BIM: Was ist das und welchen Nutzen hat es im Handwerk?

Wenn man sich mit der Digitalisierung in der Baubranche beschäftigt, stößt man früher oder später auf BIM. Doch was steckt hinter diesem Begriff und wie kann BIM Handwerker*innen im Arbeitsalltag helfen? Wir verraten Dir alles, was Du darüber wissen musst.

Bild: HENADZ / stock.adobe.com

Was ist BIM? 

BIM steht für Building Information Modeling, was auf Deutsch Gebäudedatenmodellierung heißt. Dabei handelt es sich um eine Methode der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden. Bei dieser Methode werden alle relevanten Daten eines geplanten Gebäudes mit Hilfe einer Software digital erfasst und in einem 3D-Modell dargestellt. Das Besondere dabei ist, dass alle Beteiligten eines Bauwerks mit dem BIM-Modell arbeiten und damit miteinander vernetzt sein können. So können neben Bauherr*innen, Architekt*innen und weiteren Beteiligten auch Handwerker*innen auf dasselbe Gebäudemodell zugreifen, um alle Daten einzusehen und diese gegebenenfalls um weitere Informationen zu erweitern.

Was brauchen Handwerker*innen, um BIM nutzen zu können?

Um mit BIM starten zu können, brauchen Handwerker*innen im Grunde nur einen Computer mit Internetzugang. Zudem wird ein Viewer-Programm benötigt, um auf das 3D-Modell zugreifen zu können. Diese sind meist kostenlos, allerdings können in bestimmten Fällen dennoch kosten entstehen. Denn wenn Handwerker*innen am 3D-Modell mitarbeiten sollen, müssen gegebenenfalls kostenpflichtige Plug-ins oder Add-Ons installiert werden. Ob und welche zusätzlichen Programme benötigt werden, kommt allerdings unter anderem auch auf die Softwarelösung an, die genutzt wurde, um das 3D-Modell zu erstellen.

Big, little, open und closed: Die BIM-Varianten im Überblick

Wer sich mit Building Information Modeling beschäftigt, wird oft mit den Begriffen big, little, open und closed konfrontiert. Diese beschreiben im Grunde, wie BIM bei einem Projekt genutzt wird. Im Folgenden geben wir dir einen Überblick über die vier Varianten.

Big-BIM:

Big-BIM bezeichnet die fächerübergreifende Anwendung der BIM-Methode. Das heißt, es arbeiten alle Projektbeteiligten vom Start bis zum Ende gemeinsam mit der BIM-Methode.

Little-BIM:

Mit Little-BIM wird die eingeschränkte Anwendung der BIM-Methode bezeichnet. Man spricht davon, wenn Building Information Modeling nur von einem einzigen Projektbeteiligten wie beispielsweise dem Bauunternehmen genutzt wird.

Open-BIM:

Bei Open-BIM dürfen alle Projektbeteiligten selbst aussuchen, welche BIM-Softwarelösung sie verwenden möchten. Es findet hier ein offener Datenaustausch zwischen allen Beteiligten statt. 

Closed-BIM:

Von Closed-BIM spricht man, wenn alle Projektbeteiligten mit einer vorgegebenen Software verpflichtend arbeiten müssen.

Vorteile von BIM für Handwerker*innen

Building Information Modeling bringt für alle Beteiligten eine Reihe an Vorteilen mit sich. Handwerker*innen können das BIM-Modell während der Bauplanung- und Bauausführung nutzen, um sich detailliertere Informationen zu bevorstehenden Arbeiten zu beschaffen, die manchmal in der ausgehändigten Leistungsbeschreibung oder in analogen Plänen fehlen. Das könnten beispielsweise im Fall eines Fenstereinbaus Daten über die konkrete Einbausituation auf der Baustelle sein. Für Handwerker*innen können sich übrigens auch Vorteile über die Fertigstellung hinaus ergeben. Denn durch das BIM-Modell kann der Aufwand bei Reparaturen gesenkt werden. So müssen Handwerker*innen bei einem Reparaturfall nicht mehr vor Ort sein, um sich das Problem anzuschauen. Sie können beispielsweise im Fall eines kaputten Fensters stattdessen im hinterlegten BIM-Modell nach der Ausstattung schauen und dementsprechend ein Ersatzteil bestellen.

Welche Probleme gibt es aktuell bei der Anwendung von Building Information Modeling?

Building Information Modeling wird vor allem bei der Bauplanung- und Bauausführung genutzt. Das Problem ist allerdings, dass viele Handwerksbetriebe sich mit BIM noch nicht ausreichend auseinandersetzen konnten. Neben der noch nicht ausreichend geklärten Vergütungsregelung spielt auch die unzureichende Einbindung von Handwerker*innen bei Bauprojekten dabei eine wichtige Rolle. So bekommen Handwerker*innen in manchen Fällen beispielsweise keine 3D-Daten von den Auftraggebern und Planern zur Verfügung gestellt. Das sorgt dafür, dass sie oft beim Thema BIM hinterherhängen. Ein weiterer Grund ist, dass viele Auftraggeber den möglichen Mehrwert von Building Information Modeling noch nicht erkennen und von einer Nutzung absehen.

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