Mauerwerk entsteht, wenn Steine im Verband aufeinandergesetzt und mit Mörtel verbunden werden. Je nach Steinart, Wandaufbau und Verband erfüllt die Wand ganz unterschiedliche Aufgaben: Sie trägt Decken und Dach, trennt Räume oder bleibt als Sichtmauerwerk bewusst unverputzt. Das Mauern einer Wand kostet je nach Stein 60 bis 150 € pro m². Dieser Überblick stellt die wichtigsten Mauerwerksarten vor, porträtiert die gängigen Mauersteine und Verbände und zeigt, mit welchen Kosten und typischen Schäden Sie rechnen sollten.
Welche Funktionen übernimmt Mauerwerk?
Mauerwerk wird nach seiner Aufgabe im Gebäude eingeteilt: Tragende Wände leiten die Lasten aus Decken, Dach und darüberliegenden Geschossen bis ins Fundament, nichttragende Wände teilen lediglich Räume auf, und Sichtmauerwerk übernimmt zusätzlich eine gestalterische Rolle.
Tragende Wände sind in der Regel mindestens 11,5 cm dick, bei Außenwänden sind je nach Steinart 17,5 bis 49 cm üblich. Sie dürfen nur nach statischer Planung verändert oder durchbrochen werden. Aussteifende Wände stabilisieren das Gebäude zusätzlich gegen Windlasten, obwohl sie auf den ersten Blick wie einfache Trennwände wirken. Nichttragende Wände lassen sich dagegen vergleichsweise frei planen und später versetzen. Sichtmauerwerk bleibt innen oder außen unverputzt und stellt entsprechend hohe Ansprüche an Steine, Fugenbild und handwerkliche Ausführung. Nebenbei erfüllt massives Mauerwerk weitere Aufgaben: Es dämpft Lärm zwischen Räumen, speichert Wärme und gilt als nicht brennbar, weshalb gemauerte Wände oft auch als Brandwände dienen.
Welche Steinarten stehen zur Auswahl?
Für Mauerwerk kommen im Wesentlichen fünf Steingruppen infrage: Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Beton- und Leichtbetonsteine sowie Naturstein. Jede Gruppe hat ein eigenes Profil aus Tragfähigkeit, Wärmedämmung, Schallschutz und Preis.
Ziegel
Der gebrannte Tonziegel ist der Klassiker unter den Mauersteinen. Porosierte Hochlochziegel dämmen so gut, dass Außenwände ohne zusätzliche Dämmschicht möglich sind, massive Vollziegel punkten bei Tragfähigkeit und Schallschutz. Welche Varianten es gibt und wofür sie taugen, erklärt der Ratgeber zu den Ziegelarten.
Kalksandstein
Kalksandstein wird aus Kalk, Sand und Wasser gepresst und dampfgehärtet. Seine hohe Rohdichte macht ihn extrem tragfähig und zu einem der besten Schallschutzsteine, als Außenwand braucht er allerdings immer eine zusätzliche Dämmebene. Typische Einsatzorte sind tragende Innenwände und Wohnungstrennwände, bei denen jede eingesparte Wanddicke Wohnfläche gewinnt.
Porenbeton
Porenbeton ist der leichteste gängige Mauerstein: Millionen feiner Luftporen verleihen ihm hervorragende Dämmwerte, außerdem lässt er sich mit der Handsäge bearbeiten. Wie er sich gegen den Kalksandstein schlägt, zeigt der direkte Vergleich Porenbeton oder Kalksandstein.
Beton- und Leichtbetonsteine
Betonsteine bestehen aus Zement und Gesteinskörnung, mit porigen Zuschlägen wie Bims oder Blähton werden daraus wärmedämmende Leichtbetonsteine. Schwere Betonsteine kommen häufig im Keller und im Garten zum Einsatz, Leichtbetonsteine eignen sich auch für Außenwände.
