lindenbäume gehören in Deutschland traditionell zum Bild dörflicher Idylle, denn nahezu jedes Dorf hatte ursprünglich einen Lindenbaum auf dem Marktplatz oder einem anderen, zentralen Versammlungsort stehen. Lindenholz ist eher weich und zäh und bringt gute Elastizitätseigenschaften mit. Allerdings ist es nicht sehr biegsam. Das Holz der Linde trocknet zudem eher langsam und neigt dazu, zu reißen. Die Witterungsbeständigkeit von Lindenholz hält sich somit in Grenzen. Lindenholz wird deshalb eher im Innenbereich verwendet und ist hier in der Bildhauerei, für Drechselarbeiten und im Instrumentenbau weit verbreitet.

Birke (Betula)

Birken wachsen vergleichsweise schnell und sind deshalb ideal für die holzverarbeitende Industrie als Nutzholz geeignet. Das heimische Laubgehölz ist eher leicht und mittelhart und bringt eine gute Biegsamkeit und Elastizität mit. Dafür ist das Holz eher weniger robust und träge und es ist auch nicht sonderlich witterungsbeständig. Unter Wasser weist Birkenholz allerdings eine optimale Beständigkeit auf. Das Holz der Birke wird häufig für Furniere und Sperrholz verwendet und kommt im Möbelbau zum Einsatz. Wäscheklammern und Besenstiele sind ebenfalls oftmals aus Birkenholz gefertigt. Für Baukonstruktionen kommt das Holz aufgrund seiner geringen Trägheit eher nicht infrage. 

Kirsche (Prunus avium)

Heimische Kirschbäume bringen eine hohe Hitze- und Trockenheitstoleranz mit und tragen vor allem im Frühling aufgrund ihrer wunderbaren Blütenpracht zu einem aufgelockerten Stadtbild bei. In heimischen Wäldern werden Kirschen als Nutzholz angebaut, da das mittelharte Holz über gute Elastizitäts- und Festigkeitseigenschaften verfügt. Das Holz ist vergleichsweise teuer und lässt sich gut verarbeiten. Besonders beliebt ist Kirschholz im Möbelbau, wo es für hochwertige Massivholzmöbel verwendet wird. Möbel aus der Biedermeierzeit bestanden zum großen Teil aus Kirschholz und erfreuen sich bis heute bei Antiquitätensammlern großer Beliebtheit. Weiterhin wird das Kirschenholz für anspruchsvolle Innenausstattungen verwendet und ist in historischen Gebäuden häufig in Form von Vertäfelungen zu finden. Edle Furniere bestehen oft aus dem Holz des Kirschbaums. Im Instrumentenbau ist Kirschholz ebenfalls verbreitet, insbesondere für kostbare Instrumente wie Geigen.

Heimische Nadel- und Laubhölzer – die nachhaltige Alternative

Heimische Hölzer verfügen über hervorragende Eigenschaften, weshalb es sinnvoll ist, auf sie zurückzugreifen, statt exotische Hölzer zu importieren. Während einige Hölzer wie die Fichte, Douglasie und Eiche vor allem im Konstruktionsbau eingesetzt werden, kommen wieder andere Hölzer wie Lärche, Buche und Linde im Innenausbau zum Einsatz. Hochwertige Hölzer wie Eiche und Kirsche sind ideal für den Bau kostbarer Massivholzmöbel geeignet, ohne, dass hierfür lange Transportwege vonnöten sind, die sich negativ auf die Umwelt auswirken. 

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