Naturstein
Granit, Sandstein oder Kalkstein werden heute nur noch selten für tragende Hauswände genutzt. Ihre Domäne sind Gartenmauern, Sockel und die Sanierung historischer Gebäude, wo sie mit ihrer einzigartigen Optik überzeugen.
| Steinart | Stärken | Grenzen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Ziegel | ausgewogen, porosiert gut dämmend | Schallschutz bei Leichtziegeln nur mittel | Außenwände, komplette Rohbauten |
| Kalksandstein | Tragfähigkeit, Schallschutz | dämmt kaum, hohes Gewicht | tragende Wände, Innenwände |
| Porenbeton | Wärmedämmung, leichte Verarbeitung | mäßiger Schallschutz | monolithische Außenwände, Trennwände |
| Beton- und Leichtbetonstein | robust, günstig | wird meist verputzt | Keller, Garagen, Gartenbau |
| Naturstein | Optik, Langlebigkeit | teuer, aufwendige Verarbeitung | Gartenmauern, Denkmalpflege |
Einschalig oder zweischalig mauern?
Einschaliges Mauerwerk besteht aus einer einzigen Wandschicht, die Tragen, Dämmen und Wetterschutz gleichzeitig übernimmt, zweischaliges Mauerwerk verteilt diese Aufgaben auf zwei getrennte Schalen.
Monolithische Außenwände aus porosierten Ziegeln oder Porenbeton kommen ohne zusätzliche Dämmung aus, alternativ wird eine einschalige Wand aus Kalksandstein außen gedämmt und verputzt. Beim zweischaligen Mauerwerk trägt die innere Schale das Haus, während eine vorgesetzte Außenschale den Schlagregen abhält, dazwischen liegen eine Luftschicht, eine Kerndämmung oder beides. Bleibt die Außenschale sichtbar, spricht man von Verblendmauerwerk, das vor allem in Nord- und Westdeutschland ganze Straßenzüge prägt. Die zweischalige Bauweise kostet mehr Geld und Platz, belohnt dafür mit einer extrem langlebigen und wartungsarmen Fassade.
Welche Mauerverbände gibt es?
Der Mauerverband legt fest, wie die Steine über die Schichten hinweg angeordnet werden: Üblich sind Läuferverband, Binderverband und Blockverband. Allen gemeinsam ist, dass die Stoßfugen zweier Schichten nie direkt übereinanderliegen dürfen, denn erst dieser Versatz, das Überbindemaß, macht die Wand stabil.
- Läuferverband: Alle Steine liegen mit der langen Seite in Wandrichtung, jede Schicht ist um einen halben oder viertel Stein versetzt. Er ist der Standard für schlanke Wände und eignet sich auch für Heimwerkerprojekte wie eine selbst gemauerte Gartenmauer.
- Binderverband: Die Steine liegen quer zur Wandrichtung, sodass dickere Wände entstehen. Er kommt vor allem bei 24 cm starken Wänden zum Einsatz.
- Blockverband: Läufer- und Binderschichten wechseln sich regelmäßig ab. Der Verband gilt als besonders stabil und wird gern bei Sichtmauerwerk gezeigt, eng verwandt ist der Kreuzverband mit zusätzlich versetzten Läuferschichten.
Neben dem Verband entscheidet der Mörtel über die Qualität der Wand: Klassische Steine werden mit Normalmörtel in circa 12 mm dicken Fugen gesetzt, maßgenaue Plansteine dagegen im Dünnbettverfahren mit wenigen Millimetern Kleberschicht. Wie Sie das passende Mischungsverhältnis treffen, zeigt der Beitrag zum Mörtel mischen.
Was kostet eine gemauerte Wand?
Das Mauern einer Wand kostet inklusive Material und Arbeit meist 60 bis 150 € pro m², je nach Steinart, Wandstärke und Zugänglichkeit der Baustelle. Beim Material liegen gängige Plansteine aus Porenbeton bei ca. 2 bis 5 € pro Stück, Kalksandstein bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Den größeren Anteil machen die Arbeitskosten aus, Maurerbetriebe rechnen mit Stundensätzen von 45 bis 65 €. Sichtmauerwerk liegt wegen des höheren Anspruchs an Steine und Fugenbild am oberen Ende der Spanne, verputzte Wände aus Plansteinen am unteren. Eine detaillierte Aufschlüsselung nach Wandtyp finden Sie im Ratgeber zu den Kosten für Mauerarbeiten, die Einordnung ins gesamte Bauprojekt liefert der Überblick zu den Rohbaukosten.
Welche Schäden treten an Mauerwerk auf?
Die häufigsten Mauerwerksschäden sind Risse, aufsteigende Feuchtigkeit und Frostschäden an Fugen und Steinen. Feine Putzrisse sind oft harmlos, durchgehende oder wachsende Risse können dagegen auf Setzungen hindeuten und sollten fachmännisch beurteilt werden, der Beitrag über Risse in der Wand hilft bei der ersten Einordnung.
Steigt Feuchtigkeit aus dem Erdreich in der Wand auf, ist meist eine defekte oder fehlende Horizontalsperre die Ursache, hier schafft eine Mauertrockenlegung Abhilfe. Abplatzende Steinoberflächen und ausgewaschene Fugen entstehen, wenn Frost auf durchfeuchtetes Mauerwerk trifft. Was die Instandsetzung im Einzelnen kostet, zeigt der Ratgeber zu den Kosten der Mauerwerkssanierung.
Was Sie sonst noch über Mauerwerk wissen sollten
Welcher Mauerstein ist der beste für den Hausbau?
Den einen besten Stein gibt es nicht, die Wahl folgt den Anforderungen: Porosierte Ziegel und Porenbeton ermöglichen gut dämmende monolithische Außenwände, Kalksandstein bietet maximale Tragfähigkeit und Schallschutz, braucht aber eine Dämmschicht. Wer schlanke Wände und ruhige Räume will, kombiniert deshalb häufig mehrere Steinarten in einem Gebäude.
Wie dick muss eine tragende Wand sein?
Tragende Innenwände aus Mauerwerk sind in der Regel mindestens 11,5 cm dick, üblicher sind 17,5 cm und mehr. Bei Außenwänden hängt die Stärke vom Aufbau ab: Monolithische Wände erreichen 36 bis 49 cm, gedämmte Kalksandsteinwände kommen mit einer Tragschale von 17,5 cm aus. Verbindlich ist immer die statische Berechnung für das konkrete Gebäude.
Was unterscheidet Mauerwerk von Beton?
Mauerwerk wird Stein für Stein mit Mörtel gefügt, Beton dagegen flüssig in eine Schalung gegossen, wo er zu einem monolithischen Bauteil aushärtet. Beton trägt höhere Lasten und bleibt als Sichtbeton gestalterisch reizvoll, Mauerwerk ist auf kleineren Baustellen flexibler und kommt ohne Schalung aus. Im Hausbau ergänzen sich beide, etwa beim Betonkeller unter gemauerten Geschossen.
Kann man eine Wand selbst mauern?
Nichttragende Wände und Gartenmauern sind für geübte Heimwerker machbar, eine Anleitung mit Werkzeugliste gibt der Beitrag zum Mauer selber bauen. Im Außenbereich empfiehlt sich Trasszement, weil er Ausblühungen vorbeugt. Tragende Wände gehören dagegen in die Hand eines Fachbetriebs, weil Statik und Bauvorschriften eingehalten werden müssen.
Wie lange hält eine gemauerte Wand?
Massives Mauerwerk zählt zu den langlebigsten Bauweisen überhaupt: Gut geschützte Wände überdauern problemlos 80 bis 100 Jahre und mehr, viele Altbauten beweisen das seit über einem Jahrhundert. Voraussetzung ist, dass Fugen, Putz und Abdichtung instand gehalten werden, damit Feuchtigkeit und Frost der Substanz nicht dauerhaft zusetzen.





